top of page

The(G)net Review: Code Violet

Das Jahr ist kaum gestartet und schon steht ein erster PS5 Exklusiv-Titel auf dem Programm. Nach dem eher... sagen wir mal "diskussionswürdigen" Quantum Error, liefert TeamKill Media mit Code Violet ein Spiel, das mit grossen Augen in Richtung Dino Crisis Fans schielt. Prähistorischer Terror trifft auf kurviges Future-Babe. Mehr als Schauwerte? Wir werden sehen...


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Ich mache es kurz und unromantisch: Code Violet ist kein gutes Spiel. Wer sich von schicken Screenshots, Trailern und der Kombination aus attraktiver Protagonistin + Dinosaurier hat einlullen lassen, sollte den Kauf-Reflex nochmal nüchtern überdenken. Klar, optisch hat Code Violet einen gewissen Anziehungsfaktor, nicht zuletzt dank Kurven und einem sehr betonten Dekolleté sowie dem beachtlichen Sortiment an luftigen Outfits. Wer aber gutes Storytelling, Figuren mit Tiefgang oder ein cleveres, spannendes Action-Survival-Erlebnis erwartet, für den kommt die Ernüchterung schneller als ein Velociraptor im Sprint.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Die Story klingt erstmal nach einem spannenden Sci-Fi-Horror-Happen: In einer düsteren Zukunft ist die Erde unbewohnbar, die Menschheit flüchtet nach Trappist-1e, und die Aion-Kolonie löst das Problem der Unfruchtbarkeit auf die denkbar sympathischste Art: Zeitreisen! Frauen aus der Vergangenheit entführen und als Leihmütter missbrauchen. Willkommen im Ethik-Museum des Grauens. Wir spielen die hübsche Violet Sinclair, die wie Sidney Sweeney über "Great Genes" verfügt und in den Aion Bioengineering Complex stolpert, wo prähistorische Kreaturen rumlaufen und dunkle Geheimnisse aufgedeckt werden wollen.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Das Setting und die Story hätten Biss. Leider werden die interessanten Ansätze von fadenscheinigen Dialogen und einer Schreibe ausgebremst, die klingt, als hätte jemand ChatGPT mit Schlagwörtern gefüttert und danach die erste Antwort als Transkript kopiert. Spannender wird es meist nur in den Tagebuch-Einträgen der Opfer. Bonus-Fail: Beim Lesen ebensolcher fehlen Untertitel und die Schrift ist so extrem klein, dass die Fraktion Ü30 eine Lupe benötigt. Absicht oder Bug? Das weiss vermutlich nicht mal die interne Zeitreise-Abteilung.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Fast alles, was Code Violet vorführt, egal ob Gameplay oder Zwischensequenzen, wirkt wie eine Abschlussprüfung eines Lehrlings. Die Animationen sind steif, die Bewegungen ungelenk, und die Inszenierung hat oft dieses unangenehme "fast fertig"-Gefühl. Dadurch fehlt es an Wucht, Timing und Eleganz, also genau an den Dingen, die eine Szene tragen oder ein Gefecht knackig machen. Und selbst wenn es gegen Ende des rund 10-stündigen Runs etwas hübscher, lauter und „wichtiger“ werden will, wirken die grossen Enthüllungen gehetzt und mit Wendungen überwürzt, was eher verwirrt als begeistert.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.


Violet selbst ist dabei das grösste Fragezeichen. Hübsch? Ja. Konsequent geschrieben? Absolut nicht. Sie hat kaum Motivation, spult Aufgaben ab wie ein schlecht gelaunter Praktikant und reagiert auf absurden Horror gelegentlich so, als hätte sie gerade nur den falschen Kaffee bekommen. Als Archetyp sollte sie wohl irgendwo zwischen Jill Valentine und Claire Redfield landen. Stark, clever, standhaft. In der Praxis ist sie eher "Heroine by accident". Und dann die Kameraarbeit, die so auffällig auf Brüste, Hintern und Unterwäsche zoomt, dass man sich fragt, ob der Regisseur heimlich aus einem anderen Genre kommt. Und ja, ich bin ein riesen Fan von Stellar Blade, aber da hatte der Sexappeal eben Stil. Highlight der Absurdität ist der Beginn des Abenteuers: Unser Partner wird vom Velociraptor weggefuttert, Violet wacht "zufällig" in Unterwäsche auf, die Kleidung liegt "zufällig" am komplett anderen Ende der Anlage. Natürlich läuft man dann erst eine Stunde fast nackig durch die Pampa! Total normaler Dienstag im Bioengineering-Komplex.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Beim Gameplay versucht Code Violet Kampf, Erkundung und Ressourcenmanagement zu vermischen. Wir schiessen in 3rd-Person auf die immergleichen vier Dino-Varianten, lösen Umwelträtsel (manche davon sind tatsächlich okay, Stichwort: UV Licht), und jonglieren Items in einem viel zu kleinen Inventar, das uns ständig zu unangenehmen Entscheidungen zwingt. 1998 lässt grüssen! Aus X Zutaten, die überall herumliegen, basteln wir verschiedene Arten an Munition, Heil-Items oder ein Gegen-Gift. Das meiste müssen wir aber liegen lassen, da wir schlicht keinen Platz haben. Eine Karte? Brauchen wir nicht. Nicht, weil das Leveldesign so genial wäre, sondern weil der Weg meist sowieso schnurgerade ist und echte Abzweigungen selten sind. Hilfen oder Tutorials? Fehlanzeige. Immerhin gibt's ein paar Einträge im Main-Menü in Textform.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Abseits der Ideallinie finden wir Upgrades für die sechs Waffen oder Schlüssel/Kombinationen für Schliessfächer. Das Problem hierbei: Das Risiko lohnt sich oft nicht. Beispiel aus der Kategorie "Danke fürs Nichts": Wir knacken eine Tür via Kombi-Rätsel, betreten eine Küche, und aus dem Nichts springen uns zwei Velociraptoren ins Gesicht. Ohne Vorwarnung, kein Aufbau, keine Chance, einfach nur sofortiger Tod. Und am Ende wartet lediglich ein nutzloses Item, das wir bereits x-fach besitzen und nur zur Herstellung von Munition benötigt wird. Dazu kommt eine Kameraführung, die in engen Räumen oder Gängen (und davon gibt es viel zu viele) so unfassbar untauglich ist, dass die meisten Kämpfe nach Schema "Ich-sterbe-weil-ich-nichts-sehe" ablaufen. Es hilft nichts, dass wir theoretisch auch Schleichen dürfen, denn dieser Aspekt funktioniert eigentlich nie.




Fazit:

Bei der Enthüllung dachte ich noch an sowas wie Dino Crisis meets Dead Space. Code Violet hat ein paar gute Ideen und eine hübsche Heldin, was auf Papier nach brauchbarem Sci-Fi Survival-Horror klingt, fährt aber von A bis Z grossspurig an die PS5-Kompetenzwand. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft ein riesengrosser Krater. Das Kampfsystem ist lahm, die Umgebungen eintönig, die Erkundung zäh, und technisch ist das ganze eine Katastrophe. Selbst auf der PS5 Pro lässt die Performance zu wünschen übrig. Unterm Strich bleibt ein unterdurchschnittlicher 3rd-Person-Shooter, der sich in Wiederholungen verheddert und mit technischen Baustellen um sich wirft: Animationen zum Fremdschämen, Bugs und Glitches, Kamera Probleme und Sound-Fehler. Dinge, die ähnlich kleine Indie-Teams mit weniger Budget inzwischen meistens besser im Griff haben.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Code Violet ist als Download exklusiv für PS5 erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro getestet. Das Test-Muster stammt von TeamKill Media, wofür wir uns herzlich bedanken.


Code Violet Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.
Jetzt Spiele bei WoG.ch bestellen!

Kommentare


The(G)net ist Mitglied des

Swiss Community Network Member

SCN-Mitglieder:

Unterstütze The(G)net

Donate mit PayPal
Metal Slug Arab-Talk GIF

powered by

Copyright © 1999 - 2026 The(G)net Schweiz

Das unabhängige Schweizer Spiele Magazin

bottom of page