The(G)net Review: The Surge 2

Flugzeugabstürze sind keine angenehme Angelegenheit. Wacht man aber nach so einem Unglück im Gefängniskrankenhaus von New Jericho, (einer postapokalyptischen Industriestadt) auf, in dem gerade eine blutige Revolte im Gange ist, dann weiss man: Die Kacke ist richtig am Dampfen!



Kurz sich im Spiegel hübsch gemacht bzw. im überschaulichen Charaktereditor seinen Avatar angefertigt, schon geht die Action ohne grosse Umschweife los. Glücklicherweise haben die Krankenschwestern vergessen uns die Defibrillatoren abzunehmen und kaum auf die Beine gekommen, haut man dank der Kreislaufkickstarter den ersten Angreifer, eine wildgewordene Killerdrohne, in ihre Einzelteile, bevor euch die meuternden Knastis in den Schwitzkasten nehmen. Doch bald reicht die Angriffspower gegen die agressiven Gefängnisinsassen nicht mehr aus und wir brauchen neue Waffen.



Wie schon im ersten Teil sollte man nach einer kurzen Einführung gezielt per rechtem Analogstick auf die schwachen Körperteile zielen, die gelb angezeigt werden. Sind sie blau, braucht man einiges länger, um den Gegner aufs Kreuz zu legen. Gutes Kampfmanagement ist von Vorteil. Bei Erfolg blitzt das Quadrattasten Symbol auf und ihr terminiert in bester Mortal Kombat Manier mit einem Finisher euer feindliches Gegenüber. Ein weiterer Bonus beim korrekten Angriff ist, dass ihr nicht nur die Waffe des Feindes einsackt, sondern auch deren Rüstungsschematas zu eigen macht. Mit den Blaupausen werden Helme, Brustpanzer sowie Arm- und Beinschutz in der sogenannten Medbay (Speicher, Heilungspunkt und Upgradestation) hergestellt und aufgelevelt. Das gleiche gilt für die erbeuteten Schlag- und Stichwaffen. Doch auch in New Jericho gibt es nichts ohne Gegenleistung. Hier ist Altmetall, welches ihr von erledigten Unholden oder Cargokisten einsammelt, das A und O in Sachen Währungsaustausch. Die Universaldevisen investiert ihr in der Medbay in Lebenspunkte, Ausdauer und Batterienpower oder verbessert Kampfmontur und Waffen. Wer noch Altmetall übrig hat, darf sie in der Medbay bunkern. Denn wer unterwegs erledigt wird, verliert sämtlichen getragenen Zaster und muss wie bei Dark Souls unter Zeitdruck an den Punkt des letzten Todes zurück, damit man die verlorene Kohle wieder erhält. Ansonsten ist das Altmetall futsch.



Zusätzlich Hilfe kommt in Form von Implantaten, die euch unterschiedliche Fähigkeiten und Attribute verleihen, wie z.B. sparsameren Batterieverbrauch, schnelleres Auffüllen der Ausdauerleiste, ersichtliche Energieanzeige eurer Kontrahenten, mehr Itemkapazität etc. Doch auch hier ist die Menge begrenzt, denn ihr dürft nur eine bestimmte Anzahl an Ausrüstung und Hilfsmittel mitschleppen. Je höher ihr auflevelt, um so mehr Kram kann getragen werden. Wie es sich für ein ordentliches Soulslike Game gehört, nagen jegliche Aktivitäten an eurer Stamina und machen euch bei kompletter Entleerung für einen kurzen Moment verwundbarer. Als dritte Anzeige hat Entwickler Deck 13 die Batterieleiste eingeführt. Wer erfolreich auf die Fieslinge einhackt, lädt die Batterien auf und generiert dank dem Heilimplantat verloren gegangene Lebensenergie oder entfernt unwillkommene Statuswerte wie Vergiftungen oder Radioaktivität. Die Batterien halten leider nicht ewig und wer sie zu lange unbenutzt lässt, riskiert nach einer Audiowarnung deren Entladung und muss sie, wie oben erwähnt, durch fleissiges Gemetzle wieder auf Vordermann bringen. Die gewählte Waffe dient auch als Abwehr. Schilde gibt es zwar in The Surge 2, aber die sind nur gewissen Gegner vorbehalten.



Wer in die korrekte Schlagrichting pariert, lähmt kurzzeitig die Schurken und das bietet euch die Chance für eine saftige Combo. Ausweichen kann unser digitaler Kollege natürlich auch. Zwar rollt er nicht durch die Pampa, springt aber flink in alle Richtungen und verschafft sich sichere Distanz zu seinen Angreifern. Zu guter letzt stibitzt ihr dem zweiten Levelboss seine Kampfdrohne. Fortan unterstüzt euch der metallene Sidekick wahlweise mit unterschiedlichen Schiesseisen, Granaten oder Molotovcocktails.



Der Ausnahmezustand in New Jericho bevölkert eine Vielzahl an Subjekten die euch alle an den Kragen wollen. Zu den obligatorischen Levelbossen gesellen sich Cyberjunkies, ballerfreudige Ordnungshüter, granatenwerfende Psychos, Roboterspinnen, Killerdrohnen, hammerschwingende Cyborgs und vieles mehr. Die ganze Palette an Fieslingen hat sich versammelt und versuchen euch in der verwinkelten Spielewelt den Garaus zu machen. Gott sei dank findet ihr immer wieder Abkürzungen, Schleichpfade und Magnetlifte, die euch entweder zur nächsten Medbay dirigieren oder unbemerkt an feindverseuchten Levelteilen vorbei führen.



In der ganzen Hektik verdrescht ihr das New Jericho Gesockse mit zwei unterschiedlichen Schlagvarianten, welche sich kombinieren lassen oder sogar durch längeres Knopfdrücken mehr Schaden verursachen. NPCs helfen euch mit Informationen aus oder schicken euch auf optionale Nebenmissionen. Nach ein paar Stunden findet ihr Unterschlupf im Seaside Court. Neben verbalem Austausch mit NPCs deckt ihr euch in den beiden Shops mit allerlei Items ein und erfahrt mehr über den Hintergrund der chaotischen Zustände in New Jericho. Direktes interagieren mit mehreren Spielern gibt es es in The Surge 2 nicht, dennoch hinterlassen euch die Mitstreiter im online Modus Nachrichten und warnen euch mit kryptischen Graffitis vor aufkommende Gefahren oder hinterlassen ein unsichtbares Avatarhologramm. Stösst ihr auf ein solches, werdet ihr mit Extramoneten belohnt.



Fazit:

Na geht doch! Deck 13 macht fast alles richtig mit ihrem erneuten Ausflug in die Soulsborne Gefilde! Klasse Kampfsystem, kreative Endgegner, faires Gameplay, abgerundet mit eigenen Ideen wie der Hilfsdrohne und dem innovativen Ausrüstungssystem - Mehr kann man sich als Action Adventure Fan eigentlich nicht wünschen. The Surge 2 ist keine schamlose Kopie von Froms Zauberformel, sondern pickt sich das Beste raus, verfrachtet das ganze in ein düsteres Zukunftszenario und würzt es mit eigenständigen Inhalten. Trotzdem gibt es einige kleine Kritikpunkte, die ich so nicht stehen lassen kann. Ich habe ja nix gegen verschachtelte Welten, aber The Surge 2 treibt es auf die Spitze. Alle paar gefühlte Minuten muss ich mich entscheiden ob ich nach links, rechts, nach oben oder unten marschieren will und verliere zuerst mal komplett die Orientierung. Das ist ja eigentlich nicht schlimm, aber dann bitte das nächste mal ne anständige Map. Zwar existiert eine Stadtkarte, aber hier wird nur euer ungefährer Standort im aktuellen Distrikt angezeigt. Ausserdem entdeckt ihr schon in den ersten Spielminuten eine Art Stromkasten zu einem Lift und es wird darauf hingewiesen, dass ihr eine bestimmte Waffe dafür braucht. Diese erkämpft ihr euch aber erst einige Stunden später. Auch das wäre nicht schlimm, nur der sprichwörtliche Haken an der Sache ist die Sache mit dem Haken. Mehrere Male trefft ihr auf eurer Erkundungstour auf Abkürzungen, die sich nur mit einem speziellen Haken benutzen lassen. Irgendwann, nachdem ich auf mehrere Hakenterminals stiess, stellte sich mir die Frage: Hab ich das Ding übersehen? Also wieder zurück und das ganze erste Level durchforstet. Ohne Erfolg! Denn das Ding gibt es erst viel später. So irrte ich unwissend mehrere Stunden rum und wunderte mich auch, dass kein Levelboss auftauchte. Kein Wunder der dritte Boss kommt erst im vierten Abschnitt und dann gleich kaum eine Minute später der vierte Obermotz. Will uns Deck 13 an der Nase herumführen? Ich hätte mir zu Beginn einen kompakteren Einstieg gewünscht und nicht so ein undurchsichtiges Wirrwarr. Die optische Ausführung der Industriewelt ist auch nicht die Spitze der Originalität. Das Setting hat man schon dutzendmal in ähnlicher Form erlebt. Dafür sind die Bosskämpfe erste Sahne. Herausfordernd, aber absolut fair, genauso wie ich es mag! Auch beschenkt uns das deutsche Softwareteam gelegentlich mit hinterhältigen Situationen. So erblickt ich beispielsweise in einem abgelegenen Raum am anderen Ende eine Cargokiste. Der lootgeile Knilch in mir will sich die Beute schnappen, nur um von zwei Fieslingen hinterrücks in die Mangel genommen zu werden. Deck 13 ihr Schlingel! Solche Momente lockern das Spielgeschehen auf und bringen mich persönlich zum Schmunzeln. Warum aber eine Schnellreiseoption fehlt ist mir schleierhaft. Diesen Luxus muss man sich gönnen um in der Oberliga mitzumischen. Backtracking geht bei solch einem Spiel gar nicht. Nichtsdestotrotz ist im gesamten gesehen The Surge 2 eine runde Sache und ich hoffe, dass für ein The Surge 3 Deck 13 die fehlerhaften Komponenten beseitigt.Denn schliesslich sind alle guter Dinge drei!




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