(G)Story: Gran Turismo 7: Wenn MTs zum Problem werden

Ich mag Gran Turismo! Vor über 20 Jahren war es genau dieses Spiel, welches meine Freude am Fahren, an schnellen Autos und dem Rennspiel-Genre im allgemeinen entflammte. Es ist ja nicht so, als gäbe es Mikrotransaktionen erst seit Gran Turismo 7. Warum es aber genau dieses Spiel sein muss, das mir erneut vor Augen hält, warum ich MTs so abgrundtief hasse, macht mich einfach traurig.


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Zum Launch von GT Sport vor ein paar Jahren schien die Welt noch in Ordnung. Da gab es Mikrotransaktionen noch nicht, zumindest zum Launch. Die wurden dann klangheimlich mit einem späteren Update quasi durch die Hintertür eingeschleust. Frech! Diese fadenscheinige Praktik ist aber mittlerweile gang und gebe, schliesslich kann man so einen Shitstorm der Community (oder die eine oder andere schlechtere Bewertung von Spiele-Redakteuren) zur Veröffentlichung geschickt verhindern.


Gran Turismo 7 macht sich diese Mühe gar nicht erst. Bereits nach wenigen Minuten wird man mit dem Echtgeld-Shop konfrontiert. GT Sport beschränkte den Kaufrausch noch auf Wagenpreise von maximal 2 Millionen Credits. Viele der Traumkarossen musste man sich noch ehrlich erspielen. Damit ist in GT7 definitiv Schluss. Dir fehlt ein Schlitten? Kein Problem. Kauf dir einfach ein paar Gran Turismo Credits et Voilà! Eine Limite wie in GT Sport gibt es nicht, warum auch? Sony würde sich ja viele, viele "Döllers" durch die Lappen gehen lassen, wenn nicht jeder Hinz und Kunz nach Herzenslust auf Shopping-Tour gehen könnte. Sowas nimmt mir einfach die Motivation.


GT7 ist wie Pokémon mit Autos. Man muss – und will - sie alle haben. Dass es manchmal gefühlt mehr ums Sammeln geht als um die eigentlichen Rennen, wird dem angehenden Rennfahrer schon früh klar und ist auch Absicht. Mit einer psychologisch wirkungsvollen Art und Weise wird uns quasi einprogrammiert, jeden Wagen besitzen zu müssen. Der Aufbau des Spiels ist schon dafür ausgelegt. Der Urinstinkt des Menschen als Jäger und Sammler wird erneut schamlos ausgenutzt. Da geht es nicht mehr um Skillz und darum, wie viel Zeit man in ein Spiel investiert. Zeit hat heute ja niemand mehr. Zugegeben, das ist kein GT-exklusives Problem, sondern funktioniert so in quasi jedem Genre und das Übel zeigt sich auch nicht nur hier, sondern fast überall. Auch beim Konkurrenten Forza von Microsoft, wenn auch nicht ganz so drastisch.


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Aber ich möchte mich hier nicht ohne Fakten künstlich echauffieren. Wenn wir ehrlich sind, gibt es eigentlich nur zwei Gründe, ab wann MTs wirklich zum Problem werden. Dann nämlich, wenn man sich A) einen spielerischen Vorteil mit Echtgeld erkaufen kann und B) wenn uns extra Barrieren in den Weg gelegt werden, um langweilige und zeitintensive Repetitionsarbeit zu forcieren, auf die kein Schwein Lust hat. Damit wird man quasi zum Kauf einer «schnellen Abkürzung» genötigt.


Wie in meinem Testbericht erwähnt, fährt man in GT7 eine ziemlich lange Zeit mit lahmen Enten durch die Gegend und manchmal reicht die Auswahl in der eigenen Garage nicht, um an einem bevorstehenden Event teilzunehmen. Ein Schelm wer denkt, dass dies keine Absicht ist, um vielleicht doch den einen oder anderen ungeduldigen Zeitgenossen zum Zücken des Geldbeutels zu bewegen.


Spätestens beim Beenden der Karriere stellt jeder fest, dass man noch lange nicht alle der 420 Wagen im Spiel besitzt und die bis anhin erspielte Kohle nicht einmal ausreicht, um sich wenigstens noch den einen oder anderen fehlenden Luxus-Schlitten zu gönnen. Forza hat das mit seinen Wheel-Spins besser gelöst. In GT7 stellt sich öfters die Frage, ob man sich gelangweilt zum 48zigten Mal in Rennen Nr. 34 stürzt, oder einfach kurz-spitz die Kreditkarte zückt. Spass sieht anders aus.


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Nehmen wir als Beispiel mal den von mir geliebten Porsche 917k. Der kostet nämlich mal eben schlappe 18'000'000 in-game Credits. Nur damit ihr die Relationen seht: 2'000'000 in-game Credits kosten euch 21.- Franken. Der erwähnte Porsche würde demnach mit 188.- Franken zu Buche schlagen. WTF!? Ihr seht schon: The grind (und das Zähneknirschen) is real!


Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das alles freiwillig sei und man sich darüber nicht aufregen solle. Es sind ja schliesslich «optionale in-game Käufe» und Sony wird in Zukunft sicher ein paar kostenlose Strecken und Wagen hinzufügen. Ich sage Mumpitz! Es gibt keine berechtigte Entschuldigung dafür, solche Praktiken in einen Vollpreistitel dieses Kalibers einzuflechten. Der Grund ist pure Geldgier. Punkt. Wäre Gran Turismo nicht so ein grosser Name oder wärs ein Free2Play Handy Game, könnte ich vielleicht gerade noch darüber hinwegsehen. Unter den gegebenen Umständen leider nicht und ich ziehe allen Spielen Wertungspunkte ab, die sich solche Methoden zu Nutze machen.


Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Gran Turismo 7 deswegen kein schlechtes Spiel ist. Um Himmels willen, es ist sogar richtig gut und ich habe jede Menge Spass damit. Vielleicht ärgert es mich aber genau deswegen umso mehr. [sb]


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