The(G)net Review: Dreams

Ohne Programmierkenntnisse ein eigenes Spiel kreieren! Mit Dreams soll dieser Traum nun in Erfüllung gehen. Das Studio Media Molecule verspricht eine Bauplattform, die seines Gleichen sucht. Ob simple Jump 'n' Runs oder komplexe Egoshooter, mit Dreams wird alles möglich. Ob dieses Versprechen gehalten wird, erfahrt ihr im nachfolgendem Review.



Der Publisher Media Molecule stand schon immer für Kreativität, Innovation und gänzlich neue Spielideen, was sie mit den Little Big Planet Spielen mehr als bewiesen haben. Nun fordern die Engländer mit Dreams erneut die Kreativität des Spielers. Nach ausgiebigen Beta-Test Phasen ist der «Spielebaukasten» nun für jeden Playstation-Freund erhältlich. An Vorschusslorbeeren mangelte es nicht. Das Spiel gewann Preise an den Game Critics Awards und der Gamescom 2019. Die Ewartungshaltung war entsprechend hoch.



Mit viel Freude stürze ich mich in das Abenteuer von Dreams. Nach der Installation werde ich in eine bunte und knuffige Welt hineingeworfen. Die Traumkönigin erklärt mir, was der Sinn hinter Dreams ist und was mich erwartet. Doch zuallererst wähle ich mir einen Wichtel aus. Dieser hilft mir, mich in der Bausimulation zurecht zu finden und dient gleichzeitig als Multitool im «Traumiversum» - so wird der Editor genannt. Den Wichtel kann ich mit dem Joypad, den Bewegungssensoren des Pads oder mit zwei Move-Controllern steuern, je nach Gusto. Das Spiel enthält primär zwei verschiedene Spielmodi. Entweder ich widme mich dem «Traumsurfen» oder dem «Traumformen». Ersteres dient dazu, sich Spiele anderer User online anzuschauen, letzteres ist mein persönlicher Baukasten. Ich brenne darauf, mein erstes Spiel zu entwickeln und entscheide mich für «Traumformen». Schon jetzt staune ich über die enorme Menge an Content. Nach den ersten Tutorials keimen bei mir aber Zweifel auf, ob ich für dieses Spiel überhaupt geeignet bin oder ob mich das Traumiversum heillos überfordert.



Ein bisschen verwirrt lese ich mich im Internet ein bisschen in die Thematik ein und stosse auf einen Tipp des Publishers: Beginnt zunächst mit der Story «Arts Traum», welche etwa 2 Stunden dauert. Dieser Tipp hat mir sehr geholfen, da es sich um ein Spiel handelt, das gänzlich mit Dreams entwickelt wurde. Es zeigt wunderbar die Möglichkeiten auf. Es ist schon erstaunlich, was man alles mit Dreams kreieren kann. Ob Jump ‘n’ Runs, 2D Simulationen, Point and Click Adventures, Egoshooter, Rennspiele… alles ist möglich. Mit jeder gespielten Sequenz ergattere ich mir neue Elemente, die ich später in mein eigenes Game integrieren kann. Von schwebenden Plattformen über Brücken, Tore oder neue Charaktere. Die Hülle und Fülle an verfügbaren Items sind einfach gigantisch.



Als ich mit Arts Traum endlich fertig bin, verspüre ich den Drang unbedingt mein erstes eigenes Spiel zu erstellen. Ich wechsle in den Traumformen Modus, worauf mich abermals die Traumkönigin bei meinen ersten Schritten begleitet. Mein «Zu Hause» dient als Einstiegswelt. Hier kann ich nach belieben dekorieren, Items hinzufügen oder Sequenzen erstellen. Das Bauen selbst ist wie ein kleines Mini-Spiel konzipiert. Ich schlüpfe in die Figur eines von mir ausgewählten Charakters und kann bei der Traumkönigin verschiedene Quests abholen. Insgesamt stehen mir nach dem ersten Tutorial neunundachtzig Quests zur Verfügung. Diese reichen von «Szene Einrichten & Elemente nutzen» bis hin zu «Möge das Dekorieren beginnen». Nach jeder bestandenen Quest erhalte ich weitere Items, die ich in meinem zu Hause verbauen kann und lerne so nach und nach die Unmengen an Möglichkeiten kennen.



Wenn man sich bewusst wird, wie viel Zeit und Geld AAA-Titel in Anspruch nehmen, dann merkt man schnell, dass es bei Dreams nicht anders ist. Eine kurze Sequenz entsteht nicht in Minuten, sondern eher in Stunden. Anstatt zu kodieren ist nun eine perfekte Koordination wie auch der Wille gefragt, eine äusserst komplexe Steuerung zu beherrschen. Mit Auswählen und Platzieren ist ein Spiel nicht gemacht. Ich muss mich um die eigene Achse drehen, parallel dazu das Objekt nicht aus den Augen lassen und mich seitlich oder diagonal drehen. Dazu kommen weitere Tastenkombinationen wie «mit L2 Objekte drehen, mit X und R2 Objekte stempeln, mit Pfeiltaste skalieren usw.». Kein Button wird ausgelassen. Jeder hat mindestens eine eigene Funktion, die mit weiteren Buttons kombiniert werden können. Bis ich jede einzelne Tastenkombination verinnerlicht habe, vergehen einige Stunden.



Neben der komplexen Steuerung erwartet mich ein ebenso komplexes Menü Band, das ich für mein «zu Hause» verwenden soll. Das wichtigste Menü ist «Durchsuchen». Hier finde ich alle verfügbaren Items, Charaktere und Gegenstände. Das «Werkzeugmenü» hilft Objekte einzufrieren, zu klonen oder zu drehen. Im Menü «Modi» lassen sich verschiedene Grafik-Effekte meinen Elementen hinzufügen. So lässt sich jede Szene individualisieren. Im Modus «Animieren» werden Elemente, Schlüsselbilder, Videos auf einer Zeitachse zusammengefügt. Kurz gesagt, ich kann grundsätzlich alles machen, was mein kreatives Herz begehrt. Bin ich bei einem Punkt völlig überfragt, stellt mir Dreams für jedes Menü ein Video zur Verfügung, das mich in der Thematik schult und ein passendes Beispiel bietet. Nach einiger Zeit erschaffe ich wie im Film ein Drehbuch aus Szenen, die ich zu einem kompletten Spiel zusammenfüge. Bin ich mit meinem Werk zufrieden, kann ich es per Knopfdruck der Community zur Verfügung.



Apropos Community: Ein interessanter Part des Spiels ist der «Community Jam». Dieser Modus soll dem User helfen, neue Ideen aus der Community zu gewinnen. Als Einstieg erhalte ich zu einem Schlagwort mehrere Beiträge von verschiedenen Usern, die ich durchspielen kann. Ich kann abstimmen, welche ich mag und welche verbesserungswürdig erscheinen. Nach der Abstimmungszeit wird am Ende der Laufzeit der Sieger gekürt und ab sofort prominenter in der Community präsentiert. Es ist spannend anzusehen, welche Ideen die Community zur Verfügung stellt und was für erstaunliche Werke bereits erstellt wurden.



Fazit:

Um einen Spiele-Traum zu verwirklichen, benötigt man Zeit. Viel Zeit. Um Dreams umfassend zu verstehen und zu bedienen vergehen Wochen! Im Anschluss sind der eigenen Kreativität dafür so gut wie keine Grenzen gesetzt. Dreams ist ein Sammelsurium an abgefahrenen Ideen und Möglichkeiten. Als ich das erste Mal in das Traumiversum eintauchte, war ich heillos überfordert. Wer sich einfach so ans Basteln macht, wird bald an seine Grenzen stossen und vielleicht sogar die Motivation verlieren. Darum war folgender Tipp Gold wert: Spiele zunächst das mit Dreams entwickelte «Arts-Traum» Spiel. Es zeigt die Möglichkeiten, Finessen und Einzigartigkeit dieser Plattform auf beeindruckende Weise. Mir hat dieser Einstieg enorm geholfen und den Hunger auf mehr geschürt. Als ich anschliessend begann, die ganzen Tutorials durchzuspielen, kam ich oft an meine Geduldsgrenzen, was vor allem an der überaus komplexen Steuerung lag. Kritik müssen auch die vielen Menüs und Sub-Menüs einstecken. Um hier durch zu blicken, benötigt es eisernen Lernwillen und viel Aufmerksamkeit. Mir kam oft der Spruch «Rom wurde nicht an einem Tag erbaut» in den Sinn. Dafür schafft es Dreams, den User exzellent an die Hand zu nehmen und durch die einzelnen Schritte zu führen. Die Lern-Quests sind gut strukturiert, motivierend und belohnen am Schluss mit coolen Items, die man dann wieder in seinem eigenen Traumiversum verwenden kann. Dank der Charakterisierung der Quests in «Anfänger», «Fortgeschrittene» und «Profi» weiss man immer, welcher zur eigenen Erfahrungsstufe passt und von welchen man noch besser die Finger lassen sollte. Dreams ist ein Magnum Opus für kreative Köpfe, keine Frage. Man braucht aber viel Durchhaltevermögen, um etwas anständiges auf die Beine zu stellen. Mit der Zeit werden sich bestimmt die Profis in Dreams herauskristallisieren und ich bin gespannt, was diese Leute aus diesem Bausimulator heraus holen. Ich für meinen Teil muss aber ehrlich eingestehen, dass ich es wohl nie schaffen werde, meine Spieleträume zu verwirklichen. Denn die Realisierung von spielgewordenen Träumen braucht Zeit, vielleicht einfach zu viel Zeit.




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