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The(G)net Review: Stellar Blade

Bad publicity is good publicity! Wenn sich schon im Vorfeld der Veröffentlichung das Internet den Mund über die fehlende Wokeness aufgrund der angeblich "zu sexistischen" Darstellung einer Videospiel-Figur zerreisst, hat der südkoreanische Entwickler Shift Up alles richtig gemacht.


Stellar Blade Test Review Testbericht PS5 PlayStation

Die Alien-Apokalypse ist vorbei, der Planet ist verloren! Die fiesen Gesellen der Naytibas, eine eklige Psychopathen Truppe im schleimigen Tintenfischgewand, haben beinahe die ganze Menschheit dezimiert. Der kleine Rest kämpft verzweifelt ums Überleben, doch die Gewinnchancen stehen eher gegen den Homo Sapiens. Der letzte Notnagel in dem tragischen Genozid ist die 7th Airborne Squad. Eine kampferprobte Truppe sogenannter "Angels", abgebrühte, weibliche Supersoldaten, die mit einem Frontalangriff den unfreundlichen Aggressoren mal deutlich erklären wollen, wie es bei uns auf der Erde normalerweise abläuft.


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Nachdem der Überraschungsangriff der 7th Airborne Division jedoch bereits im Orbit von feindlichen Artilleriegeschossen gestoppt wird, versucht ein Grossteil der Squad sich in Emergency Pods zu retten. Doch die meisten der Survival Kapseln werden abgeschossen. Wie durch ein Wunder überlebt Eve den Aufprall und trifft kurz danach auf ihre Kampfkameradin Tachy. Der Planet brennt, gigantische Kriegskreuzer hängen am Himmel und im regelmässigen Abstand werden wir mit Explosionen und herumfliegenden Trümmern begrüsst. Unter heftigen Feindesbeschuss entkommt unser Duo dem Kugelhagel. Das Glück währt jedoch nicht lange, als die beiden von einer sogenannten Alpha-Naytiba attackiert werden. Das Ganze endet mit einer heldenhaften Aktion von Tachy, die Eve wertvolle Sekunden zur Flucht verschafft. Wir sind vorerst in Sicherheit...


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Was einem schon in den ersten Minuten auffällt, ist Eve's Kleiderwahl. In einem hautengen, extrem körperdefinierten Latexoutfit turnt unsere attraktive Heldin durch die futuristische Architektur, klettert an Vorsprüngen hoch, überwindet grössere Abgründe mit dem Jump-Dash oder nutzt bei passender Fläche den Wallrun. Mit einer flinken Kombo zersäbelt Eve mit ihrer Cyber Klinge kleinere Feinde, bei grösseren Schmierfinken wird auch schon mal der harte Schwertschlag oder ein Spezialangriff ausgepackt. Um die Distanz zum Gegner zu verkürzen, nutzen wir den Rush Move, welcher bei Feindkontakt auch noch ein wenig an dessen Healthbar rumschnippelt.


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Per simplem Dodge können wir in alle Richtungen ausweichen, sollten uns aber nicht allzu viel auf diese Mechanik verlassen. Viel effektiver ist das Parieren. Per L1 wird generell geblockt, wehren wir aber im korrekten Moment ab, wird nicht nur die Balance unseres Gegner reduziert, sondern wir unterbrechen im besten Falle sogar seinen Angriff. Je nach Gegnertyp reichen 2 bis 8 Parrys und unser Widersacher steht benommen und hilflos vor uns. Per Finisher knipsen wir ihm dann direkt das Licht aus oder halbieren mindestens dessen Energieleiste. Eve hat aber noch einiges mehr im Gepäck. Bei jeder Kombo kassieren wir Beta Points, die auf ein Special Move Konto geschaufelt werden. Insgesamt vier unterschiedliche Superschläge stehen uns zur Auswahl, die sich im Skilltree nochmals aufwerten lassen.


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Im späteren Spielverlauf erwerben wir weitere Upgrades wie Blockteleport, Backstabs, Sprungangriffe aus erhöhter Position etc. und natürlich den obligatorischen Double Jump, welcher aber erst in der zweiten Hälfte der Story freigeschalten wird. Der Fähigkeitenbaum ist amtlich. Fünf unterschiedliche Sets mit dutzenden Upgrades laden zum Ausprobieren ein. Mit einem kostengünstigen Item beim Händler eurer Wahl lassen sich sämtliche Fähigkeiten resetten, falls der aktuelle Build nichts taugt.

Checkpoints bzw. die nicht zu seltenen Auffüllstationen treten in zwei Varianten auf. Die kleinere lässt uns automatisch speichern, im Shop-Automaten Granaten, Heilungstränke und anderen hilfreichen Krimskrams einkaufen, regeneriert unsere Verletzungen und lässt uns auch die Hintergrundmusik per Plattenspieler einstellen. Bei der luxuriösen Variante gibt es das Repair-Terminal zum Craften und die Schnellreise obendrauf.


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Auch wenn sich Eve auf tragische Weise von Tachy trennen musste, zieht sie nicht allein durch die feindverseuchten Regionen. Die hilfreiche Flugdrohne wird vom Team-Kollegen Adam remotegesteuert. Der fliegende Metallkamerad versorgt uns mit hilfreichen Tipps, stöbert gelegentlich Schatztruhen auf und scannt die Umgebung auf Feinde, Kisten, versteckte Wege und Schlösser und mutiert im späteren Spielverlauf sogar zur multifunktionalen Knarre. Mit der zerlöchern wir aus sicherer Distanz anstürmende Miesepeter mit normalen Patronen, hauen ihnen eine Ladung Schrot ins Gesicht oder begrüssen das Alien-Gesocks nach ein paar Upgrades mit explodierenden Kugeln oder zielsuchenden Raketen.


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Weiter füttern wir unsere Drohne mit gefundenen Chips und verschaffen uns erhöhte Scanreichweite, eine Hacking Option für verschlossene Truhen oder rüsten uns mit mehr Munitionsvorrat und grösseren Magazinen aus.


Es ist nicht selten, dass wir auf gefallene Zivilisten und Soldaten treffen. Schamlos plündern wir die Leichen auf Dokumente und Passcodes, denn im Krieg zählt jeder Vorteil. Rarer ist das Aufeinandertreffen toter Squad Member. Bei erfolgreichem Fund entziehen wir unseren alten Kameradinnen eine Art Energie, die unsere Lebensleiste erhöht oder mehr Saft für die Special Move Leisten bietet.


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Selbstverständlich lässt unsere agile Kämpferin ihr Modebewusstsein nicht schleifen. Wir ergattern uns verschiedenen Outfits, verpassen ihr eine Brille und passende Ohrringe und dürfen sogar die Frisur oder Länge ihrer Haarpracht einstellen, damit auch für die Spanner unter euch die freie Sicht auf ihr bemerkenswertes Hinterteil gewahrt bleibt.


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In den ersten Abschnitten durchkämmen wir eine Handvoll linearer Levels, hauen die anwesenden Aliens kurz und klein und lösen das eine oder andere Umgebungsrätsel. Danach erreichen wir Xion, die letzte Bastion der Menschheit, wonach sich der Handlungsbereich in eine Semi Open-World verwandelt. Hier treffen wir auf hilfreiche NPCs und verschaffen uns Zugang zum Wasteland und andere, weitläufigere Levels.


Fortan arbeiten wir neben der Story auch einige optionale Nebenmissionen ab. Bulletin Boards machen uns die Arbeit einfach, listen alle aktuellen Sidequests der gegenwärtigen Region und sind auch für die damit verbundene Gewinnausschüttung verantwortlich. Auch treffen wir hier auf Händler, mit denen wir diverse Geschäfte tätigen und die uns bei entsprechendem Freundschaftslevel auch mal den einen oder anderen Fummel oder sogar eine Side-Quest anbieten.


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Das Arsenal der Naytibas bietet nicht nur nervige Standard Gegner oder ein wenig korpulentere Kandidaten. Die regelmässig auftretenden Mini-, Level- und Endbosse - sogenannte Alpha-Naytibas - sollte man nicht unterschätzen. Und hier muss schon mal vorweg gesagt werden, einige der Bosse sind kreative Auswüchse aus den dunkelsten Tiefen der Softwaregeschichte. Sehr eindrücklich und extrem garstig! Mehr wird nicht verraten.


Nach dem ersten Durchlauf, für den ihr locker 20-30 Stunden einplanen könnt, bekommen wir Zugriff auf das New Game+. Neben dem optionalen Hard Mode überschüttet uns Shift Up mit über 20 weiteren Outfits, haufenweise Accessoires und einem neuen, fünften Skillstree. Die bereits erworbenen Fähigkeiten vom ersten Run bleiben uns selbstverständlich erhalten. Zudem haben wir so gleich die Möglichkeiten, das zweite der beiden Enden zu erleben. Ein Story-DLC ist vorerst nicht geplant. Die Entwickler haben aber bereits einen Boss Rush Mode angedeutet.



Fazit Armin:

Als Fan von Bayonetta, Parasite Eve und Nier Automata trifft Stellar Blade genau meinen Geschmack. Das fabelhafte Kampfsystem wird der Konkurrenz noch zu denken geben. Nachdem ich mich in Bloodborne, Sekiro, Lies of P und Wu Long beinahe kaputt-pariert habe und bei Elden Ring absichtlich darauf verzichtete, dachte ich anfangs: “Nicht schon wieder!”, bis ich die ersten paar Schurken mit einer butterweichen Abwehrserie in die Knie zwang. Stellar Blade bietet das perfekte Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und fairem Zeitfenster. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spass bei den Bossfights. Den versprochenen Boss Rush Mode werde ich mir zur gegeben Zeit sicherlich gönnen. Ich sass teilweise sprachlos mit offenem Mund vor dem Screen. Ich kann nur Lob an Shift Up aussprechen. Wenn man als Mobile Game Entwickler als erstes AAA Konsolengame so etwas abliefert, dem garantiere ich eine goldene Zukunft. Grosse Patzer, bis auf die repetitive Passwortsucherei, fand ich in Stellar Blade nicht. Ich werde nicht mit stundenlangen Cutscenes zugebombt, die kurzen Einspieler sind genau mein Geschmack. Das Gameplay vermittelt dank der sanften Hintergrundmusik eine gewisse Leichtigkeit, die perfekt zur Atmosphäre passt. Manche mögen vielleicht Eve's freizügige Kostüme für unnötig halten, ich stehe aber voll und ganz hinter dieser Kleiderwahl! Stellar Blade ist sicherlich ein Kandidat für das Spiel des Jahres 2024. Bravo!


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Fazit Sascha:

Hier ist ein Engel vom Himmel gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich mache kein Geheimnis daraus; im Vorfeld wurde ich nur durch die äusserst attraktive Heldin auf das Spiel aufmerksam. Soulslikes mag ich nämlich nicht. Zudem lasse ich mich nicht so gern blenden, speziell von einem Entwickler, der zuvor nur ein (miserables) Mobile-Game hervorgebracht hat. Umso überraschter war ich, dass sich hinter der sexy Fassade ein so fantastisches Spiel verbirgt, das dank "Story-Mode" sogar für mich machbar war. Ich habe tatsächlich nur einen einzigen Kritikpunkt: Das Plattforming ist stellenweise eine Katastrophe. Ansonsten gefällt mir hier vom Setting, über die allgemeine Ästhetik, die verträumte Musik, die Grafik mit den fantastischen Animationen bis hin zum "knackigen" Gameplay einfach alles! Dass Eve und ein paar andere NPCs flotte Hingucker sind und mich das Spiel vom Aufbau her an die «guten alten Zeiten der Single Player Games» erinnert, fühlt sich im Jahr 2024 für Konsolen-Spieler schon wieder originell an. Stellar Blade ist neben Helldivers 2 ein weiteres, perfektes Beispiel dafür, was für spektakuläre Spiele entstehen, wenn man die Entwickler einfach mal machen lässt. Ich kann gar nicht genug davon kriegen! Liebe und Respekt gehen raus an Shift Up für die ausgezeichnete und liebevolle Arbeit. So macht Gaming Spass, bitte mehr davon!


PS: Bonus-Punkte für die über 40 (!) Outfits und Accessoires, die man alle komplett ohne Microtransactions erspielen kann. Das hätte ich von den «Goddess of Victory: Nikke» Machern nicht erwartet!


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Stellar Blade ist exklusiv für PlayStation 5 erschienen. Das Test-Muster stammt von SIEE, wofür wir uns herzlich bedanken!


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