The(G)net Review: Marvel's Avengers

Nix los im MCU in diesem Jahr! Bis auf Black Widow im November, schauen Anhänger der kostümierten Schurkenjäger 2020 in die Röhre. So bleibt dem Marvel Fan nichts anderes übrig, als sich mit den Avengers auf Konsolen oder PC durch Horden von Bösewichten zu prügeln.



Kamala Khan ist eine der grössten Avenger Fangirls ever und dank ihrem Talent für Kurzgeschichten, wird sie auf die alljährliche Avengers Party, den A-Day, eingeladen. Die junge Dame bekommt aber bald mehr, als sie sich erhofft. Während die Party im vollem Gange ist, greift A.I.M. den Hellicarrier der Rächer an, der in unmittelbarer Nähe der Golden Gate Bridge geparkt ist. Captain America, Thor, Hulk, Black Widow und Iron Man nehmen sich die Halunken vor und verprügeln die invasorische Truppe nach Strich und Faden. Als Intro und Tutorial gedacht, übernehmt ihr nacheinander jeden Helden und lernt so deren Fähigkeiten kennen. Unglücklicherweise stürzt bei der finalen Rettungsaktion das Fluggefährt inklusive Captain America ab. Die Moral ist am Ende, die Avengers lösen sich auf und A.I.M übernimmt den Planeten. Aus die Maus!



5 Jahre später kontrolliert A.I.M immer noch mit eiserner Hand den Globus. In der Zwischenzeit ist Kamala zu einer jungen Frau herangewachsen, kriegt aber die Avengers nicht aus ihrem Kopf und beschliesst, die verbleibenden Rächer zu finden und die Avengers wieder zu reaktivieren. Ein kleiner Vorteil hilft ihr dabei, denn Miss Khan verfügt seit den Vorkommnissen am A-Day ebenfalls über Superkräfte. Ähnlich wie Mr. Fantastic von den Fantastischen Vier, kann Kamala wie ein Gummimann oder -Frau sämtliche Extremitäten um ein vielfaches strecken und vergrössern. So schwingt sie wie Spider-Man kurzzeitig durchs MCU, haut den A.I.M-Gesockse mit Riesenfäusten und Megawatschen die Kimme breit und wächst sprichwörtlich über sich hinaus, indem sie temporär ein Vielfaches ihrer Körpergrösse annimmt.



Jeder der 6 Helden verfügt über eigenständige Fähigkeiten und spielt sich jeweils unterschiedlich. Mit Iron Man und Thor fliegt ihr durch die Lüfte, Hulk schnappt sich kleinere Gegner und benutzt sie als Geschoss, Black Widow macht sich kurzzeitig unsichtbar und Captain America mäht mit geschickten Schild Combos ganze Gegnerreihen um. Zu Beginn sind die unterschiedlichen Schlagvarianten noch spärlich verteilt und die Superschläge mit ihren Cooldowns schwach. Sobald ihr aber die ersten Fähigkeitspunkte eingeheimst habt, geht das lustige Modifizieren los. Auf insgesamt vier unterschiedlichen Skilltrees, die jeweils drei Stufen beinhalten, akquiriert ihr neue Schlagvarianten, Superschläge, Kampfzusätze und andere Verbesserungen. So wird aus dem anfangs schwachen Standardhelden eine regelrechte Prügelmaschine.



Die ersten paar Stunden mit Kamala sind im Grunde genommen ein gigantisches Tutorial. The Avengers mischt dabei ein wenig Lara Croft und Nathan Drake mit dem Lootsystem von Destiny und wilden Superhero-Prügeleien. In den Levels stösst ihr dauernd auf Kisten, Boxen und Truhen, die euch mit der Spielwährung beschenken oder neue Ausrüstungsteile und Materialen zusichern. Gelegentlich entdeckt ihr ein herrenloses Comic, das euch einen automatischen, passiven Boost beschert.



Im ersten Fünftel der Kampagne hetzt ihr durch überschaubare, lineare Levels, absolviert kleine Plattformsequenzen, drückt euch durch QTEs und sammelt nacheinander die restlichen Avengers auf, insofern sich euch kein wütender Levelboss in den Weg stellt. Danach öffnet sich die Spielewelt und ihr habt die Wahl zwischen diversen Missionen, Herausforderungen und intensiverem Prügeltraining im Avengers-„Dojo“.



Auch an die Shoppingbegeisterten und Modebewussten hat Square gedacht. In Shops kauft ihr euch mit den erspielten Devisen neue Emotes, Namensschilder, Ressourcen und Outfits - oder zückt das Portemonnaie und bezahlt per Echtgeld für den gewünschte Gegenstand. Squares Rat, dass ihr zuerst die Story-Kampagne durchspielen solltet, bevor ihr euch in den Multiplayer stürzt, können wir nur unterstützen. Denn das komplexe Kampfsystem, das tiefer ist als es zunächst erscheint, benötigt Eingewöhnungszeit. Im Multiplayer sind die Teams auf 4 Rächer beschränkt. Sollte kein menschliches Teammitglied zur Verfügung stehen, springt ein computergesteuerter Charakter ein. Ein lokaler KoOp existiert momentan noch nicht. Square verspricht für die Zukunft, weitere Charaktere und Storymissionen. Für die neuen Helden werden dann aber jeweils 10.- Franken fällig (Battlepass). Als nächstes stehen zwei Versionen von Hawkeye an und PS4-Besitzer kriegen im Januar Spider-Man kostenlos obendrauf.


Fazit Armin:

Kommen wir zuerst mal zum Positiven. Marvel's Avengers Ausflug ins Digitale ist im Grundgerüst eine runde Sache. Die Story um Kamala ist erfrischend, die grafischen Komponenten in den Zwischensequenzen wie auch im Spiel selber liefern keine Grund zur Kritik. Die Animationen passen und das Kampfsystem überrascht auch nach längerem Spielen mit neuen Fähigkeiten vom Skilltree.



Die Solokampagne ist inhaltlich nicht überragend und bietet spielerisch teilweise unnötige Längen, dennoch blitzt ab und zu ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, dass The Avengers ähnlich wie Destiny 2 mit der Zeit besser werden könnten, denn das Problem liegt ganz klar am Gameplay. Nach der Hauptstory hat man eigentlich alles gesehen, und ausser massenhaft generische Roboter in allen möglichen Formen zu vermöbeln, was teilweise in ein heilloses Chaos ausartet und ihr von allen Seiten unter Beschuss genommen werdet, bietet der Multiplayer nicht viel. Ihr rennt von A nach B, haut die Meute platt, wiederbelebt einen Kameraden, drückt ein paar Knöpfe an irgendwelchen Geräten oder verteidigt ein Gebiet und lootet ohne Sinn und Verstand. Apropos Loot. Crystal Dynamics war anscheinend mehr damit beschäftigt den Ingamestore um das Spiel herum zubauen, als eine rundes Spielerlebnis abzuliefern. Ständig werdet ihr mit Ausrüstungsgegenständen zugeballert. Was im Grunde eine Gute Sache ist, aber andauernd wechsle ich während der Mission oder gleich danach die verschiedenen Upgrades, schmelze die Alten ein und mache Platz im Menu, da die neun Slots pro Gegenstand kaum lange ausreichen. Nach einer Zeit geht das langatmige Itemmanagement gehörig auf die Nerven.



Zwar verfügt jeder Charakter über haufenweise verschiedener Kostüme, aber am Ende der Story sind nur 3 bis 4 freigeschaltet. Trotz des Versprechens, das alles auch im Game erspielt werden kann, ist der Grind hoch und wer nicht farmt wie ein Weltmeister, kriegt erst nach ein paar Stunden das erste Story unabhängige Kostüm freigeschaltet. Wie lange man für sämtliche Outfits, Emotes und anderen Firlefanz benötigt, möchte ich gar nicht wissen. Aber Hey lieber Spieler, es gibt ja Mikrotransaktionen und Battlepässe. Ein weiterer grober Schnitzer. Man sollte eigentlich wissen, dass die Resonanz bei einem Vollpreistitel auf solche Spielereien eher negativ ausfällt, siehe Battlefront 2, Anthem oder Fallout 76. Es wird sich zeigen, ob sich das Spiel auch in Zukunft mit solchen kundenunfreundlichen Mechaniken am Markt behaupten kann. Im Multiplayer war bei der Testphase nicht viel los und nach ein paar Matches wurde es schnell öde.



Wir haben Marvel's Avengers sowohl auf der Xbox One wie auch der PS4 getestet. Während die Sonyversion ein wenig besser lief, stiessen wir bei beiden auf jede Menge Bugs wie Clippingfehler, glitschende Charakter, ruckelnde Zwischensequenzen, krude Gesichtsanimatonen und in einem Fall - in den Trainingsmissionen - wurde die Gegner-KI nicht geladen und der Blechmann stand bewegungslos in der Gegend rum. Es ging sogar so weit, dass trotz deutscher Synchro ein Boss plötzlich auf Englisch wechselte oder Missionsbeschreibungen mit deutschem Titel und englischer Beschreibung gemischt wurden. Aber solange der Itemshop reibungslos läuft, ist ja alles gut… und ob die Idee, dass Spider-Man nur PS4 Exklusiv sein wird, eine Gute ist, wage ich zu bezweifeln. Aber auch so kann man einen Teil seiner Kundschaft vergraulen.


Crystal Dynamics und Square Enix haben noch viele Baustellen offen. Wir werden nochmals in 3 Monaten reinschauen, ob sich was getan hat, insofern sich noch Mitspieler auf den Servern tummeln. Aber in der momentanen Form ist Marvel's Avengers nur ein halbfertiges Produkt, bei dem die Puste nach der Kampagne schnell raus ist.


Fazit Sascha:

Ich kann mich Armin's Meinung eigentlich nur anschliessen. Die Optik ist toll (auf der Xbox One X sogar noch hübscher als auf PS4) und die Kämpfe machen Laune, aber unter dem Strich hätte Marvel's Avengers in diesem desolaten Zustand nie veröffentlicht werden dürfen. Gefühlt hatte ich so ziemlich jeden Bug, den man in modernen Videospielen findet. Besonders ärgerlich waren Stürze durch den Boden, nicht geladenes Level-Inventar (und damit Missions-Stillstand) oder Abstürze nach erfolgreichen Aufträgen und somit Verlust des erspielten Loots. Überhaupt kann ich mit dem ganzen Geloote so überhaupt nichts anfangen. Spiele dieser Machart sind einfach nicht mein Ding, denn praktisch die Hälfte der Spielzeit jongliert man entweder mit Items im Menü, öffnet stumpfsinnig Loot-Kiste um Loot-Kiste um Loot-Kiste oder grindet/farmt sich zum nächsten Powerlevel, indem man Mission XY zum 800sten Mal wiederholt. Schade, dass man das Können und die Zeit eines so fähigen Entwicklerteams nicht dazu verwendet hat, in erster Linie eine runde Story-Kampagne abzuliefern. Nicht zuletzt zwengen die Vorgaben von Square Enix zur Monetarisierung die Kreativität der Entwickler in ein unnötig enges Design-Korsett, worunter der Spielspass wieder einmal leidet. Schade, die Avengers und vor allem wir Spieler, hätten Besseres verdient. Darum mein Tipp: Spart euch das Geld oder wartet, bis ihr das Spiel in 3-4 Monaten zum Schnäppchenpreis - und anständig gepatcht - in der Sale-Ecke eures Händlers findet.



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