The(G)net Review: Project Cars 3

Mit Project Cars 3 kehren die Slightly Mad Studios mit ihrem neusten Projekt zurück, und schlagen eine ganz neue Richtung ein. Weg von der Simulation, hin zur schnellen Renn-Action. Unkomplizierter Spass steht im Vordergrund. Wir klären in unserem Test, ob der dritte Teil seinen beiden guten Vorgängern gerecht werden kann.



Insgesamt stehen 211 Rennboliden zur Verfügung, vom klassischen 1957 Ferrari 250 Testa Rossa, über den legendären 2017er Aston Martin DB11, bis hin zum LeMans Prototypen. Alles da, was das Rennfahrer-Herz begehrt. Bei den Strecken hat man 121 verschiedene Layouts, die sich auf 51 Rennlocations verteilen. Zusätzlich zu dieser Masse an fahrbarem Content, bietet Project Cars 3 viele klassische Rennmodi aka Rundstrecken-Rennen, Hot-Laps, wo ihr weder die Bande berühren, noch die Strecke verlassen dürft oder Breakout, wo man Schaumstoffhindernisse durchfahren muss, um Punkte zu sammeln, während die Uhr gnadenlos tickt.



Project Cars 3 hat auch eine Karriere. Diese startet man mit einem recht bescheidenen Gefährt, wie einem 1999 Mitsubishi Lancer Evolution. Damit fahrt ihr in diversen Events auf real existierenden Rennstrecken jeweils zwei bis drei Runden gegen andere Kleinwagen um die Wette. Dabei müsst ihr nicht immer gewinnen, um am Ende auf dem Siegertreppchen zu stehen. Vielmehr geht es um drei Ziele, die ihr erfüllen sollt. Mal müsst ihr eine bestimmte Anzahl saubere Überholmaneuver absolvieren, mal eine bestimmte Zeit im Windschatten eines Gegners verbringen, oder einfach nur eine fehlerfreie Runde fahren.



Ein Qualifying gibt es nicht mehr. Das Wetter ändert sich maximal einmal pro Rennen. Ab und zu fahrt ihr auch mal eine Meisterschaft mit zwei Renn-Events. Kurze, knackige Sofort-Action, die mit Erfahrungspunkten und Spielwährung belohnt wird. Mit den abgeschlossenen Zielen schaltet ihr neue Rennen und höhere Lizenzen frei. Eine gemeisterte Kurve oder ein abgeschlossenes Ziel bringt einen XP-Bonus ein, der sich sowohl auf das Fahrer-, als auch auf das Auto-Level niederschlägt. Sammelt ihr Erfahrung mit einem bestimmten Fahrzeug, erhaltet ihr für jenes Rabatte auf Upgrades. Diese könnt ihr mit der Ingame Währung kaufen. Zudem verwendet ihr Spielgeld, um eure Standard-Gurke auf Wunsch bis zum Hypercar aufzuwerten. Ausserdem könnt ihr euch damit in Events einkaufen, wenn ihr sie nicht durch Spielen freischalten könnt oder möchtet.


Der Karrieremodus ist so gestaltet, dass ihr nach und nach alles erlebt, was Projekt Cars 3 zu bieten hat. Der Weg zu 100% ist lang und anstrengend und führt euch von Road-Serien, über Cup- und GT-Rennserien, bis hin zu den ultimativen LMP-Events. Zusätzlich erhält man nach und nach diverse Einladungen zu speziellen Herausforderungen, was die Spielzeit abermals verlängert.



Immerhin können wir unsere Boliden auch dank neuer Tuning-Optionen kräftig pimpen. Hier ein neuer Satz Renn-Bremsen, dort ein besserer Motor – das hat Auswirkungen auf das Rating, wodurch unsere Wagen in der Fahrzeugklasse aufsteigen. Project Cars 3 legt viel mehr Wert auf Zugänglichkeit als die Vorgänger. Fortgeschrittene Einstellungen wie Reifendruck oder Übersetzung können weniger professionelle Fahrer automatisch einstellen lassen. Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, eure Fahrzeuge auch optisch den eigenen Wünschen anzupassen und diese neuen Designs in allen Spielmodi zu verwenden. Dafür stehen jede Menge Farbvarianten, Logos und andere Design-Elemente zur Verfügung, mit denen ihr eure Autos wirklich unverwechselbar macht. Nicht nur die Motorengeräusche sind für die Reihe gewohnt satt und röhren mit ordentlich Power aus dem Headset, auch die Geräuschkulisse fürs Wetter sind erste Sahne.



Bei den Fahrhilfen dürft ihr neben Dingen wie Traktionskontrolle oder einblendbaren Bremspunkten auf Wunsch zum Beispiel auch eine Brems- und Lenkhilfe zuschalten. Generell ist die Fahrphysik recht gnädig und scheint eindeutig aufs Gamepad ausgerichtet. Erfahrene Spieler deaktivieren Hilfefunktionen und stellen die Gegner-KI ein Stückchen härter ein. Dafür gibt's im Gegenzug mehr Erfahrungspunkte und Credits aufs Konto. So könnt ihr den Schwierigkeitsgrad perfekt auf eure Fähigkeiten abstimmen und werdet dennoch animiert auszuprobieren, ob ihr Features wie Traktionskontrolle oder Bremsassistent wirklich benötigt.



Natürlich gibt's in Project Cars 3 auch einen Multiplayer-Modus. Hier könnt ihr euch mit anderen Fahrern weltweit messen: Schnelles Spiel (für das es erstmals ein Matchmaking auf Basis der Spielerfähigkeit gibt), geplante Events und benutzerdefinierte Rennen stehen zur Verfügung. Geplante Events werden von Slightly Mad gesteuert und finden zu festgesetzten Zeiten statt. Sie sind deutlich umfangreicher als Rennen im Schnellen Spiel. Bei diesen Events müsst ihr eine Qualifikation absolvieren, bevor ihr unterteilt in Fahrergruppen mit ähnlichen Fertigkeiten, gegeneinander antretet. Benutzerdefinierte Rennen geben euch - wie der Name schon sagt - die Möglichkeit, sämtliche Details für eine Multiplayer-Session mit Freunden selbst zu definieren. In allen drei Modi können Autos aus eurem kompletten Fuhrpark genutzt oder ein entsprechendes Fahrzeug geleiht werden, falls nötig.



Dann gibt es noch den Rivalen-Modus, für den die Entwickler in regelmässigen Abständen neue Inhalte zur Verfügung stellen. Hier tretet ihr gegen die Geister (also die besten Rundenzeiten) anderer Spieler an und sammelt sogenannte Rivalen Punkte. Mit denen steigt euer Ranglistenplatz in der Liga. Die besten Spieler eines Monats steigen in die nächst höhere Liga auf, während die Schlechtesten nach unten gestuft werden.

Fazit:

Trotz des stellenweise nervigen Grinds im Karrieremodus holt mich Project Cars 3 selbst nach etlichen Spielstunden immer wieder ans Lenkrad. Um die nächste Meisterschaft anzugehen, eine Bestzeit aufzustellen oder einfach nur mein Auto weiter aufzumotzen. Schliesslich stehen in Project Cars 3 einfach eine riesige Auswahl an Fahrzeugen und Strecken zur Verfügung. Das Ganze bekommt aber auch einen Dämpfer, weil die Präsentation der Karriere recht trocken ist. Ihr absolviert eben einen Event nach dem anderen, bekommt ab und zu noch ein Video zu sehen, das über die eben freigeschaltete Fahrzeugklasse erzählt, während teure Autos in tollen Render-Trailern über die Piste flitzen. Soweit, so bekannt.



Getestet wurde das Spiel auf einer Standard PS4 und auf einer PS4 Pro, was aus meiner Sicht nur bedingt die richtigen Plattformen für Project Cars 3 sind. Grafik-Bugs, Framerate-Einbrüche, matschige Texturen und heftiges Kantenflimmern sind auf der Standard PS4 selbst bei nur einem Dutzend Autos auf der Strecke keine Seltenheit. Auf der Pro schaut das ein wenig besser aus, aber auch hier hatte ich Grafik-Bugs, Framerate-Einbrüche und unschöne Texturen (wenn auch viel weniger). Das nervende Kantenfilmmern hingegen ist auf der Pro kein Thema mehr.


Die Fahrphysik ist recht solide und fühlt sich mit einem Controller sehr gut an. Man hat aber generell häufig das Gefühl, als würde man über Eis fahren. Über andere Peripheriegeräte kann ich leider nichts sagen, da ich z.B. kein Lenkrad besitze. Im Grossen und Ganzen ist es ein gutes Rennspiel geworden. Leider fällt die Optik auf Konsolen stark ab. Der bekennende Project Cars-Fan oder Hardcore Simracer, der mit seinem Lenkrad um Pokale fahren will, ist hier aber vollkommen fehl am Platz, soviel steht fest. Statt knackigem Sim-Racing wie bei den Vorgängern, erwartet uns hier ein einsteigerfreundlicher Arcade-Racer, der es offensichtlich mit Forza Motorsport aufnehmen will und sich dabei fast wie ein drittes Need for Speed: Shift anfühlt.




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