The(G)net Review: DIRT 5

Start your Engines and Buckle up! Codemasters digitales Schleudertrauma alias DIRT geht in die 5. Runde. In einem der ersten echten Cross Gen-Titel, quetscht sich unser Protagonist erneut hinter das Steuer eines Rallyboliden und driftet mit Unterstützung von Ford, VW, Mitsubishi und GM einmal rund um den Globus. Wir haben uns die Playstation 4 Version angesehen.



Für Rallyfans gibt es eigentlich keinen Grund zum Klagen. Von Sega Rally, über Shox, Colin McRae bis zu WRC wurde das Nischengenre über die letzten 3 Jahrzehnte stets mit hochklassigen Titeln versorgt. Und selbstverständlich darf die DIRT-Serie dabei nicht unerwähnt bleiben.


Zu Beginn werden wir gleich ohne Umwege und nervige Tutorials ins erste Rennen geschmissen. Mit einem PS-lahmen Kleinwagen messen wir uns auf einer verdreckten Piste in China gegen 11 CPU-Kontrahenten. Sobald die erste 3-Runden-Raserei vorbei ist, landen wir direkt im Karrieremodus. Egal ob wir das Rennen gewinnen oder nicht, wir bekommen je nach Platzierung eine garantierte Gewinnausschüttung in 4-facher Ausführung (Geld, Renn-Punkte, Fame-Punkte und Lackierungen).



DIRT 5s Progressionssystem ist dabei extrem fair. Selbst unerfahrene Rennanfänger schalten zügig die insgesamt 70 Strecken in 10 unterschiedlichen Destinationen frei, die in einer Gabelansicht dargestellt werden. So hat man stets die Wahl zwischen 2 bis 4 neuen Strecken. Generell absolvieren wir 2 bis 3 Runden pro Track, gelegentlich werden aber auch kleinere Missionslevels wie Punktzahl-Driften, Punkt-zu-Punkt Rennen oder Throwdowns (Einzelrennen gegen einen Rivalen) eingestreut. Wer genügend Fame-Punkte sammelt und seinen Ruf verbessert, holt sich maximal zwei unterschiedliche Sponsoren ins Boot bzw. ins Auto und schaufelt dank kleinen Zusatz-Challenges wie z.B. Gegner in der Luft überholen, 10 mal driften, etc. noch mehr Asche und zusätzliche Skill-Punkte auf sein Rennkonto.



Für stetige Abwechslung im Fuhrpark ist dank 12 unterschiedlicher Rennklassen gesorgt, denn selten benutzt ihr den selben Boliden zweimal hintereinander. Nebst der kostenlosen Standardausführung investieren wir, bei genügend Saldo in der Rennkasse, in stärke PKWs. So übernehmen wir das Steuer klassischer Rallywagen, ein andermal geben wir mit Offroad-SUVs Bleifuss oder schlittern mit Formula 2 Stockcars im Oval durch die Gegend.



DIRT 5 ist dabei nicht unbedingt auf Realität getrimmt, und reiht sich eher in die arcadelastige Fraktion wie Sega Rally und Co ein. In der Grundeinstellung sind Fahrhilfen wie passendes Getriebe, ABS oder automatisches Bremsen bereits eingestellt, wir können diese jedoch jederzeit im Optionsmenu deaktivieren oder ändern. Gut möglich, dass wir in seltenen Fällen die Karre aus Versehen an die Wand fahren, uns überschlagen oder den Wagen übersteuern und wertvolle Sekunden verlieren. Per Druck auf das Touchpad werden wir jedoch automatisch wieder auf die Rennstrecke gesetzt.



DIRT 5 lässt euch die Wahl zwischen 6 unterschiedlichen Fahrperspektiven. Während ihr z.B. in der klassischen Ansicht à la Ridge Racer oder Daytona USA aus der 3rd Person-Sicht um die schlammigen Kurven düst und die detailreiche Kulisse bestaunen dürft, steuern Realitätsbegeisterte das Rennen aus der Cockpitsicht. Adrenalinjunkies schalten gleich auf die Egoperspektive, die zwar das intensivste Spielerlebnis bietet, aber einen Grossteil der Hintergrundkulisse einschränkt. Es ist für jedermann/frau etwas dabei.



DIRT 5 setzt auf ein dynamisches Wettersystem. So kann es sein, dass in einem identischen Rennen die Sonne scheint, während es langsam dämmert, aber im nächsten Anlauf es wie aus Eimern giesst, dichter Nebel aufkommt oder wir in der stockfinsteren Nacht auf die Scheinwerfer angewiesen sind. Auch kleine Grafikspielereien wie ein defekter, nicht wieder schliessender Kofferraum, wenn wir von hinten gerammt werden oder die langsame Verdreckung unseres Autos, falls wir durch zu viele Pfützen pflügen, wurden von Codemasters liebevoll implementiert.



Ist der Karriere-Modus vorbei, kann man sich im Arcade-Modus austoben, wo alle erspielten Strecken und Fahrzeuge frei verfügbar sind. Auch die Time Trials verstecken sich hier. In der Garage lackieren wir unsere Wagen um oder schalten weitere Fahrzeuge frei, wenn es die erspielten Devisen hergeben. In der Online Multiplayervariante messen wir uns in diversen Modi ( Vampir, King oder Transporter) mit bis zu elf anderen Mitspielern oder trommeln bis zu 3 Freunde zusammen und rammen uns gegenseitig via Splitscreen von der Piste, was natürlich auch Offline bzw. Lokal möglich ist. Wer danach immer noch nicht genug von DIRT 5 bekommen hat, baut im Playground-Modus per Editor seine eigenen Strecken zusammen und lädt sie hoch, auf die Chance, dass sie in der wöchentlichen Bestenliste auftauchen und von anderen Spielern weltweit ausprobiert werden.



Fazit:

Wer mit der DIRT-Reihe vertraut ist weiss, dass Codemasters generell solide Arbeit abliefert. Und ich kann gleich sagen: bei DIRT 5 verhält es sich nicht anders. Ehrlich gesagt, wenn die Entwickler technisch und grafisch solch eine tadellose Performance auf der originalen PS4 hinlegen, kann ich auf die Next Gen auch noch bis 2021 warten. Nebst Doom Eternal, Last of Us 2 und Ghost of Tsushima überrascht DIRT 5 mit der wohl detailreichsten Grafik, die man auf Sonys Erfolgskonsole finden kann. Ob ich mich in Brasilien über schlammige Schotterstrassen kämpfe und dabei der Zuckerhut und die Copacabana im Hintergrund mich mit einer fantastischen Weitsicht beinahe vom Renngeschehen ablenken, oder ich in Nepal im Hochgebirge über komplett vereiste Strassen eiere, bei DIRT 5 gibt's in diesem Bereich nix zu bemängeln und dabei hält es konstante 60fps, glänzt durch jegliches Fehlen von Clippingfehlern oder aufpoppender Objekte. Bugs, die mittlerweile zum Standardprogramm gehören, suchte ich vergebens. Das bunte Design und die knalligen Farben begeistern, denn bierernste Simulationen sollen andere machen. Hier steht ganz klar Fun und nicht realitätsnahes Gameplay im Vordergrund. Dennoch heisst das nicht, dass die Steuerung nicht anspruchsvoll wäre, siehe Lenkoptionen. Wer DIRT 5 mit Destruction Derby verwechselt, wird nur noch die Rücklichter der Gegners sehen. Ein bisschen Lenken, Bremsen und die ideale Fahrspur wählen muss man schon.



Schon lange hat mir ein Racegame nicht mehr so viel Spass gemacht. Die Gegner KI ist stets fair, wenn auch ab und zu ein lästiger Konkurrent uns auf die Pelle rückt und uns den Sieg kosten kann. Wie schon oben erwähnt gibt es dank der spendablen Gewinnausschüttung keinen Grind in DIRT 5, was nicht nur der Langzeitmotivation zu Gute kommt. Dank der cleveren Gabelstruktur der Oberwelt ist für ausreichend Abwechslung gesorgt. Es kam nicht selten vor, dass ich eine Strecke gleich nochmals wiederholte, weil das Gameplay einfach stimmt und das Streckendesign ganz oben in der Liga mitspielt. Der Fuhrwerk ist angenehm überschaubar und begeistert mit einer Vielzahl an Vehikeln in unterschiedlichen Ausführungen. Klar, es gibt Rennspiele die weitaus mehr Autos bieten, aber hier wird mehr als genug zukünftiges Altmetall geliefert, um auch fanatische Autoenthusiasten zufrieden zustellen. Vom Spielumfang her schöpft Codemasters aus den vollen, treu nach dem Motto: „Mehr geht nicht“. Der Karrieremodus ist schon üppig ausgestattet, wer aber dann noch online rumkurvt oder sein eigenes Streckennetz zusammenbaut, kann locker mehrere Dutzend Stunden in Codemasters Rennorgie versenken. Obwohl das Jahr 2020 dank "Corinna" ein Reinfall war, spieltechnisch wird es in die Videospielgeschichte eingehen und DIRT 5 ergänzt die jetzt schon lange Liste der Softwaregranaten 2020 um ein weiteres Highlight!




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