The(G)net Review: Ni No Kuni: Der Fluch der weissen Königin Remastered

Unser erster Gedanke bei Portierungen und Remakes ist meistens: „Da braucht wohl wieder jemand Geld oder hat einfach keine Ideen für ein neues Spiel“. Manchmal liegen wir auch im Unrecht mit dieser Aussage. Besonders von Nin o Kuni wurden wir eines Besseren belehrt, jetzt da es nun auch für die PS4 veröffentlich wurde. Ich persönlich hatte anno 2013 nur kurz die Möglichkeit es anzuspielen und dann kam auch schon die nächste Konsolengeneration. Ich bin froh, dass ich nun endlich das versäumte Rollenspielerlebnis in einer erst noch aufgehübschten Version nachholen kann.



Nie hätte ich gedacht, dass einmal ein so knuffiges Spiel den Weg auf meine Konsole finden würde. Normalerweise mag ich es laut und düster. Aber irgendwie hat mich der Charme von Ni no Kuni schon auf der PS3 sofort verzaubert und ich wollte mir das Abenteuer unbedingt mal in aller Ruhe zu Gemüte führen. Glücklicherweise habe ich nun mit der Remastered-Version die Möglichkeit dazu.


Die Geschichte, dargestellt im klassischen Mangastil, handelt von Oliver. In den selbstablaufenden Sequenzen vergisst man schnell, dass man eigentlich am Spielen ist. Kein Wunder, denn der Grafikstil stammt vom Studio Ghibli, welches zum Beispiel auch Prinzessin Mononoke entworfen hat. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und auch der Soundtrack passt perfekt zum Zeichnungsstil.



Leider beginnt die Geschichte des Jungens mit einem Schicksalsschlag. Er verliert seine Mutter und durch seine Tränen erweckt er sein Plüschtier zum Leben. Der kleine Gnom (mit einer Laterne an der Nase) heisst Tröpfchen und erzählt Oliver von einer anderen, magischen Welt, einem Paralleluniversum, aus dem er kommt. Daher auch der Titel "Ni no Kuni", was übersetzt „zweite Welt“ bedeutet. Auch dort gibt es Probleme, denn der böse Zauberer Shadar bedroht das Königreich und stiehlt den Menschen positive Eigenschaften wie Mut, Zuversicht oder Güte. Nur Oliver hat die Möglichkeit, diese Eigenschaften zurück zu bringen. Jeder Mensch in unserer Welt hat auch in der Parallelwelt einen Seelenverwandten, der mit ihm verbunden ist. Dieser Aspekt wird später im Spiel noch zum Lösen gewisser Rätsel gebraucht, wenn wir zwischen den Welten hin und her reisen.



In der magischen Welt, die wirklich sehr hübsch und bunt aussieht, treffen wir auf die ersten Monster. Sie spazieren umher und wenn sie uns sehen, greifen sie sofort an. Manchmal kann man aber auch einfach einen grossen Bogen um sie machen, um so dem Kampf zu entgehen. Gekämpft wird theoretisch in Echtzeit. Theoretisch darum, weil die Zeit angehalten wird, wenn wir uns entscheiden, ob wir angreifen, verteidigen oder einen Gegenstand benutzen möchten. Ihr seht, die klassischen RPG-Mechaniken sind vorhanden, aber nicht zu komplex. Mit der Zeit schliessen sich auch weitere Begleiter an und Oliver kann sogar kleine Helfer, sogenannte „Vertraute“, die für ihn kämpfen, befehligen. Ausserhalb der Kämpfe sollte man sich immer mal wieder um diese kümmern, ähnlich wie bei Pokémon. So bekommen die Kämpfe auch etwas Taktik, vor allem bei den Bosskämpfen. Auch die Werte sind mit Gesundheit und Magie schlicht gehalten, was das Spiel auch für Genre-Neulinge interessant macht.



Überhaupt ist Ni no Kuni sehr zugänglich und einfach sympathisch. Das ist wohl auch der Grund, warum ich mich etwas in dieses Spiel verliebt habe. Es muss nicht immer Mord und Totschlag sein. Die Geschichte die hier erzählt wird ist plausibel (sogar für eine Fantasystory und weder übertrieben noch kitschig. Es ist einfach nur grosses Gefühlskino.



Fazit: Lasst euch von der niedlichen (und noch hübscheren) Optik von Ni no Kuni nicht täuschen. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Spiel für Kinder aussieht, hat es sehr viel mehr zu bieten. Es hat vor allem etwas, was vielen anderen Spielen aus diesem Genre fehlt; Charakter und Emotionen. Zwar muss auch hier ein Königreich vom Bösewicht befreit werden, aber zwischen Kämpfen und Zaubern, geht es auch um echte Gefühle, die wir alle selber kennen. So wirkt das Spiel trotz Fantasy-Setting sehr menschlich und sympathisch. Man darf nicht vergessen, dass Oliver ursprünglich aus der realen Welt kommt. Die Idee mit dem Paralleluniversum und den Charakteren, die in beiden Welten vorhanden sind, ist daher auch nachvollziehbar. Zwischen 70 bis 80 Spielstunden muss man investieren, um die komplette Geschichte zu erleben, inklusiver der enthaltenen DLCs. Schade nur, dass nicht alle Texte vertont sind, sondern nur diejenigen in den Zwischensequenzen. Trotzdem kann man sich wunderbar in der Geschichte und der Welt von Ni no Kuni verlieren. Wer also mal wieder eine fantastische Welt mit viel Charisma abtauchen will, sollte hier zugreifen.




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