The(G)net Review: Disciples: Domination
- Rony Liemmukda

- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Die Schlacht um Nevendaar beginnt erneut, mit Disciples: Domination, dem direkten Nachfolger von Disciples: Liberation. Uns erwarten ein überarbeitetes, taktisches Kampfsystem: schnellere und brutalere Gefechte, neue Fähigkeiten für zahlreiche Einheiten sowie mächtige Fraktionssynergien.

Die Story spielt fünfzehn Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils. Unsere Protagonistin, Avyanna Nevendaar, sitzt alleine auf ihrem Thron. Ihre Verbündeten haben ihr den Rücken gekehrt, und sie ringt mit sich selbst, um nicht zu dem zu werden, was sie einst bekämpft hat. Zu allem Übel findet auch noch eine Manakorruption im Reich statt, welche dazu führt, dass Gebiete verseucht werden und jegliche Lebewesen sterben oder mutieren. Fügt noch ein paar religiöse Fanatiker und rassenmotivierte Verfolgung hinzu, namentlich die Ausrottung des Zwergenvolkes, und schon haben wir einen guten Mix aus Chaos, politischen Intrigen und Machtkämpfen. Avyanna macht sich, nachdem ihr eine Projektion ihres totgeglaubten Kindheitsfreundes erschienen ist, auf die Mission, vom Königreich zu retten was noch zu retten ist. Ihr dabei behilflich soll das vertriebene Zwergenvolk sein.

Zu Avyanna selbst müssen wir zu Spielbeginn festlegen als welche Klasse sie unterwegs sein will. Hier stehen Kriegsherrin, Urzauberin, Heilige Regentin, sowie Hexenkönigin zur Verfügung. Sollte uns die Spielweise nicht gefallen, so können wir die Klasse später nachträglich ändern. Zu jeder Klasse gesellt sich ein entsprechender Fertigkeitenbaum. Falsche Entscheidungen lassen sich gegen Gold wieder zurücksetzen. Um die entsprechenden Punkte zur Freischaltung zu bekommen müssen wir leveln, und zwar sehr viel. Zusätzlich hat sie noch ein Arsenal an Zaubersprüchen, welche nach und nach freigeschaltet werden.

Das Spiel an sich ist in mehrere Phasen unterteilt. Als erstes wäre die Gebietsdurchquerung auf der Weltkarte. Wir reiten hier zu Pferde, sprechen mit NPCs und finden Ressourcen. NPCs geben uns Quests, sind Teil eines Quests oder reden einfach nur. Wir haben hier auch öfters mehrere Antworten zur Auswahl, die Auswirkungen auf die Story haben können. Zum Beispiel gewinnen wir neue Gefährten für unsere Mission oder wir treffen eine Entscheidung, über die unsere Gefährten nicht wirklich glücklich sind, worauf sie ihren Unmut entsprechend ausdrücken. Zur Weltenkarte gehören auch diverse Gebiete, die sich innerhalb von Gebäuden befinden. Zu den Ressourcen zählen herumliegende Haufen von Gold, Eisen und dergleichen, sowie auch Minen, welche uns Ressourcen pro Stunde zur Verfügung stellen. Diese gilt es allerdings zuerst aus Feindeshand zu erobern.

Die nächste Phase ist die Königin zu spielen. Hierzu kehren wir jederzeit in unser Schloss zurück und besteigen den Thron. Die Völker sprechen in gewissen Intervallen bei ihr vor und präsentieren aktuelle Probleme im Reich. Nun liegt es an unserer königlichen Weisheit, die bestmögliche Lösung zu finden und zu präsentieren. Dafür stehen uns mindestens drei, manchmal sogar mehr Optionen zur Verfügung, deren Auswahl direkt von unseren vorhandenen Ressourcen abhängt. Sollte unsere bevorzugte Lösung mangels Ressourcen nicht auswählbar sein, so können wir die Behebung des Problems auch auf später verschieben. Als Resultat unserer Entscheidung bekommen wir Reputation mit den entsprechenden Völkern gutgeschrieben und in diversen Fällen sogar abgezogen; manchmal gibt es auch Ressourcen als Bonus obendrauf. Für die Reputation gibt es in mehreren Stufen permanente Sonderboni für die Einheiten des jeweiligen Volkes.

Und als letzte Phase haben wir das Einheitenmanagement. In unserem Hauptquartier stehen für jedes Volk entsprechende Gebäude in denen wir Einheiten rekrutieren und aufstufen. Auch ist es möglich Einheiten zur nächst höheren Klasse aufzuwerten, sofern die Gebäudestufe und Forschungsstufe entsprechend passen. Ausserdem müssen wir unsere Truppen organisieren. Hierfür dürfen wir diverse Presets im Voraus anlegen und auswählen bevor der jeweilige Kampf beginnt. Welche Einheiten in die Kampftruppe dürfen, hängt von Avyanna’s eigener Stufe ab. Je höher sie ist, desto höher ist das Kommandolevel. Als Beispiel: Ist Avyanna’s maximaler Kommandolevel 60 und eine Einheit benötigt 20 davon, so können maximal drei Einheiten in die Truppe. Neben den Frontlinern haben wir noch die Backliner. An derer drei können wir Einheiten auswählen, die mittels ihrer passiven Fertigkeiten den Kampf beinflussen.

Das Kampfsystem basiert auf klassischem S-RPG, aber mit Hexagons anstatt den klassischen Quadraten. Vor Kampfbeginn erhalten wir einen Überblick über die Schlachtsituation. Wir können unsere Truppen entsprechend formieren und passende Einheiten entsprechend der Gegner auswählen. Solange es sich nicht um einen Storykampf handelt, können wir auch direkt abbrechen. Auf den Spielfeldern selbst haben wir diverse Buff- und Debuff-Felder, etwaige Hindernisse und manchmal sogar Feldeffekte, die im Intervall aktiv werden. Wer wann an der Reihe ist, das entscheidet der Initiative-Wert der Einheit. Auf dem Kampfinterface wird die aktuelle Rundenreihenfolge zur besseren Übersicht und Planung eingeblendet.

Zusätzlich zum Standardverhalten der Truppen haben wir diverse Formationseffekte. Kesseln wir Gegner in einem bestimmen Formationsmuster ein, so erhalten wir einen Kraftbonus und schlagen mit mehr Wumms zu. Als kleinen Ansporn für besonders gute Leistungen gibt uns das System eine optionale Bedingung zur Schlacht, wie beispielsweise "Verliere keine Einheiten". Erfüllen wir diese, warten nach Kampfende noch weitere Belohnungen auf uns. Sind wir nicht zufrieden mit dem Endergebnis, weil etwa zu viele Einheiten unwiederbringlich gestorben sind, können wir den Kampf direkt wiederholen ohne extra neu zu laden.
Fazit:
Als erstes sei gesagt: Für das Spiel braucht ihr eine Menge Zeit und Sitzfleisch. Nebst vielem Lesen von einer Menge Beschreibungstexten, sind auch vereinzelte Quests teils erst nach Stunden lösbar, da uns einfach die Truppenstärke fehlt. Ich bin da bei der ersten Quest blind rein und war nach zwei Schlägen vom Gegner bereits tot. Mikromanagement mit den Einheiten und politische Entscheidungen kommen genauso obendrauf, wie auf Ressourcen zu warten – wenn wir denn eine Mine gefunden haben, die wir einnehmen konnten. Die Gebäude an sich müssen auch aufgestuft werden. Kurzum: Um etwas im Spiel zu erreichen, muss viel getan werden. Einfach die Story durchrauschen ist hier nicht. Ganz klasse finde ich es, dass unsere Entscheidungen auch Folgen haben. Eine "falsche Wahl" und schon haben wir einen potentiellen Verbündeten im Kampf weniger. Hier gilt wirklich: Tot ist tot – auch ausserhalb des Schlachtfelds. Diejenigen, welche den Vorgänger gerne spielten, werden sicher ihren Spass mit Disciples: Domination haben. Neueinsteiger wie ich benötigen nicht zwingend Wissen über die Lore aus dem Vorgänger. Einzig viel Geduld ist notwendig, um wirklich Spass zu haben.

Disciples: Domination ist als Download für PS5, Xbox Series und PC erhältlich. Wir haben das Spiel auf der PS5 getestet. Das Test-Muster stammt von Kalypso Media, wofür wir uns herzlich bedanken.











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