The(G)net Review: Machine Gun Fury
- Sascha Böhme

- 31. März
- 3 Min. Lesezeit
Der ursprünglich 2022 für PC veröffentlichte Retro Shooter ist nun in seiner vollständigen Core Edition auch für Konsolen erhältlich und trägt seine Inspirationen offen zur Schau. Ohne Umwege ruft er den kompromisslosen Geist von Klassikern wie Commando, Contra oder Ikari Warriors in Erinnerung.

Als Hommage an die Exzesse der 8Bit- und Arcade-Ära der 80er Jahre verfolgt Machine Gun Fury nicht das Ziel, das Genre neu zu definieren oder grundlegend zu modernisieren. Stattdessen konzentriert sich das Spiel darauf, bewährte Stärken konsequent auszubauen. Im Kern ist Machine Gun Fury ein schnörkelloser Run and Gun Shooter. Es geht einzig darum, sich durchzuschiessen und zu überleben, solange es eben möglich ist. Dabei wechselt das Spiel über acht Regionen hinweg zwischen Top Down- und Side Scrolling-Perspektiven und konfrontiert uns fortlaufend mit Gegnerwellen, Umweltgefahren und bildschirmfüllenden Bosskämpfen. Das Tempo bleibt dabei fast durchgehend hoch und lässt nur selten Raum zum Durchatmen.

Besonders positiv fällt auf, wie präzise und direkt sich das Spiel anfühlt. Die Steuerung reagiert punktgnau, prompt und zuverlässig. Auch wenn Kugeln, Explosionen und Gegner den Bildschirm regelmässig fluten, bleibt die Fairness nicht auf der Strecke. Tode erfolgen zwar schnell und unbarmherzig, trotz Energie-Leiste, sind in den meisten Fällen jedoch nachvollziehbar und fordern vor allem Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und ein ständiges Bewusstsein für die eigene Position.

Für etwas spielerische Abwechslung sorgen die drei wählbaren Charaktere Gunner Jimbo, Suzi Uzi und Mini Gun Floyd. Gunner Jimbo übernimmt die Rolle des vielseitigen Allrounders und eignet sich für ein ausgewogenes Spiel. Suzi Uzi setzt stärker auf Schnelligkeit und Präzision und richtet sich eher an Spieler, die mit Mobilität und Genauigkeit arbeiten möchten. Mini Gun Floyd wiederum ist die personifizierte Feuerkraft, erkauft seine enorme Durchschlagskraft jedoch mit geringerer Beweglichkeit. Zwar verändern diese Archetypen das Grundgerüst des Spiels nicht entscheidend, doch sie setzen ausreichend unterschiedliche Akzente, um verschiedene Herangehensweisen zu fördern.

Eine der grössten Stärken von Machine Gun Fury liegt im Einsatz zerstörbarer Umgebungen. Barrieren geben unter anhaltendem Beschuss nach, explosive Elemente lösen Kettenreaktionen aus und ganze Areale können innerhalb weniger Sekunden in Trümmer gelegt werden. Dieses moderne Element geht über reinen Schauwert hinaus, denn zerstörte Deckungen und gezielt ausgelöste Explosionen können ganze Gegnergruppen eliminieren. Dadurch entsteht eine angenehm offensive Dynamik, die aktives und vorausschauendes Spielen belohnt.

Zusätzliche Abwechslung bringen Fahrzeugpassagen mit Panzern, Booten und Kampfbuggys. Sie verleihen dem Spielgeschehen kurzzeitig mehr Wucht und sorgen für kleine Tempowechsel. Diese Abschnitte sind bewusst simpel gehalten, erfüllen ihren Zweck jedoch zuverlässig, indem sie das Gefühl von Überlegenheit und Zerstörung weiter verstärken.

Gleichzeitig bleibt Machine Gun Fury seinen Arcade Wurzeln in einer Weise treu, die nicht nur Vorteile mit sich bringt. Der Schwierigkeitsgrad ist extrem hoch, Checkpoints sind knapp und das Spiel verlangt deutlich, dass man durch Wiederholung lernt. Gegnerverhalten, Levelabläufe und Gefahrenzonen müssen verinnerlicht werden, um erfolgreich zu sein. Wer stärker an moderne Komfortfunktionen und grosszügigere Fehlertoleranz gewöhnt ist, könnte diesen Ansatz als unnötig hart empfinden. Hinzu kommt, dass das Spieldesign trotz aller Intensität eine gewisse Starrheit nicht verbergen kann, wodurch es schnell repetitiv wird. Auch der Verzicht auf umfangreichere Fortschrittssysteme begrenzt die Langzeitmotivation. Abgesehen von ein paar temporären Power-Ups gibt keine Upgrades.

Audiovisuell gelingt Machine Gun Fury hingegen eine überzeugende Vorstellung. Die an 8-Bit Ästhetik erinnernde Pixelgrafik wirkt sauber und wird durch moderne Lichteffekte, Partikel und flüssige Animationen sinnvoll ergänzt. Der Soundtrack zählt zu den klaren Highlights. Das klassische SID Klangbild liefert energiegeladene Stücke, die das hektische Kampfgeschehen ideal begleiten. Technisch präsentiert sich die Ballerei stabil, was angesichts des hohen Tempos und der Präzisionsanforderungen besonders wichtig ist.
Fazit:
Machine Gun Fury ist eine konsequente, explosive Rückbesinnung auf die Stärken klassischer Arcade- und 8-Bit Shooter. Präzise Steuerung, zerstörbare Umgebungen, Fahrzeug-Passagen und ein nahezu pausenloses Tempo schaffen ein intensives Spielerlebnis, das von Anfang bis Ende auf Retro-Charme setzt. Gleichzeitig bringt die kompromisslose Old School Ausrichtung auch klare Einschränkungen mit sich, etwa in Form von Wiederholungen, hohem Schwierigkeitsgrad und begrenzter Langzeitmotivation. Wer diese Art von Spiele mag, erhält ein adrenalingeladenes Actionspiel, das seine Aufgabe mit bemerkenswerter Zielstrebigkeit erfüllt. Gäbe es eine hübschere 16Bit-Optik, wäre die Wertung durchaus höher ausgefallen.

Machine Gun Fury ist als Download für PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox Series X|S, Xbox One und Nintendo Switch erhältlich. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro gespielt. Unser Test-Muster stammt von ESDigital Games, wofür wir uns herzlich bedanken!







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