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The(G)net Review: Samurai Shodown

Nach King of Fighters schafft die nächste Kult-Serie aus dem Hause SNK den Sprung auf die neue Konsolen-Generation. Ob der Name hält, was er verspricht, haben wir uns als alte SNK-Fans interessiert angesehen.

An Blut wird nicht gespart - es bleibt sogar an der Kleidung kleben.

1993 überraschte SNK insbesondere Arcade-Besucher und besser betuchte NEO GEO Besitzer mit einem etwas anderen "Street Fighter-Clone". Letztere Bezeichnung hat der Titel eigentlich nicht verdient. Waren vorangegangene Spiele-Serien wie Fatal Fury oder Art of Fighting noch stark vom Capcom-Hit inspiriert, überzeugte Samurai Spirits - so der japanische Titel - mit völlig neuen Gameplay Elementen. Das nennenswerteste Alleinstellungsmerkmal: Jeder der Kontrahenten bringt seine eigene, indiviudelle Hieb- oder Stichwaffe mit ins Getümmel. Ein Kampfspiel mit Waffen, das war neu! Nach diversen Fortsetzungen fand 2003 die letzte Episode den Weg in die örtlichen Spielhallen, danach war es lange ruhig um den Klassiker.


Gut Ding will Weile haben, oder besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht. So einige Sprichwörter könnten auf SNKs Samurai Shodown Reboot zutreffen. Einerseits schlägt die Machart klar in die Kerbe von Street Fighter IV bzw. dessen aktuellen Nachfolger. So beharkt sich die Charakter-Riege in Pseudo-3D, spielen tut sich das aber in altbekannter 2D Manier. Wie Street Fighter eben. Und genau wie das Capcom bei den Strassen-Kämpfern wunderbar gelungen ist, so spielt sich auch Samurai Shodown mindestens so packend wie anno 1993. Ein viel grösseres Kompliment könnte man dem Spiel kaum zusprechen!

Einige der Stages kennen wir bereits aus den Vorgägnern

Aber der Reihe nach: Zur Wahl stehen diesmal 16 mehr oder minder bekannte Charaktere. Alte Haudegen wie Haomaru, Galford, Earthquake oder Hattori Hanzo wechseln sich mit komplett neuen Prügelknaben ab. Darunter die Säbelschwingende Darli Dagger oder der gleich mit mehreren Schwertern ausgerüstete Yashamaru Kurama. Das Balancing der unterschiedlichen Fighter ist - wie von Samurai Shodown zu erwarten - sehr gut gelungen. Bereits jetzt sind über das Jahr verteilt weitere Charaktere angekündigt. Die meisten davon sind Serien-Kennern nicht unbekannt. Wer mit jenen im Kampf antreten möchte, wird um den Kauf des Season Passes nicht herum kommen - davon soll es gar mehrere geben.


Die Serie war nie für ellenlange Kombo-Attacken bekannt. Stattdessen gilt es den Gegner zu lesen, vorsichtig zu agieren und Fehler des Gegenübers brutal zu bestrafen. Dazu stehen ein leichter, mittlerer und schwerer Waffen-Hieb zur Verfügung. Der vierte Button ist für wenig schmerzhafte Tritte zuständig. Wer seinen Spielstil perfektionieren will (und online das eine oder andere Spiel gewinnen möchte) tut gut daran, die weiteren Feinheiten des Gameplays zu erlernen. So stehen für jeden der Fighter individuelle Special-Moves zur Verfügung, inklusive einem speziell wuchtigen. Zusätzlich darf der eigene Charakter in einen zeitlich begrenzten Rage-Modus versetzt werden, der wiederum eine weitere todbringende Attacke ermöglicht. Zusätzlich weichen wir mit gut getimten Aktionen dem Gegner gezielt aus oder entwaffnen ihn gar.

Die Wucht und Kraft der Schläge ist einzigartig in Samurai Shodown

Da es sich um einen 1-vs-1 Fighting-Titel handelt, ist der Online Modus für viele sicherlich die erste und interessanteste Menü-Option. Nach einigen Spielen hatte ich von erstklassigen Verbindungen bis zu Spielabbrüchen aufgrund von verloren gegangener Verbindung zum

Gegenüber nahezu alle Situationen. Bei Ranked-Matches stehen nach der Suche im Idealfall mehrere potentielle Gegner zur Verfügung. Idealerweise fällt die Wahl auf jenen mit der tadellosen Internetverbindung, dann sind erstklassigen Online-Kämpfen fast schon garantiert.


Wer erst noch etwas offline die diversen Charaktere kennen lernen möchte, dem bietet SNK auch diverse, klassische Optionen. So erwartet uns unter anderem ein simpler Story Modus. Jener lässt uns hinter die Beweggründe aller Kämpfer sehen, erwartet aber besser keine opulenten Videos oder spannende Zwischensequenzen. Etwas Text und ein bis zwei Bilder, that's it. Aber immerhin ist ein Story Modus gleich zu Beginn mit im Paket, auch keine Selbstverständlichkeit, oder Capcom? Ansonsten wartet noch der Survivial Modus, Time Attack, Gauntlet und das Dojo. Letztgenanntes ist in der Theorie äusserst interessant. So wird aufgrund des eigenen Spiel-Stils ein Ghost-Charakter erstellt, gegen welchen

andere Spieler wiederum antreten können, und umgekehrt, versteht sich. Bis jetzt sind diese Geist Charaktere aber kaum eine grosse Herausforderung. Wir bleiben gespannt, wie sich das im Verlauf der nächsten Monate entwickeln wird. Freundlicherweise steht auch ein Trainings-Modus sowie ein kurzes Tutorial zur Wahl, so dürften Shodown-Neulingen sich schnell mit den Basics zurechtfinden.

Die Spezialeffekte der Special-Moves sehen super aus!

Last but not least wäre da noch der obligate Blick auf die technische Umsetzung. Die Musik gefällt mit den typisch japanischen Klängen, welche sich wunderbar ins Setting einfügen. Grafisch überzeugt Samurai Shodown zwar, ist aber aufgrund einiger Textur-Fehler nicht

ganz so poliert wie der Capcom Ableger. Das fällt im Kampf aber glücklicherweise kaum auf. Weniger überzeugend sind die Backgrounds der einzelnen Stages. Irgendwie habe ich bei allen das Gefühl, wie wunderschön diese Hintergründe hätten werden können; es aber letztendlich nur selten geworden sind. Wie schon bei Samurai Shodown 2 ist der Genjuro Background der hübscheste. Bei anderen wirkt oft das eine oder andere deplaziert, unecht, farblich falsch oder einfach nicht wirklich hübsch gemacht; sei das nun Wasser, Personen oder Tiere. Zu guter Letzt seien die Ladezeiten nicht unerwähnt, welche bei zwei neuen Kämpfern mit neuem Background locker eine halbe Minute andauern können; das ist definitiv zu lange!


Fazit: Samurai Shodow schafft wie schon Street Fighter IV den Spagat von der herkömmlichen Sprite basierten 2D Grafik zum Textur-Getümmel in pseudo 3D. Das Ganze wirkt insgesamt nicht so poliert wie bei Capcom, überzeugt aber mit erstklassigem Gameplay, das altbekannten Serien-Qualitäten in nichts nachsteht. Vorsichtiges Antasten an die Gegner, gezielte aber heftige Schläge und ein hervorragender, abwechslungsreicher

Charakterauswahl-Screen, das passt. Wenn SNK die genannten Kleinigkeiten noch ausmerzt, erwarten wir Samurai Shodown 2 bald auf dem sehr hohen Street Fighter Niveau. Jetzt schon lohnt sich der Titel für alle Fighting-Fans da draussen, die eine wirklich gute Alternative zum

Capcom Pendant suchen und gerne den Säbel mit ins Getümmel nehmen.