The(G)net Review: Mafia Definitive Edition

Vom Taxifahrer zum Mafia Don. In Hangar 13's Neuauflage des 2002-Klassikers verschlägt es den Spieler in die fiktive US-Grossstadt Lost Heaven der 1930er Jahre. Wie es sich für einen echten Gangster gehört, sind in Mafia Fahrerflucht, Prügeleien und wilde Schiessereien an der Tagesordnung.


Das Leben war nicht einfach in den Zeiten der Prohibition. Die Polizei war überpräsent, um Alkoholschmugglern das Handwerk zu legen. Die Mafia Clans lieferten sich blutige Revierkämpfe um den lukrativen Schnapsschwarzmarkthandel, während sich die Arbeitslosenzahlen im freien Fall befanden.



Mittendrin treffen wir auf unseren Helden Tommy Angelo. Der Taxifahrer mit bescheidenem Einkommen ist zur falschen Zeit am richtigen Ort. Nach einem missglückten Hinterhalt, verhilft Tommy zwei einflussreichen Mafiosi zur Flucht und wird zum Dank in die Salieri Familie aufgenommen. Doch wer dem Mafia Clan keine Loyalität erweist, hat eine kurze Karriere im Gangsterbusiness. Tommys Tätigkeiten beschränken sich zu Beginn aufs Mafiosi Rumkutschieren und verschiedene, kleinere Aufträge.



Die Salieris stellen Tommy eine Garage zur Verfügung, in der ihr stets Zugriff auf euren erspielten Fuhrpark habt. Das Spiel lässt euch in den meisten Fällen den fahrbaren Untersatz selber wählen, welcher vom knattrigen Motorrad oder schnittigen Sportcoupé, bis zum luxuriösen Rolls Royce reicht. Wer die kriminellen Arbeiten zur Zufriedenheit des Chefs ausführt, steigt schnell die Karriereleiter hoch. Der hauseigene Waffenhändler versorgt euch mit Messern, Baseballschlägern, Knarren und Gewehren, wobei man jeweils nur eine Pistole plus Gewehr aus einer Handvoll Wummen auswählen darf.



Die Missionen im Mafia Remake sind strikte an die Story gebunden, eine freie Auswahl ist dem Spieler nicht gegönnt. In den rund 20 Kapiteln, die sämtliche Aspekte des Ganovenlebens beleuchten und durch zeitgemässe Zwischensequenzen aufgefrischt wurden, gibt es viel zu tun für unseren Mafia-Lehrling. Wenn ihr nicht in dem überschaubaren Lost Heaven von A nach B düst (wobei neuerdings fast alle Fahrten optional sind und auf Wunsch übersprungen werden können), verdrescht ihr zahlungsunwillige Restaurantbetreiber, prügelt euch mit gegnerischen Mafiosi, schmuggelt Alkohol, liefert euch halsbrecherische Verfolgungsjagden mit dem Cops oder wilde Feuergefechte mit verfeindeten Ganoven bzw. den Herren vom Polizeirevier. Dabei sucht ihr ähnlich wie in Gears of War Deckung hinter einer Wand, Boxen usw. und ballert die Fieslinge mit gezielten Schüssen über den Haufen, während ihr per Knopfdruck hinter die nächste Deckung hechtet oder gezielt eine Granate oder Molotowcocktails in die gegnerische Menge werft.



Wer sich in Lost Heaven nicht benimmt und Autos rammt oder Passanten belästigt, hat schnell die Polizei im Nacken, die euch wie in GTA jagen und bei Erfolg festnehmen. Auf Wunsch deaktiviert ihr die Gesetzeshüter und dürft ungebremst für Chaos sorgen. Bis auf vereinzelte Erste Hilfe Boxen oder zusätzliche Munition gibt es keine weiteren Hilfsmittel in Lost Heaven zu finden. Schaut man sich aber fleissig in den Levels um, entdeckt man Sammelkram wie Notizen, die die Storyzusammenhänge vertiefen oder komplettiert euren Fuhrpark mit herumliegenden Comics, die überall in den Missionen versteckt sind. Nach dem Durchspielen des ca. zehnstündigen Mafiaepos, wird der Freeride Mode freigeschaltet und ihr dürft Lost Heaven und die nähere Umgebung ohne Zeitdruck auf eigene Faust erkunden. Hier wartet auch die eine oder andere Überraschung auf euch.



Fazit:

Mafia war eine dieser Serien, die mich nie wirklich interessiert haben, da ich nicht der grösste Fan der 30erJahre Thematik bin. Dementsprechend war ich skeptisch, denn Remakes gibt es mittlerweile genug, aber nur wenige verdienen die Bezeichnung auch. Mafia Definitive Edition gehört ganz klar dazu. Hangar 13 hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um das fast 20-jährige Spiel auf zeitgenössischen Standard zu bringen - und das Resultat ist erstaunlich. Auch wenn bis auf die Missionen in den Gassen und Strassen von Lost Heaven spielerisch nicht viel los ist, war ich immer wieder an der Detailfreude, Weitsicht und abwechslungsreichen Architektur begeistert. Manchmal bin ich einfach in einem der vielen Oldtimer rumgecruised, hab mir die herrlichen Gebäude angeschaut, bevor mich der Mafiosialltag wieder einholte. Auch die Zwischensequenzen haben eine komplette Generalüberholung bekommen, wurden sogar neu vertont und können auch 2020 mit der Konkurrenz mithalten, wenn auch ab und zu die Gesichtsmimik vereinzelter Charaktere eine unfreiwillige Komik entwickeln.



Spieltechnisch sieht man Mafia aber sein Alter an. Alles steuert sich eine wenig klobig, besonders bei hoher Geschwindigkeit artet das Rumfahren in eine wahre Schleuderorgie aus, was mit dem eingebauten Tempomat aber weitgehend verhindert werden kann. Am offensichtlichsten war dies aber beim Gunplay der Fall. Die neue Deckungsoption ist im Grunde eine gute Idee, aber oft sind die Knarren und das Zielvisier so schwammig, dass man glauben könnte, Tommy habe vom illegalen Schnaps genascht. Entweder erledigt ihr die bösen Buben sofort per Kopfschuss oder ihr ballert ein ganzes Magazin auf den heranstürmenden Fiesling und trotzdem erledigt euch der Gegner mit einem gezielten Schuss. Generell lief das ganze rund, jedoch stiess ich zweimal auf einen Bug, wo das Script nicht geladen wurde, und ich entweder bewegungsunfähig im Ingame Dialog fest hing oder eine Animation nicht geladen wurde und so das entsprechende Item nicht greifen konnte. Zwar unschön, aber dank der grosszügigen Rücksetzpunkte nicht spielschädigend. Ehrlich gesagt ist die Mafia Definitive Edition eine der Überraschungen 2020 und ich habe mich dank der unterhaltsamen Story, die jedes Mafiaklischee tadellos erfüllt, und dem abwechslungsreichen Missionsaufbau nie gelangweilt.




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