The(G)net Review: One Punch Man

Saitama alias One Punch Man ist eine genügsame Natur. Obwohl der schmalbrüstige Glatzkopf als einer der stärksten Superhelden gilt, interessiert Saitama eher die nächste Rabattaktion im Supermarkt, als muskelbepackte Fieslinge in Grund und Boden zu rammen. Verständlich! Denn wer mit einem Schlag selbst den dicksten Endboss in die Pampa schickt, dem bleibt genügen Zeit für die Schnäppchenjagd.


Steuern dürfen wir One Punch Man aber nur bedingt (dazu später mehr). Denn der Hauptprotagonist des kunterbunten Arenaprüglers ist ein aufstrebender Superhelden-Novize, dessen grösstes Vorbild natürlich Saitama ist. Bevor man sich in die wilde Keilerei stürzt, basteln man sich seinen Avatar im übersichtlichen Charaktereditor. Zu Beginn steht nur eine begrenzte Anzahl an Gesichtern, Haarstilen, Kleidern und anderem kosmetischen Krimskrams zur Verfügung. Im späteren Spielverlauf erkämpft und erkauft man sich im Fashion-Shop zusätzliche Items, mit denen sich unser Held weiter einkleiden kann.



Als Newcomer in der Hero-Association ist es ein langer Weg an die Spitze der Heldenliga. Unsere Karriere beginnen wir in der C-Klasse, dem Bodensatz der Superheldengemeinde. Unser Ziel ist aber - wie bei Mercedes - die S Klasse! Dabei teilt sich das Game in zwei unterschiedliche Spielbereiche auf. Hauptsächlich prügelt ihr euch mit bis zu zwei zusätzlichen Teammitgliedern gegen bizarre Fieslinge und abgefahrene Bosse. Dabei dürft ihr euch frei in einer abgesteckten Arena bewegen und verteilt neben wilden Handkanten-Combos, Würfen und Tritten in sämtliche Körperteile auch unterschiedliche Supermoves und Megafinisher. Wer jedoch wild drauflos drescht, sollte stets die Staminaleiste im Auge behalten, ansonsten beisst man schneller ins Gras, als einem lieb ist.



Gelegentlich eilt euch ein Mitheld zur Hilfe, der jedoch erst nach einer gewissen Zeit, die in einem kleinen Seitenfenster angezeigt wird, auf der Bildfläche erscheint. Sobald dieser oder diese den Kampfplatz erreicht, steht er/sie fortan als Teammitglied zur Seite und kann bis zum Kampfende genutzt werden. In seltenen Fällen greift euch auch One Punch Man persönlich unter die Arme, der dann den Widersacher mit einem einzigen Schlag ins Aus befördert. In unregelmässigen Abständen landen Itemdrohnen, die euch mit Powerups versorgen. Aber Vorsicht, denn auch euer CPU-Kontrahent kann sich das Teil schnappen, frei nach dem Motto: "De Schnäller isch de Gschwinder!"



Zu guter Letzt wird gelegentlich ein Newsflash eingeblendet, der euch vor anrückenden Gefahren warnt. So donnern Meteoriten aufs Spielfeld, brutzeln euch Blitze oder attackieren euch Riesenmaulwürfe. Schlagt ihr euch einmal nicht gegenseitig die Köpfe ein, rennt ihr in der Oberwelt à la Yakuza in der Gegend rum und erledigt kleinere Nebenmissionen. Hier trefft ihr auf allerlei Kollegen aus der Liga, schaltet weitere Stadtbereiche frei und besucht regelmässig das Helden Hauptquartier, um euren Charakter aufzuleveln und neue Aufträge anzunehmen.



Normale Missionen beschenken euch nach erfolgreichem Abschluss mit Skillpunkten, die man in mehr Lebensenergie, Schlagkraft, Supermoves und mehr investiert. Wer jedoch in der Heldenliga aufsteigen will, muss sich an den Hauptmission messen. Denn nur da verteilt euer Arbeitgeber wertvolle Heldenpunkte, die euren Helden in höhere Klassen aufsteigen lassen. Nach dem 2. der 11 Kapitel darf auf Onlinebattles und -missionen zurückgegriffen werden oder ihr duelliert euch im 3 vs 3 Modus gegen einen menschlichen Gegner. Jeder der 27 Charaktere (inkl. Saitama) ist aber erst wählbar, wenn er im Singleplayermodus freigeschaltet wurde. Wer sich eine Kampfpause gönnen und als Innendekorateur betätigen möchte, kann optional nach eigenen Wünschen seine Ingame-Wohnung mit neuen Möbeln aufpimpen.



Fazit:

One Punch Man ist eigentlich ein "Yakuza light", einfach minimalistischer, detailärmer und technisch weitaus schwächer als Segas Gangsterepos. Die Oberwelt ist nur spartanisch bevölkert und dient meiner Meinung nach nur als Füller, denn viel zu tun gibt es hier nicht. Und das selbst bei so wenig Population gelegentlich die NPCs wie aus dem nichts aufploppen, liegt 100pro nicht an der PS4 sondern an der schludrigen Programmierung. Mehrheitlich rennt unser Held von A nach B und klickt sich durch Dialogboxen bis zum nächsten Fight, stetig unterbrochen von kurzen, aber auf die Dauer nervenden Ladezeiten. Das hätte man sich sparen können. Das Highlight, nebst dem völlig durchgeknallten Charaktereditor mit seinen aberwitzigen Kostümoptionen, sind ganz klar die Kämpfe gegen all die abgedrehten Charaktere aus dem One Punch Man Universum. Doch leider harzt es auch hier gelegentlich. Technisch sauber umgesetzt, fehlt es spielerisch am letzten Feinschliff. Wer nutzt denn 2020 noch den Kreisknopf zum Blocken? Die Tastenbelegung lässt sich zwar ändern, aber da die L & R Schultertasten off Limits sind, hätte man es gleich lassen können. Alleine dieser Fauxpas nimmt viel Schwung aus dem Spiel. Schafft man trotzdem alle Schaltjahre mal einen perfekten Block, springt unser Held soweit zurück, das ein Konter in sekundenschnelle ausgeführt werden muss, ansonsten gibt es von den schlagfreudigen Feinden gleich wieder eins auf die Mütze. Haut mich ein Gegner zu Boden, dauert es zu lange, bis ich wieder aufstehen kann und wenn ich dann wieder auf den Füssen bin, passiert es des öfteren, das ich ohne Gegenwehr weiter auf die Schnauze kriege. Da ist Frust vorprogrammiert. Warum ich zuerst in die Singleplayerkampagne und dann ins Helden Hauptquartier rennen muss, damit ich in den VS-Modus anwählen kann, erschliesst sich mir ebenfalls nicht. Warum gibt es das nicht gleich beim Startbildschirm? Namco sollte sich ja mit Prüglern bestens aus kennen. Schade, denn für mich ist One Punch Man eine der besten Animeserien überhaupt. Saitama ist einfach ne coole Socke, aber das Spiel wird unserem Antihelden nicht gerecht. Klar, Otakus mag die Kritik egal sein. Sie freuen sich über die ganze Heldenriege in 3D, aber gegen ähnliche Titel zieht One Punch Man einfach den Kürzeren. Hoffen wir, dass ein möglicher Nachfolger ein interessanteres Spielkonzept bieten wird.




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