The(G)net Review: HP OMEN GT22 45L

Es war mal wieder an der Zeit, unseren Gaming PC in der Redaktion zu ersetzen. Schliesslich kann es

ja nicht sein, dass wir als Spiele-Magazin im Jahre 2022 noch mit einer 1080er durch virtuelle Welten

düsen. Wir gehören aber jetzt nicht unbedingt zur Gattung der Bastler, die sich gerne aus dutzenden

Komponenten ein eigenes Rig zusammenschustert. Da kam die überraschende Anfrage von HP

Schweiz gerade recht, ob wir nicht ein Gerät der brandneuen OMEN 45L Serie testen wollen.



Eines wollen wir gleich zu Beginn klarstellen: Obwohl uns der PC von HP, in Zusammenarbeit mit Intel, zur Verfügung gestellt wurde, ist das hier kein «sponsored Post». Selbst in diesen Ausnahmesituationen geht es uns immer um eine objektive und ehrliche Berichterstattung. Dafür stehen wir schliesslich mit unserem Namen. Wenn aber ein Produkt wirklich gut ist, wie z.B. der neue OMEN GT22 45L, dann darf man ruhig auch mal euphorisch sein. Aber beginnen wir von vorne...



Schaut man sich das Design des OMEN 22GT 45L an würde man nicht vermuten, dass es sich hier um einen vorgefertigten Gamer-PC handelt. Neben den markanten Lüftern, der flashigen RGB Beleuchtung und dem Seitenpanel aus gehärtetem Glas, sticht besonders die oben ausgelagerte Kühlkammer ins Auge, die sogenannte «Cryo Chamber». Die Idee dahinter ist ein absolutes Novum und ebenso «cool» wie clever: Es handelt sich um eine patentierte, revolutionäre Flüssigkeitskühlung in einem separaten Gehäuseteil. Das Kühlfach befindet sich 43 mm über dem eigentlichen Tower und enthält einen 240-mm All-in-One Flüssigkeitskühler. Die OMEN Cryo Chamber saugt kühlere Umgebungsluft von aussen ein, statt Luft aus dem Innern zu recyceln, die bereits von der CPU, GPU und anderen Komponenten erwärmt

wird. Kurz: Bessere Kühlung und zugleich mehr Platz und Spielraum für andere Bestandteile. Ein wichtiger Selling-Point, denn der 45L soll sich so einfach wie möglich upgraden lassen.


So einfach wie beim OMEN 45L lässt sich selten ein PC Gehäuse öffnen

Da passt es prima, dass sich die Seitenwände durch einfaches Drücken eines Knopfes an der Oberseite entfernen lassen. Easy Access zu Mainboard, Grafikkarte, RAMs und Kabelmanagement. So erweitert ihr mühelos den Arbeitsspeicher oder pflanzt eine grössere HD in einen der freien Steckplätze. Ebenso einfach lässt sich die Frontblende entfernen, ideal zum Reinigen des Staubfilters oder der Lüfter. Und das alles ohne Schrauben und Werkzeuge. Die ab Werk verbauten Komponenten können sich sehen lassen. HP verwendet ausschliesslich Premiumware von Cooler Master, einschliesslich der Lüfter, des Netzteils (800W) und des Kühlers. Das Gleiche gilt für den Speicher, der aus aRGB HyperX DDR4-3733 RAMs (16GB – 64GB) und Western Digital WD_Black SSDs (1TB - 4TB) besteht. Sogar die verwendete Wärmeleitpaste ist erstklassig: Shin-Etsu MicroSi Extreme Thermal Paste. Checker wissen Bescheid!


Mainboard mit Intel i7 12. Gen. CPU und HyperX Fury RGB RAM-Sticks

Auf der Webseite von HP könnt ihr aus diverse Konfigurationen wählen. Je nach Dicke eures Geldbeutels gibt's verschiedenen Intel Core-Prozessoren (i7 oder i9) und unterschiedlichen RAM- und Festplatten-Grössen. Die neuen Intel CPUs der 12. Generation verfügen über eine Performance-Hybridarchitektur. Diese clevere Kombination von Performance- und Effizienz-Kernen verteilt die Leistung genau dorthin, wo man sie am meisten braucht. Preislich startet ihr bei 2'500.-. Wer das volle Programm will lässt knapp 3'800.- Franken liegen. Auf eine Analyse der Benchmarks verzichten wir an dieser Stelle. Erstens gibt es genügend davon auf YouTube und zweitens würde das für die meisten langweilige Technik-Blabla den Umfang dieses Tests sprengen, zumal es auch noch verschiedene Ausführungen des 45L gibt, und wir nicht das Top-Modell bekommen haben.


OMEN Gaming Hub Software

Unser Testgerät kam mit überraschend wenig Bloatware daher, die sich normalerweise auf vorgefertigten Systemen befindet. Es gab einen Anti-Virus und eine Handvoll HP Programme, wie z.B. das Windows-Tool HP PC Hardware Diagnostics, das zwar nicht für ein Gaming PCs konzipiert wurde, aber dennoch überraschend robust und nützlich ist. Toll fand ich die firmeneigene Gaming Hub Software, mit deren Hilfe ihr das System mit nur wenigen Klicks übertaktet oder Benchmarks durchführt. Wer es hier übertreibt, braucht sich nicht zu fürchten. Der OMEN 45L startet im Falle eines Lockups automatisch neu und kehrt in den Auslieferungszustand zurück. Es gibt also keine Möglichkeit, das System zu beschädigen.


LED Board mit freien Anschlussmöglichkeiten

Mit der Software lassen sich auch die 8 Zonen der RGB Beleuchtung anpassen. RGB-Lösungen von Drittanbietern wie z.B. Chroma von Razer werden ebenfalls unterstützt. Etwas versteckt finden sich noch weitere interessante Optimierungsmöglichkeiten, z.B. im Netzwerkbereich. So könnt ihr sowohl Wi-Fi als auch Ethernet nutzen, um den Datenverkehr nach Wichtigkeit zu priorisieren. Ein tolles Feature für Streamer.


Im alltäglichen Betrieb ist das Lüftergeräusch angenehm leise, unter Last nimmt das natürlich etwas zu. Die Drehgeschwindigkeiten passen sich dynamisch an, können aber auch manuell eingestellt werden. Es gibt sogar einen speziellen «leise Modus». Bei extremer CPU-Belastung via Benchmark kann der OMEN 22GT 45L durchaus etwas lauter werden. Während des Spielens lag das Lüftergeräusch jedoch nie über einem inakzeptablen Wert.


Prominent: Das OMEN Logo - natürlich mit RGB Beleuchtung

Der OMEN 22GT 45L hat aber auch seine Schwächen. Egal für welche Version ihr euch entscheidet, es sind immer DDR4 Speicher verbaut und jener kann nicht gegen DDR5-Module ausgetauscht werden, auch wenn die CPU oder der Chipsatz dies eigentlich unterstützen. Sie passen schlicht nicht auf die Platine. Für die meisten von euch sollte das kein Problem sein, wer sich aber für mehr als 2'500.- Franken einen fertigen Gaming PC kauft, sollte das wissen. Abgesehen von der fehlenden DDR5-Unterstützung (die für Spiele nicht wirklich eine Rolle spielt), gibt es auch keine PCIe 5-Unterstützung für zukünftige SSDs.


Anschlüsse an der Front: Kopfhörer, Mic, 2x USB 3.2, 2x USB 2.0

Der schwächste Aspekt des OMEN 45L ist die Konnektivität. Das Micro ATX-Motherboard verfügt

über die gleiche Anzahl an Anschlüssen wie der OMEN 30L (4x USB 2.0, 4x USB 3.2), die Platzierung

ist bei diesem neuen Modell aber suboptimal. Im Vergleich zum 30L gibt’s zwei zusätzliche USB Anschlüsse an der Vorderseite, das Problem ist aber, dass das USB 2.0 Anschlüsse sind. Das Gleiche gilt für die Rückseite. Genau wie beim 30L gibt es hier zwei USB 3.2-, zwei USB 2.0- und zwei USB-C Anschlüsse. Ich hätte mir gewünscht, dass sich einer der USB-Cs an der Vorderseite befindet und die restlichen alle vom Typ USB 3.2 wären.


Anschlüsse hinten: 3x Audio, LAN, 2x USB 2.0, 2x SS USB-C, 2x USB 3.2, 3x DisplayPort und 1x HDMI

Einen letzten, fragwürdigen Punkt fand ich im BIOS beim Versuch, die Power Limits aufzuheben, um noch etwas mehr Leistung rauszukitzeln. Ja, ist nerdig, ich weiss. Aber HP ist bekannt dafür, ihre Hardware ein wenig zu drosseln. Im BIOS gibt es keinen Zugriff auf die tatsächlichen Leistungsgrenzen des Motherboards oder der CPU und auch keine Übertaktungsoptionen auf BIOS-Ebene. Ich habe auch keine XMP-Option gesehen, um den Arbeitsspeicher schneller zu konfigurieren, dies kann man aber über die Gaming-Hub Software managen. Zugegeben, für ein Mainstream Gaming-System eines grossen Herstellers wie HP ist das nicht weiter verwunderlich und wer sich so ein Gerät kauft, wird das vermutlich sowieso nicht interessieren. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass es die potenzielle Leistung des Systems zumindest etwas einschränkt.



Fazit:

In meinen Augen hat sich HP mit dem OMEN 45L selbst übertroffen. Das Ding ist zwar gross und schwer, sieht aber extrem edel aus, ist äusserst leise, lässt sich super einfach öffnen, reinigen und upgraden und kommt mit fein abgestimmter Hardware und einer flashigen 8-Zonen RGB Beleuchtung daher. Was für ein Biest! Da bleiben keine Wünsche offen. Die Gaming Abteilung von HP weiss, was Gamer wollen und arbeitet auch eng mit der Community zusammen. Ein Credo, dass sich mit unserem deckt. Aber nicht nur dadurch sticht der OMEN 45L auf dem überfüllten Markt der Gaming-Desktops hervor, sondern vor allem durch sein patentiertes «Cryo Chamber» Kühlsystem, der extremen Power und dem skalierbaren Ansatz. Ihr braucht plötzlich mehr Speicher? Eine grössere SSD? Vielleicht sogar eine bessere Grafikkarte? Alles kein Problem. Es gibt genug freie Steckplätze, Anschlusskabel und Platz und alles lässt sich ohne Schrauben und Werkzeug ratzfatz aus- und einbauen. Abgesehen davon, dass man den Speicher nicht durch DDR5-Module ersetzen kann und es für meine Verhältnisse zu wenige (und optimal platzierte) USB-Anschlüsse gibt, ist der OMEN 45L der perfekte Gaming PC für alle, die eben keinen Bock haben, einen eigenen zusammen zu basteln – oder dies schlicht nicht können. [sb]



Bei unserem Test-Gerät handelt es sich um den OMEN GT22-0729nz 45L, mit Intel Core i7-12700K

(12. Gen), 32GB DDR4-3773 RAM, 1TB WD Black SSD und einer GeForce 3070Ti, welches uns

freundlicherweise von HP Schweiz in Zusammenarbeit mit Intel zur Verfügung gestellt wurde. Genaue technische Daten und weitere Modelle des OMEN 45L findet ihr auf der Homepage von HP oder bei Media Markt


PS: Wenn euch der Look des OMEN 45L gefällt, ihr aber eher ein DIY-PC-Bastler seid, könnt ihr das

ATX-Gehäuse auch einzeln erwerben.

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