(G)Story: NFTs in AAA-Games - Der Anfang vom Untergang

In den letzten zehn Jahren versucht die Spieleindustrie immer öfter, uns Spielern mehr und mehr Mist aufzuzwingen. Zuerst waren es kostenpflichtige Online-Pässe, mit denen der aufkeimende Markt für Gebrauchtspiele unterbunden werden sollte. Dann kamen die Loot-Boxen, die uns zwangen, entweder echtes Geld auszugeben oder uns auf stundenlanges Grinden einzulassen, nur um einen zufälligen Skin oder ein anderes Item zu erhalten, das wir möglichweise überhaupt nicht wollen oder gar brauchen. Eine Erfolgsgeschichte für die Hersteller und das, obwohl die ganze Welt Loot-Boxen und Mikrotransaktionen zu hassen scheint. Merkwürdig, oder?


Nicht wirklich, denn wir befinden uns in einem Zeitalter der Individualisten. Jeder will etwas Besonderes sein, und kein "Schäfchen" unter vielen. So ein einzigartiger Skin für wenig Geld passt da doch wunderbar. Wir sollten uns aber zweimal überlegen, welche Konsequenzen die "paar Fränkli" für uns Spieler auf lange Sicht haben.


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Auch wenn es sich bislang meist nur um kosmetische Gegenstände handelt, fördert das System nur Schlechtes zu Tage. Und man spielt mit unserer Angst. Angst etwas zu verpassen, vor allem während zeitlich begrenzter Events, bei denen einmalige Items angeboten werden. In jüngster Zeit hat die Einführung von Battle-Pass-Mechanismen in Online-Spielen auch dazu geführt, dass die Spieler immer nur ein Spiel zur gleichen Zeit spielen können. Mehr ist zeitlich gar nicht drin. Man will ja schliesslich nichts verpassen, wenn man schon Geld für einen Battle- oder Season-Pass ausgegeben hat. Spielen wird so zu Arbeit und führt zu Stress. Das genaue Gegenteil von dem, wofür wir eigentlich Spiele spielen.


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Und nun kommt Ubisoft daher und meldet, dass sie als nächstes NFTs in ihren Spielen einführen wollen. Unter dem Namen "Ubisoft Quartz" wird diese neue Blockchain-Technologie gerade mit Ghost Recon: Breakpoint getestet. Spielern wird es damit möglich sein, digitale Gegenstände zu erwerben, zu tauschen und zu verkaufen. Diese Gegenstände werden als "Digits" bezeichnet. Das Ganze fühlt sich wie ein weiterer Wendepunkt in der Spieleindustrie an und wenn wir als Spieler das einfach so durchwinken, ist das genau die stillschweigende Bestätigung, die der Rest der Branche braucht, um sich in den Vollzeit-Krypto-Wahnsinn zu stürzen.


Was sind NFTs?


Non-Fungible Tokens (Deutsch: "nicht-austauschbares Objekt"), oder NFTs, sind echtem Geld und Kryptowährungen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich aber in dem Sinne, dass bei Geld und Kryptowährungen das eine immer gleich dem anderen ist. Ein Franken ist ein Franken, egal wer in besitzt. Auch wenn der Wert z.B. von Bitcoin schwankt, ist ein einzelner Bitcoin für jeden Besitzer immer gleich viel wert. NFTs unterscheiden sich dahingehend, dass jedes Stück seine eigene digitale Signatur besitzt, was bedeutet, dass keine NFT, selbst wenn sie das gleiche Bild, Skin oder Sammlerstück zeigt, jemals den gleichen Wert hat.


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Ursprünglich wurden NFTs erfunden, damit Künstler ihre Werke im digitalen Zeitalter besser vermarkten können, indem sie ihre Werke direkt an den Konsumenten verkaufen. Jene kaufen aber lediglich eine Quittung für das Werk eines anderen. Luft für Geld sozusagen. Es ist ein ziemlich verwirrendes Durcheinander, das es ermöglicht, praktisch nichts zu exorbitanten Preisen zu verkaufen. Kommt noch dazu, dass NFTs im Allgemeinen auch noch Umweltschäden verursachen. Das Mining von Kryptowährungen allein verbrauchte in den letzten Jahren ja schon eine enorme Menge an Energie. Millionen von PCs, die auf irgendwelchen Server-Farmen einfach Tag und Nacht vor sich hin laufen. Mehrere Studien belegen, dass allein die Bitcoin-Emissionen in den nächsten 30 Jahren eine Erderwärmung von rund 2 Grad Celsius verursachen könnten, wenn das so weiter geht.


Ubisoft hat erklärt, dass Quartz von Tezos angetrieben wird, was angeblich weniger Energie verbraucht als Mining von beispielsweise Bitcoin und Ethereum. Ausserdem können Spieler immer nur eine Ausgabe eines Digits besitzen. Man kann also theoretisch nicht einen extrem seltenen Skin horten um sie dann, wenn der Wert gestiegen ist, alle auf einmal zu verkaufen. Trotzdem haben sie sich mit Quartz für eine Praxis entschieden, die letztlich dazu dient, Menschen und der Umwelt insgesamt Schaden zuzufügen. Für Profit. Die Freigabe dieser Gegenstände durch Tezos bedeutet ja nicht, dass die Gegenstände nicht auch auf anderen NFT-Marktplätzen gehandelt werden.


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Ein gefundenes Fressen für Betrüger


Es gibt viele Bedenken, dass NFTs für betrügerische Machenschaften genutzt werden können, da es sich um einen neuen, unregulierten Markt handelt, der es jeder Person erlaubt, zu lügen und zu manipulieren, um den eigenen Gewinn zu maximieren. NFTs sind somit eine Brutstätte für Internet-Ganoven. Schaut man in Richtung der FIFA Spiele, so werden dort täglich Accounts gehackt, um wertvolle Spieler und Währung zu klauen und weiter zu verkaufen. NFTs in einem Videospiel haben potentiell einen höheren Wert als gewöhnliche NFTs, die auf Kunst oder Musik basieren, einfach weil sie etwas sind, das unsere Spielfigur auch wirklich benutzen und ausrüsten kann. Millionen von Menschen kaufen sich bereits heute digitale Kleidung, um in ihrem Lieblingsspiel anders auszusehen, als alle anderen. Wie im echten Leben will man sich von der Masse abheben, was Besonderes sein.


Im Vergleich zum echten Leben ist das Problem in Spielen, dass der Vorrat an diesen "NFT Kosmetika" von den Anbietern künstlich begrenzt wird, um deren Wert zu kontrollieren und zu manipulieren. Zudem; was hält denn jemanden davon ab, einen raren NFT Skin an ein paar Proxy-Accounts zu verkaufen, um den Wert dieses eigentlich bedeutungslosen Gegenstands künstlich aufzublähen, bevor man ihn an leichtgläubige Spieler verkauft? Mit der Einführung von Quartz unterstützt Ubisoft diesen Trend und normalisiert damit NFTs als Ganzes. Ein multinationaler Spielegigant würde sich doch niemals auf etwas Schlechtes einlassen, oder?


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Wenn NFTs zur Sucht werden


Wer gerne einen Eindruck davon bekommen möchte, wie unkontrollierter Schwachsinn in Aktion aussehen kann, muss nur mal in Richtung CS GO schielen. Spieler können dort ihre Skins dazu verwenden, um weitere, höherwertige Skins zu erspielen. Der Clou ist, dass das ganze Skin-Glücksspiel ausserhalb der Zuständigkeit von Valve über Apps von Drittanbietern erfolgt. Die Tatsache, dass Ubisoft eine Gemeinschaft von Spielern fördern will, die sich gegenseitig quasi ausraubt, lässt mich nur traurig und bestürzt in die Zukunft blicken. Was bekommt ihr denn für euer Geld? Ein bisschen Luft mit Serien-Nummer!


Ubisoft Quartz ist bestenfalls ein schwacher Versuch, von einer neuen Modeerscheinung zu profitieren, und schlimmstenfalls ein gefährlicher Präzedenzfall. Es ist Zeit einen Strich zu ziehen. MTs und Season-Pässe werden sicher nicht mehr verschwinden, wir brauchen nicht auch noch NFTs. Denkt bitte daran, dass ihr den Wandel der Branche mit eurem hart verdienten Geld beeinflusst. Lasst euch nicht auf sowas ein, auch wenn es euch in den Fingern juckt. Sonst werden wir es alle früher oder später bereuen, wenn wir uns gegenseitig ausbeuten und kannibalisieren.


Als Chef-Redakteur und Inhaber von The(G)net setze ich dahingehend ein klares Statement: Dieser Bericht wird das letzte Mal sein, wo wir NFTs auf unserer Webseite erwähnen.


Den Unmut der Spieler bekommt Ubisoft übrigens gerade voll zu spüren: Der Trailer zu Quartz bei YouTube ist nicht mehr gelistet, nachdem das Video mehr als 29.000 Mal mit "Mag ich nicht" von Usern markiert wurde - das entspricht 96 Prozent der Zuschauer. [sb]

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