The(G)net Review: Code Vein

Harte Zeiten für Soulsborne Fans. Sekiro liegt schon mehr als ein halbes Jahr zurück und Elden Ring erscheint im besten Falle Mitte nächsten Jahres. Mit Code Vein will Bandai Namco From Software Paroli bieten und versucht nun mit einer Anime inspirierten Variante am Dark Souls Thron zu rütteln. Schaun mer mal!


Im grosszügig ausgelegtem Charakter Editor, dessen Schwerpunkt im Animestyle Bereich liegt, bastelt ihr euch euren blutdurstigen Avatar zusammen, bevor ihr euch nach dem kurzen Tutorial in die düstere, postapokalyptischen Welt von Code Vein stürtzt. Blut ist ein rares Gut geworden und unerbittert wird um die letzten Hämoglobinreserven gekämpft. Der ominöse BOR Virus verwandelte einen Grossteil der Überlebenden in groteske Monster und nur wer sich genügend des roten Lebenssaftes sichern kann, wird von der Infektion verschont. Um den virenverseuchten Kontrahenten die Stirn zu bieten gehört zur Grundausstattung jeweils ein normaler und starker Angriff, die sich auch kombinieren lassen. Geblockt und pariert wird mit der gewählten Waffe. Schilder sucht ihr in Code Vein vergebens.



Im Gegensatz zum Branchenprimus Dark Souls gibt es keine unterschiedlichen Charakterklassen. Code Veins System gestaltet sich in dieser Hinsicht flexibler. Im Laufe des Spieles schaltet ihr Blutcodes frei, die ihr mit bis zu 8 unterschiedlichen passiven oder aktiven Attributen belegt, von denen ihr mehr als 100 erspielen könnt. Defensive Zocker verschiessen z.B. Energiepfeile und Feuerbälle aus sicherer Distanz und heilen verletzte Kameraden, während agressivere Spieler mit Axt und Breitschwert in den Nahkampf ziehen und mit flinken Ausweichmanövern die Gegner verwirren. So könnt ihr euren Spielstil individuell auf die jeweilige Situation anpassen und seid nicht fix auf einen Kampfstil angewiesen.



Gebunden sind diese Spezialzusätze an sogenanntem Inchor, deren Anzahl limitiert ist. Habt ihr alle Inchor aufgebraucht, sind sie erst wieder einsatzfähig, wenn ihr den Vorrat wieder aufgefüllt habt. Entweder verleibt ihr euch ne Pulle Inchor Juice ein oder besiegt Gegner und Bosse, um wieder auf die Blutcode Attribute zugreifen zu können. Wie beim grossen Bruder Dark Souls ist die Ausdauer des bluthungierigem Protagonisten aber nicht unendlich. Nach ein paar Hieben geht ihm kurzfristig die Puste aus, bis die Ausdauerleiste wieder automatisch aufgefüllt wird und ihr wieder mit voller Stärke eurem Widersachern auf die Pelle rücken könnt.



Aber selbst der stärkste Held benötigt dann und wann eine Pause. Unterwegs trifft ihr auf Energiepflanzen oder die sogenannten Mistels. Die kleineren fügen neue Teile der Levelmap hinzu, die grösseren Mistels dienen als Speicherpunkt, Lebensregeneration, Levelaufwertung, Schnellreiseoption und Nachschlagewerk für die Spielmechaniken, falls ihr im Tutorial nicht aufgepasst habt.


Gefallene Gegner hinterlassen Haze, so nennt sich das spielinterne Zahlunsmittel, mit denen ihr Levelstufen, Attribute, Waffen und Rüstungen aufwertet. Segnet ihr das Zeitliche, verliert ihr sämtliche Devisen. Vom letzten Speicherpunkt ausgehend könnt ihr aber die verlorene Währung wiedererlangen, insofern ihr den Ort eures vorherigen Ablebens lebend erreicht. Hilfreich dabei ist die Minimap, die nicht nur den Fundort der verlorenen Hazes anzeigt, sondern auch jeden eurer Schritte in Echtzeit, damit orientierungslose Zeitgenossen sich in den verwinkelten Abschnitten nicht verlieren.



Gelegentlich belohnen euch versteckte Schatztruhen oder besiegte Monster mit wertvollen Items oder Waffen, die ihr entweder gewinnbringend verscherbeln oder zu eurem Inventar hinzu fügen könnt. In der Heimatbasis, zu der ihr bei jedem Speichermistel immer zurückreisen könnt, trifft ihr neben einigen NPCs auch auf einen Warenhändler und den Schmied, die euch beide hilfreich unter die Arme greifen und z.B Waffen verstärken, diverse Hilfsmittel verkaufen oder regen Tauschhandel mit gefundenen Gegenständen betreiben. Zusätzlich könnt ihr in ein optionales Verlies hinabsteigen, wo ihr Monsterhorden kurz und klein haut und zusätzliches Haze und Items abstaubt. Wer das Aussehen des animelastigen Charakters verändern möchte, darf auch in der Heimatbasis erneut auf dem bereits anfangs erwähnten Charaktereditor zurückgreifen.



Ausgelegt ist das Gameplay auf online Coop oder NPC Unterstützung, was Neulingen die ganze Sache vereinfacht. Wer sich für einen der diversen Kampfgefährten entscheidet, hackt im Duo die Monsterschar und deren Levelbosse zu Kleinholz. Obligatorisch ist dies jedoch nicht und Genreveteranen, die nach einer grösseren Herausforderung suchen, schnetzeln sich ohne Hilfe durch die blutarme Gegend. So kommen Anfänger wie auch Souls-Profis auf ihre Kosten.



Fazit: Eines gleich vornweg: Code Vein kann mit From Softwares Referenztrio nicht mithalten. Die Krone bleibt auch 2019 bei den Erfindern des Soulsborne Genre. Denn Code Vein schwächelt an zu vielen Stellen, um als ernsthafter Konkurrent wahrgenommen zu werden. Einerseits liegt das an der relativ faden Spielewelt, die zwar weitläufiges Erkunden erlaubt, aber mit dem langweiligen, farblosen Leveldesign keinen Architekturpreis gewinnt. Grafisch hätte ich mir von einem Branchenriesen wie Bandai Namco mehr erhofft. Andererseits auch, dass bereits ab dem zweiten Level Gegner, deren IQ geschätzt im mittleren, zweistelligen Bereich liegt, wieder verwurstet werden, zeugt nicht von geballter Kreativität. Das heisst aber nicht, dass Code Vein ein schlechtes Spiel ist. Positiv überzeugen die Blutcodes mit ihrer umfangreichen Anzahl an Kombinationsfähigkeiten, die Raum für etliche verschiedene Kampfstile bieten. Steuerungstechnisch gibt es auch nix zu meckern. Das Eindreschen auf die Bösewichte macht Spass, solange euer NPC Gehilfe nicht mit seinem Riesenhammer den halben Bildschirm füllt, weil dann die Kamera schwächelt. Die teils sehr interessanten Bosskämpfe fordern Neulinge wie Veteranen, besonders mit der Coop Option wurde ein niedriger Schwierigkeitsgrad implementiert, ohne den Spielfluss zu schmälern oder Kompromisse eingehen zu müssen. Zwar ruckelts ab und zu, wenn auf dem Bildschirm zu viel los ist und gewisse Levelteile laden zu spät nach, so das ihr gelegentlich vor einer Nebelwand steht, jedoch liegt das alles im tolerierbaren Rahmen. Code Vein ist kein wertiger Ersatz für die Genregrössen wie Bloodborne und Co. Aber als kleiner Snack zwischendurch, der den Hunger auf zukünftige Titel wie Nioh 2 und Elden Ring ein wenig stillt, reicht Bandai Namco's Blutdrama allemal.



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