Codename 007 - Die ultimative Chronik aller James Bond Spiele
- Sascha Böhme

- 29. Mai
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Juni
James Bond und Videospiele, das ist eine Beziehung mit Lizenz zum Schwanken. Mal elegant wie ein Aston Martin auf der Küstenstrasse, mal holprig wie ein Q-Gadget im Betatest. Seit den frühen 80er Jahren hat 007 praktisch jede Plattform und jedes Genre besucht: Textadventure, Arcade Action, Sidescroller, Ego Shooter, Rennspiel, Mobile Ableger, Third Person Action und moderne Stealth Abenteuer.

Dieses Special blickt chronologisch auf alle James Bond Spiele zurück, von den ersten Heimcomputer Experimenten bis zu modernen Neuinterpretationen. Denn die Geschichte der Bond Spiele ist nicht nur eine Reise durch die 007 Lizenz, sondern auch ein kleiner Crashkurs durch vier Jahrzehnte Videospielgeschichte. Mit GoldenEye 007 als unsterblichem Denkmal, über einige kuriose Experimente, die selbst Q wohl lieber im Archiv versteckt hätte, bis hin zur erfolgreichen Neuinterpretation.
1983: James Bond 007
Das erste offiziell lizenzierte James Bond Videospiel erschien 1983 für Systeme wie Atari 2600, Atari 5200, ColecoVision und Commodore 64. Im Spiel mit dem simplen Titel "James Bond 007" steuern wir Bonds Spezialfahrzeug, den Lotus Esprit aus dem Film "The Spy Who Loved Me", durch seitlich scrollende Level. Wegen grafischer Limitationen sah aber weder das Vehikel noch der Bond-Charakter seinem Vorbild ähnlich, aber immerhin durfte schon hier fleissig geballert werden.

1985: A View to a Kill
Passend zum Kino-Film erschien "A View to a Kill" als Adventure Umsetzung für damals aktuelle Heimcomputer. Bond wird inhaltlich von Roger Moores Filmmission inspiriert, auch wenn die technische Darstellung natürlich weit entfernt von der Filmvorlage war. Das Spiel mischte Textadventure Strukturen mit einzelnen Actionmomenten und führte Bond durch bekannte Szenarien aus dem Film rund um Max Zorin. Es gehört zu den frühesten Versuchen, einen Bond Film als Genre-Mixtur darzustellen.

1986: Goldfinger
Goldfinger wirkt heute wie ein abstraktes Kuriosum. Das klassische Textadventure orientierte sich am gleichnamigen Film mit Sean Connery. Spieler lösen Rätsel, untersuchen Umgebungen und folgen Bonds Spur im Kampf gegen Auric Goldfinger. Alles jedoch ohne irgendwelche Bilder, sondern in reiner Textform. Goldfinger zeigt schön, wie sehr frühe Bond Spiele noch aus der Adventure Tradition kamen, bevor die Marke später fast ausschliesslich mit Action und Egoshootern verbunden wurde.

1987: The Living Daylights
The Living Daylights erschien 1987 zum Timothy Dalton Film und verwandelte Bonds neue, härtere Kino Ära erstmal in ein seitlich scrollendes Actionspiel. Wir ballern uns durch Gegnerwellen, weichen Projektilen aus und erleben eine deutlich arcadigere Interpretation des Films. Bond basiert zwar auf Timothy Dalton, blieb aber grafisch eher generisch. Der Titel markiert den Moment, in dem Bond auf Heimcomputern stärker in Richtung direkter Action kippte.

1988: Live and Let Die
Live and Let Die war ein ungewöhnlicher Fall, denn das Spiel entstand ursprünglich nicht zwingend als Bond Projekt, wurde aber später mit der Lizenz des Roger Moore Films verbunden. Im Kern geht es um rasante Bootsrennen und Action auf dem Wasser. Bond wird nicht wirklich durch Roger Moore verkörpert, sondern über Titel, Szenario und Lizenz eingebunden. Einer der kurioseren Bond Titel, weil er zeigt, wie elastisch Lizenzspiele in den 80ern manchmal gehandhabt wurden.

1989: Licence to Kill
Licence to Kill setzte Timothy Daltons zweite und letzte Bond Mission als actionlastiges Shoot'em Up um. Statt eleganter Spionage dominieren Verfolgungsjagden mit diversen Vehikeln, Schusswechsel und Top Down Action, passend zum härteren Ton des Films. Wie der Film war auch das Spiel deutlich ruppiger als viele Moore Abenteuer und passte damit zur düsteren Dalton Phase.

1990: The Spy Who Loved Me
The Spy Who Loved Me nahm Roger Moores Bond-Film als Grundlage und konzentrierte sich vor allem auf Fahrzeugaction mit dem ikonischen Lotus Esprit. Wir fahren, schiessen und kämpfen uns durch Missionen mit klarer Arcade Ausrichtung. Bond basiert zwar auf Roger Moores Filmfigur, Ähnlichkeit gibt es aber weder im Spiel noch in zugehörigen Spiele-Cover. Der berühmte Lotus Esprit war hier der eigentliche Star, lange bevor 007 Spiele die Bond Garage öfters ins Zentrum stellten.
1990: James Bond: The Stealth Affair
The Stealth Affair ist einer der spannendsten Sonderfälle der 007 Geschichte. Das Point-and-Klick Adventure im Stil der damals aktuellen LucasArts-Spiele wurde bei uns in Europa als "Operation Stealth" bekannt, ohne Bezug auf 007. In Nordamerika wurde es hingegen mit der James Bond Lizenz versehen. Bond wird hier nicht von einem bestimmten Schauspieler verkörpert, sondern als klassischer, gesichtsloser Geheimagent inszeniert. Wir infiltrieren, kombinieren Gegenstände und lösen Rätsel, geballert wird selten. Grips steht klar im Fokus.
1991: James Bond Jr.
James Bond Jr. basiert nicht auf irgendeinem bekannten Bond-Film oder -Schauspieler, sondern auf der gleichnamigen Zeichentrickserie rund um Bonds Neffen. Der Held ist also nicht Sean Connery, Roger Moore oder Timothy Dalton, sondern der Teenager James Bond Jr. selbst. Es ist ein kindgerechteres Action Abenteuer mit Plattforming- und Shooter-Elementen. Streng genommen ist es kein klassisches James Bond Spiel, gehört aber zur offiziellen Bond Medienfamilie und zeigt, wie die Marke Anfang der 90er ausgeschlachtet wurde.
1993: James Bond 007: The Duel
The Duel erschien für Sega Systeme und war das letzte Bond Spiel vor der grossen GoldenEye Zeitenwende. Die Figur orientierte sich offiziell an Timothy Dalton, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass seine Ära vorbei war. In diesem Action-Platformer kämpfen wir uns als Tuxedo-Träger durch seitlich scrollende Levels, retten Geiseln und sabotieren feindliche Anlagen, was entfernt an Shinobi erinnerte. The Duel wirkt rückblickend wie ein spätes Echo der 80er, kurz bevor Rare auf dem Nintendo 64 alles neu definieren sollte.
1997: GoldenEye 007
GoldenEye 007 für Nintendo 64 ist der grosse Monolith unter den 007 Spielen und gilt für viele bis heute als das beste Bond-Game überhaupt. Basierend auf dem gleichnamigen Pierce Brosnan Film folgt der Egoshooter grob der Handlung um Janus, Trevelyan und die GoldenEye Satellitenwaffe, erweitert sie aber um neue Missionsziele, Stealth Elemente und legendäre Multiplayer Arenen. Bond trägt Pierce Brosnans Gesicht, aber nicht seine Stimme, denn Sprachausgabe spielte damals kaum eine Rolle. GoldenEye 007 wurde in Sachen Konsolen Shooter und lokalen Multiplayer zum Goldstandard, an dem fast jedes Bond Spiel bis heute gemessen wird.
1998: James Bond 007
James Bond 007 für GameBoy war keine Filmumsetzung, sondern eine eigenständige Bond Geschichte im Taschenformat. Bond trifft in diesem Hybrid aus Action-Adventure und Top Down Shooter auf bekannte Figuren und Schurken aus mehreren Filmen, darunter Oddjob und Jaws. Visuell ist Bond hier eher eine generische 007 Interpretation. Für GameBoy Verhältnisse war das Spiel überraschend ambitioniert und wurde von vielen Nintendo Fans als "Bond-Zelda" betitelt.
1999: Tomorrow Never Dies
Tomorrow Never Dies erschien für PlayStation und basiert auf Pierce Brosnan's zweitem Bond Film. Statt GoldenEye einfach zu kopieren, setzte EA auf Third Person Action mit Schusswechseln, Ski Passagen und Fahrzeugmomenten. Nach dem Erfolg von GoldenEye waren die Erwartungen brutal hoch, und Tomorrow Never Dies hatte das Pech, als erstes grosses Bond Spiel nach Rares Meisterwerk antreten zu müssen. Chancenlos.
2000: The World Is Not Enough
EA gab nicht auf und versuchte den Erfolg von GoldenEye zu wiederholen. Und tatsächlich kam dieses Spiel dem "König" im Aufbau am nächsten, wurde aber nicht zum erhofften, kommerziellen Erfolg. The World Is Not Enough erschien für Nintendo 64 und PlayStation sowie ein Jahr später sogar für GameBoy Color (siehe unten). Inhaltlich folgt das Spiel Pierce Brosnans drittem Bond Film rund um Elektra King, Renard und eine nukleare Bedrohung. Die N64 Variante gilt überraschenderweise als deutlich stärker als die PlayStation Fassung.
2000: 007 Racing
007 Racing stellte erneut nicht Bond zu Fuss, sondern Bonds Autos ins Zentrum. In diesem missionsbasierten Rennspiel fahren wir berühmte Fahrzeuge aus Q's Fuhrpark wie den Aston Martin DB5 und erledigen Missionen mit Gadgets, Waffen und wilden Verfolgungsjagden. Es war das erste Bond Spiel, das echte FMV-Sequenzen bot.
2001: The World Is Not Enough
Die Game Boy Color Version von The World Is Not Enough war keine simple Portierung, sondern ein komplett eigenständiges, neues Action Adventure. Das Spiel folgt grob dem Film, übersetzt Bond aber in eine portable Mischung aus Erkundung, Rätseln und Kampf. Die GBC Fassung erschien über ein Jahr später als die "grossen" Konsolenvarianten, verkaufte sich aber sehr schlecht und ist heute ein begehrtes Sammlerstück für Bond Komplettisten.
2001: James Bond 007: Agent Under Fire
Agent Under Fire war EAs erster komplett eigenständiger Bond Egoshooter ohne direkte Filmvorlage. Bond kämpft gegen eine Organisation, die Klontechnologie und Identitätsdiebstahl nutzt, also herrlich früher 2000er Agentenwahnsinn. Das Spiel begann ursprünglich als The World Is Not Enough Nachfolger, wurde dann aber zu einer eigenen 007 Geschichte umgebaut. Bond basiert hier nicht auf Pierce Brosnan als offizieller Darsteller, sondern auf einem eigenen Modell.
2002: 007 Ice Racer
007 Ice Racer war ein Mobile Spiel von Vodafone zur Die Another Day Ära und konzentrierte sich auf die Eis- und Fahrzeug-Action rund um Zao, Jinx und den Ice Palace. Bond wird über die Pierce Brosnan Filmwelt definiert, aber auf damaligen Handys natürlich stark reduziert dargestellt. Es ist ein frühes Beispiel dafür, wie Bond schon vor der Smartphone Ära als Mini Lizenzspiel auf Mobiltelefonen verwertet wurde.
2002: James Bond 007: Nightfire
Nightfire war wieder eine eigenständige Bond Story, diesmal mit Raketenabwehr, Weltraumwaffen, Villen Infiltration und allem, was ein Agentenmenü so braucht. Bond sieht auf den meisten Plattformen tatsächlich wie Pierce Brosnan aus, wird aber nicht von Brosnan gesprochen. Das Spiel ist primär ein Ego Shooter, ergänzt durch Fahrzeugmissionen und Multiplayer. Viele Fans sehen Nightfire als einen der besten Nachfolger von GoldenEye, besonders wegen seiner starken Multiplayer Komponente.
2003: 007 Hover Chase
Ein weiteres Mobile Spiel von Vodafone zur Die Another Day Phase, das die Hovercraft Sequenz aus dem Film aufgreift. Wir rasen über gefährliches Terrain, weichen Hindernissen aus und kämpfen uns durch mobile Renn-Action. Das Spiel war stark an Vodafone Live und frühe Java Mobile Technik gebunden, was es heute besonders schwer zugänglich macht, was aber freilich kein grosser Verlust ist.
2003: James Bond 007: Everything or Nothing für Game Boy Advance
Die GBA Version von Everything or Nothing erschien lustigerweise rund ein Jahr vor der "grossen" Konsolenfassung und war ein isometrisches Action Adventure. Das Spiel verbindet Schiessen, Schleichen, Gadgets und kleine Rätsel mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle. Während die Konsolenversion ein Jahr später fast wie ein spielbarer Bond Film wirkte, war die GBA Fassung eher ein kompaktes Agentenabenteuer für unterwegs.
2004: James Bond 007: Everything or Nothing
Everything or Nothing ist vielleicht das filmischste klassische Bond Spiel überhaupt. Es erzählt eine komplett neue Geschichte mit Pierce Brosnan als Bond, Willem Dafoe als Schurke, Heidi Klum, Shannon Elizabeth, Judi Dench, John Cleese und mehr. Das Genre wechselte vom Egoshooter zum Third Person Action Adventure mit Deckungssystem, Gadgets, Fahrzeug-Passgen und spektakulär inszenierten Setpieces. Für viele Fans ist es Brosnan's ultimatives Bond Abenteuer auch, weil er hier nicht nur sein Gesicht, sondern ebenfalls seine Stimme lieferte. Eines der besten Bond Abenteuer, wie auch wir damals im Testbericht verkündeten.
2004: GoldenEye: Rogue Agent
Trotz des Namens ist GoldenEye: Rogue Agent keine Neuauflage von GoldenEye 007 und wir übernehmen nicht einmal die Rolle von James Bond, sondern jene eines abtrünnigen MI6 Agenten mit goldenem Auge, der in eine alternative Schurkenwelt voller Bond Ikonen gerät. Bond selbst ist also nicht der Protagonist; das Spiel nutzt Figuren wie Goldfinger, Dr. No, Scaramanga und Oddjob. Der Titel sorgte entsprechend für Verwirrung, weil er den legendären Namen GoldenEye trug, spielerisch und erzählerisch aber nichts mit dem N64 Klassiker zu tun hatte.
2005: From Russia with Love
From Russia with Love brachte 2005 überraschend Sean Connery als James Bond zurück, inklusive Stimme und digitalem Counterfeit. Das Spiel interpretiert den Filmklassiker als Third Person Action Spiel, mit alten und komplett neuen Setpieces, Renn-Sequenzen, Nahkampfeinlagen und jeder Menge Q-Gadgets. Connerys gelungene Rückkehr als Bond war eine kleine Sensation, auch wenn das Spiel den 60er Bond deutlich moderner und explosiver inszenierte. Eines der besten Bond-Spiele.
2006: SilverFin
SilverFin basiert auf Charlie Higsons Young Bond Roman und zeigt James Bond als Teenager in den 1930er Jahren. Es geht um Eton, eine schottische Burg und ein geheimes Labor. Ein klassischer Bond Schauspieler steckt hier nicht dahinter, da es um den jungen James vor seiner 00 Karriere geht. Es ist vielmehr ein isometrisches Stealth- und Puzzle-Abenteuer und ein spannender Seitenarm der Lizenz, weil das Spiel stärker auf Jugendroman und Schleichrätsel setzt als auf Martini, Aston Martin und Walther PPK.
2006: Casino Royale Mobile
Zum Daniel Craig Reboot Casino Royale erschien ein weiteres Mobile Spiel. Bond wird entsprechend von Craigs härterer, physischer Interpretation inspiriert. Inhaltlich folgt Casino Royale den zentralen Actionszenen des Films und übersetzt sie in kurze Java-Handyspiel Sequenzen.
2006: James Bond Trivia
James Bond Trivia war kein Action Abenteuer, sondern ein Quizspiel für Mobilgeräte. Hier geht es um Wissen zur Filmreihe, den Figuren, Schauspielern und Ereignissen. Der kuriose Titel ist eher Fanservice als vollwertiges 007 Spiel, gehört aber zu den offiziell gelisteten Bond Mobile Spielen und darum auch in diesen Special.
2008: James Bond: Top Agent
James Bond: Top Agent war ein weiteres Mobile Spiel, in dem Spieler ihre eigene Agentenkarriere im Bond Universum aufbauen. Eine Genre Mischmasch aus Strategie- und Management-Elementen. Der Titel erschien zunächst 2008 für Java ME Handys und 2009 als erstes Bond-Game für Apple's iPhone, also genau in jener Übergangszeit, in der Handyspiele langsam Richtung Smartphone Markt kippten.
2008: Quantum of Solace
Quantum of Solace verband Inhalte aus dem gleichnamigen Film und Casino Royale zu einem der wohl besten Bond Egohooter. Das Spiel von Activision nutzt die Call of Duty Engine von Treyarch und mischt brachiale FPS-Action mit einem damals neuartigen Third Person Deckungssystem. Obwohl der Titel Quantum of Solace hiess, ist ein erheblicher Teil eigentlich aus Casino Royale, was dem Spiel mehr erzählerisches Fleisch geben sollte. QoS gehört zu meinen liebsten Bond-Spielen.
2010: GoldenEye 007
Aus Brosnans 90er Bond wurde plötzlich Craigs härtere 007-Nummer, was das Spiel zu einem kuriosen Reboot eines Reboots macht. Wir waren damals begeistert. GoldenEye 007 für Wii (und Nintendo DS) ist entgegen seines Titels kein Remaster oder Remake des N64-Klassikers, sondern eine Neuinterpretation. Die Handlung wurde modernisiert, Figuren und Situationen angepasst, das Grundgerüst um Trevelyan und GoldenEye blieb aber erhalten. Es ist ein klassischer Egoshooter mit Stealth, Nahkampf und Multiplayer-Modus.
2010: James Bond 007: Blood Stone
Blood Stone fühlte sich wie ein verlorener Craig Film an und erschien im selben Jahr wie die GoldenEye Neuinterpretation. Blood Stone erzählte eine eigenständige Geschichte zwischen Quantum of Solace und Skyfall. Daniel Craig verkörperte Bond, Judi Dench kehrte als M zurück und Joss Stone spielte das Bond-Girl Nicole Hunter. Ein typischer Third Person Shooter mit Deckungssystem, Nahkampf, Fahrsequenzen und internationalen Schauplätzen der uns damals im Test leider nur ein müdes Lächeln entlocken konnte.
2011: GoldenEye 007: Reloaded
GoldenEye 007: Reloaded brachte die Wii Neuinterpretation technisch überarbeitet auf PlayStation 3 und Xbox 360 (zum Testbericht). Bond bleibt Daniel Craig, die Story bleibt die modernisierte GoldenEye Variante. Reloaded ist gewissermassen die zweite Neuinterpretation eines Spiels, das selbst schon eine Neuinterpretation eines Films war. Bond Lizenzlogik kann manchmal mehr Schleifen schlagen als ein Aston Martin auf Glatteis.
2011: 007: Licence to Drive
007: Licence to Drive war ein weiterer Mobile Titel von Glu Mobile und konzentrierte sich auf Fahrzeugaction im Bond Stil. Bond wird hier durch Marke, Autos, Missionen und Agentenflair getragen und nicht durch ein Gesicht eines Schauspielers. Der Titel gehört zu den er vergessenen Smartphone- beziehungsweise Mobile Randnotizen mit 007-Lizenz.
2012: 007 Legends
007 Legends wollte zum 50 jährigen Filmjubiläum die Bond Geschichte feiern und kombinierte Missionen aus Goldfinger, On Her Majesty’s Secret Service, Moonraker, Licence to Kill, Die Another Day und später (via DLC) Skyfall. Gespielt wird jedoch durchgehend Daniel Craigs Bond, auch in Missionen, die ursprünglich Connery, Lazenby, Moore, Dalton und Brosnan gehörten. Die Idee war grossartig, die Umsetzung wurde jedoch hart kritisiert. Ausgerechnet dieses Jubiläumsspiel gilt bis heute als der grösste Reinfall der Bond-Spiele Geschichte. Hier unser damaliger Testbericht.
2015: James Bond: World of Espionage
World of Espionage war ein Free-to-Play Mobile Spiel mit Gatcha-Elementen für iOS und Android. Spieler bauten eine Agentenorganisation mit sammelbaren Figuren auf - lustigerweise alle weiblich und sexy - und "spielten" Missionen, die sich an verschiedenen Bond Filmen orientierten. Bond selbst kommt im Spiel quasi nur auf dem Titelscreen vor. Das Spiel wurde 2015 veröffentlicht und bereits Ende 2016 mangels Erfolg wieder eingestellt.
2023: Cypher 007
Cypher 007 erschien 2023 für Apple Arcade und setzt auf eine stilisierte Top Down Perspektive. Bond muss aus einer von Blofeld und Spectre erschaffenen Mind Trap entkommen und durchläuft dabei Erinnerungen, Schauplätze und Figuren aus der 007 Filmgeschichte. Nach 8 Jahren ohne grosse Bond Spiele war Cypher 007 ein kleines, aber charmantes Lebenszeichen der Lizenz, bevor 007 First Light 2026 endlich wieder einen grossen Auftritt wagte.
2026: 007 First Light
007 First Light ist IO Interactives grosser Bond Neustart und erzählt eine eigenständige Origin Story, die Spieler wie Kritiker fast einstimmig feierten (hier unser Testbericht). James Bond ist hier ein junger MI6 Rekrut auf dem Weg zum 00 Status und wird von Patrick Gibson verkörpert. Wir bekommen endlich wieder ein gross angelegtes, narratives Singleplayer Action Adventure mit Infiltrationen, Schleichen, Nahkampf, Schusswechseln, Gadgets und Fahrzeugsequenzen geboten. Es ist das erste grosse Bond Spiel seit 007 Legends (2012) und bewusst nicht an einen Bond-Film gebunden.
Und damit endet unsere kleine 007 Zeitreise. Auffällig ist, dass wir in den letzten 12 Jahren kaum nennenswerte Bond-Spiele gesehen haben. Warum? Vermutlich weil es ein Charakter wie James Bond in der aktuell sehr woken Welt schwer hat. Die Figur stammt aus einer Zeit, in der privilegierte, britische, heterosexuelle, weisse Männer mit Lizenz zum Töten, Hang zu schönen Frauen, teuren Autos und trockenen Sprüchen als lässig und cool galten. Geboren als männliche Wunschfantasie des Kalten Krieges, würde das Original heute wohl von vielen als "toxische Männlichkeit", Macho Gehabe oder nostalgisches Rollenbild gelesen. Ich bin froh und dankbar, dass IO Interactive beweisen konnte, dass die Bond-Formel auch heute noch wunderbar funktioniert, wenn sie mit Bedacht und Respekt modernisiert wird.

Spionage-Action, fiese Schurken, schnelle Autos, futuristische Gadgets, hübsche Frauen und Männer mit Stil und Klasse kommen nie wirklich aus der Mode, oder? Und obwohl nicht jedes Bond-Spiel Klasse hatte und nicht jede Mission Stil wie ein massgeschneiderter Tuxedo, erzählen sie zusammen eine wunderbare Zeitreise einer legendären Figur, die Generationen von uns begleitet hat. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, bis mich das klassische Bond Theme zum nächsten Agenten-Abenteuer abholt.






















































































































































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