The(G)net Review: BLACKWOOD - Act 1
BLACKWOOD weiss ziemlich genau, wie man Aufmerksamkeit erzeugt. Ein wortkarger DVD Ladenbesitzer, der nachts als Auftragskiller arbeitet, brutale Takedowns, stylische Schiessereien und eine Inszenierung, die irgendwo zwischen John Wick und Max Payne herumlungert. Das klingt nach genau der Sorte Actionspiel, bei der ich normalerweise schon nach dem ersten Trailer sage: Her damit! Leider ist BLACKWOOD aktuell vor allem eines: eine verdammt gute Idee, die viel zu früh veröffentlicht wurde.

Anton Blackwood führt ein bemerkenswert abwechslungsreiches Berufsleben. Tagsüber verkauft er DVDs, wischt den Boden und räumt Regale ein. Nachts schlägt und schiesst er sich durch die Unterwelt. Die Ausgangslage wäre grossartig. Tagsüber räumen wir Gestelle ein, räumen im Laden auf, bedienen Kunden und kümmern uns um allerlei Kleinkram. Das Problem dabei: Nichts davon ist besonders interessant. Nach kurzer Zeit beginnt man sich ernsthaft zu fragen, welcher Kunde eigentlich jeden verdammten Tag denselben Kaffee auf den Boden kippt. Und noch wichtiger: Warum muss ausgerechnet der professionelle Auftragskiller ihn jedes Mal wieder wegwischen?

Die Ladenmechanik entwickelt kaum Tiefe. Kunden bevorzugen bestimmte Genres, entsprechend können wir passende DVDs empfehlen und unser Sortiment etwas optimieren. Mehr steckt aber kaum dahinter. Selbst andere sichtbare Waren wie Shirts, Schallplatten oder Zeitschriften spielen praktisch keine Rolle. Der DVD Laden sieht auf den ersten Blick nach einem komplexen Management System aus, ist letztlich aber hauptsächlich Beschäftigungstherapie. Anton selbst ist vermutlich eines der interessantesten Elemente des Spiels. Er wirkt mürrisch, introvertiert und irgendwie permanent so, als hätte er seit drei Tagen nicht geschlafen. Das verleiht ihm durchaus Charakter.

Die Handlung von Akt 1 bleibt überraschend dünn und viele Dialoge wirken eher funktional als glaubwürdig. Figuren reden miteinander, weil die Geschichte eben weitergehen muss. Dabei hätte gerade Antons Doppelleben genügend Stoff für eine deutlich spannendere Geschichte geboten. Was passiert mit einem Menschen, der morgens freundlich DVDs verkauft und abends dutzende Gangster über den Jordan schickt? BLACKWOOD beantwortet diese Frage ungefähr so: nicht besonders viel. Nun gut, vielleicht entwickelt sich das ganze mit Act 2 und 3, die beide 2027 erscheinen sollen, noch irgendwie weiter. Wir werden sehen.

Besonders hohe Erwartungen dürften viele an das Kampfsystem haben. Die Trailer zeigen harte Schläge, elegante Takedowns und spektakuläre Finisher. Teilweise sieht BLACKWOOD tatsächlich aus wie ein spielbarer Actionfilm aus dem John Wick-Universum. Bis man selbst den Controller in die Hand nimmt. Der Nahkampf gehört leider zu den grössten Enttäuschungen. Angriffe, Ausweichmanöver und Paraden fühlen sich schwerfällig und teilweise unzuverlässig an. Gegner starten bizarre Attacken, stehen danach aber gerne geduldig herum und warten darauf, dass Anton zurückschlägt. Ein Kampfrhythmus entsteht selten. Stattdessen prügelt man Gegner so lange, bis eine Finisher Option erscheint. Ein Knopfdruck später startet eine der schicken Animationen, die man bereits aus den Trailern kennt. Die sehen durchaus cool aus.

Deutlich stärker wird BLACKWOOD, wenn Anton seine Fäuste einpackt und eine Schusswaffe hervorholt. Die Feuergefechte besitzen endlich die Energie, die ich mir vom gesamten Spiel gewünscht hätte. Waffen klingen ordentlich, Glas zersplittert, Gegner fliegen durch Räume und Teile der Umgebung gehen effektvoll zu Bruch. In diesen Momenten kommt tatsächlich dieses herrlich übertriebene Actionfilm Gefühl auf. Einige Missionen zeigen dabei durchaus, was möglich gewesen wäre. Eine Verfolgungsjagd über die Brooklyn Bridge oder Einsätze auf einem Filmset besitzen genau die richtige Mischung aus Chaos und Inszenierung. Doch selbst hier schafft es das Spiel immer wieder, den Spass abzuwürgen. Checkpoints können an ausgesprochen ungünstigen Stellen speichern. Gegner bleiben gelegentlich hängen oder verschwinden teilweise in der Umgebung. Besonders nervig wird es, wenn ein eigentlich simpler Kampf dadurch plötzlich nicht mehr abgeschlossen werden kann und einen Neustart erfordert.

Auch technisch wirkt Akt 1 noch alles andere als fertig. Gerade grössere Menschenmengen fallen negativ auf. NPCs werden offensichtlich mehrfach verwendet und teilweise stehen praktisch identische Figuren direkt nebeneinander. Eine volle U-Bahn sollte eigentlich Leben vermitteln. Stattdessen sieht es stellenweise aus, als hätte jemand beim Charakter Editor einfach zehnmal auf Copy/Paste gedrückt. Hinzu kommen Audioprobleme. Geräusche werden teilweise kaum leiser, wenn man sich von ihrer Quelle entfernt. Dialoge können von Hintergrundgeräuschen übertönt werden und Zivilisten wiederholen dieselben Sätze teilweise nervig-penetrant. Auch Menüs und Controller Steuerung funktionieren nicht immer zuverlässig. Alles zusammen erzeugt weniger den Eindruck eines fertigen Spiels und eher den einer ambitionierten Early Access Version.

Besonders schade ist, wie viele Mechaniken BLACKWOOD einführt, ohne sie wirklich relevant zu machen. Anton kann duschen. Anton kann sich umziehen. Anton kann seinen Laden führen. Anton kann auf bestimmte Details beim Nachladen achten. Klingt alles wunderbar. Nur macht vieles davon praktisch keinen Unterschied, geschweige denn Spass. Ob Anton frisch geduscht oder vermutlich seit drei Tagen stinkend durch Brooklyn läuft, interessiert kein Schwein. Ebenso wenig, ob der Laden besonders erfolgreich geführt wird oder nicht. Und selbst Antons nächtliche Karriere als menschliche Abrissbirne hat praktisch keinen Einfluss auf seinen Alltag.

Und dann ist plötzlich Schluss. Wer hauptsächlich der Geschichte folgt, erreicht den Abspann von Akt 1 bereits nach wenigen Stunden. Gerade als BLACKWOOD langsam beginnt, seine Handlung aufzubauen, erscheint der Cliffhanger. Da stellt man sich die Frage, warum man das Spiel in 3 Akte aufteilen musste. Hätte man nicht bis Ende 2027 warten können und es dann als vollständige Erfahrung veröffentlichen können? Akt 1 fühlt sich in der Folge weniger wie ein vollständiges Spiel und eher wie eine sehr umfangreiche Demo an.
Fazit:
BLACKWOOD ist eines dieser Spiele, bei denen ich wirklich gerne eine deutlich höhere Wertung vergeben hätte. Die Grundidee ist grossartig. Anton besitzt Charme, die Inszenierung hat ihre Momente und sobald Schusswaffen ins Spiel kommen, blitzt immer wieder das Actionspiel auf, das ich nach den ersten Trailern erwartet hätte. Doch Akt 1 ist schlicht noch nicht fertig. Der DVD Laden wird schnell monoton, der Nahkampf besitzt kaum Durchschlagskraft und zahlreiche Bugs sowie halbfertige Systeme sorgen dafür, dass die Fassade immer wieder zusammenbricht. Das Frustrierende daran ist, dass man das Potenzial praktisch überall erkennen kann. BLACKWOOD könnte tatsächlich dieses wunderbar schräge John Wick Action-Erlebnis werden. Akt 2 soll im März 2027 erscheinen, Akt 3 dann im September 2027. Ob AttritoM7 Productions daraus noch ein wirklich gutes Spiel machen kann, dürfte sich mit den kommenden Akten zeigen. Aktuell würde ich noch die Finger von BLACKWOOD lassen.

BLACKWOOD ist als Download für PC via Steam erhältlich. Unser Test-Muster stammt von IZilla Games, wofür wir uns herzlich bedanken!







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