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The(G)net Review: Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp

Nach mehreren Verschiebungen auf Grund der tragischen Ereignisse in der Ukraine, war es nun endlich soweit und die Neuauflage der beiden Game Boy Advance Strategietitel Advance Wars und Advance Wars 2 sind für die Nintendo Switch erschienen. Dies unter dem leicht unhandlichen Titel Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp als Doppelpack. Dieser doppelt untaugliche Stubenhocker hier ist wohl die perfekte Wahl für ein Spiel dieser Art, weshalb ich mir aus unerklärlichen Gründen ein Béret aufgesetzt habe und mich in die Welt der niedlichen Kriegssimulation gestürzt habe.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Unter der Aufsicht der Anführerin der Armeen von Orange Star, Nell, lernt man in Advance Wars die Grundlagen der Kämpfe. Im Verlauf der etwa 15-stündigen Kampagne erhält man die Auswahl zwischen mehreren CO’s, Commanding Officers, von Orange Star und kämpft gegen alle anderen angrenzenden Nationen. Dies beginnt nach einer Invasion von Blue Moon und erstreckt sich weiter auf die nächsten Nationen. Es ist eine Story von Konflikten und Pathos, die sich im heutigen Klima ein wenig befremdlich anfühlt. Weiter schlimm ist das aber auf keinen Fall, die Geschichte ist nämlich eher Beiwerk für die beiden tollen und umfangreichen Kampagnen. Nimmt man nämlich den Storymodus von Advance Wars 2 dazu, kommt man auf gut und gerne 40 Stunden reine Spielzeit, was angenehm viel ist. Je nachdem, mit welchem der CO’s man dabei in die Schlacht zieht, ändern sich sowohl die Mission selbst als auch die Dialoge. Persönlich habe ich relativ früh angefangen mich nur auf das Gameplay zu konzentrieren, weil ich, ausser den Figuren an und für sich, dem Geschehen fast gar nichts abgewinnen konnte.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Das Gameplay überzeugt dafür umso mehr. Die rundenbasierten Strategiegefechte machen immer noch genauso viel Spass wie vor 20 Jahren auf dem Game Boy Advance. Die Kampagne des Erstlings macht es dabei auch für Neueinsteiger einfacher, den Bogen rauskriegen. Nach einem sehr seichten Tutorial werden die ersten etwa 10 Missionen dafür genutzt, nach und nach neue Elemente des Spiels einzuführen. Das fühlt sich natürlich und unterhaltsam an. Man lernt, wie man Einheiten wie Artillerie am Besten platziert, dass man mit Panzern gut Brücken blockieren kann und wie genau das Einnehmen von Städten funktioniert. Jede Mission baut auf der letzten auf und im Nu hat man die volle Kontrolle über seine Einheiten. Dabei hat Advance Wars: Re-Boot Camp nie die Tiefe von anderen rundenbasierten Strategiespielen, wie man sie z.B. hauptsächlich auf dem PC findet. Es fühlt sich viel mehr nach einem Schere-Stein-Papier Prinzip an, was dem Spielspass aber keinen Abbruch tut. Man sollte aber auf jeden Fall mit den richtigen Erwartungen an die Kompilation herangehen, denn Company of Heroes gibt es hier nicht. Nett sind Quality of Life Verbesserungen wie die Möglichkeit einen Zug neu zu starten, falls man etwas verbockt, oder Kampfanimationen doppelt so schnell ablaufen zu lassen. Hier wäre wohl aber auch noch mehr drin gelegen, denn beispielsweise können die Animationen der CO’s nicht übersprungen werden. Man kann sie entweder komplett deaktivieren oder sie alle in kompletter Länge jedes Mal aufs Neue ansehen.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Erst im späteren Verlauf der ersten Kampagne wird man dann auch wirklich gefordert. Es ist unerlässlich seine Züge im Voraus zu planen und eine richtige Strategie zu verfolgen. Dabei fehlt es bei einigen Missionen ein wenig am Balancing. Während man für eine Mission vielleicht mehrere Stunden und Versuche braucht, schafft man die Darauffolgende im ersten Versuch. Wem die Strategie ganz allgemein ein wenig zu heftig ist, kann den Casual-Modus zu jeder Zeit aktivieren und sich so ein wenig gemütlicher durch die Schlachten kämpfen. Selbst in diesem Modus sind beide Kampagnen jedoch kein Zuckerschlecken und man muss auch in dieser einfachen Variante seine grauen Zellen anstrengen.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Die Kampagne von Advance Wars 2 macht konsequent dort weiter , wo die erste aufgehört hat. Sie hat gefühlt viel mehr Gimmick-Kämpfe, die den gewohnten Ablauf auflockern und neue Herangehensweisen erfordern. Ausserdem werden in dieser Kampagne noch mehr Einheiten und Offiziere eingeführt, weshalb es der perfekte Nachfolger und es extrem unterhaltsam ist, beide direkt nacheinander zu spielen. Wer will kann natürlich auch direkt mit dem Nachfolger anfangen. Ausserdem können im War Room ganz individuelle Kämpfe auf vielen verschiedenen, aus den Kampagnen bekannten und neuen Karten ausgetragen werden. Dabei kann man mit fast allen CO’s spielen, die es gibt, die Regeln personalisieren und auch die Siegesbedingungen festlegen. Wem das immer noch nicht reicht, der kann im Editor selber auch noch Karten gestalten und diese auf Wunsch auch online mit Freunden teilen.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Der Onlinemodus von Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp ist dennoch der wohl schwächste Teil des Spiels. Online-Matchmaking ist nicht vorhanden und man kann nur gegen Leute aus der persönlichen Freundesliste antreten. Wer niemanden kennt, der das Spiel besitzt, muss online auf die Suche nach Communities gehen. Es ist wirklich enttäuschend und leider wieder einmal ein Beispiel dafür, wie sehr Nintendo bei Onlinekomponenten der Konkurrenz hinterher rennt. Nett ist, dass man den Mehrspielermodus auch an nur einer Konsole spielen kann, in dem man die Kontrolle einfach an die nächste Person weitergibt. Über das fehlende Matchmaking kann das jedoch auf keinen Fall hinwegtrösten.


Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp Test Review Testbericht

Grafisch wurde der Look komplett überholt und sieht sehr ansprechend aus, woher für mich auch ein wenig der Disconnect zwischen dem ernsten Kriegsgeschehen und der knuddeligen Optik kommt. Es sieht aber toll aus und besonders die kurzen Anime-inspirierten Zwischensequenzen sind eine Freude. Neu wurde auch ein Grossteil der Dialoge mit Sprachausgabe versehen und im grossen und ganzen passen die Stimmen zu den Charakteren, mit ganz wenigen Ausnahmen. Hammermässig ist der Soundtrack. Nicht nur ganz allgemein kann dieser richtig überzeugen, auch die einzelnen Themen für die verschiedenen Offiziere sind genial. Jeder hat ein Theme das zu ihm oder ihr und ihren Charakterzügen passt. Einige dieser Themes sind richtige Ohrwürmer, bei denen selbst jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, mein Fuss unwillkürlich anfängt zu wippen.



Fazit:

Egal ob für jung oder alt, alte Veteranen oder blutige Neulinge, mit Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp hat Nintendo eine weitere Granate für die Switch rausgehauen. Das Gameplay kann unglaublich fesselnd sein und die Struktur der beiden vorhandenen Kampagnen macht süchtig. Dank deren Längen gibt es extrem viel Inhalt, der für Tage begeistern kann, denn die frei gestaltbaren Gefechte im War Room können für endlosen Wiederspielwert sorgen. Tonal wirkt das Ganze heute ein wenig absurd und was den Online-Modus angeht, ist diese Kompilation eigentlich ein Komplettversagen, wodurch eine höhere Wertung einfach nicht drin liegt.



Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp ist exklusiv für Nintendo Switch erhältlich. Das Test-Muster stammt von Nintendo, wofür wir uns herzlich bedanken!



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