The(G)net Review: GetsuFumaDen: Undying Moon

Nach den Veröffentlichungen der Castlevania- und Contra Anniversary Collections hatte ich die grosse Hoffnung, dass Konami sich endlich auf ihre Werte besinnen, ihre besten Franchises wieder aufgreifen und uns mit guten, neuen Spielen beglücken würde. Undying Moon schien ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.


GetsuFumaDen Undying Moon Test Testbericht Switch Review

Es ist 1.000 Jahre her, seitdem der erste Anführer des Getsu-Klans den Dämonenfürsten Ryūkotsuki besiegte, die Dämonen zurück in die Unterwelt trieb und Ordnung in der Welt der Menschen wiederherstellte. Nun ja, eigentlich sind es «nur» 35 Jahre, denn Undying Moon ist der Nachfolger eines NES Spiels mit gleichem Namen aus dem Jahre 1987. Seither wachte der Getsu-Klan treu über die Mächte des Bösen, um das Gleichgewicht zu wahren. Doch als Ryūkotsuki plötzlich zurückkehrt und buchstäblich die Hölle losbricht, fällt es einem neuen Helden zu, sich erneut gegen die dämonische Bedrohung zu erheben.


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Als Oberhaupt des Getsu-Klans sind wir dazu berufen, den Frieden zwischen den Menschen und der Unterwelt zu wahren. Um den Mächten des Bösen Einhalt zu gebieten, sind wir gezwungen, immer wieder in die Hölle zu reisen, zu sterben und im selben Körper wiedergeboren zu werden. Auf Wiedersehen lineare Action, willkommen Roguelike.


Mit zwei zufälligen Waffen in der Hand mache ich mich auf, die seltsam anmutenden Level zu erkunden, deren Aufbau mich öfters an Ameisenfarmen erinnert haben. Die Entwickler gingen, ganz im Sinne des Genres, den Weg des geringsten Widerstands und so sind alle Orte und Gegnerplatzierungen bei jedem Durchgang anders, sprich zufallsgeneriert. Skelette, Oni, Yokai und andere Kreaturen der japanischen Mythologie streifen durch die verwinkelten Labyrinthe und warten nur darauf, von mir zerlegt zu werden. Das Waffen Arsenal ist reichhaltig: Kusarigamas, Katanas, Speere, Hämmer und sogar Regenschirme (?) sind mit dabei, von denen wir vier gleichzeitig ausrüsten dürfen. Dazu gibt’s eine mächtige Liste an Verbrauchsitems wie Bomben, Pfeile, Kunai oder Schüsse aus diversen Schiessprügeln.


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Kämpfe gegen Standardgegner beschränken leider fast ausschliesslich auf den Wechsel zwischen einer einzigen Schlagkombination und der Ausweichrolle. Jede Waffe hat zwar besondere Fähigkeiten, die kann man aber nur selten richtig einsetzen, weil die Konter- und Vergeltungsattacken der Gegner einfach zu schnell und die Animationen unseres Helden zu langsam sind. Bei Bossen hingegen kommen sie gut zur Geltung und so ist es nicht verwunderlich, dass die Kämpfe gegen die Rädelsführer am meisten Spass machen.


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Dämonenfürst, fünfköpfige Hydra, Drachen, Riesentausendfüssler, Götter des Windes und des Blitzes - Raijin und Fujin - die Auswahl ist gross, bunt und ziemlich gefährlich. Beim ersten Treffen sind die fiesen Obermotze fast nicht zu bezwingen. Freunde von Dark Souls wird’s freuen. Aber auch diese Tatsache ist dem Genre der Roguelikes geschuldet. Das Spielprinzip ist halt einfach auf Grinding ausgelegt. Materialien sammeln, Aufleveln, Sterben und wieder von vorne, bis man endlich stark genug ist, den nächsten Obermotz auf die Matte zu legen. Auf der einfachsten Stufe ist es zwar möglich, sich durch die ersten paar Hauptlevels zu schummeln, die zweite Spielhälfte wird man aber ohne Grinding nicht zu Gesicht bekommen.


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Neben dem permanenten Sammeln von Materialien und dem Aufleveln gibt es auch temporäre Upgrades, die nur innerhalb eines einzigen Durchgangs funktionieren und beim Tod jeweils verloren gehen. Diese «Seelen-Upgrades» verstärken eure Angriffe, erhöhen die Gesundheit oder verbessern die Heilung beim Schluck aus der Heiltrankpulle. Apropos; Heiltränke sind im Spiel unheimlich rar. Es gibt nur einen pro Level.


Der grösste Reiz von GetsuFumaDen: Undying Moon geht sicherlich von der aussergewöhnlichen Grafik aus. Der typische Ukiyo-e-Stil ist einfach eine unfassbar schöne Richtung der japanischen Bildkunst, die in der Vergangenheit schon einigen Spielen zu Popularität verholfen hat. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich Okami von Capcom. Es ist, als ob ein wunderschön animierter, japanischer Holzdruck vor euren Augen zum Leben erwacht. Einfach toll. Schade nur, dass es die Entwickler tatsächlich schaffen, die ganze Pracht mit furchtbaren Grafik-Effekten zu torpedieren, die in ihrer Fülle ebenso überwältigen, wie durch ihre Hässlichkeit. Nicht selten verdecken sie Teile des Geschehens auf dem Bildschirm, was dazu führt, dass ihr öfters daneben haut. Im schlimmsten Fall stirbt man. Die traditionelle, japanische Musik passt dafür perfekt zum kunterbunten Treiben.


GetsuFumaDen Undying Moon Test Testbericht Switch Review

Nach 8 Levels und rund 4 Stunden ist das durchwachsene Abenteuer auch schon wieder vorbei. Komplettisten dürfen gern noch zwei Stunden dazu zählen. Wer dann immer noch Bock hat, darf mit Kunoichi Renge einen zweiten Durchgang wagen. Der weibliche Ninja spielt sich jedoch nicht gross anders, als ihr männlicher Counterpart.


Fazit:

Die Ankündigung zu GetsuFumaDen: Undying Moon hat mich damals überrascht. Es ist nämlich die Fortsetzung des ur-alten Getsu Fūma Den, das 1987 exklusiv in Japan auf dem Famicom erschien und damals zu meinen Lieblingsspielen gehörte. Eigentlich wollte Konami schon zu PS2-Zeiten eine Fortsetzung raushauen, aber irgendwie hat es nie geklappt. Vor ein paar Jahren schloss sich Konami dann überraschend mit dem unbekannten Indie-Studio GuruGuru zusammen und begann aktiv mit der Entwicklung eines Nachfolgers. Der wurde im Mai letzten Jahres als Early Access auf Steam veröffentlicht, konnte mich aber nicht so recht überzeugen. Naja, immerhin bestand die Chance, dass das Spiel für den finalen Release noch aufpoliert und verbessert würde. Jetzt, neun Monate später, darf ich endlich die Vollversion auf meiner Switch daddeln und muss schweren Herzens eingestehen, dass es leider nicht viel besser geworden ist.



Audiovisuell ist das Spiel der Hammer! Die Mutation vom linearen Action-Game hin zum Roguelike war in meinen Augen aber eine komplette Fehlentscheidung. Der Zufallsgenerator fabriziert nur langweilige Levels ohne Herz, mit oft deplatzierten Feinden an unfairen Stellen. Hölzerne Animationen, viel Grinding und ein grober Inputlag bei den Eingaben machen die Kämpfe extrem mühsam. Sie haben es sogar geschafft, die an sich tolle Optik mit überladenen Grafik-Effekten zu verhunzen, die nicht selten sogar das Gameplay negativ beeinflussen, weil sie Gegner verdecken. Die einzigen Lichtblicke sind die spassigen Bossfights und die schöne Musik, aber das ist heutzutage einfach zu wenig, um einen Kauf zu rechtfertigen.



GetsuFumaDen: Undying Moon gibt's für den PC und Nintendo Switch (digital only). Wir haben es uns auf der Switch selbst gekauft und getestet.

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