The(G)net Review: Attack on Titan 2
- Sascha Böhme

- 20. März 2018
- 4 Min. Lesezeit
Attack on Titan gehört mittlerweile zu den bekanntesten Manga und Anime Serien der vergangenen Jahre. Nach Manga, Anime, Light Novels und mehreren Filmen war der Schritt ins Videospiel nur eine Frage der Zeit. Bereits der Vorgänger konnte die wuchtigen Kämpfe gegen die riesigen Titanen überzeugend umsetzen. Für Attack on Titan 2 hat Omega Force die vorhandene Grundlage nun weiter ausgebaut und an zahlreichen Stellen verbessert.

Attack on Titan 2 erzählt nicht einfach nur die Ereignisse der zweiten Staffel nach. Stattdessen greift das Spiel zahlreiche Inhalte aus dem gesamten Universum auf und verbindet diese mit einer teilweise neu interpretierten Handlung. Zu Beginn erstellen wir eine eigene Figur, die sich dem Dreidimensionalen Manöverteam anschliesst. Der Editor bietet zahlreiche Möglichkeiten, darunter Körpergrösse, Gesicht, Frisur, Stimme und Kleidung. Unser Charakter begleitet bekannte Figuren wie Eren, Mikasa und Armin und wird direkt in die Ereignisse der Geschichte eingebunden.

Die Kampagne besteht dabei nicht nur aus einzelnen Missionen. Zwischen den Einsätzen bewegen wir uns durch verschiedene Bereiche der Stadt, sprechen mit anderen Mitgliedern des Regiments, verbessern unsere Ausrüstung und bereiten uns auf die nächsten Expeditionen vor. Einige Missionen können bis zu 30 Minuten dauern und vermitteln dadurch ein deutlich umfangreicheres Spielgefühl als noch im Vorgänger.

Das Herzstück von Attack on Titan 2 bleibt das Dreidimensionale Manövriergerät. Mit Seilen, Gas und Klingen schwingen wir uns über Dächer, durch Wälder und um die gewaltigen Körper der Titanen herum. Die Steuerung benötigt zunächst etwas Eingewöhnung, entwickelt aber schnell einen beeindruckenden Spielfluss. Sobald die Bewegungsabläufe sitzen, rasen wir mit hoher Geschwindigkeit durch die Umgebung, visieren einzelne Körperteile der Titanen an und setzen gezielte Angriffe auf Arme, Beine oder den empfindlichen Nacken. Gerade in den ersten Stunden sorgt die Kombination aus Geschwindigkeit, Bewegung und präzisen Angriffen für zahlreiche spektakuläre Momente. Im weiteren Spielverlauf lässt sich eine gewisse Monotonie allerdings nicht vollständig vermeiden. Trotz verschiedener Missionsziele besteht ein grosser Teil des Spiels weiterhin daraus, Titanen aufzuspüren und auszuschalten.

Diese Präsentation funktioniert überraschend gut. Die enorme Grösse der Titanen, die ständige Bedrohung und die Angst der Figuren werden überzeugend vermittelt. Teilweise wirken die Sequenzen sogar eindrucksvoller als ihre Vorbilder aus der Anime Serie. Auch die Kamera wurde gegenüber dem ersten Teil verbessert. Trotz der hohen Geschwindigkeit und der teilweise chaotischen Kämpfe behält sie das Geschehen meist zuverlässig im Blick. Nur gelegentlich sorgen Gebäude oder andere Objekte dafür, dass die Sicht kurzfristig blockiert wird.

Zwischen den Missionen verbessern wir unsere Fähigkeiten, stellen neue Ausrüstung her und investieren Ressourcen in Waffen, Gasbehälter und Manövriergeräte. Jede Ausrüstung besitzt unterschiedliche Werte. In der Praxis fallen die Unterschiede allerdings weniger stark ins Gewicht als erwartet. Entscheidend bleiben vor allem das eigene Timing und der richtige Umgang mit dem Manövriergerät. Zusätzlich besuchen wir Trainingsanlagen, Forschungsräume, Geschäfte und das Verwaltungsbüro des Regiments. Dadurch entsteht eine angenehme Abwechslung zu den teilweise hektischen Einsätzen ausserhalb der Stadt.

Eine der interessantesten Neuerungen ist das Beziehungssystem. In Gesprächen mit bekannten Figuren wählen wir aus mehreren Antworten und versuchen, ihre Freundschaft zu gewinnen. Dabei reagiert jede Figur unterschiedlich. Mikasa bevorzugt entschlossene und reife Antworten, während Armin eher auf durchdachte Ratschläge anspricht. Wer die Persönlichkeiten aus Manga oder Anime kennt, besitzt hier einen klaren Vorteil. Die Beziehungen sind nicht nur für Fans interessant, sondern wirken sich auch auf die Einsätze aus. Enge Freunde lassen sich im Kampf leichter koordinieren und führen gemeinsame Aktionen zuverlässiger aus. Dadurch fühlt sich die eigene Figur tatsächlich wie ein Teil der bekannten Gruppe an. Mehr als 30 bekannte Charaktere stehen im Verlauf des Spiels zur Verfügung. Besonders beliebte und starke Figuren müssen jedoch erst freigeschaltet oder durch verbesserte Beziehungen für Einsätze gewonnen werden.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger bietet Attack on Titan 2 mehr Angriffe, zusätzliche Bewegungen und neue taktische Möglichkeiten. Mit dem Monokular können wir Titanen markieren, ihre Positionen analysieren und Angriffe besser planen. Auch die künstliche Intelligenz wurde verbessert. Die Titanen reagieren schneller, bewegen sich unberechenbarer und greifen deutlich aggressiver an. Besonders gegen Ende der Kampagne steigt der Schwierigkeitsgrad spürbar an. Dank der grossen Bewegungsfreiheit lassen sich viele Situationen dennoch taktisch lösen. Wir können Gegner isolieren, Verbündete unterstützen oder wichtige Anlagen verteidigen. Dadurch wirken die Kämpfe abwechslungsreicher und anspruchsvoller als im ersten Teil.

Weniger gelungen ist die Benutzeroberfläche. Menüs und Anzeigen wirken teilweise unübersichtlich und weniger intuitiv als im Vorgänger. Besonders Spieler, die bereits den ersten Teil kennen, werden diesen Rückschritt bemerken. Grafisch präsentiert sich Attack on Titan 2 dagegen überzeugend. Die Figuren orientieren sich stark an der Anime Vorlage und besitzen klar hervorgehobene Konturen. Auch wenn es sich nicht um klassisches Cel Shading handelt, passt der Stil hervorragend zur Vorlage. Nahaufnahmen zeigen viele Details, während die Sichtweite weiterhin verbesserungsfähig bleibt.

Auf der PlayStation 4 Pro lief das Spiel während unseres Tests weitgehend flüssig. Nennenswerte Einbrüche der Bildrate konnten wir nicht feststellen. Allerdings kam es während der rund 20 Stunden langen Kampagne zweimal zu einem Absturz, wodurch der aktuelle Missionsfortschritt verloren ging. Manuelles Speichern ist daher empfehlenswert.
Der Online Koop Modus kehrt ebenfalls zurück und erlaubt gemeinsame Einsätze gegen die Titanen. Zusätzlich gibt es erstmals kompetitive Mehrspieler Modi. Im Annihilation Modus treten zwei Teams mit jeweils vier Spielern gegeneinander an. Innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits müssen beide Gruppen möglichst viele Punkte sammeln. Dabei geht es nicht nur um das schnelle Ausschalten von Titanen, sondern auch um effiziente Routen und die richtige Zusammenarbeit. Die Mehrspieler Missionen fallen etwas einfacher aus als die Kampagne, bieten aber eine unterhaltsame Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten mit anderen Spielern zu vergleichen.
Fazit:
Attack on Titan 2 verbessert den bereits gelungenen Vorgänger an den entscheidenden Stellen. Die Fortbewegung ist schneller, die Kämpfe sind direkter und die Titanen verhalten sich deutlich gefährlicher. Besonders das Beziehungssystem, die eigene Spielfigur und die gelungene Inszenierung sorgen dafür, dass sich Fans unmittelbar in die Welt von Attack on Titan versetzt fühlen. Auch die zusätzlichen Rollenspielelemente und Mehrspieler Modi erweitern den Umfang sinnvoll. Auf Dauer kann sich trotz aller Verbesserungen eine gewisse Repetition einstellen. Auch die Benutzeroberfläche und vereinzelte technische Probleme trüben den Gesamteindruck etwas. Dennoch bleibt der Kampf gegen die Titanen spektakulär, befriedigend und angenehm brutal. Attack on Titan 2 ist eine starke Umsetzung der Vorlage und vor allem für Fans von Manga und Anime eine klare Empfehlung.

Attack on Titan 2 ist für PC, PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS4 Pro getestet. Das Test-Muster haben wir uns selbst gekauft.







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