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The(G)net Review: Gray Dawn

Indie-Horror und die First-Person Ansicht gehören heutzutage zusammen wie das Amen in der Kirche. Gray Dawn, das Erstlingswerk des rumänischen Studios Interactive Stone beweist, dass dies schon 2018 der Fall war. Dank eines neuen Ports bekommen jetzt auch Xbox Besitzer die Chance diesen Horror-Thriller auszuprobieren.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Die Geschichte spielt am Heiligabend im Jahr 1920 und dreht sich um Vater Abraham. Dem Priester wird vorgeworfen mehrere Kinder getötet zu haben, weshalb man als Spieler in seine Haut schlüpft, um seine Unschuld zu beweisen. Passenderweise ist die Story sehr stark mit Religion und dem Glauben verbunden. Während das für ein einigermassen cooles Grundsetting sorgt, ist die Umsetzung leider ziemlich fragwürdig.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Beim Exorzismus eines Jungen fährt ein Spielzeugzug durchs Zimmer, der mit einem grossen, leuchtenden Pentagramm verziert ist. Ich musste unwillkürlich schmunzeln, denn diese Art von Storytelling ist weder subtil noch clever. Wirklich loslachen musste ich jedoch, als ich ein dämonisches, weisses Häschen verfolgen musste, das vom Geist eines ungetauften Kindes besessen war. Es ist teilweise völlig bizarr und macht in meinen Augen das interessante, wenig genutzte Setup kaputt. Abgesehen davon wird die Story an sich weder spannend noch kohärent erzählt.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Das ist besonders problematisch, weil die Story ganz klar das Hauptaugenmerk von Gray Dawn sein soll. Denn obwohl es ganz eindeutig ein Horrorspiel und Thriller sein will, bietet es kaum Thrills und auch nur sehr wenig Horror. Vielmehr ist es eine Mischung aus Point & Click Adventure und Walking Simulator.


Man erkundet die Spielwelt, ein Anwesen, mehrere Kirchen oder eine paradiesische Traumwelt, sammelt Gegenstände, über dessen Bedeutung man auf den ersten Blick nicht sicher ist und nutzt diese dann, um immer komplexer werdende Rätsel zu lösen. Oft haben die Rätsel mit den Geschehnissen des Spiels nichts zu tun, was sie nur noch kniffliger macht. Gelungen ist das Artefakt, welches man in der Traumwelt nutzen kann. Damit wechselt man zwischen zwei Jahreszeiten, um weitere Rätsel zu lösen. Das ist zwar ansatzweise unterhaltsam, aber nichts davon ist weltbewegend. Mit einer Spieldauer von zwei bis drei Stunden ist es kurz und knackig, was sich passend anfühlt.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Der Horror beschränkt sich zum grössten Teil auf öde und vorhersehbare Jumpscares. Man dreht sich um und hinter einem steht eine verwesende Leiche. Eine Tür wird von innen aufgebrochen, als man sie öffnen will, und etwas schnellt einem entgegen. Dazu gibt es dissonanten Lärm und das wär's. Teilweise schafft es das Spiel fast, eine unheimliche Stimmung aufzubauen, welche es aber nie zu halten vermag. Das liegt unter anderem daran, dass man nie wirklich in Gefahr ist oder unter Zeitdruck steht. Horror muss nicht zwingend Killer oder Monster haben, um einen in Schrecken und Panik zu versetzen. Wenn es aber überhaupt keine spürbare Gefahr gibt, obwohl es heisst, dass sich Vater Abraham vor der Guillotine fürchten muss, und die Atmosphäre obendrein nur dürftig ausfällt, bleibt der Puls bestenfalls im Ruhebereich.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Technisch fühlt man dem Titel das Alter an. Effekte und Animationen sind steif und unnatürlich. Ausserdem brauchen die Texturen nach einem Ladebildschirm sehr lange, bis sie vollständig zu sehen sind. Teilweise poppen Umgebungsobjekte oder detaillierte Texturen erst gut 20 Sekunden später auf. Obwohl es an der musikalischen Untermalung generell nichts auszusetzen gibt, vermiest die englische Sprachausgabe diesen Aspekt. Sie ist extrem hölzern und emotionslos, was die sowieso schon oft wirre Story noch unerträglicher macht. 



Fazit:

Trotz spannendem Setting und teilweise interessanten, kniffligen Rätseleinlagen, ist Gray Dawn leider unterdurchschnittlich. Die Geschichte, der Dreh- und Angelpunkt des Spiels, wird wirr und langweilig erzählt und setzt auf viele ausgelutschte Klischees. Die überholte Technik und die emotions- und gefühllose Sprachausgabe helfen dem Gesamtpaket leider auch in keinster Weise.


Gray Dawn Xbox Test Review Testbericht

Gray Dawn ist digital für PC, Xbox One und Xbox Series X|S erschienen. Wir haben uns das Spiel auf einer Xbox Series X angesehen. Das Test-Muster stammt von Interactive Stone, wofür wir uns herzlich bedanken.

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