The(G)net Review: Speedball
- Simon Martella

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Speedball ist kein Sportspiel für "fair und gemütlich". Das Ding will Stress! Es ist brutaler Arena Sport mit harten Bällen, noch härteren Checks und der klaren Ansage, dass du entweder mithältst oder untergehst. Die PC-Version befand sich seit 29. Oktober 2024 im Early Access auf Steam. Nun ist die Version 1.0 erschienen, auch für Konsolen. Grund für uns mal reinzuschauen.

Entwickelt und veröffentlicht wurde das Ganze von Rebellion. Und ja, Speedball ist nicht einfach irgendein neues Indie-Experiment, sondern ein Reboot einer Reihe, die viele vielleicht noch aus den 90ern kennen. Das legendäre Original der Bitmap Brothers stammt aus dem Jahr 1988. Speedball hat auch heute noch dieselbe DNA: Top-Down-Perspektive, futuristischer Look, brutaler Körperkontakt und dieses Gefühl, dass es hier nicht darum geht, schön zu spielen, sondern effizient und hart.

Die Top-Down-Sicht passt. Sonst würdest du bei dem Tempo komplett überfordert sein. Aber Speedball ist kein Spiel, bei dem du in Ruhe dein Spiel aufbaust und abwartest. In der Praxis ist das ein permanenter Stress-Test, weil du dauernd Entscheidungen treffen musst, während dir jemand seitlich in die Rippen fliegt. Schon im ersten richtigen Match hatte ich eine Szene, die perfekt zeigt, wie das Spiel tickt. Im ersten Match dachte ich kurz: "Ok, kein Problem, ich renne jetzt einfach durch." Und Zack da war der Check. Ball weg. Zwei Pässe später kassierte ich das Tor. Das geht so schnell, du merkst es erst, wenn es schon passiert ist. Dabei fühlt es sich nicht wie ein klassischer Fehler an, sondern wie ein Moment, in dem du einfach eine Sekunde zu langsam warst. Es ist gnadenlos in genau diesen Sekunden.

Aber genau das macht Speedball so stark. Du hast nie das Gefühl, du könntest hier eine perfekte Strategie runterspielen und dich dann gemütlich durch das Match grinden. Geduld bringt nichts. Du lernst brutal schnell, wann du pressen kannst und wann du lieber nur Räume dicht machst. Und du musst Checks setzen, auch wenn du kurz offen bist. Wer zu brav spielt, verliert den Ball sowieso.

Und dann hast du plötzlich diesen einen Moment, wo alles aufgeht, warum Speedball so einen Sog entwickeln kann. Ein Beispiel: Ich war in der Defensive und der Gegner kommt mit Ball auf mich zu, ich gehe nicht blind rein, sondern warte wirklich den einen Schritt ab. Mein Check sitzt sauber und der Ball ist frei. Ich schnappe ihn mir, spiele sofort den Pass zu meinem Mitspieler und dieser startet durch. Gegenstoss, Wallgrind, Bonus-Punkte gesammelt, Abschluss, Tor!

Speedball lebt aber nicht nur von Pässen und Abschlüssen, sondern auch von Skills, die du aktiv einsetzen musst. Wallruns und Wallshots geben dir kreative Wege, um Druck zu machen oder einen Angriff schnell zu drehen. Checks sind dabei nicht nur ein Mittel zur Verteidigung, sondern ein Werkzeug, um Momentum zu kippen und den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. Solche Aktionen zahlen auch auf den Gesamtscore ein und haben direkten Einfluss auf den Spielstand, weswegen jeder Match noch mehr wie ein Arena Kampf wirkt als klassischer Sport.

Online macht Speedball am meisten Sinn, weil das ganze Design darauf ausgelegt ist. Gegen die KI kannst du üben um reinzukommen, aber die richtige Spannung entsteht erst im PvP. Speedball bietet drei klare Säulen. Im Tutorial lernst du die Basics, ohne direkt vom Tempo überrollt zu werden. Danach kannst du entweder in den Liga Modus wechseln, wo du eine ganze Season spielst, oder du gehst direkt ins PvP. Online ist Speedball nicht nur schneller, sondern auch dreckiger, weil echte Spieler gnadenlos jeden Fehler bestrafen und jede Lücke nutzen.

In der Liga treten insgesamt zehn Teams gegeneinander an. Die Unterschiede sind nicht nur optisch, sondern hängen auch an Traits und Stats, die beeinflussen, wie aggressiv oder kontrolliert ein Team spielen kann. Das macht im Match spürbar etwas aus, weil du nicht jede Situation gleich lösen kannst, je nachdem, wer dir gegenübersteht.

Optisch ist Speedball kein Next-Gen-Showcase und will das auch nicht sein. Es setzt auf Lesbarkeit und Tempo, klare Kontraste, Neon, Metall, wenig Schnickschnack. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass sich die Entwickler dafür entschieden haben. Das passt, weil du in diesem Gedränge sonst gar nicht mehr checken würdest, wo Ball, Gegner und Raum gerade sind. Dazu kommt der Sound und die Atmosphäre, die das Ganze wie eine brutale Sportshow wirken lassen. Laut, aggressiv, dreckig, aber nicht billig. Das Spiel fühlt sich an wie eine Zukunft, in der Sport nur noch Show ist und Fairness komplett egal geworden ist. Und auch wenn es keine grosse Kampagne gibt, funktioniert dieser Rahmen, weil der Vibe sitzt.

Bei den Arenen gibt es Standardversionen und Brutal Varianten. Die Brutal Maps wirken wie die kompromisslosere Form derselben Arena, mehr Chaos, mehr Druck, weniger Raum für Fehler. Das sorgt dafür, dass sich Matches nicht nur durch Gegner unterscheiden, sondern auch durch das Setup der Arena.

Technisch lief die PS5-Version im Test stabil. Gerade bei so einem schnellen Spiel ist das entscheidend, weil jeder Delay sofort unfair wirken würde. Die Steuerung fühlt sich direkt an und du hast selten das Gefühl, dass du wegen "des Spiels" verloren hast. Du verlierst eher, weil du falsche Entscheidungen triffst oder einfach nicht schnell genug warst.

Was man aber ehrlich sagen muss: Speedball ist anstrengend. Das ist Daueranspannung. Wenn du ein Spiel suchst, das du nach der Arbeit zum Abschalten startest, bist du hier falsch. Und ja, manchmal wirkt das Chaos unfair. Nicht unbedingt, weil es wirklich es das ist, sondern weil es so schnell ist, dass du nicht immer sauber auseinanderhalten kannst, ob du gerade einen Fehler gemacht hast oder ob du einfach überrollt wurdest. Dazu kommt ein wichtiger Punkt, den man bei solchen Online-Spielen nie wegdiskutieren kann: Speedball lebt davon, dass genug Spieler da sind. Wenn die Community stabil bleibt, kann das ein richtig gutes Dauer-Spiel werden, ähnlich wie z.B. Rocket League. Wenn die Spielerzahlen sinken, wird es schnell ein Titel, den du zwar magst, aber zu selten spielst, weil du keine Lust hast, zu warten oder offline zu grinden.
Fazit:
Am Ende ist Speedball ein gelungener Reboot, der seine Wurzeln nicht vergessen hat und genau deshalb funktioniert. Wer das Original damals gefeiert hat, erkennt den Spirit sofort wieder, nur moderner und direkter auf Online ausgelegt. Speedball ist laut, schnell, hart und manchmal bewusst unfair wirkend, weil es dich zwingen will, besser zu werden. Wenn du ein Arcade-Sportspiel willst, das mehr nach Arena-Kampf aussieht als nach Hochglanzsport, dann ist das genau dein Ding. Es ist nicht perfekt, es ist nicht entspannt, und es verlangt dir mehr ab als viele andere Spiele in diesem Genre. Aber genau das macht es stark. Speedball schenkt dir nichts. Wenn du Kontrolle willst, musst du sie dir holen. Und genau das macht’s so gut!

Speedball ist als Download für PC, PS5 und Xbox Series X|S erhältlich. Wir haben das Spiel auf der PS5 getestet. Das Test-Muster stammt von Rebellion, wofür wir uns herzlich bedanken!











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