The(G)net Review: Wolfenstein Youngblood

Jetzt gehen die Frauen auf Nazi-Jagd. Im neuesten Teil der Wolfenstein Serie gibt Überheld B.J. Blazkowicz das Zepter an seine beiden Töchter weiter. Und da die Zwillinge sind, lässt sich die Kampagne auch zu Zweit im KoOp durchspielen.

Mit dem Power-Suit geht's leichter!

Seit dem Wolfenstein Reboot mit „The New Order“ bekämpft B.J. Blazkowicz die bösen Nazis nicht mehr im 2. Weltkrieg, sondern in einer alternativen Zeitlinie. In jener haben die bösen Deutschen den Krieg gewonnen, Europa und die USA versklavt. Glücklicherweise haben B.J.s Bemühungen in den letzten drei Spielen Früchte getragen und so wurde zumindest die USA mittlerweile wieder von der Nazi-Plage befreit. Der Held hat sich niedergelassen und mit Frau Anja zwei Töchter in die Welt gesetzt. Diese machen sich jetzt im Jahre 1980 auf ins virtuelle Paris. Europa wird immer noch von den Nazis kontrolliert und B.J. ist dort unter mysteriösen Umständen spurlos verschwunden. Also machen sich Jessica und Sophia daran den guten Papa wieder zu finden. Die beiden Geschwister zeigen sich dabei mindestens ebenso schlagkräftig wie ihr Vater, Power-Suits sei dank!

Neu-Paris ist wunderschön und eine Reise wert, besonders mit einem Freund im Gepäck!

Wolfenstein: Youngblood ist aber keine vollwertige Fortsetzung der Wolfenstein Saga, sondern eher ein Überbrückungs-Häppchen, eine Standalone-Erweiterung, ähnlich wie es der Zombie-Ableger „The Old Blood“ damals war. Das macht sich nicht nur im günstigeren Preis, sondern mitunter auch in der Präsentation bemerkbar. Die Story ist flach, Cutscenes gibt es nur noch wenige und die Figuren erreichen nie den charismatischen Level der Vorgänger. Das Niveau des grandiosen "The New Order" wird zu keiner Zeit erreicht, zumindest nicht erzählerisch. Optisch und spielerisch hingegen serviert Youngblood wieder unterhaltsamste Wolfenstein-Kost. Für das Level-Design ist dieses mal nicht Entwickler Machine Games zuständig, sondern die Jungs von Arkane Studios, die schon mit den Dishonored Spielen ein gutes Händchen für ausschweifende, mit Geheimnissen gespickte Levels bewiesen haben.

Die Gegner schlucken teilweise einfach zu viel Munition

Durch das Erledigen von Feinden erhalten wir XP, die wir in einen umfangreichen Talentbaum investieren. In hunderten Kisten finden wir Loot, um damit Waffen-Upgrades zu kaufen. Das Prinzip des Looter-Shooter wird hier ad absurdum geführt und ja, sogar Mikrotransaktionen haben es ins Spiel geschafft. Das alles mag alten Wolfenstein-Fans sauer aufstossen. Zu Recht. Denen sei aber gesagt, dass gerade Echtgeld keine Rolle spielt, zumindest nicht, wenn man auf (hässliche) Skins verzichten kann. Trotzdem ist ein gewisses Grinding vorhanden, zumal man auch immer und immer wieder dieselben 5-6 Levels besucht, dort etliche Side-Missionen löst und immer und immer wieder die gleichen Nazi-Unholde an den selben Stellen erledigt. Es fehlt an Abwechslung, ganz klar. Gerade dass die Gegner respawnen ist ätzend, weil sie uns so ab und zu auch in den Rücken fallen können. Einige fette Gegner-Exemplare halten besonders viel aus. In diesen Momenten erinnert Youngblood gerne mal an Destiny, wenn wir Magazin um Magazin in einen Unhold versenken und der einfach nicht zu Boden gehen will. Erschwerend kommt hinzu, dass Gegner neu mit zwei Munitionsarten beschossen werden wollen. Wer nicht die richtige Munition anwendet, verbrät eine Menge Ammo, ohne sonderlich Schaden anzurichten. Das zwingt uns zum häufigen Waffenwechsel, was wiederum den Spielfluss stört.

Erstmals auch unzensiert und mit Nazi-Symbolen in Deutschland!

Die Kulisse von Neu-Paris ist hingegen äusserst gut gelungen. Die unterschiedlichen Stadtteile sind abwechslungsreich designt und verwinkelter als in bisherigen Spielen. Viele Gebiete lassen sich in bester Metroidvania Manier erst später erkunden, wenn man Türen oder Hindernisse mit Waffen beseitigen kann, die man erst einmal finden muss. Dementsprechend gibt’s viele Geheimnisse und Short-Cuts zu entdecken. Sammler kommen auf ihre Kosten.


Der beste Aspekt ist aber der KoOp-Modus. Hier schlüpft man entweder in die Rolle von Jessica oder Sophia, was spielerisch jedoch erstmal keinen Unterschied macht. Natürlich kann man die Kampagne auch komplett alleine bestreiten. Da die KI allerdings keine grosse Hilfe darstellt, macht das spürbar weniger Spass.


Fazit: Wolfenstein Youngblood kann zu keiner Zeit mit den Vorgängern mithalten, weder spielerisch, noch von der Story her. Das Level-Design gefällt aber, die neue Looter-Shooter Mechanik mit ihren zwei Munitionsarten, dem Grinding und vielen „Bullet Sponge Enemies“ jedoch weniger. Ein klarer Rückschritt. Respawnende Gegner sind in diesem Genre zwar üblich, fühlen sich in einem Wolfenstein-Spiel aber einfach deplatziert an. Dennoch werden Wolfenstein-Fans für ein paar Stunden wohl gut unterhalten, speziell wenn sie einen Buddy an ihrer Seite haben.


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