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Nacon Pro Compact Xbox Controller im Test

Der Pro Compact Controller ist Teil von Nacon's "Designed for Xbox"-Reihe und bietet Anpassungsmöglichkeiten, die sonst nur bei professionellen Eingabegeräten zu finden sind. Zusätzlich ist das Modell 15% kleiner als der herkömmliche Xbox-Controller. Grund für uns, dieses Joypad einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht

Das Vorurteil, dass Original Controller eines Konsolenherstellers immer besser sind als solche von Drittanbietern, kommt nicht von ungefähr. Viele 3rd Party Controller sind schlicht billig, die Auswahl mittlerweile enorm und unübersichtlich. Nacon's neuestes Eingabegerät kommt mit dem offiziellen "Designed for Xbox"-Label, was im Vorfeld zumindest eine bessere Qualität verspricht. Er ist in den Farben Schwarz, Blau, Weiss, Rot, Pastellblau und seit dem 11. November 2022 auch im durchsichtigen Colorlight Design mit LEDs zu haben. Eigentlich wollten wir euch genau diese neueste, flashigere Variante vorstellen. Nacon konnte uns aber leider nur den roten zur Verfügung stellen. Seis drum, die Innerreien sind ja die selben.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht
-15% Formfaktor - kleine Hände freuen sich, grössere weniger

Eines der Hauptmerkmale des Pro Compact ist, wie der Name bereits suggeriert, dass er 15 % kleiner ist als ein First-Party-Controller. 15% hört sich vielleicht nicht nach viel an, aber wenn man ihn in den Händen hält, fällt der Unterschied deutlich auf. Der kleinere Formfaktor soll Menschen mit kleineren Händen helfen, und obwohl ich den Gedanken und die Geste zu schätzen weiss, diesen Spielern entgegenzukommen, haben sich wohl die meisten von ihnen bereits an die Grösse des Standard-Controllers gewöhnt. Mit meinen grossen Händen war mir der Controller auf jeden Fall von Anfang an etwas zu klein (siehe Bild oben).


Es gibt weitere Details, die nicht unbemerkt bleiben, wie z.B. die texturierte hintere Hälfte, die den Grip verbessert. Diese Textur ist zwar nicht so ausgeprägt wie bei den First-Party-Controllern, aber sie ist subtil genug, um gerade noch aufzufallen. Die Sticks sind asymmetrisch angeordnet, wie man das bei Xbox Controllern gewohnt ist. Mir hat der kleine Metallakzent direkt unter den beiden Sticks sehr gut gefallen. Das ist nicht nur Show, denn bei längerem Gebrauch eines Standard-Controllers ohne diesen Rand, kann sich der Teil des Sticks, der an der Kante schleift, irgendwann abnutzen; dann sieht man die leichten "Staub"-Ringe. Dieser Kunststoffring am Pro Compact scheint den Sticks zu helfen, weniger an den Kanten zu scheuern, da er aus glattem Kunststoff besteht.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht
Metallakzente beim Stick verringern die Reibung

Das D-Pad ist im traditionellen Kreuz-Stil gehalten und nicht wie bei den Controllern der First-Party-Serie im neueren Scheibenformat, daher war es für mich etwas seltsam, sozusagen einen Schritt zurück zu machen. Das D-Pad selbst fühlt sich leicht schwammiger an als beim Original Xbox Controller. Das Scrollen durch die Menüs war in Ordnung, obwohl ich das deutliche "Klicken" des Originals bevorzuge. Die Sticks selbst sind konkav, so dass die Fingerspitzen meistens am Rand der Sticks aufliegen. Beim Pro Compact ist der obere, gummierte Teil der Sticks leicht strukturiert, aber die Aussenkante ist glatt. Bei einem Standard-Controller ist es genau umgekehrt: Er hat einen kleinen Grip entlang des äusseren Rands, aber nichts im konkaven Teil. Da sich der griffige Teil des Pro Compact nur am oberen, inneren Teil des Sticks befindet, hatte ich manchmal das Gefühl, dass meine Daumen leicht abrutschen.


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Kleinere Bumper, kleinere Trigger mit kürzerem Weg, grössere Abstände

Die Bumper des Pro Compact sind ungefähr genauso lang wie ein Standard-Bumper, haben aber nicht den kleinen erhöhten "Berg". Die Bumper sind etwa so lang wie die eines normalen Controllers und "klicky", egal ob man auf die Kanten oder die Mitte drückt. Die Bumper schliessen jedoch nicht bündig mit den Triggern ab, wie es bei einem Standard-Controller der Fall ist, sodass ein kleiner Spalt zwischen Bumper und Trigger entsteht, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Das Wichtigste an den Triggern ist, dass sie eine etwas andere Form und einen leicht kürzeren Weg haben, als man es gewohnt ist. Sie haben immer noch die Wölbung, auf der die Finger aufliegen, aber die Lippe der Wölbung ist etwas kleiner und mit ihrem niedrigeren Profil nicht so ausgeprägt. Der kürzere Weg spielt Egoshooter Fans in die Hände, bei Racing Games könnte das aber ein Nachteil sein. Aufgrund dieses etwas anderen Gefühls und des geringen Abstands zwischen Bumpern und Triggern ist es fast so, als würde man mir sagen wollen, ich solle meinen Zeigefinger auf den Bumpern und die Mittelfinger auf die Trigger legen, aber so spielt normalerweise kein Mensch - ausser in ganz speziellen Situationen vielleicht.


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Gewöhnungsbedürftig: Anordnung und Grösse der Buttons

Bei den Tasten unterscheidet sich der Pro Compact am meisten von den Standard-Controllern, und zwar nicht nur in Bezug auf die Platzierung (siehe oben), sondern auch in Bezug auf die Grösse. Vor allem die A-, B-, X- und Y-Tasten sind sehr viel grösser als beim Original. Der Grössenunterschied ist vernachlässigbar, aber wenn man so viele Jahre lang dieselben Tasten auf einem normalen Controller benutzt hat, wirkt es doch etwas seltsam. Die Facebuttons sind auch flacher als normal, und obwohl das keine drastische Veränderung ist, fühlt es sich einfach anders an, selbst nach wochenlangem Gebrauch. In Verbindung mit der Grösse bedeutet das, dass man sich erst einmal daran gewöhnen muss.


Die einschneidendste Veränderung ist die Platzierung der Tasten für Ansicht, Teilen, Menü und das Xbox-Dashboard. Bei einem normalen Xbox-Controller befindet sich die Xbox-Taste oben und alle drei anderen Tasten etwas darunter und nebeneinander. Beim Pro Compact hat man sich jedoch für ein Layout entschieden, das eher dem PlayStation-Controller ähnelt. Die Ansichtstaste befindet sich oben links neben dem linken Stick und die Menütaste liegt direkt neben der Y-Taste. Die Share-Taste befindet sich direkt zwischen dem D-Pad und dem darüber liegenden Xbox-Button. Das ist an sich kein schlechtes Layout, aber es ist so drastisch anders, dass ich selbst nach tagelangem Gebrauch immer noch auf den Controller schauen musste, um herauszufinden, wo ich drücken muss, anstatt es instinktiv zu wissen. Ich bin mir sicher, dass es mit der Zeit in Fleisch und Blut übergehen wird, aber diese drastische Änderung war die einzige Designentscheidung, gegen die ich ständig ankämpfte, gerade auch deshalb, weil sie eher an einen PlayStation 5-Controller als an einen Xbox-Controller erinnert.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht

Ziemlich cool fand ich die zugehörige App. Mit der Pro Compact App von Nacon, die es für Xbox Konsolen und PCs gibt, kann man nicht nur die Tasten nach Belieben neu belegen, sondern auch eine Reihe anderer, nützlicher Dinge tun. Auf der Rückseite des Controllers befindet sich ein kleiner Schalter, mit dem man im Handumdrehen zwischen den Standardeinstellungen und einem weiteren, gespeicherten Profil wechseln kann. In der App darf man dieses zweite Profil anpassen und viele kleinere Funktionen wie die Empfindlichkeit der Steuerknüppel, die Deadzone, die Trigger Laufweite und sogar die Umstellung des D-Pads von 8- auf 4-Wege ändern.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht

Für Sticks und Trigger stehen vier verschiedene Vorlagen zur Auswahl, darunter Renn-, Shooter-, Kampf- und Stealthspiele, jeweils mit eigenen Vorschlägen und Erklärungen, was die jeweilige Option verändert. Durch einfaches Umlegen des Schalters auf der Rückseite des Controllers wechselt man dann das Profil, wobei ich allerdings bemängele, dass nicht angegeben ist, welche Position des Schalters für welches Profil steht. In der einen Schalterstellung ist er weiss, in der anderen grün, aber nirgendwo steht, welches das Standard- oder das benutzerdefinierte Profil ist, ohne dass man im Benutzerhandbuch nachschlagen muss.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht
Schalter zum Wechseln der Spiele-Profile

Sehr wichtig zu erwähnen ist, dass der Compact Pro ein kabelgebundener Controller ist. Ein 3m langes, geflochtenes Kabel mit Stolpersicherung ist im Lieferumfang enthalten (siehe unten). Diese Entscheidung verringert natürlich die Latenz- und Reaktionszeiten. Das ist in der Regel nichts, worüber man sich beim Spielen Gedanken machen muss, aber Profis suchen ja bekanntlich nach jedem noch so kleinen Vorteil, den sie bekommen können.


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3m langes, geflochtenes Kabel mit Stolperschutz

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass die 3,5-mm-Buchse an der Front des Controllers der einzige Kopfhörereingang ist. Der proprietäre Xbox-Erweiterungsanschluss, den man bei Standard-Controllern findet, ist nicht vorhanden. Wenn dein Haupt-Headset also einen dieser proprietären Anschlüsse verwendet, ist es mit diesem Controller nicht kompatibel. Dafür wird Dolby Atmos für Kopfhörer unterstützt. Ich möchte hier keinen ausführlichen Bericht über Dolby Atmos schreiben, aber für diejenigen, die nicht so audiophil sind, ist Dolby Atmos eine Möglichkeit, nicht nur den besten 3D-Klang zu erleben, sondern auch die Vertikalität der Klangbühne zu erhöhen.


Nacon Pro Compact Controller Test Review Testbericht
3.5mm Klinkenstecker mit Dolby Atmos Passthrough

Die meisten Headsets, auch solche, die 7.1-Audio simulieren, können zwar eine 360-Grad-Klangbühne erzeugen, aber in der Regel nur auf einer horizontalen Ebene. Das bedeutet, dass man alles hören kann, was sich vor, hinter oder neben uns befindet. Dolby Atmos geht noch einen Schritt weiter, indem es uns auch von oben umgibt, was das Erlebnis noch realistischer macht. Ein echtes Surround-Erlebnis ist bei Kopfhörern mit nur zwei Lautsprechern natürlich nicht möglich, aber Dolby Atmos für Kopfhörer simuliert dies so gut wie möglich und macht das Klangerlebnis einfach besser. Ja, Spiele und Medien müssen Atmos unterstützen, damit die Funktion voll zur Geltung kommt. Und man muss sich die Dolby Atmos App bzw. Lizenz aus dem Xbox Store kaufen, bevor das Feature aktiv ist. Aber wenn man den Unterschied hört, ist das schon ein tolles Erlebnis. Und nein, deine Ohrstöpsel aus dem Supermarkt klingen nicht auf magische Weise plötzlich wie ein 400-Stutz-Kopfhörer der Spitzenklasse, aber man bekommt damit definitiv einen besseren Klang.



Fazit:

Die Entscheidung, den Nacon Pro Compact Controller einer anderen Marke oder dem Original Xbox Controller vorzuziehen, hängt im Wesentlichen von folgenden Fragen ab. Willst du einen kleineren Controller haben? Bevorzugst du kabelgebundene Controller? Bist du in der Lage, dich an eine etwas andere Grösse und Anordnung der Tasten zu gewöhnen? Brauchst du Anpassungsmöglichkeiten wie programmierbare Tasten, Stick-Einstellungen und Trigger-Empfindlichkeit? Wer die meisten dieser Fragen mit Ja beantworten kann, darf sich den Pro Compact Controller von Nacon ungeniert zulegen. Er gehört sicher zu den besseren 3rd Party Joypads. Neben dem Formfaktor ist auch der günstigere Preis ein gutes Argument. Die kleinere Form hat mich persönlich aber eher gestört, hab ich doch ziemlich grosse Hände. Auch die ungewöhnliche Anordnung und die Grösse der Buttons fand ich eher gewöhnungsbedürftig. Vom Druckpunkt her erinnern die mich an einen N64 Controller. Für manche mag das ein Pluspunkt sein. Objektiv macht der Pro Compact eine gute Figur, auch wenn der verwendete Plastik, gepaart mit dem eher leichten Gewicht, sich nicht gerade wertig anfühlt. Daher würde ich den Nacon Pro Compact Controller nur Kindern, Personen mit kleinen Händen oder jenen empfehlen, die einfach einen guten Zweit- oder Drittcontroller suchen und dabei ein paar Franken sparen wollen. [sb]



Der Nacon Pro Compact Controller ist für rund CHF 60.- im Handel erhältlich und funktioniert für Xbox-Konsolen und den PC. Das Test-Muster stammt von Nacon, wofür wir uns recht herzlich bedanken.

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