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The(G)net Review: Alan Wake 2

Ganze 13 Jahre ist es her, seit Alan Wake erschienen ist. Ein Spiel und eine Erfahrung, die mich damals gepackt und fasziniert hat. Das Remaster von 2021 hat zwar einige Mängel offenbart, aber erneut gezeigt, dass seine Stärken den Zahn der Zeit überdauert haben. Deshalb habe ich dem Release von Alan Wake 2 durchaus optimistisch entgegen gefiebert. Meine Erwartungen wurden eindeutig übertroffen, denn Alan Wake 2 ist nichts weniger als ein Meisterwerk!


Alan Wake 2 Test Review Testbericht Xbox Series PlayStation

Alan Wake 2 spielt passenderweise ebenfalls 13 Jahre nach den Geschehnissen des Erstlings. Alan ist noch immer in der dunklen Welt gefangen und sucht seit mehr als einem Jahrzehnt nach einem Ausweg aus seiner Hölle. Gleichzeitig treibt Mr. Scratch, Alan's böser Doppelgänger, sein übles Spiel sowohl mit Alan als auch mit seiner Frau. Nicht nur das, denn Bright Falls, die Stadt, in der sich die Ereignisse des ersten Teils abgespielt haben, wird von einer Mordserie heimgesucht.


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Nach einem hervorragenden Cold Open, der das Setting für das kommende Spiel setzt, übernimmt man zuerst einmal die Kontrolle über Saga Anderson. Sie ist eine FBI Agentin und kommt zusammen mit ihrem Partner Alex Casey nach Bright Falls, um mehrere mysteriöse Morde zu untersuchen, die in Verbindung mit einem Kult stehen. Aber keine Angst, denn neben ihr spielt man genauso viel mit Alan Wake höchstpersönlich. Beide Figuren haben ihre eigenen Storylines, die sich aber an allen Ecken und Enden immer wieder überschneiden. Sind die ersten Kapitel von Saga und Alan abgeschlossen, hat man die freie Wahl welcher Geschichte man zuerst folgen will. Es steht einem frei, beide Storylines Kapitel für Kapitel voranzutreiben oder zuerst die eine komplett abzuschliessen, bevor man sich der anderen widmet. Das klingt nach einem furchtbaren Durcheinander was das Storytelling angeht, aber es funktioniert überraschenderweise perfekt. Je nachdem in welcher Reihenfolge man sich an die beiden Charaktere wagt, hat man einen anderen Blickpunkt auf die Geschichte. Es ist ein Zeugnis dafür, wie gut die Story und ihre Erzählweise ist und verdient viel mehr Lob als ich hier geben kann. Ihr könnt das Spiel übrigens problemlos ohne Kenntnisse des Vorgängers oder anderer Spiele von Remedy geniessen. Es ist in sich schlüssig und unterhaltsam. Wer aber Alan Wake, American Nightmare, Control oder Quantum Break kennt, wird den vielen Kleinigkeiten und Referenzen mehr abgewinnen können.


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Dazu zählt auch die Nutzung von mehreren Medien, wie man es bereits von Remedy gewohnt ist. Quantum Break setzt beispielsweise auf eine Live Action Serie welche eine parallel laufende Geschichte erzählt und in Control wurden einige Szenen in Live Action geschossen, was eine tolle stilistische Wahl ist. Alan Wake 2 scheint aber die Kulmination all dieser Experimente für die Entwickler zu sein. Es ist einfach eine Wonne wie Live Action Segmente, Zwischensequenzen und Gameplay fliessend ineinander übergehen. Dazu zählen unter anderem die Werbespots von Ilmo und Jaakoo Koskela, welche man auf Fernsehern in der Spielwelt zu sehen bekommt. Gespielt werden die Zwillinge von Peter Franzén (den viele von euch aus der TV-Series Vikings kennen dürften) und jeder der Spots hat bei mir für neue Lachanfälle gesorgt, weil sie unglaublich witzig sind. Auch Ilka Villi, das Gesicht von Alan Wake, bietet eine fantastische Performance als titelgebende Spielfigur und furchteinflössender Antagonist Scratch. Ebenfalls erwähnenswert ist Sam Lake, welcher nicht nur das Gesicht von Remedy (und Max Payne) darstellt und für die Story des Spiels verantwortlich ist, sondern auch gleich den Live Action Part von Alex Casey übernimmt. Er hat sichtlich Freude auf dieser Bühne.


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Alex Casey ist auch ein weiteres, gutes Beispiel dafür, wie genial Alan Wake 2 geschrieben ist. Einerseits ist Casey ein FBI Agent und Partner von Saga Anderson und in der digitalen Form wird er zu "Sam Lake". Andererseits ist Alex Casey auch die fiktive Hauptperson in der berühmten Ingame-Buchreihe von Autor Alan Wake. In den Live Action Segmenten spielt Sam Lake den Schauspieler, der in den Verfilmungen von Wakes Büchern die Hauptrolle miemt. Alan Wake 2 ist einfach nur Meta bis zum Knochenmark. Es spielt nur so mit den Erwartungen der Spieler, nur um sie komplett auf den Kopf zu stellen oder gewollt in andere Richtungen zu manövrieren. Es ist nicht einfach über die Story und den Flow zu reden ohne sie zu spoilern, weshalb ich hier sehr vage bleibe. Die Story ist aber ganz klar das Aushängeschild von Alan Wake 2 und alle anderen Elemente wie Gameplay, Sound und Grafik sind dazu da, diese in voller Pracht glänzen zu lassen. Alles arbeitet wie eine gut geölte Maschine und kann auf dieser Art und Weise nur als Videospiel präsentiert werden. Die Live Action Sequenzen funktionieren so gut, weil sie in Tandem mit dem Gameplay auftreten. Aus meiner Sicht ist Alan Wake 2 schon allein dafür ein echtes Kunstwerk der modernen Welt.


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Im Gegensatz zu seinem Vorgänger haben wir es jetzt auch mit einem waschechten Survival-Horror Game zu tun, bei dem weder der Horror-, noch der Survival-Aspekt zu kurz kommt, denn die Stimmung ist extrem düster und bedeutungsschwanger. Obwohl oft nichts passiert, schafft es Alan Wake 2 einem das Gefühl zu geben, dass jede Sekunden etwas Schreckliches um die Ecke kommt. Dazu gehören unter anderem heftige Jump Scares, von denen ich eigentlich absolut kein Fan bin. Sie werden hier aber richtig eingesetzt und dienen dazu, das sowieso schon erdrückende Feeling zu unterstreichen. Trotzdem hat es vielleicht ein paar Jump Scares zu viel und ich schwöre, dass ich aus Schreck nicht nur ein Mal den Controller durch das Wohnzimmer geworfen habe.


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Der Survival-Aspekt zeigt sich im Gameplay. Vorbei sind die Tage in denen Alan sich gegen zig Wellen dutzender Schattenmonster durchsetzen musste. Gegner sind seltener, wodurch man mehr Zeit zum Durchatmen und Erkunden der Spielwelt hat. Dafür sind die Gegner auch deutlich knackiger, halten mehr aus und können nicht mehr stumpf mit einem schnellen Einsatz der Taschenlampe betäubt werden. Ressourcen sind stark limitiert und jeder Kampf fordert den geschickten Einsatz von allem, was man zur Verfügung hat. In den Kämpfen selbst muss man immer noch durch den Einsatz der Taschenlampe oder einer anderen Lichtquelle den Schattenschild der Gegner zerstören, bevor man sie mit der Knarre erledigen kann. Dieser Schild regeneriert sich, weshalb es gutes Timing erfordert, wenn man diesen bricht und zum Angriff übergeht. Mehr als einmal wurde ich durch nur einen oder zwei Gegner getötet, weil ich nicht gewillt war meine Ressourcen zu verschwenden oder wurde von ihnen einfach überrumpelt. Das Gunplay fühlt sich wuchtig an und die Steuerung sowie der Umgang mit den Waffen ist zwar nicht ganz so reibungslos wie man es sich vielleicht wünschen würde, erfüllt seinen Zweck aber auf jeden Fall.


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Obwohl der Anteil der Kämpfe zwar deutlich runtergeschraubt wurde, gibt es trotzdem immer wieder einige wirklich epische Sequenzen. Wer sich noch an das geniale Ashtray Maze aus Control erinnert darf sich freuen, womit das finnische Studio dieses Mal glänzt! Gerätselt wird aber auch jede Menge und Alan und Saga haben dabei ähnliche, aber spielerisch unterschiedliche Mechaniken spendiert bekommen. Saga ist eine fantastische Ermittlerin, mit fast schon übernatürlichen Fähigkeiten. Sie hat einen Mind-Place, einen Geistespalast, in welchem man an einer Tafel Beweise, Zeugenaussagen und andere Informationen richtig anordnen muss. Dadurch zieht sie neue Schlüsse, welche einem weitere Ansätze für den Ermittlungsverlauf oder einfach mehr Story bieten. Alan hingegen kann als Schreiberling in einer anderen Welt direkt Einfluss auf seine Umgebung nehmen. Beispielsweise muss man in einem Hotel bestimmte Informationen finden, welche man nach und nach aufdeckt. Im Hotel wurde eine immersive Theatererfahrung ausgeführt, nach welcher es zu einem Mord kam. An Alans geistiger Tafel kann man dann verschiedene Bereiche des Hotels, wie die Lobby oder den Ballsaal auswählen und sie mit verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte verbinden. Wie sah es im Ballsaal vor der Aufführung aus? Was tut sich im Eingangsbereich, wenn man diesen mit der Information, dass es im Hotel angeblich spukt, verbindet? Man klickt die verschiedenen Punkte an, Alan schreibt die Story um und die Location verändert sich im Spiel vor den eigenen Augen in Echtzeit. Es sind nicht nur interessante Ansätze und Rätsel die einen herausfordern, sondern sie passen auch hervorragend zur Geschichte des Spiels.


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Neben dem Gameplay, den Ingame-Zwischensequenzen und Live Action Segmenten bereichert auch der Soundtrack und die Musik wieder das Gesamterlebnis. Wie nicht anders zu erwarten von Remedy fügt sie sich nahtlos ins Spiel ein und macht es dadurch nur noch intensiver. Das Kapitel “We Sing", zu dem ich gar nicht mehr sagen will als den Titel, ist exzellent und dürfte jedem Spieler eine wahre Freude sein. Ebenfalls erstklassig sind, wie schon erwähnt, die Darbietungen der Schauspieler und Synchronsprecher. Dabei dürfen sich Fans des Remedy Connected Universe auf viele Begegnungen mit bekannten Gesichtern freuen. Es ist ausserdem ein wunderschönes Spiel geworden, das bei mir auf der Xbox Series X durchgehend mit einer flüssigen Bildrate im Performancemodus lief. Ladezeiten, die einen aus der Atmosphäre reissen, gibt es in diesem Sinne nicht. Diese werden geschickt versteckt. Seien es die düsteren Wälder rund um Bright Falls oder der von Neonlichtern geschmückte Dark Place, das Spiel sieht stets fantastisch aus und kann einen optisch voll und ganz in seine Welt holen.



Fazit:

Alan Wake 2 ist ein Kunst- und Meisterwerk. Von Anfang bis Ende packend, atmosphärisch und spielerisch ebenso unterhaltsam, ist es ein Fiebertraum verschiedener Medien. Es nutzt diesen Multimedia-Ansatz nicht nur geschickt, sondern meisterhaft. Rückblickend betrachtet wirkt es, als wären alle von Remedy bisher veröffentlichten Spiele nur Probeläufe für dieses eine, atemberaubende Abenteuer gewesen. Wer auf Horror steht und sehen will, wozu das Medium Videospiel fähig ist, darf sich Alan Wake 2 auf keinen Fall entgehen lassen. Manchmal fühlt sich das Schiessen ein wenig zu träge an und die Jump Scares kommen vielleicht ein bisschen zu oft zum Zuge, das tut dem Spiel aber absolut keinen Abbruch. Es ist eine fantastische Erfahrung, die man einfach selber gemacht haben muss!


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Alan Wake II ist für PC, Xbox Series X|S und PlayStation 5 erhältlich. Wir haben uns die Xbox Series X Version angesehen. Das Test-Muster stammt von Remedy, wofür wir uns herzlich bedanken!


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