The(G)net Review: God of War Sons of Sparta
- Sascha Böhme
- vor 7 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
God of War Sons of Sparta nimmt die legendäre Marke und macht daraus ein 2D Metroidvania Prequel. Hier spielen wir nicht als gottgleicher Abrissbagger, sondern als Teenager in Ausbildung. Zusammen mit seinem Bruder Deimos trainiert der Spartaner für den kommenden Krieg, bis jemand aus der Gruppe verschwindet und aus der Übung plötzlich eine ausgedehnte Suche wird.

Was folgt, ist eine rund zwölf bis zwanzig Stunden lange Reise durch eine seltsam magische Welt voller Bestien, seltsamer Eigenheiten und dem typischen God of War Pathos. Der Start ist allerdings eine Geduldsprobe. Die ersten vier Stunden wirken zäh und sind mit Sprachaufnahmen zugepflastert, die eher nerven als tragen. Wer sich da durchbeisst, bekommt später eine deutlich stärkere Geschichte, die Kratos und Deimos mehr Hintergrund verpasst und die Serie sauber in Richtung Tragik schiebt. Als Rahmen dient ein älterer Kratos, der seiner Tochter Calliope erzählt, wie alles war, bevor Ares aus seinem Lebern die Tragödie macht, die wir alle kennen.

Spielerisch fängt Sons of Sparta sehr simpel an, sowohl im Kampf als auch beim Platforming. Das Springen bleibt über weite Strecken ziemlich basic, wird aber spannender, sobald wir etwa zur Spielhälfte den Doppelsprung bekommen. Der Kampf braucht ebenfalls Anlauf: Anfangs wirkt alles sehr einfach, später wird daraus ein deutlich interessanteres und stellenweise bockschweres System. Unser einziger Angriff liegt dauerhaft auf Viereck, doch mit L1 und R1 kommen Modifikatoren dazu, die uns mit der Zeit Dutzende Moves freischalten. Kreis ist Ausweichen, R2 aktiviert den aktuell ausgerüsteten göttlichen Segen.

Ein grosser Stolperstein empfand ich das Schadenssystem: Kratos nimmt Schaden und wird zurückgestossen, sobald er Gegner nur berührt. Das kann in engen Situationen und beim Platforming frustrieren, weil Fehler nicht immer aus klar lesbaren Angriffen entstehen, sondern oft schlicht aus Kontaktchaos. Dazu kommt, dass die Steuerung mit dem Analogstick nicht immer präzise wirkt und wichtige Funktionen wie göttliche Gaben und spätere Heilung ans Steuerkreuz gebunden sind. In 1-vs-1 Duellen macht der Kampf trotzdem richtig Laune, aber sobald uns mehrere Gegner einkesseln, kann das Ganze in Sekunden von kontrolliert zu brutal nervig kippen.

Um Angriffe besser lesbar zu machen, nutzt das Spiel ein Farbsystem. Gelb, Blau und Violett signalisieren unterschiedliche Bedrohungen, wobei je nach Farbe Blocken, Ausweichen oder beides nicht funktioniert und wir entsprechend reagieren müssen. Das klappt meist, aber einige kleinere Gegner sind so schnell, dass die Farbe quasi gleichzeitig mit dem Treffer erscheint. Insgesamt wird es selten unfair und wer sich merkt, welche Gegner welche zwei Moves haben, kommt gut durch.

Als Metroidvania lädt Sons of Sparta klar zum Erkunden ein. Schon auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ("Story") sollten wir trotzdem alle Opfergaben und Upgrades einsammeln, um unseren göttlichen Segen sinnvoll zu pushen. Denn das Spiel wird anspruchsvoll, egal welche Stufe wir wählen. Wir bewegen uns mit Fähigkeiten wie Steinschleuder, Feuer und Magie durch die Areale und bekommen stetig neue Tools fürs Backtracking.

Fast-Travel bleibt lange auf Tempel Verbindungen beschränkt. Erst kurz vor Schluss bekommst du zusätzlich Schnellreisen zwischen Lagerfeuern und kleinen Ruhebereichen. Letztere leben im Soulslike Geist: Speichern und voll heilen, aber Gegner respawnen lassen. Genau deshalb lohnt es sich, das komplette Aufdecken der Karte eher auf diesen Zeitpunkt zu schieben und erstmal von Wegpunkt zu Wegpunkt zu spielen.

Das Upgrade System ist angenehm umfangreich. Blutkugeln und gefundene Items füttern mehrere Progressionsschienen. Unsere Ausrüstung besteht aus einem Speer mit austauschbaren Teilen und einem Schild, für den wir verschiedene Varianten craften. Dazu kommen zwei Upgrade Wege für jeden göttlichen Segen: Herausforderungen an Olivenbäumen und spezielle Statuen, die jeweils Verbesserungen und Freischaltungen liefern. Nichts davon wird uns aufgezwungen, aber das Spiel wird spürbar einfacher, sobald wir Gesundheit, Ausdauer und Magie hochgelevelt haben.

Clever ist auch, wie Ressourcen zusammenhängen: normale Angriffe füllen den Spartan Spirit Meter mit gelben Kugeln, Magie und zerstörbare Krüge füllen den Magiemeter mit blauen Kugeln. Halten wir beim Angriff R1, werden Spirit Kugeln zu Gesundheitskugeln, was lange unsere wichtigste Heiloption ausserhalb der Lagerfeuer ist, bis wir nach dem Abschnitt "Weingut" endlich eine direkte Heilung bekommen. Der dortige Boss ist allerdings sehr happig und kostete mich einige Tode.

Optisch ist das Spiel für meinen Geschmack solide. Die Figuren haben einen klaren Sprite Look mit sehr flüssigen Animationen, während die Hintergründe trotz Parallax-Scrolling eher malerisch und oft statisch wirken. Spätere Gebiete liefern schöne Panoramen, doch das Gesamtbild fühlt sich nicht immer wie aus einem Guss an. Wirklich hässlich ist nichts, aber vieles bleibt über weite Strecken etwas zu brav. Positiv stechen die späten Bossdesigns heraus, auch weil das Spiel davor gern mehrfach Varianten desselben Bosses aufwärmt.

Am meisten schwankt der Titel bei Story und Sprachausgabe. Die Performances sind nicht katastrophal, aber die Dialoge sind am Anfang auffallend schwach: Kratos wirkt farblos, Deimos nervt, die Erwachsenen sind Standardfiguren. Dazu kommt eine Aussprache griechischer Namen, die irritieren kann, wenn man sich damit auskennt. Die Musik rettet viel, ist durchgehend stark und in manchen Abschnitten sogar richtig treffsicher. Gegen Ende nimmt die Geschichte deutlich Fahrt auf, wird emotionaler und gibt dem Ganzen endlich einen Kern, der über die anfängliche Suchaktion hinausgeht.
Fazit:
God of War: Sons of Sparta ist ein solides, klassisch aufgebautes Metroidvania, das vor allem im Kampf punktet. Wer den zähen Einstieg übersteht bekommt spannende Fights und starke Bosskämpfe serviert, vor allem ab der zweiten Spielhälfte. Neue Fähigkeiten erweitern das Offensivrepertoire und geben Konfrontationen mit der Zeit immer mehr Tempo und Tiefe, was die Motivation über die rund 20 Stunden Spielzeit hoch hält. Platforming und Rätsel sind der schwächste Teil, während die Optik zwar kompetent, aber Geschmackssache bleibt und selten echte Highlights setzt. Unterm Strich ist God of War: Sons of Sparte trotzdem ein gelungener Auftritt für Kratos, auch wenn er nicht ganz die mythische Wucht erreicht, die man von der Serie gewohnt ist.

God of War: Sons of Sparta ist als Download und exklusiv für PlayStation 5 erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro getestet. Unser Test-Muster stammt von Sony IE, wofür wir uns herzlich bedanken!







