The(G)net Review: Predator Hunting Grounds

Mit H.R. Gigers Alien ist der Predator der wahrscheinlich bekannteste Vertreter aus dem Club der Hollywood Ausserirdischen. Was liegt also näher, als den alten Trophäenjäger schnurstracks in den tropischen Urwald zu schicken und ihn gegen ein schiessfreudiges Marines Quartett antreten zu lassen.



Wie "Friday the 13th", das ebenfalls aus dem Hause Illfonic stammt, handelt es sich bei Predator Hunting Grounds um einen asynchrones 4 vs 1 Multiplayer Spiel. Einen Einzelspielermodus gibt es leider nicht. Entweder rottet ihr euch mit 3 anderen Onlinesoldaten zusammen (Fireteam) und jagt den athletischen Predator durch den Dschungel oder ihr dreht den Spiess um und versucht als extraterrestrische Einmanarmee mit allerlei Waffen, Infrarotsicht und Tarnvorichtung die gegnerische Vierertruppe in ihre Einzelteile zu zerpflücken.



Als Söldnerteam verfügen wir gleich zu Beginn über dicke Wummen, streifen aus der Ego Sicht durchs Dickicht und lösen auf unserem Streifzug diverse kleine Missionen (Standard Von A zu B Quests), bis wir auf den Predator treffen, ihn abgemurksen oder den rettenden Helikopter erreichen. Doch nicht nur der Predator hat es auf uns abgesehen, denn miese Guerillakämpfer haben überall ihre Basen verteilt und halten Ausschau auf Eindringlinge. Entweder meuchelt ihr die Urwaldgangster hinterücks ab oder liefert euch mit den Widersachern ein wildes Feuergefecht. Wenns aber zuviel knallt, wird unser Predator hellhörig und wir verraten unseren Standort. Gut, dass wir uns zuvor im Tümpel mit Schlamm eingerieben haben und so beinahe unsichtbar für dessen Infravision sind. Tritt der waffenstarke Ausserirdische trotzdem auf den Plan, wird aus allen Rohren geschossen, Granaten geworfen und Teammitglieder geheilt.



Wer den Predator wählt, steuert unseren Titelhelden aus der 3rd Person View. Der agile Kopfgeldjäger klettert behende an Bäumen hoch, turn sich durchs Astwerk, sondiert mit Infrarotsicht die Umgebung und überrascht die Söldner mit einem befriedigenden Dropkill. Per R1 aktiviert ihr den Jumpcursor, der gigantische Sprünge erlaubt und bei Erfolg eine heftige Slamattacke ausführt. Wird der Predator verletzt, wechselt man kurzzeitig in den Tarnmodus und macht sich vom Acker, um sich mit einer Heilinfusion gesund zu spritzen. Aber aufgepasst! Auch ein Predator blutet. So hinterlässt ihr grüne Blutflecken, denen die Söldner folgen. Schnitzeljagd ist angesagt! Seid ihr als Predator jedoch so geschädigt, dass Wegrennen keinen Sinn mehr macht, aktiviert ihr ganz frech den Selbstzerstörungsmechnismus. Ihr verliert dann zwar die Runde, nehmt aber vielleicht noch ein paar Söldner mit in die ewigen Jagdgründe, insofern sie dem Sprengradius nicht rechtzeitig entfliehen können.



Nach jeder gespielten Runde, die maximal 15 Minuten dauert, geht es zur Gewinnausschüttung, die neue Waffenskins, Rüstungsshader und andere Kosmetikas beinhaltet. Mit dem erworbenen Ingame-Cash werden neue Kostümieroptionen und Waffen eingekauft. Fleissige Hunter und Hunterinnen (jede Spielfigur hat beide Geschlechter zur Auswahl) schalten später noch zwei zusätzliche Predatoren frei, deren Fähigkeiten sich zum Original leicht unterscheiden.



Fazit:

Die ersten 2 Predator Filme (den Rest verschweigen wir mal hier) sind heute noch Klassiker. Als Kind der 80er führte an der epischen Jungle- bzw. Grossstadtjagd (2. Teil) kein Weg vorbei. Für mich immer noch zwei der besten Actionfilme ever! Predator Hunting Grounds ist eigentlich eine Liebeserklärung an die Serie. Von den zahlreichen Anspielungen mit Soundschnipseln - z.B. Arnies "get to da choppa!" - und allen möglichen

Querverweisen, bis hin zu den Waffen und unterschiedlichen Predatorrüstungen, wird die Fanboygemeinde grosszügig befriedigt. Leider verfolgte Illfonic das Ziel nicht bis zum Schluss. Wer als Fireteammitglied spielt, merkt keinen grossen Unterschied zu anderen Egoshootern. Die kleinen Zwischenaufgaben könnten generischer nicht sein und dienen mehr als Füllmaterial, bis wir auf den Predator treffen oder im Heli abdüsen. Die feindlichen Guerillas sind normale 08/15 Pappkameraden mit einer KI im einstelligen Bereich. Und hier liegt auch das grösste Problem von Hunting Grounds. Keiner will wirklich das Fireteam sein, denn da gibt es technisch weitaus besseres und der Star ist ganz klar der Predator. Obwohl er sich ein wenig hakelig durch die Gegend steuert, bieten seine Fähigkeiten viel mehr Spielraum als die Skills der Söldnertruppe. Dennoch kann man nicht einfach in die Truppe rein und die grosse Metzelei starten. Wenn 4 Söldner euch unter Beschuss haben, wird's eng. Sobald aber ein Gegner terminiert wurde, wendet sich das Blatt zu Gunsten unseres Hunters und er hat leichtes Spiel. Das tönt alles schön und gut. Wenn aufgrund des miserabeln Matchmakings die Wartezeit als Söldner 30 Sekunden, als Predator aber mehr als 5 Minuten beträgt, ist das jedoch weit entfernt vom Optimum. Klar, das ist das stetige Schicksal von asynchronen Games, trotzdem nervt es auf die Dauer. Es kam ab und zu vor, dass nur 2 statt 4 Marines gegen den Predator antraten. Dann ist eigentlich klar, dass dies ein kurzes Match wird - zugunsten des Hunters. Da fehlt ein gesundes Balancing. Auch technisch hinkt das Spiel hinterher. Clippingfehler, verwaschene Texturen und generell eine antiquierte Grafik, die 5 Jahre zu spät kommt, schmälern den Spielspass. Wer z.B Warzone mit Predator vergleicht sieht, dass zwischen Grafik und Technik Welten liegen. Schade, die Ansätze waren sehr gut, die finale Ausführung weniger.


Glücklicherweise hat man für die musikalische Berieselung tief in die Soundtrackkiste gegriffen und sowohl Originalzitate wie auch die alte Filmmusik, leicht modernisiert, ins Spiel eingefügt. Predatoren Fans werden sicherlich glücklich mit dem Spiel. Freunde asymetrischer Multiplayer-Spiele finden jedoch nur kurzzeitig Befriedigung in der Urwaldhatz.




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