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The(G)net Review: 007 First Light

Nach 14 Jahren ohne neues Bond Spiel war die Ausgangslage schwierig. Der letzte Auftritt aus dem Jahr 2012, 007 Legends, hinterliess keinen guten Eindruck und trug nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in weitere Videospielumsetzungen der Marke zu stärken. Umso wichtiger war es, für das Comeback ein Studio zu finden, das den Stoff versteht. Mit IO Interactive fiel die Wahl letztlich auf einen Entwickler, der wie kaum ein anderer für komplexe Infiltrationssysteme, flexible Missionsabläufe und stilvolle Agentenfantasien steht.


007 First Light Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Die Handlung von 007 First Light erzählt die Origin-Story von James Bond und wie er seinen Weg in den britischen Geheimdienst fand. Von der Ausbildung beim MI6 bis zu seiner ersten grossen Mission zeigt das Spiel einen jungen, unerfahrenen Bond, der noch nicht vollständig zur bekannten Agentenlegende geworden ist. James dient zu Beginn noch bei der Royal Navy Air Force, handelt pragmatisch, impulsiv und oft mit militärischer Direktheit. Erst im Verlauf seiner ersten grossen Mission wächst er schrittweise in jene Rolle hinein, für die wir ihn kennen und lieben.


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Bereits der Prolog macht deutlich, welche Richtung IO Interactive einschlägt. Bond wird als jemand skizziert, der Grenzen überschreitet, um andere zu retten. Genau diese Eigenschaft weckt die Aufmerksamkeit des MI6 und prägt den weiteren Verlauf der Geschichte. Mehr will ich über die Handlung nicht verraten, denn 007 First Light lebt stark von seinen Wendungen und der Entwicklung seiner Figuren.



Neben bekannten Charakteren wie M, Q und Moneypenny (die hier eine andere Rolle übernimmt als jene der Sekretärin) führt das Spiel auch neue Figuren ein. Dazu gehören Bonds Mitstreiter in der Ausbildung zum 00 Agenten sowie sein Mentor Greenway. Gerade die Dynamik zwischen Bond und Greenway gehört zu den gelungensten Elementen. Der erfahrene Coach, der wenig Geduld für Bonds Eigenheiten hat, bildet einen starken Gegenpol zum jungen Agenten.


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Visuell präsentiert sich 007 First Light überraschend stark. Die hauseigene Glacier Engine zeigt sich hier von ihrer besten Seite und liefert besonders auf PC und PS5 Pro beeindruckende Ergebnisse. Die Schauplätze führen rund um den Globus, unter anderem nach Island, in die Slowakei, nach Mauretanien, Vietnam und in Polarregionen. Die Vielfalt der Umgebungen, das Lichtdesign und die dichte Atmosphäre sorgen dafür, dass sich das Spiel jederzeit nach internationalem Bond Kino anfühlt. Dazu gehören auch hübsche, selbstbewusste Frauen und ein gewisses Mass an Erotik.



Besonders gelungen sind die Animationen. James Bond bewegt sich glaubwürdig durch die Umgebung, reagiert fein auf Gelände, Treppen, Steigungen und Hindernisse und wirkt dadurch deutlich natürlicher als viele andere Spielfiguren vergleichbarer Produktionen. Auch die zahlreichen NPCs tragen stark zur Immersion bei. In Hotels, Nachtclubs oder auf privaten Veranstaltungen wirken die Menschenmengen nicht wie blosse Kulisse, sondern wie Teil einer lebendigen Welt. Viele Figuren gehen eigenen Tätigkeiten nach, führen Gespräche, bewegen sich glaubwürdig und reagieren sichtbar auf ihre Umgebung.


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Spielerisch setzt 007 First Light auf flexible Missionsgestaltung. Wie in den früheren Arbeiten des Studios erhalten wir stets mehrere Möglichkeiten, eine Situation zu lösen. Man kann unauffällig vorgehen, Ablenkungen nutzen, alternative Wege suchen oder Gegner direkt ausschalten. Eine wichtige Einschränkung betrifft jedoch das Töten: Bond darf erst dann tödliche Gewalt anwenden, wenn eine klare Bedrohung gegen ihn besteht. Auch die Schusswechsel profitieren von dieser Dynamik. Munition ist begrenzt, Waffen müssen häufig gewechselt werden, und das Spiel ermutigt dazu, Nahkampf und Feuerwaffen miteinander zu verbinden.


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Besonders stark sind die Erkundungs- und Infiltrationsabschnitte. Wenn Bond noch nicht weiss, wie er sein Ziel erreichen soll, kann er Hinweise sammeln, Gespräche belauschen, Objekte untersuchen oder Notizen auswerten. Dadurch entstehen unterschiedliche Lösungswege, die auch den Wiederspielwert erhöhen. In einem Durchgang schleust man sich vielleicht als Fotograf ein, im nächsten findet man über belauschte Gespräche einen Zugang durch Wartungsschächte.



Gadgets spielen bei Bond immer eine zentrale Rolle, so auch hier. Der alte Tüftler Q liefert gleich zu Beginn ein paar Kontaktlinsen, mit deren Hilfe wir Gegner markieren und Objekte untersuchen, während Bonds Spezialuhr und weitere Werkzeuge neue taktische Möglichkeiten eröffnen. Laser, Hacking Funktionen, Blendgeräte und andere Hilfsmittel erweitern das Repertoire spürbar. Pro Mission können verschiedene Ausrüstungsgegenstände kombiniert werden, wodurch sich unterschiedliche Spielstile ergeben. Die Gadgets dienen nicht nur als Bond typische Spielerei, sondern erweitern die taktischen Optionen spürbar. Gleichzeitig zwingt das Energiesystem dazu, Ressourcen in der Umgebung zu sammeln und die Werkzeuge überlegt einzusetzen.


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Auch im Kampf bietet das Spiel mehr Tiefe, als es auf den ersten Blick scheint. Gegner lassen sich entwaffnen, aus dem Gleichgewicht bringen oder mit präzisen Schüssen ausschalten. In Kombination mit den Gadgets entsteht ein System, das sowohl in Stealth Momenten als auch in offenen Gefechten funktioniert. Die Action bleibt dabei klar auf Improvisation ausgelegt und versucht, Bonds Anpassungsfähigkeit spielerisch abzubilden, was hier nahezu perfekt gelingt.


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Ganz frei von Schwächen ist 007 First Light allerdings nicht und nicht alles funktioniert makellos. Die KI zeigt gelegentlich klare Schwächen. Wachen reagieren manchmal zu spät oder gar nicht auf offensichtliche Ereignisse in unmittelbarer Nähe, während sie in anderen Situationen viel zu schnell in den Alarmzustand wechseln. Offensichtlich wurde das System so abgestimmt, dass es einem breiteren Publikum zugänglich bleibt oder situationsbedingt auch mal für künstliche Spannung sorgt. Wer eine konsequentere Stealth Herausforderung sucht, sollte zu Beginn auf jeden Fall einen höheren Schwierigkeitsgrad wählen.


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Nach der Hälfte der Kampagne werden zudem gewisse Missionsmuster klar erkennbar, wodurch einzelne Abschnitte etwas zu routiniert wirken. Diese Wiederholungen bremsen den Spielfluss gelegentlich, werden aber zum Glück durch starke Setpieces, gelungene Belohnungsmomente und die insgesamt hochwertige Inszenierung weitgehend aufgefangen. Der Bösewicht bleibt überraschend blass. Er erfüllt zwar seine Funktion innerhalb der Handlung, bleibt aber vergleichsweise austauschbar und erreicht nie die Präsenz, die man von einem markanten Bond Bösewicht erwarten würde. Gerade weil das Spiel erzählerisch ansonsten viel Wert auf Charakterisierung und Atmosphäre legt, fällt dieser Aspekt stärker ins Gewicht.


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Für zusätzlichen Umfang sorgt der TecSim Modus, ein Missionssimulator mit separaten Herausforderungen, Punktesystem, weltweiten Ranglisten und freischaltbaren Belohnungen wie Skins, Waffen und Gadgets. Eine motivierende Idee, die nach dem Durchspielen der Kampagne, was in etwa 10-12 Stunden beansprucht, noch eine gute Weile beschäftigt.



Fazit:

Die Lizenz zum Töten mag er sich erst verdienen müssen, die Lizenz zum Beeindrucken hat er aber bereits. 007 First Light ist weder ein zweites Uncharted noch ein vereinfachtes Hitman, dürfte aber das überzeugendste James-Bond-Spiel seit GoldenEye 007 für das Nintendo 64 sein. IO Interactive liefert hier ein modernes, ambitioniertes und in vielen Bereichen vollständiges Bond-Wohlfühlpaket. Für Fans des charmanten, britischen Geheim-Agenten oder Freunde cineastischer Singleplayer Actionspiele ist 007 First Light ein absolutes Must-Play. Daran können auch Schwächen bei der Gegner-KI, das durchwachsene Design gewisser Sub-Missionen oder der etwas blasse Bösewicht nichts ändern. Ein Nachfolger - oder zumindest ein DLC - darf gerne kommen!


007 First Light Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

007 First Light ist aktuell für PC, PS5 und Xbox Series X|S erhältlich. Eine Switch 2 Fassung erscheint später in diesem Jahr. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro und dem PC getestet. Die Test-Muster haben wir uns selbst gekauft.


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