The(G)net Review: GRID

Schier grenzenlose offene Welten, nahezu endlose Tuning-Möglichkeiten und unzählige Rennvarianten. Rennspiele neueren Datums glänzen gerne mit solchen Superlativen. Simple Arcade-Action sucht der neuzeitliche Spieler aber oft vergebens; bis jetzt?



Gut 16'000 Pfund wurden bei Kickstarter für den The 90's Arcade Racer zusammengetragen. Wenig erfreulich für dich Backer: Das Spiel ist weit weg von einer Fertigstellung. Was das Beispiel aber zeigt: Es gibt immer noch Anhänger klassischer Spielhallen Rennspiele. Jetzt ist es nicht so, dass die Codemasters Neuauflage von Grid komplett in diese Nische springt. Grid aus dem Jahr 2019 offeriert noch immer weitaus mehr, als das bekannte Arcade Titel von Sega oder Namco zu tun pflegten. Grid fokussiert den Spieler aber wieder weitaus mehr auf die einzelnen Rennen, statt ihn mit einer fragwürdigen Story à la Need for Speed zu konfrontieren. Auch gigantische Open World Szenarien frei nach Forza Horizon suchen wir vergebens. Und 300+ Karossen mit mannigfaltigen Tuningmöglichkeiten finden wir ebenfalls nicht vor. Frei nach dem Motto «weniger ist mehr».



Im Verlauf der Karriere stehen rund 70 Fahrzeuge zur Wahl. Darunter Brands wie Porsche oder Ferrari, aber auch klassische Stock- oder Muscle Cars. Die Rennwagen steuern sich action-betont und erinnern damit an klassische Arcade-Racer. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir keine Unterschiede bei den verschiedenen Fahrzeug-Klassen feststellen. Schliesslich handelt es sich hier noch immer um ein Codemasters-Spiel. Zur eher simplifizierten Fahrmechanik passt dann auch das nur an der Oberfläche kratzende Tuning-System. Wer also seine Karren bis zum geht nicht mehr aufwerten und an unzähligen Rädchen drehen möchte ist bei Grid an der falschen Adresse.



Der Karriere-Modus enthält zum Release Zeitpunkt eine überschaubare Menge an verfügbaren Strecken. Insgesamt werden in unterschiedlichen Rennen ein Dutzend Locations abgefahren. Dabei geht es auf handelsüblichen Rennpisten wie dem Sydney Motorsport Park zur Sache oder aber in abwechslungsreichen Szenerien wie San Francisco oder Shanghai. In der heutigen Zeit wirkt die beschauliche Auswahl an Orten wenig berauschend. Wir empfinden das endlich mal nicht vollends überladen wirkende Spiel als erfrischend. Zumal bereits zusätzliche gratis Download-Contents angekündigt sind.



Die Karriere führt den angehenden Asphalt-Champion durch diverse Rennen. Wobei der gesamte Fuhrpark zum Einsatz kommt. Mittels Siegen und entsprechendem Preisgeld holen wir uns auch bei Grid neue Fahrzeuge in den eigenen Fuhrpark. Bemerkenswert ist die Gegner KI auf den Strecken. So verfolgt uns im Rennen jeweils meist ein speziell aufsässiger Kontrahent, unser Nemesis. Der drängelt gerne mal etwas mehr und versucht unsere Karre von der Strecke zu bugsieren. Da wir ebenfalls einen Team-Kollegen auf der Piste haben, stehen wir allerdings nicht ganz alleine auf weiter Flur. Mit simplen Befehlen via Digipad geben wir diesem Befehle wie "angreifen" oder "Position halten", eine Neuerung, die für zusätzliche Spannung sorgt. Selbstverständlich gibt es auch wieder Erfahrungspunkte zu holen im Verlaufe der Rennen, welche neue Team-Kollegen auf uns aufmerksam macht.



Grid spielt sich nicht wie eine beinharte Simulation, ist aber auch nicht das nächste Ridge Racer. Was letztlich entscheiden ist, die Rennen machen Spass. Das Spiel fokussiert sich zu einem bemerkenswert grossen Teil auf das wichtige, nämlich die Rennen, die Action auf der Strasse. Vorsichtige Drifts und drängelnde Checks sorgen für einen gelungenen Spielspass-Mix. Ergänzt wird der Titel durch durchwegs hübsche Grafik. Speziell die unterschiedlichen Tag- und Nachtzeiten sowie die Regenrennen sorgen für genug Abwechslung, und das trotz der vergleichbar wenig befahrbaren Orte.


Nebst dem Weg zum Titel fahren wir um die Zeit oder wagen uns in den Online-Modus. Dort fahren bis zu sechszehn Fahrer um die Spitze. Selbstverständlich darf auch eine eigene Lobby erstellt werden. Dort kommen eigene Regeln zum Zug und das Schadensmodell oder die Anzahl der zu fahrenden Runden wird vorher nach Belieben festgelegt. Offline Rennen mit Freunden suchen wir leider vergebens.



Fazit: Ob es nun Alonso als Berater benötigt hat, endlich wieder einen simplen aber spassigen Racer zu programmieren, sei dahingestellt. Immerhin warten einige seiner Veranstaltungen im Game auf uns. Wirklich wichtig ist das alles aber nicht. Wieso spielen wir denn seit Jahrzehnten Racing-Titel? Es geht um die Positions-Kämpfe, bessere Zeiten, virtuellen Fahrspass und unterschiedliche, im Alltag selten bis nie gefahrene Karossen. Das alles bietet Grid und fährt hier zur Bestform auf. Tuning-Puristen und Realismus-Narren halten sich vom Titel fern. Hierfür gibt es bereits unzählige andere Spiel-Serien. Grid bedient alte Arcade-Fans ohne einen Optionen-Überdruss auf die Fahrer los zu lassen. Nicht stundenlanges Menü-Navigieren, sondern ab auf die Strasse. Grid macht Spass, und darum geht es doch letztendlich. Die Konkurrenz rund um Forza unterhält aber aufgrund dessen über einen längeren Zeitraum deutlich besser. Hier macht sich am Ende des Tages doch die Varianten-Armut bemerkbar, insbesondere bei den Strecken.




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