The(G)net Review: Dark Pictures Anthology - Man of Medan

Schon wieder über ein Jahr ist vergangen, seit wir über "sein oder nicht sein" in Form eines Androiden philosophiert haben. Noch länger her ist der direkte geistige Vorgänger der Dark Pictures Anthology, Until Dawn. Wird Zeit, dass wir uns wieder in ein interaktives Film-Vergnügen stürzen dürfen.


5 Freunde auf hoher See

Tatsächlich fühlt sich die Androiden-Revolution jünger an, als sie effektiv ist. Ähnlich geht es mir mit Until Dawn, das aber bereits ganze vier Jahre hinter sich hat. Mehr als angebracht also, endlich wieder in ähnliche spielerische Gefilde aufzubrechen. Man of Medan hält sich dabei ziemlich exakt an den indirekten Vorgänger. Der grösste Unterschied liegt in der Multiplatform-Zugänglichkeit. Endlich dürfen sich auch Xbox Spieler gepflegt virtuell gruseln.


Diese Entscheidung entledigt das Gameplay gleichzeitig von jeglichen Motion-Control Steuerungen. Mussten wir mit der Teenie-Bande vor vier Jahren in ausgewählten Situationen noch den Controller ruhig halten, bleibt uns das heuer gänzlich erspart. Das restliche «Gameplay» wurde aber fast komplett übernommen. Mit anderen Worten: Wer mit interaktiven Filmen wenig anzufangen weiss, macht um Man of Medan bestenfalls einen grösseren Bogen. Denn bis auf das bewältigen von diversen Quick Time Events bleibt nicht mehr viel Gameplay über. Immer noch erhalten wir im Verlauf der Story unzählige Möglichkeiten, in Gesprächen die favorisierte Antwortmöglichkeit zu wählen. Dass dabei jeder der Charaktere das zeitliche segnen kann, steht ausser Frage. Das passiert aber wie schon bei Until Dawn in erster Linie, leider aber nicht immer, durch das Versagen bei Quick-Time Events.


In den Tiefen des Ozeans lauert die Gefahr

Womit auch schon der Übergang zum nächsten Thema, in diesem Fall die Story, geschafft wäre. Wie bei allen interaktiven Filmen entsteht deren Reiz grösstenteils aus einer spannenden Geschichte. Wohlgemerkt aus einer gänzlich unbekannten Geschichte. Deswegen möchte ich hier nicht zu weit ins Detail gehen. Nur so viel: Fünf nicht-mehr-Teenager wagen sich in Form eines unerlaubten Tauchgangs auf Schatzsuche zu einem Flugzeug-Wrack. Dass das Vorhaben nicht von okkulten Phänomenen und einer mittelgrossen Geisterstunde bzw. einem ganzen Geisterschiff verschont bleibt, war irgendwie zu erwarten – wäre auch etwas langweilig so ganz ohne Schockmomente. Letztere gibt es übrigens zu genüge, fast schon zu viele. Wenn der Schreckmoment hinter jeder Schranktür wartet wird das irgendwann vorhersehbar; der Schreckhaftigkeit nicht wirklich förderlich.


Es gibt viele Jump-Scares und Schreck-Effekte

Bei Man of Medan dürfen wir, im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Titeln, die gut sechs Stunden andauernde Geschichte zu zweit angehen. Dabei werden die Rollen der Charaktere zu Beginn den teilnehmenden Spielern zugewiesen und die Story simultan erlebt. Jeder Charakter betrachtet seine Umgebung und interagiert in Form von Gegenstände-Mitnehmen damit. Ein spannender Aspekt, der überraschend gut gelöst wurde. Zudem treibt die Coop-Möglichkeit das Genre wieder etwas voran. Speziell der «Filmabend» Modus überzeugt uns. Jeder Spieler erhält auch hier seine favorisierten Überlebenswilligen, danach der Controller im Verlauf der Story immer wieder weitergereicht wird.


Technisch überzeugt Man of Medan genau wie Until Dawn; nur ist letzteres bereits vier Jahre alt. Die Engländer bei Supermassive Games haben aber auch 2019 ein grafisch wie auch akustisch überzeugendes Spiel gezaubert. Speziell was einige Animationen angeht, wäre sicherlich noch etwas mehr möglich gewesen. Die Qualität der Gesichter wirkt schwankend, von durchschnittlich bis sehr gut. Zudem steuern sich die Schatzsucher zeitweise etwas gar holprig durch die Szenerie. Die Fixe Kamera unterstützt derweil den Effekt von Schockmomenten, hilft aber der Orientierung nicht immer; kennen wir schon von Resident Evil 1 und nervt zuweilen.



Fazit: Ein gameplay-intensives Spiel ist auch Man of Medan nicht geworden. Wer mit dieser Art von Spiel nichts anzufangen weiss, lässt auch hier die Finger davon. Wer sich aber wie ich über jegliche Spiele dieser Art freut, macht mit dem (preiswerten) Kauf so gar nichts falsch. Die wenigen Stunden bieten beste Unterhaltung mit diversen Entscheidungsmöglichkeiten und etwas Gruseln ist auch mit dabei. Die gnadenlos grosse Entscheidungsfreiheit (und entsprechende Konsequenzen) eines Detroit Become Human sollte man hier aber nicht erwarten. Dennoch: Genre-Fans erhalten beste Unterhaltung die dank Coop-Modus sogar zu mehrmaligem Durchspielen einlädt. Der rettet dem Spiel übrigens auch einige Spielspass-Punkte, die aufgrund der oft sehr hakeligen Steuerung und zeitweise absonderlich bescheuerten Dialogen ansonsten verloren gewesen wären.



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