The(G)net Review: Disintegration

Wenn Recht zu Unrecht wird, ist Widerstand Pflicht. Besonders wenn eine durchgedrehte K.I. die Menschheit ausrotten will, um sich den kompletten Planeten unter den Nagel zu reissen - Skynet lässt grüssen.



Die wild aus Robotern, Cyborgs und Menschen zusammengewürfelte Rebellentruppe, angeführt von unserem Helden Romer, mobilisiert die letzten Kräfte für die finale Schlacht. Ausgestattet mit einem mobilen Hoverbike-Hubschrauberhybrid, Gravcycle genannt, düst Romer aus der Egoperspektive im gemächlichen Flugtempo durch die 12 Endzeitabschnitte der Kampagne, um das sinistre K.I. Gesindel von ihrem wahnwitzigen Vorhaben abzuhalten.



Zur Grundausrüstung gehört natürliche eine anständige Bewaffnung. Die Hauptwaffen (Maschinengewehr, Granatwerfer, Schrotflinte, Gatlinggun etc.) werden jeweils mit einer zweiten Wumme oder einer Heiloption aufgestockt. Je nach Mission ändert sich die Ausstattung. Das Spiel gibt euch die jeweilige Bewaffnung vor, freie Auswahl habt ihr dabei nicht. Dank des Gravcycles dürft ihr bis zu einem gewissen Grad eure Flughöhe ändern, was euch über Hindernisse hilft und bessere Schussperspektiven ermöglicht.



Mit einem kleinen Boost, der nach einem Cooldown unbegrenzt benutzbar ist, flieht ihr vor heiklen Situationen und rettet euch vor dem feindlichen Kugelhagel in einen geschützten Bereich. Unterstützt wird Romer je nach Mission, von 1 bis 4 Rebellenkollegen. Diese knarrenschwingende Infanterietruppe folgt euch zu Fuss und greift euch mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten unter die Arme. Auf Knopfdruck dirigiert ihr die kleinen Helferlein in die gewünschte Richtung. Trefft ihr auf eine feindliche Roboterschar, hetzt ihr eure Fußsoldaten auf die Fieslinge.



Per Steuerkreuz aktiviert ihr die individuellen Spezialskills eurer Mitstreiter. Lähmt die Gegner mit einer Erschütterungsgranate, verlangsamt deren Geschwindigkeit mit einem Slowmo Feld oder lässt Miniraketen regnen. Auch hier sind alle Skills nach einer kurzen Aufladezeit wieder verfügbar. Unterwegs plündert ihr Truhen, Boxen und Container für Erfahrungspunkte und Upgrademünzen. Nach dem 3. Level investiert ihr die aufgesammelten Boni in bessere Verteidigung, mehr Schusskraft, Skillboost etc. jeweils verteilt auf das gesamte Rebellenteam.



Sollten unsere Mitkämpfer einmal das Zeitliche segnen, sammelt ihr per simples Überfliegen die Überreste eures Teamkameraden auf und belebt ihn umgehend wieder. Jedoch habt ihr nur 30 Sekunden Zeit für diese Rettungsaktion, ansonsten gilt die Mission als gescheitert. Zwischen den Levels rennt ihr in 3rd Person durch einen kleinen Hangar oder Landeplatz, quatscht mit NPCs und holt euch einfache Challenges ab (töte 50 Gegner, keine Wiederbelebung, sammle 7 Gegenstände ein, usw.), die bei erfolgreichem Abschluss Extrapunkte aufs Erfahrungskonto spühlen.


Online geben sich angehende Gyrocopterprofis in 3 unterschiedlichen und altbekannten Modi gegenseitig auf die Mütze.



Fazit:

Auf dem Papier klingt der Mix aus Echtzeitstrategieelementen und FPS interessant. Doch Disintegration geht auf halber Strecke die Luft aus. Gut, grafisch pendelt sich das Ganze zwischen Mittelmass und PS3 ein, was ja noch durchgehen würde, aber spielerisch schrammt es knapp an einer Katastrophe vorbei. Romers Gravcycle steuert sich wie ein träger Schwamm. Da gibts Walkingsimulatoren, die mehr Gas geben. Die Boostoption ist ein Witz, da es viel zu lange dauert, bis sie erneut einsatzfähig ist. Wollt ihr euch drehen, dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis ihr z.B. einen 180 Grad Turn vollendet habt. Extrem unangenehm ist die vorgefertigte Missionsausstattung. Warum darf ich nicht wählen, wie ich mein Team ausrüste? Und was sollen die merkwürdige Hubs zwischen den Missionen? Spielerisch absolut kein Mehrwert. Klassischer Fall von verschenktem Potenzial. Aber am meisten geärgert hat mich das Leveldesign und deren Gegner. Im Spiel gibt es einen einzigen Levelboss, der nicht in späteren Abschnitten erneut verwurstet wird. Ansonsten stumpfes Copy und Paste. Endgegner werden in späteren Missionen einfach nochmals reingequetscht oder auch mehrmals. Das ganze gipfelt dann im Finale, wo ihr einen Boss, den ihr zuvor schon 6 mal (!) erledigt habt, nochmals vorgesetzt bekommt und dann - als Kirsche obendrauf - einfach 3 feindliche Gravcycles hingesemmelt werden! Selten so was uninspiriertes gesehen. Zum Multiplayer gibt es nicht viel zu sagen. Ein weiterer Onlinemodus der in ein paar Wochen kein Schwein mehr spielen wird. Vielleicht sollte V1 Interactive die Ambitionen ein wenig runterschrauben und sich für ein zukünftiges Spiel bessere Gamedesigner zulegen.




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