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The(G)net Review: Samurai Shodown IV: Amakusa's Revenge

23. Sept. 2018
4 Min. Lesezeit

Wenn es eine Fighting Game Reihe gibt, die untrennbar mit dem NEO GEO verbunden ist, dann gehört Samurai Shodown definitiv dazu. Bereits die ersten beiden Teile machten deutlich, dass SNK nicht einfach nur einen weiteren Prügler neben Fatal Fury oder The King of Fighters platzieren wollte.



Mit Samurai Shodown III schlug die Serie 1995 eine deutlich andere Richtung ein. Das Kampfsystem wurde umfangreich verändert, das Tempo angepasst und einige Mechaniken sorgten bei Fans für Diskussionen. Nur ein Jahr später erschien Samurai Shodown IV: Amakusa’s Revenge und vermittelte fast den Eindruck, als hätte SNK den Fans sehr genau zugehört. Und tatsächlich: Samurai Shodown IV ist nicht nur eine konsequente Weiterentwicklung seines Vorgängers, sondern für mich einer der stärksten Teile der gesamten Serie.



Das Grundprinzip bleibt natürlich unangetastet. Zwei Samurai stehen sich gegenüber und versuchen, den Gegner mit Schwertern, Klingen und anderen Waffen zur Strecke zu bringen. Doch wer Samurai Shodown mit klassischen Fighting Games wie Street Fighter oder The King of Fighters vergleicht, unterschätzt schnell, wie anders sich die Serie spielt. Hier geht es weniger darum, möglichst lange Kombos herunterzurattern. Stattdessen dreht sich vieles um Positionierung, Reichweite, Timing und das Lesen des Gegners. Ein schlecht gewählter Angriff wird sofort bestraft. Genau darin liegt bis heute ein grosser Teil der Faszination.



Samurai Shodown IV übernimmt grundsätzlich das Steuerungsschema aus Samurai Shodown III. Drei Tasten sind für Waffenangriffe zuständig, während die vierte Taste Tritte ausführt. Das System funktioniert hervorragend und erlaubt sowohl schnelle Angriffe als auch langsame, extrem mächtige Schläge. Gerade schwere Treffer fühlen sich nach wie vor unglaublich befriedigend an. Wenn Haohmaru mit seinem Katana einen perfekt getimten schweren Treffer landet und der Gegner quer über den Bildschirm geschleudert wird, hat das auch heute noch eine enorme Wirkung.



Gleichzeitig hat SNK einige der umstritteneren Elemente des Vorgängers entfernt oder angepasst. Luftblocken gehört beispielsweise der Vergangenheit an. Auch das manuelle Aufladen der Power Anzeige wurde gestrichen. Besonders wichtig ist jedoch die Anpassung des Schadenssystems. In Samurai Shodown III konnten einzelne Treffer teilweise absurd viel Energie abziehen. Kämpfe konnten dadurch extrem schnell entschieden sein. Samurai Shodown IV reduziert diesen Effekt deutlich.



Das bedeutet allerdings nicht, dass Samurai Shodown IV plötzlich zahm geworden wäre. Ganz im Gegenteil. Starke Angriffe können nach wie vor gewaltigen Schaden verursachen. Ein Treffer zur falschen Zeit kann einen beinahe sicheren Sieg noch komplett drehen. Hinzu kommt eine der interessantesten Mechaniken aus Samurai Shodown III: Slash or Bust. Vor einem Kampf kann man bei jedem Charakter zwischen Slash und Bust wählen. Dabei handelt es sich keineswegs nur um kosmetische Varianten. Die beiden Versionen verändern teilweise Spezialattacken, Spielweise und Eigenschaften des jeweiligen Kämpfers. Manche Figuren spielen sich dadurch beinahe wie zwei unterschiedliche Charaktere. Gerade für Spieler, die sich intensiver mit dem Kampfsystem beschäftigen möchten, erhöht das den Wiederspielwert enorm.



Mit den insgesamt 17 Kämpfern steht ein überraschend umfangreiches Roster zur Verfügung. Zurückkehren unter anderem Haohmaru, Nakoruru, Genjuro, Ukyo und Galford. Gleichzeitig feiern bekannte Figuren wie Jubei, Charlotte und Tam Tam ihre Rückkehr. Neu hinzu kommen Kazuki Kazama und sein Bruder Sogetsu. Beide gehören für mich zu den interessantesten Neuzugängen der Reihe. Persönlich hätte ich allerdings auch Cham Cham gerne wieder gesehen. Tam Tams Rückkehr macht diesen kleinen Verlust immerhin etwas leichter zu verkraften.



Samurai Shodown IV besitzt zudem einige herrlich absurde Mechaniken, die perfekt zur leicht anarchischen NEO GEO Ära passen. So kann man beispielsweise seine eigene Waffe wegwerfen. Natürlich ist das spielerisch nicht unbedingt besonders klug. Dafür eröffnet es wunderbare Möglichkeiten zur Demütigung des Gegners. Wer im Zwei Spieler Modus seinen Freund ohne Waffe besiegt, darf sich anschliessend völlig zu Recht einige Minuten feiern. Zusätzlich können Kämpfer den Gegner verspotten oder sogar den Kampf aufgeben beziehungsweise Selbstmord begehen. Letzteres besitzt tatsächlich einen spielerischen Hintergrund, da dadurch bestimmte Vorteile für die nächste Runde entstehen können. Es ist eines dieser typisch verrückten Systeme, die wahrscheinlich nur in einem Fighting Game der neunziger Jahre existieren konnten. Und genau deshalb liebe ich es.


Bomben, Nahrung und andere Objekte, die während eines Kampfes in die Arena geworfen wurden, gibt es nicht mehr.



Technisch gehört Samurai Shodown IV zu den schönsten Fighting Games auf dem NEO GEO. Bereits Samurai Shodown III überzeugte mit grossen Figuren, hervorragend gezeichneten Sprites und beeindruckenden Animationen. Teil IV baut darauf auf. Die Charaktere sind gross, detailliert und hervorragend animiert. Kleidung flattert, Haare bewegen sich im Wind und schwere Treffer werden von kräftigen Blutfontänen begleitet. Funken sprühen, Klingen hinterlassen sichtbare Spuren und Spezialattacken sorgen regelmässig für spektakuläre Momente.



Die Hintergründe fallen dieses Mal etwas weniger abwechslungsreich aus als noch in Samurai Shodown III. Mehrere Charaktere teilen sich bestimmte Schauplätze. Das hat allerdings einen erzählerischen Grund. Während des Spiels nähert man sich immer weiter Amakusas Schloss, wodurch die Level eine Art Reise darstellen. Trotzdem muss ich zugeben, dass mir einige Arenen aus Samurai Shodown III optisch noch etwas besser gefallen.



Fazit:

Samurai Shodown IV: Amakusa’s Revenge ist für mich bis heute einer der Höhepunkte der Serie. Das Kampfsystem ist taktisch, brutal und unglaublich befriedigend. Die Charakterauswahl ist hervorragend, Slash und Bust sorgen für zusätzliche spielerische Tiefe und die Präsentation gehört zu den schönsten, die das NEO GEO zu bieten hat. Natürlich ist nicht alles perfekt. Einige Hintergründe gefallen mir in Samurai Shodown III etwas besser und Samurai Shodown II besitzt für mich noch immer einen ganz besonderen Stellenwert. Doch Samurai Shodown IV ist das Shodown-Spiel, welches ich bis heute am ehesten nochmal anwerfe, denn es ist mit Sicherheit eines der ausgereiftesten. Samurai Shodown IV ist genau das, wofür SNKs legendäre Konsole steht. Grossartige Pixelgrafik, kompromissloses Arcade Gameplay und Kämpfe, bei denen manchmal ein einziger perfekt platzierter Schwerthieb über Sieg oder Niederlage entscheidet. Und auch fast drei Jahrzehnte später fühlt sich das noch immer verdammt gut an.



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