The(G)net Review: Demon's Souls

Mit letzten Kräften rette ich mich in ein Kellergewölbe. Meine Heiltränke sind alle aufgebraucht. Nervös schleiche ich durch die dunklen Gänge und übersehe eine Bodenplatte. Drei Pfeile bohren sich in meinen Rücken - Game Over! Willkommen in der Welt von Demon's Souls!



Soulsborne-Games liebt oder hasst man. Während die einen Dutzende Stunden in einen Bosskampf investieren, scheuen die andern das knüppelharte Genre wie der Teufel das Weihwasser. Der Vater aller Soulsborne-Games wurde pünktlich zum PS5-Launch visuell und soundtechnisch mit einem kompletten NextGen-Makeover versehen. From Software gab ihren Hardcore-Klassiker für die Neuauflage in die sichere Obhut von Bluepoint (Shadow of Colossus Remake). Vermutlich, weil sie sämtliche, eigene Ressourcen für Elden Ring benötigen.



Im Königreich Boletaria ist sprichwörtlich der Teufel los. Heerscharen von üblen Ungeheuern machen sich landesweit breit, plündern und brandschatzen und verwandeln die einst friedliche Monarchie in einen brennenden Trümmerhaufen. Bevor wir uns der aggressiven Monsterbrut stellen, wählen wir einen passenden Kämpfer im Charactercreator aus. Unsere Ritter, Barbaren oder Templer passen wir mit Hautfarbe und Körperform unseren Wünschen an und basteln in den erweiterten Optionen mit Haaren, Kieferpartie, Ohren, etc. unseren perfekten Helden zusammen. Als Startbonus sucht ihr euch noch ein hilfreiches Item als Willkommensgeschenk aus und schon geht's los zur munteren Dämonenhatz.



Je nach Kämpferklasse verfügt ihr über erhöhte Schlagkraft, weicht flinker den Attacken der Gegner aus oder zaubert euch als Magier durch die düstere Welt. Im ersten Abschnitt macht ihr euch mit den Kampf- und Verteidigungsfähigkeiten vertraut, bevor euch ein dicker Dämon in den Nexus haut. Der Nexus dient als Hub zwischen den 5 verschiedenen Welten. Beim Schmid repariert ihr hier eure Ausrüstung oder levelt sie hoch. Eine mysteriöse Maid erhöht im Umtausch von Seelen, die von besiegten Schurken absorbiert werden, eure Charakterwerte. Des Öftern hinterlassen gefallene Feinde wertvolle Items in Form von Rüstungen, Waffen, Boostern oder Heiltränken.



Eure Inventargrösse ist jedoch nur begrenzt. Items, die nicht mehr in den Rucksack passen, schickt ihr direkt in den Nexus zu unserem Lagermeister, der überschüssigen Waffen, Tränke und anderes Gegenstände sicher verwaltet. Dies gilt aber nicht für Dinge, die ihr bei einem der Händler einkauft. Sind eure Taschen voll, weigert sich der Merchant euch die gewünschte Ware zu überlassen. Nach dem ersten echten Spielabschnitt, also Level 1-1, dürft ich euch im Nexus frei entscheiden in welcher Reihenfolge ihr Demon's Souls absolviert. Jede der Welten ist dabei in 3 Abschnitte unterteilt.



In den weitläufigen Arealen mäht ihr jeweils mehrere Dutzend Fieslinge um, bevor euch ein Miniboss oder Endgegner den Weg versperrt. Nicht nur verfügen diese Spitzbuben über eine ellenlange Energieleiste, sondern schicken euch mit nur wenigen Treffern ins Nirvana. Bei den insgesamt 15 Endbossen ist also gute Planung gefragt. Meistens habt ihr nur ein kurzes Zeitfenster, um dem Bösewicht ein paar Lebenspunkte zu klauen, bevor geschickt den verheerenden Attacken ausgewichen werden muss. Soulsfans kennen den Drill. Zusätzlich hängen die meisten Aktionen an der Staminaanzeige, die euch stets nur ein paar Schläge austeilen lässt, bevor euch die Puste ausgeht und sich die Ausdauer wieder nach ein paar Sekunden regeneriert. Wer seine Waffe zweihändig schwingt, verursacht mehr Schaden, büsst aber in Sachen Verteidigung ein paar Punkte ein.



Im Gegensatz zu den letzten 5 From Software Soulsgames, wo eure Heiltränke automatisch bei jeder Wiedergeburt aufgefüllt wurden, könnt ihr in Demon's Souls haufenweise Heilkräuter mitschleppen. Sind sie aber einmal aufgebraucht, war's das. Zusätzliche Gesundheitsmittel lassen sich bei diversen Händlern gegen Seelen erwerben. Der Spiessrutenlauf in Demon's Souls ist kein Zuckerschlecken. Überall wimmelt es von Fallen, aggressiven Angreifern und gähnenden Abgründen. Wer nicht aufpasst und wie vom Affen gebissen durch die Gegend rollt, läuft konstant Gefahr, ins bodenlose Verderben zu stürzen. Wer einen Gegner auf einer Felsklippe auf's Korn nimmt, stolpert mit grosser Sicherheit ins Gameover, denn der Kantenschutz aus Dark Souls 3 und Sekiro existiert in Demon's Souls nicht. Springen ist ebenfalls Fehlanzeige. Wer eine vorsichtige Herangehensweise wählt, ist ganz klar im Vorteil und erspart sich viel Ärger. Gelegentlich entdecken wir Abkürzungen, welche die schweisstreibende Dämonenjagd wesentlich erleichtern.



Wer Demon's Souls im Onlinemodus durchstreift, stösst auf Nachrichten von anderen Spielern, aktiviert Blutlachen, die kurze Phantomsequenzen vorheriger Helden anzeigen oder infiltriert per "Invasion" Welten fremder Mitspieler und fordert diese zum Zweikampf auf. Eine sehr spezielle Mechanik sind die Welttendenzen. Je weniger ihr das zeitliche segnet und die NPCs unversehrt lässt, behält die weisse Tendenz. Diese macht Gegner weniger aggressiv und leichter zu besiegen. Beisst ihr aber zu oft ins Gras und meuchelt rücksichtlos alles nieder - egal ob Freund oder Feind, wechselt ihr zur dunklen Seite und büsst einen Teil eures Energiebalkens ein. Auch visuell machen sich die Handlungen sichtbar. Je schwärzer eure Seele, umso dunkler wird auch die Umgebung. Haut ihr einen Boss in die Pfanne, werdet ihr automatisch wieder auf die weisse Tendenz gestuft.



Fazit:

Die Fancommunity tobte, als Sony im September 2020 erste Gameplay-Szenen vom Demon's Souls Remake im Internet veröffentlichte. Und ich als alter Soulsjunkie freute mich mit. Dank den guten Connections der Chefredaktion gehöre ich zu den Glücklichen, die zum Launch eine PS5 ergattern konnten. Zwar sind ein paar nette Launchtitel dabei, aber eigentlich wollte ich nur Demon's Souls. Und ich habe mich nicht getäuscht. From Softwares Klassiker läutet die Now-Current-Gen mit Fanfaren und grossem Trara ein. Solch einen Launchtitel gab es seit Super Mario World nicht mehr. Allein schon das Intro liess mich mit offenem Mund zurück. Auch wenn wir dieses Jahr schon mit Ghost of Tsushima und The Last Of Us 2 gesegnet wurden, grafisch ist Demon's Souls nochmals eine ganz andere Kategorie. Die Welt wirkt extrem lebendig, ist aber zu keiner Zeit überladen. Da schlägt ein Blitz in einen morschen Baum, ein brüllender Drache röhrt im Hintergrund und Gegner sind schon meilenweit zu erkennen. Eine Weitsicht, die nur mit "brutal" umschrieben werden kann.



Bluepoint schaffte es, alles exzellent einzupacken, ohne dabei den Fokus auf den eigentlichen Inhalt - Metzeln und Überleben - zu verlieren. Auf der musikalischen Ebene unterstützt der DualSense Controller mit seinem verbesserten Speaker jeden Schwerthieb und das haptische Feedback vibriert fröhlich mit. Demon's Souls steuert sich nicht viel anders als unsere Helden aus der Souls-Trilogie. Bis auf das etwas kurz geratene Rollen, das Veteranen wie Neulinge gleichermassen herausfordert, kennt man die Mechaniken. Es ist schwer etwas Negatives zu finden, bis auf den erbarmungslosen Schwierigkeitsgrad (gehört dazu), den Casualgamer ziemlich schnell abschrecken wird. Der einzige Punkt, der öfters nervte, war das Umgewöhnen mit der Heiltrankauffrischung und das Hängenbleiben der Waffen in engen Korridoren. Schwingt ihr die Waffe in einem Gang oder nahe einer Wand kann es sein, dass die Animation nicht ausgeführt wird, ihr aber trotzdem Stamina verliert und der Gegner fröhlich auf Euch eindreschen kann. Aber das ist eben Demon's Souls; Einfach gibt's nicht! Kurzum: Demon's Souls ist fantastisch! Wenn ich bedenke, dass die grossartige Performance von Bluepoint's Konversion in 60fps und 4K erst der Anfang der neuen Ära ist, dann will ich nicht wissen, was uns in Zukunft noch alles erwartet - es wird richtig spannend!




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