The(G)net Review: Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist: Link Evolution

6 Staffeln werden zurück ins Leben gerufen, über 9'000 Karten stehen uns zur Verfügung und wir haben ein Ziel: Der König der Spiele sein! Der schlechte Ersteindruck wird bald nach Spielstart weggefegt. Schlecht, weil dieses Spiel nicht einmal über ein Intro verfügt. Der Anime hätte genug Filmschnipsel her gegeben. Wir beginnen die Kampagne und sehen 6 ganze Yu-Gi-Oh!-Staffeln, die vor uns liegen. Freude herrscht! Also stürzen wir uns direkt in das erste Duell...



Das Game ist hübsch und übersichtlich gestaltet. Infos rund um das Duell werden gut sichtbar angezeigt, so haben wir stets den Überblick, beispielsweise über die einzelnen Monsterstufen, und werden sogar auf mögliche Aktionen im Extra Deck aufmerksam gemacht. Der Hintergrund spielt toll mit, wir erkennen die Strassen von Domino bzw. Battle City von oben. Der Ladebildschirm zeigt uns Details zu zufällig ausgewählten Karten. Nie vorher haben wir uns gewünscht, die Ladezeit würde länger gehen: Warte, ich will das lesen! Eine weitere Kirsche auf der Sahne-Torte sind eingebauten Zwischensequenzen innerhalb der Duelle, auch wenn die 3D-Animationen für das Jahr 2020 etwas amateurhaft rüber kommen.



Wenn Signaturkarten gespielt werden, starten die Animationen zum jeweiligen Monster. Ihr wisst schon, der Dunkle Magier schwingt seinen Zauberstab, der Weisse Drache zeigt seinen eiskalten Blick. Die Sequenzen sind clever eingebaut. Sie dauern kurz und beeinflussen somit den Spielspass nicht negativ – wie das bei einigen Vorgängern war. Wir hätten gerne mehr davon gesehen. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Auswahl zu wünschen übrig lässt. Monster, die klar eine Zwischensequenz verdient hätten, haben keine. Die Götterkarten, keine Animation? Echt jetzt? Schwach! Kommt dazu, dass teilweise die falschen Signaturmonster animiert werden und die Richtigen dabei vergessen wurden. Mit Jaden Yukis Deck startet beispielsweise eine Sequenz zum Elementarhelden Donnergigant. Wo bleibt der Flammenflügelmann? Klar ein Verbesserungspunkt, aber die Idee an sich gefällt.



Die Storyline beinhaltet für jeden Duellantentyp genau das Richtige. Anfänger werden in jeder Staffel mit einem Tutorial begrüsst. So lernen wir rasch neue Mechanismen, die im Laufe der Jahre dem Kartenspiel hinzugefügt wurden: Synchromonster, XYZ, Pendel, etc. Kenner dürfen die Tutorials einfach überspringen und direkt in die Geschichte eintauchen. Mit viel Dialogen werden wir durch jede Staffel des Anime geführt. Hardcore-Player hingegen können auch diesen Teil überspringen und direkt von Duell zu Duell hüpfen. Wir haben ein bisschen gerechnet: 6 Staffeln können wir durchspielen. Jede beinhaltet über 60 Duelle, womit wir bei etwa 360 Duellen landen – und das nur in der Kampagne. Bei jedem Duell dürfen wir zwischen unserem eigenen Deck oder dem Deck aus der Geschichte wählen. Also beispielsweise Yugis Deck, wenn man gerade als Yugi spielt.



Die Geschichtsdecks der Protagonisten sind mit viel Sorgfalt erstellt worden. Wir erkennen das an den minimen Aktualisierungen von Match zu Match. Wie im Anime werden die Decks von Zeit zu Zeit angepasst. Wir empfehlen neben dem eigenen, sich auch mit diesen Decks zu duellieren. Durch die Nutzung dieser Decks entsteht viel Inspiration, die in die Verbesserung des eigenen Decks einfliessen kann. Und durch das Gewinnen der einzelnen Spiele kommen wir auch rasch an die gewünschten Karten. Jedes Kapitel enthält zwei Duelle, das klassische Duell aus der Sicht des Helden, aber auch die Reverse Duelle. Hier schlüpfen wir in die Rolle des Antagonisten und wechseln die Perspektive. Diese Möglichkeit eröffnet uns Zugang zu noch mehr Karten und ist gleichzeitig eine willkommene Abwechslung zum Altbekannten. Einen Nachteil hat das Ganze aber: Im Anime hat der Seitenwechsel gut funktioniert, aber diese Decks verfolgen nur eine einzige Strategie. Diese geht auch nur auf, wenn man gerade die richtigen Karten zieht. Leider ist das Glück nicht immer auf unserer Seite und so werden wir teilweise in wenigen Zügen fertig gemacht. Echt frustrierend. Ausnahmen vorweg, brauchen wir durchschnittlich drei bis fünf Anläufe, um endlich gegen den Helden der Story zu gewinnen. Wenigstens gibt’s für jeden Versuch Duellpunkte.



Wenn wir alle Duelle bestreiten, verfügen wir über Massen dieser Duellpunkte. Diese nutzen wir, um Booster zu kaufen. Das wäre nicht einmal nötig, denn wir gewinnen Karten bereits in den bestrittenen Duellen. Die Booster sind aber echt cool – nie hatten wir Zugang zu so vielen Karten, so vielen Strategien. Sogar die echt krassen Karten aus dem Anime sind mit dabei: Die Götterkarten, das Auge von Orikalkos… Achtung: Deckbuilding kann zur Sucht werden! Aber es macht auch mächtig Spass. Das Rezeptmenü ist benutzerfreundlich und übersichtlich. Es mangelt ihm an Nichts! Gefällt uns eine Karte, werden uns sogar Empfehlungen gegeben, also andere Karten, die zu unseren Favoriten passen könnten. Was will man mehr? Kleine Anekdote hier: Der Einbau eines Schwierigkeitsgrads bei den Gegnern wäre toll gewesen. In den Boostern finden wir die ultimativen Strategien und Formen rund um die Signaturkarten unserer Helden. Es wäre spannend gewesen, gegen solche Superdecks in einem Profi-Modus spielen zu können. Das Spiel hat hingegen entschieden, in Sachen Gameplay Schwierigkeitsgrade einzubauen: eine Katastrophe! Wir werden förmlich an der Hand geführt bei den Duellen. Setzen wir eine Zauberkarte, so fragt uns das Spiel ca. drei Mal, ob wir diese nun aktivieren möchten. Und wir haben in der Zwischenzeit gerade einmal eine Karte gezogen. Nervtötend.


Glücklicherweise gibt es einen Profi-Modus. Hier werden keine Hinweise mehr gegeben, wir müssen selbst den Knopf betätigen, wenn wir in den Fluss des Duells eingreifen möchten. Das Problem: Zu schnell. Kaum spielt der Gegner ein Monster, greift er unseres in der nächsten Sekunde auch schon an und auch wenn wir die Fallenkarte hätten, so haben wir die Reaktionsgeschwindigkeit einfach nicht. Zurück also zum Kindergarten. Das nächste Mal bitte etwas dazwischen, damit wir uns nicht ständig aufregen müssen. Aber das hält uns nicht auf, denn das Game hat einen enormen Suchtfaktor. Wir wollen die Geschichte nochmals durchleben, Karten sammeln, unser Deck perfektionieren. Und wenn wir damit fertig sind, nerven wir unsere Freunde und ziehen sie mit hinein in den süssen Abgrund. Denn das Spiel bringt viele Multiplayer-Features mit sich. Neben den Online Ranked Battles können wir mit unseren Buddies Partie über Partie ausfechten und dabei die Regeln so gestalten, wie wir es möchten. Timer, Lebenspunkte, Match Settings: Wir können an allem schrauben.



Fazit:

Eines. Der. Besten. Yu-Gi-Oh! Spiele. Überhaupt. Das Spiel erfüllt die Wünsche eines jeden Duellantenherzens. Über 9'000 Karten schenkt uns das Spiel und damit eine massenhafte Anzahl an Strategien zum Ausprobieren. Austoben können wir uns in über 360 Duellen und es wird nie langweilig. Die Geschichte wird entlang des Anime umfassend zum Leben erweckt und mit Features wie Tutorials und Überspringmöglichkeiten finden sich Anfänger wie Profis prima zurecht. Neben kleinem Verbesserungspotenzial für alle Nachfolger, ganz ehrlich: Dieses Spiel übertrifft mit seinen unzähligen Möglichkeiten sogar die Tops unter den Spielen zum Anime, ja sogar die Tag-Force-Serie. Wir haben bereits etliche Stunden in das Spiel investiert und werden mit 100%-iger Sicherheit noch viele weitere damit verbringen.




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