The(G)net Review: Star Wars Squadrons

Star Wars Piloten mussten sich fast 20 Jahre gedulden, um endlich wieder im Cockpit eines X-Wing oder Tie-Fighters Platz zu nehmen. Mit Star Wars: Squadrons versucht EA Motive die Legende eines X-Wing VS Tie-Fighter aufleben zu lassen.



Das Squadrons-Angebot ist in drei verschiedene Spielmodi unterteilt: die Einzelspieler-Kampagne, Online-Duelle und Flotten-Kämpfe. Letztere können sowohl offline gegen Bots als auch online im Ranglistenmodus gespielt werden. Wer das Spiel zum ersten Mal startet, landet aber zuerst in der Single-Player Kampagne. Die Geschichte dreht sich um ein Geheimwaffenprojekt, eine mächtige Waffe, die einst von der Galaktischen Republik gebaut wurde. Wer diese Waffe besitzt, wird den Krieg wohl für sich entscheiden. Ob dies nun den Imperialen Streitkräften oder den Rebellen gelingt, wird in rund 8 Stunden aufgeklärt. Die Erzählung ist dabei für Star Wars Verhältnisse ziemlich langweilig und wird wohl nur den wenigsten langfristig in Erinnerung bleiben, punktet aber von der ersten Minute an mit einer bombastischen Inszenierung.



Zu Beginn dürfen zwei Piloten erstellt werden. Einen für das Vanguard-Geschwader der Neuen Republik und einen für das Titan-Geschwader des Imperiums. In der Geschichte wechseln wir dann in regelmässigen Abständen zwischen den beiden Fraktionen. Selber wählen, für welche Seite wir kämpfen, dürfen wir in der Story-Kampagne nicht.



Bevor wir uns in eine Mission stürzen, lauschen wir der Missionsbesprechung auf der Brücke und führen kleine Dialoge mit unseren Freunden im Hangar. Das hat spielerisch zwar keinen Mehrwert, schön ist es aber trotzdem. So lernt man die Charaktere etwas näher kennen und macht sich später in den Gefechten dadurch vielleicht ein bisschen mehr Sorgen um deren Überleben. Sie geraten nämlich immer wieder in Bedrängnis, worauf wir ihnen den Hintern retten müssen. Zu guter Letzt wählen wir noch die Bewaffnung und Abwehrsysteme unseres Raumschiffs und dann geht's auch schon los.



Die Missions-Ziele sorgen für keine grossen Überraschungen, wohl aber die komplexe Steuerung. Zwar lässt sich im Options-Menü auch alles soweit vereinfachen, dass selbst Anfänger damit klar kommen, richtig Spass macht es aber erst, wenn wir mit der Standard-Steuerung unterwegs sind. Mit dem linken Stick wird gerollt, beschleunigt und gebremst, der Rechte dient der Steuerung. Ziele werden mit LT markiert, mit RT abgeschossen oder wir senden zielsuchende Raketen mittels RB in Richtung Gegner. Das Digi-Pad wird zur Umverteilung der Energiesysteme genutzt. So können wir Laser, Schilde oder Schubdüsen priorisieren, was sie effektiver macht. Ausserdem dürfen die Schilde auf Wunsch vorne oder hinten ausgerichtet werden, was bei Frontalangriffen gegen übermächtige Fregatten oder Sternzerstörer Sinn macht - oder wenn uns ein hartnäckiger Kollege im Nacken sitzt. Zielsuchende Protonen-Torpedos oder Raketen werden mit Täuschkörpern oder geschickten Flugmaneuvern abgewehrt. Beschädigungen am eigenen Flieger repariert unser Astromech Droide auf Knopfdruck, vorausgesetzt es steht genügend Energie zur Verfügung. Alle Systeme im Auge zu behalten und effektiv einzusetzen, während um einen herum die Hölle los ist, benötigt einiges an Training und Eingewöhnungszeit. Gut, dass es da einen umfassenden Trainings-Modus gibt. Puristen dürfen übrigens das Spiele-HUD komplett deaktivieren und verlassen sich ausschliesslich auf die Bordinstrumente. Immersion pur!



Wer die Kampagne beendet hat, darf einzelne Missionen erneut spielen, um sich noch die letzten Medaillen zu krallen oder wechselt in den Multiplayer. In den 5-gegen-5-Team-Deathmatches besteht das Ziel darin, als erster 30 Abschüsse zu erzielen. Die Zusammenarbeit mit Teamkollegen ist wichtig, in diesem Modus aber zu vernachlässigen. Der Flottenkampf ist da interessanter: Hier treten zwei Teams mit jeweils fünf Spielern gegeneinander an und man muss eine ganze Flotte im Auge behalten, die aus einem Flaggschiff, zwei Fregatten / Kreuzern und einer nicht festgelegten Anzahl von Kämpfern besteht. Jeder zerstörte Feind wirkt sich auf eine "Moral"-Leiste aus, mit der die Konflikte je nach Leistung des Teams in Richtung Angriff oder Verteidigung ausschlagen. Das ultimative Ziel ist es, das feindliche Flaggschiff zu besiegen, das mit zahlreichen Subsystemen und einer grossen Anzahl von Laser-Türmen ausgestattet ist. Hier wird Team-Arbeit und Strategie gross geschrieben, da jedes Raumschiff über andere Stärken und Schwächen verfügt. Die beiden Fraktionen sind gut ausbalanciert, auch wenn beispielsweise imperiale Schiffe meist nicht über Deflektor-Schilde verfügen.



Flottenschlachten können wie erwähnt auch gegen Bots durchgeführt werden. XP und Währung gibt's allerdings nur online gegen echte Mitmenschen. Mit zunehmender Erfahrung schalten wir neue Waffen, bessere Abwehrsysteme oder einfach nur kosmetische Items wie Helme, Bemalungen oder knuddelige Cockpit-Figuren frei. In dieser Hinsicht kann ich den Entwicklern nur applaudieren: Game Währung ist ausschliesslich im Spiel zu verdienen. Es gibt keine Mikrotransaktionen und jedes Upgrade muss im Spiel freigeschalten werden, indem man seine Fähigkeiten unter Beweis stellt und viele Stunden investiert.



Technisch weiss das Spiel zu überzeugen. Grafik, Ästhetik und Sound sind absolut Star Wars-würdig. Gerade beim Sound hat sich EA Motive ins Zeug gelegt. Der kultige Klang der Schüsse, das unverkennbare Schreien der Twin-Ion-Engines und der kaiserliche Soundtrack treiben Star Wars Fans regelmässig Tränen in die Augen. Abgemischt wird in 5.1/7.1 und sogar in binauralem Stereo, was mit hunzkomunen Stereo-Kopfhörern besonders eindrücklich klingt. Auf unserer Xbox One X flutschte das Geschehen übrigens mit butterweichen 4K/60fps über den Bildschirm.



Fazit:

Nach fast 20 Jahren gibt es endlich wieder einen guten, wenn auch nicht perfekten, Star Wars Weltraumsimulator. Squadrons ist neben Jedi: Fallen Order in meinen Augen das beste Spiel, das bisher unter EA's Star Wars-Lizenz veröffentlicht wurde. Die etwas kurze und erzählerisch eher schwache Kampagne punktet mit spielerischer Finesse und einer grossartigen Inszenierung. Faktoren wie das fordernde Energiemanagement, fortschrittliche Bord-Systeme und Notfall-Mechanismen sind Dinge, die Sim-Fans begeistern, Neulinge aber überfordern. Es ist kein Simulator im herkömmlichen Sinn, aber das Steuerungssystem ist komplexer als erwartet. Das erfordert einiges an Einarbeitungszeit. Dank vieler Anpassungsmöglichkeiten und Hilfen, die im umfangreichen Options-Menü aktiviert bzw. deaktivert werden dürfen, sollten trotzdem alle auf ihre Kosten kommen. Zahlreiche Online-, Bot- und Trainings-Modi sorgen nach Abschluss der Story für langanhaltenden Spass. Vor allem die Flottenkämpfe fühlen sich frisch an. Ich hätte mir ein paar Schiffe mehr (im Hangar und im Sichtfeld) und eine etwas längere Story-Kampagne gewünscht. Dass es keinerlei Mikrotransaktionen gibt und das Spiel auch noch so günstig zu haben ist, verdient ein Extralob. Und dann ist da noch die Tatsache, dass man Star Wars: Squadrons komplett in VR erleben kann. Für Star Wars Fans ist "Squadrons" insofern ein No-Brainer.




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