The(G)net Review: 3 Nights of Terror
- Sascha Böhme
- vor 2 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Manchmal kommt ein Indie Horror Spiel nicht durch die Tür, sondern heimlich durch den Lüftungsschacht. 3 Nights of Terror des Schweizer Entwicklers SichelBichel ist genau so ein Fall. Keine endlose Open World, kein Abo Gedöns, kein überladenes Lore Wikiversum, sondern ein kompakter Survival Horror Trip mit einer simpel-genialen Idee: drei Nächte, drei Szenarien, drei komplett unterschiedliche Spielregeln.

Das klingt auf dem Papier nach einem mutigen und minimalistischen Baukasten. In der Praxis ist es vor allem eines: effektiv. Das Konzept trifft sofort ins Schwarze. Die Stärke von 3 Nights of Terror ist sein Aufbau. Statt eine einzige Mechanik über Stunden auszureizen, wechselt das Spiel pro Nacht die Regeln und das Bedrohungsprofil.

Wir schlüpfen in die Rolle des Polizisten Scott Harris, der unter Parasomnie leidet und kurz vor einer experimentellen Operation noch drei Albtraumnächte überstehen muss. Das ist ein Setup, das dem Spiel enorm hilft. Die Traumlogik erlaubt Brüche, Stilwechsel und Eskalation, ohne dass es konstruiert wirkt. Und genau das nutzt 3 Nights of Terror clever aus.

Die erste Nacht setzt auf ein geräuschbasiertes Labyrinth und liefert klassische Panik durch Unsicherheit. Orientierung, Stille und Timing sind King. Jeder Fehler wird bestraft. Das funktioniert vor allem deshalb, weil das Spiel Spannung über Dunkelheit und Erwartung aufbaut. Kein "Jahrmarkt Horror", sondern eher das unangenehme Gefühl, in einem Keller zu stehen und zu wissen, dass da noch etwas mit dir im Raum ist.

Die zweite Nacht dreht die Stellschrauben anders. Ein stockdunkles Krankenhaus, ein blindes Monster, dazu als Lichtquelle nur der Blitz einer alten Kamera. Diese Idee ist stark, weil sie Information zur Ressource macht. Jeder Lichtblitz hilft dir und verrät dich gleichzeitig. Das sorgt für eine schöne Mischung aus Denken und Panikmanagement.

Die dritte Nacht kippt dann in Richtung bewaffnetes Überleben. Ein Einsatz in einem verlassenen Shelter mit Dienstpistole liefert die nötige Portion Action. Das ist ein riskanter Wechsel, weil Horror Spiele im Moment der Bewaffnung oft ihren Schrecken verlieren. 3 Nights of Terror versucht das mit realistischerem Gunplay und harter Inszenierung abzufangen. Genau diese Nacht ist als brutal intensive Abschlussphase mit realistisch angelegtem Waffenkampf gedacht.

Was dem Spiel gut steht: Es wirkt in seiner Grundidee fokussiert. Keine überambitionierte Spielwiese, sondern ein knackig-kurzer Horror Parcours, der nach rund 1.5 Stunden schon wieder vorbei ist. Das ist aus Designsicht stark, weil sich jede Episode wie ein eigener Kurzfilm anfühlt. Gleichzeitig trägt der rote Faden durch Scott Harris und seine Parasomnie das Ganze zusammen. Dieses Struktur macht 3 Nights of Terror besonders für Spieler interessant, die bei vielen Indie Horror Titeln oft das gleiche Problem haben: zu viele Wiederholungen, zu wenig neue Reize.

Ein Punkt, den man nicht ignorieren sollte: Die Systemanforderungen sind kein Witz. Die Entwickler empfehlen eine RTX 2070 als Minimum, weil Hardware Raytracing als extrem wichtig für Licht und Atmosphäre genannt wird. Selbst die Hinweise auf mögliche Helligkeitsprobleme ohne passende Hardware zeigen, wie stark das Spiel auf seine stimmige Beleuchtung setzt.

Das ist einerseits konsequent, andererseits eine Hürde. Wer kein halbwegs modernes System hat, bekommt hier möglicherweise nicht die Version des Spiels, die die Entwickler im Kopf hatten. Besonders bei einem Horror Titel, der so stark über Licht und Dunkelheit funktioniert, ist das mehr als nur ein Grafikdetail.
Fazit:
3 Nights of Terror fühlt sich an wie ein Horror Mixtape, das dir jemand mit zittrigen Händen zusammengestellt hat und dann grinsend überreicht: "Track Nr. 3 ist der Killer!". Das Teil hat Kanten und ist sehr kurz und bestimmt kein Hochglanz Blockbuster. Das will es aber auch gar nicht sein. Genau diese klare, fast störrische Fokussierung macht den Reiz aus. Leerlauf gibt es in den drei Nächten keinen und gerade atmosphärisch ist das Spiel saustark. Gut, bei dem einen Monster-Design hätte man sich vielleicht noch etwas mehr anstrengen können, aber wer auf atmosphärischen Indie Horror mit klaren Ideen steht und die nötige Hardware mitbringt, sollte sich dieses Schweizer Game definitiv anschauen, zumal es auch nicht viel mehr kostet als ein Happy Meal im Mecces.

3 Nights of Terror ist als Download für PC via Steam erhältlich. Unser Test-Muster stammt von ReHoGa Interactive, wofür wir uns herzlich bedanken!


