The(G)net Review: Desperados III

Mehr als ein Jahr ist schon wieder verstrichen, seit wir unser Pferd in Rockstars Red Dead Redemption 2 gesattelt haben und gen Westen geritten sind. Nicht ganz so actiongeladen, aber in seinem Genre mindestens so gelungen, erhoffen wir uns die Rückkehr von Desperados.



Tatsächlich ist es schon fast eine Generation her, seit der zweite Teil die Regale des Lieblings Video- und Computerspiele Händlers unsicher gemacht hat. Nicht mehr ganz so gelungen wie der Erstling, überzeugte der Nachfolger Anhänger gepflegter Echtzeit-Taktik immer noch. Hübsch gezeichnete Bitmap Grafiken gepaart mit einem packenden Trial & Error Spielprinzip hatten ihren Reiz – bis das Genre praktisch gestorben war. Mimimi Games aus München holte die Spiele-Gattung auf gelungene Art und Weise mit Shadow Tactics zurück ins Leben; weswegen man den Jungs nun auch den dritten Teil von Desperados anvertraut haben dürfte.



Jener dritte Teil ist eigentlich ein Prequel und schreibt die Geschichte, die sich vor dem ersten Teil abspielt. Wie Serien-Veteranen bekannt ist, bewegt sich der Held nicht (lange) alleine durch die Prärie. Schon bald gesellen sich alte und neue Gesichter zur Story hinzu. Dazu gehören aus den Vorgängern bekannte Gesellen wie Doc McCoy und Kate O’Hara, aber auch gänzlich unbekannte, wie der starke Hector oder Isabelle, die Voodoo-Dame.



Die Story dreht sich in erster Linie um Rache, ein immer wieder verblüffend einfallsreiches Szenario in Western-Szenerien. Super spannend wird die Geschichte nie, was dem Spielspass aber weiter nicht schadet. Das liegt insbesondere an den immer wieder eingestreuten, äusserst unterhaltsamen Dialogen der Truppe. Die deutsche Sprachausgabe überzeugt übrigens durch gute Sprecher. Wem es doch nicht passt, der ändert Sprache und Untertitel via Options-Menü.



Nach einem kurzen Tutorial lernen wir die Steuerung, welche sehr intuitiv von den Händen geht. Die Konsolen-Umsetzung ist erstaunlich gut gelungen, was bei einem Titel dieses Genres nicht selbstverständlich ist. Gesteuert wird der eigene Charakter via Control-Stick, gewechselt wird jener mittels Menü, das mit LB Button aufgerufen wird. Die Wahl der Waffe erfolgt über das gleiche System und die andere Schultertaste. Schleichen passiert auf Knopfdruck, genau wie das Ausführen von Aktionen. Einzig die Kamera-Einstellung bedarf einer kurzen Eingewöhnung, funktioniert dann aber ebenfalls tadellos. Mit dem rechten Stick wird übrigens die Kameraposition den eigenen Bedürfnissen nach verschoben. Eine Maus habe ich tatsächlich nicht vermisst, was mit eine der grössten Überraschungen war. Ansonsten funktioniert Desperados 3 wie schon Commandos anno dazumal: Mittels Cursor sehen wir, was bzw. bis wohin die Gegnerschar sieht und bewegen die eigenen Leute möglichst um deren Sichtkegel herum, um sie danach geschickt zu meucheln. Idealerweise packt man den nun zumindest bewusstlosen Kontrahenten aus der Sichtweite anderer Bösewichte, damit diese nicht auf uns aufmerksam werden.



Um es den eigenen Western-Helden einfacher zu machen, hat jeder noch seine eigenen Spezialfähigkeiten spendiert bekommen. So stehen je nach Charakter Giftspritze, ablenkende Münze, Wurfmesser, Verkleidung, Bärenfalle oder sogar Voodoo-Künste zur Verfügung. Speziell letzteres ist ziemlich stark, und daher auch nicht unendlich einsetzbar. Zum Preis eines Lebenspunktes darf die gute Isabelle gar die Kontrolle über Feinde übernehmen. Zudem ist es ihr möglich, zwei Gegner sozusagen das selbe erleiden zu lassen, frei nach Voodoo Magie halt. Stirbt der eine, stirbt auch der andere, eine spannende Fähigkeit, die zum Ausprobieren einlädt. Die ganzen Fähigkeiten und Aktionen dürfen mitten im Spiel kombiniert werden. Mittels Showdown Modus wird das Spiel kurzerhand pausiert und die einzelnen Aktionen im Detail geplant. Durch Druck auf Y wird der Plan in die Tat umgesetzt; und funktioniert idealerweise. Nicht ganz einfach, aber zutiefst erfüllend, wenn es von Erfolg gekrönt wird. Oder frei nach Hannibal aus dem A-Team: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.



Nun zum wichtigsten, dem Level Design: Die sechzehn verfügbaren Karten überzeugen durchwegs durch Abwechslungsreichtum. Nicht nur optischer Natur. Auch die darin versteckten Aufgaben und Missionen wiederholen sich nicht ständig. So gilt es mal Gefangene zu befreien, ein anderes Mal wird skrupellos eine Brücke dem Erdboden gleichgemacht. Zudem befinden sich immer wieder einige Gegenstände auf der Karte, die sich unsere Desperado-Truppe zu Nutze machen kann. So fällt auch mal ein grösserer Gegenstand auf unbedachte Gegner. Da solche Situationen von umstehenden Fieslingen als «Unfall» betrachtet werden, sind die eigenen Ganoven weiterhin nicht unter Verdacht. Manipulierbare Dinge können übrigens mit Druck auf den Control-Stick schnell eingeblendet werden. Solche Ideen führen letztendlich auch dazu, dass nicht immer derselbe Weg zur Lösung führen muss. Das ist auch gut so, denn Desperados 3 ist noch immer ein Trial & Error Spiel. Schon das Tutorial lehrt uns, stets und oft zu speichern. Quick Save und Load geht auf der Xbox One schnell von statten, via Select bzw. Start Button, andernfalls wäre das Spiel aber auch nahezu unspielbar. Wer den Abspann sehen will, dürfte mindestens zwei Dutzend Stunden einplanen. Will man noch alle Bonusziele abgrasen, wird die Spielzeit gar noch mehr ausgedehnt.



Fazit:

Desperados 3 tut das, was ich von ihm erwartet habe: Es holt mich als Fan des ersten Teils ab und manövriert das Spielprinzip mit Bravour ins Jahr 2020. Äusserst abwechslungsreiche Level, unterschiedliche Charaktere, die mit ihren Fähigkeiten zum Ausprobieren von verschiedenen Lösungswegen einladen und nicht zuletzt die hübsche Grafik überzeugen auf der ganzen Linie. Auch Desperados 3 ist ein Trial und Error Spiel, dessen muss man sich bewusst sein. Wer auf Echtzeit-Taktik und das Western Szenario steht, kommt aber um den dritten Teil der Saga nicht herum. Zumal die Konsolen-Umsetzung echt gelungen ist.




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