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The(G)net Review: Marvel Tokon: Fighting Souls

Wenn Arc System Works Marvel Figuren aufeinander loslässt, darf man Spektakel erwarten. Marvel Tokon: Fighting Souls liefert davon reichlich. Acht Kämpfer können theoretisch an einem Match beteiligt sein, Spezialattacken explodieren quer über den Bildschirm und irgendwo zwischen Spider- Man, Doctor Doom und Carnage versucht man noch herauszufinden, wer gerade eigentlich wen verprügelt.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Als Fighting Game Fan der ersten Stunde und NEO GEO Jünger im Speziellen, war ich extrem gespannt auf Tokon. Dass das Vorhaben, gleich mehrere Marvel Charaktere in einem Match aufeinander loszulassen kein einfaches ist, wissen wir ja bereits dank Marvel vs. Capcom. Auf dem Papier wirkt diese Idee zunächst immer beinahe grössenwahnsinnig. Zum Glück ist Marvel Tokon kein unübersichtliches Effektgewitter geworden, sondern ein erstaunlich strukturiertes und zugängliches Tag Team Kampfspiel.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Marvel Tokon schickt Teams aus jeweils vier Charakteren in die Arena. Es sind jedoch nicht alle acht Figuren vom ersten Sekundenbruchteil eines Matches verfügbar. Zu Beginn einer Partie stehen nur zwei pro Team zur Verfügung. Weitere Kämpfer kommen während des Fights nach und nach hinzu und erweitern so die taktischen Möglichkeiten. Das ist clever. Dadurch lernt ihr die Systeme innerhalb eines Matches schrittweise kennen. Assists, Charakterwechsel, Wanddurchbrüche und Team-Combos bauen aufeinander auf. So werdet ihr nicht gleich mit einem Feuerwerk an Mechaniken erschlagen.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Die zum Start 20 spielbaren Figuren unterscheiden sich erfreulich deutlich voneinander. Das Spannende daran ist aber nicht nur die Wahl der Charaktere, sondern auch deren Position innerhalb des Teams. Je nach Zusammenstellung verändern sich nämlich Unterstützungsaktionen und strategische Möglichkeiten. Wer einfach vier Lieblingscharaktere zusammenwürfelt, kann damit Spass haben, klar. Aber nur wer tiefer einsteigt und anfängt, über Synergien, Assists und Kombo Verlängerungen nachzudenken, wird die enorme Welt voller Möglichkeiten entdecken, die in Marvel Tokon stecken.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Magik vs. Ms. Marvel.

Optisch dreht Arc System Works erwartungsgemäss völlig auf. Das Spiel sieht teilweise aus, als hätte jemand einen Marvel Comic, ein Anime Storyboard und mehrere Dosen Energy Drink gleichzeitig in einen Mixer geworfen. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Die Animationen sind hervorragend, die Treffer wirken wuchtig und die Superattacken präsentieren sich mit genau jener herrlich übertriebenen Inszenierung, die man von einem Spiel dieser Art erwartet. Besonders stark ist die "japanische Interpretation" bekannter Marvel-Charaktere. Arc System Works versucht nicht, die Figuren nach etabliertem Schema nachzubauen. Stattdessen erhalten sie einen eigenen Anime Einschlag, ohne ihre Identität zu verlieren. Das Ergebnis besitzt Charakter. Selbst Figuren, die man seit Jahrzehnten aus Comics, Filmen und Videospielen kennt, wirken hier wieder überraschend frisch.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Magneto vs. Wolverine.

Auch Single Player freuen sich, dank Episodenmodus. Hier folgt ihr mehreren festgelegten Teams, die vom "Champion" zu einem Turnier eingeladen werden, bei dem natürlich wieder einmal das Schicksal der Erde auf dem Spiel steht. Ganz Marvel eben. Die Geschichte selbst gewinnt natürlich keinen Preis, ihre Präsentation aber schon. Comic Autor Kieron Gillen zeichnet für die Geschichten verantwortlich, während verschiedene Comic- und Manga-Künstler die einzelnen Episoden visuell umsetzen. Die Handlung wird über vollständig vertonte Comic Panels und animierte Anime-Sequenzen erzählt. Dadurch fühlt sich das Ganze tatsächlich eher wie ein interaktiver Marvel Comic als wie der übliche Alibi Story Modus anderer Fighting Games an.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Comic Panels.

Ein weiteres Highlight: Das Tutorial. Ja genau! Wer schon einmal versucht hat, ernsthaft in ein modernes Kampfspiel einzusteigen, kennt das Problem. Das Spiel erklärt euch bestenfalls drei Angriffe, zeigt euch eine Kombo und wirft euch anschliessend gegen jemanden ins Online Match, der offenbar seit seiner Geburt nichts anderes gemacht hat. Marvel Tokon geht erfreulicherweise einen anderen Weg. Der Trainingsbereich ist hervorragend ausgestattet und richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Spieler. Frame Daten, Replay Takeover, freie Trainingsoptionen und ein umfangreiches Glossar gehören zum Angebot. Besonders praktisch sind die visuellen Erklärungen zahlreicher Mechaniken. Noch besser gefallen mir die Action Checks. Diese Tutorials erklären gezielt die Besonderheiten jedes einzelnen Kämpfers. Dadurch bekommt ihr schnell ein Gefühl dafür, welche Figur zu eurem Spielstil passt. Anschliessend könnt ihr euch über Kombo Herausforderungen weiter einarbeiten.



Besonders gelungen sind die Level Up Missionen. Hier geht es nicht einfach darum, eine vorgegebene Tastensequenz möglichst exakt nachzudrücken. Stattdessen müsst ihr unter bestimmten Bedingungen eigene Lösungen und Kombos entwickeln. Das fördert echtes Verständnis statt stumpfes Auswendiglernen. Eigentlich eine erstaunlich naheliegende Idee. Umso überraschender, dass sie nicht längst Standard im Genre ist.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Ghost Rider vs. Spider-Man.

Ganz ohne Probleme bleibt die Steuerung allerdings nicht. Die Tastenbelegung wirkt unnötig vollgestopft und könnte gerade am Anfang verwirren. Dazu kommt ein sehr grosszügiger Eingabepuffer. Für Anfänger ist das angenehm, weil Angriffe leichter ausgeführt werden können. Sobald man jedoch längere Kombos mit präzisem Timing spielen möchte, wird aus der Hilfe gelegentlich ein kleiner Saboteur. Dann interpretiert das Spiel eine Eingabe anders als gewünscht und plötzlich macht die eigene Figur zwar irgendetwas ungewollt Spektakuläres, aber eben nur nicht das, was eigentlich geplant war. Special Moves werden übrigens aus einer Kombination aus Knopfdruck und Richtungswechsel ausgeführt anstelle klassischer Eingaben. Wer mit Joypad anstelle eines Sticks spielt, wird das begrüssen.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Blade vs. Dr. Doom.

Beim Online Spiel setzt Marvel Tokon auf Rollback Netcode. Grundsätzlich funktioniert das sehr ordentlich. Die von uns getestete PC Version kämpfte zum Testzeitpunkt allerdings mit Rucklern, Abstürzen und längeren Ladezeiten. Das Problem: Crossplay mit PS5. Während meines Tests sorgten Verbindungen mit PS5-Spielern teilweise für höheren Ping und spürbaren Lag. Crossplay auszuschalten wäre deshalb gelegentlich die beste Lösung. Das ist fast schon ironisch. Da bekommt ein Kampfspiel endlich plattformübergreifendes Spielen und dann wird man dazu genötigt, es freiwillig wieder auszuschalten. Common Sony, das könnt ihr besser! Auch die notwendige PlayStation Network Anmeldung bleibt ein verhasster Stolperstein für PC-Spieler und schränkt die Verfügbarkeit in einigen Regionen ein. Ansonsten ist das technische Fundament des Online Modus gut.



Das Lobby System ist dafür absolut hervorragend, insbesondere im Arcadia Rumble Modus. Hier laufen putzige Avatare durch einen gemeinsamen "Open World" Bereich, chatten, kämpfen gegeneinander, sammeln Punkte und verbessern ihre Teams über mehrere Runden. Während meines Tests war dort allerdings noch nicht besonders viel los. Das ist schade, denn grundsätzlich ist dieser Modus eine ziemlich frisch umgesetzte Idee.


Marvel Tokon: Fighting Souls Test, Review, Testbericht. Dr. Doom vs. Captain America.

Arc System Works hat erfreulicherweise verstanden, dass nicht jeder seine Freizeit damit verbringen will, sich online von jemandem mit 800 Stunden Spielzeit auseinandernehmen zu lassen. Neben den Story Episoden gibt es deshalb mehrere zusätzliche Modi für Solo Spieler. Die All Star Arena z.B. funktioniert als Survival Variante mit leichten Roguelike Elementen. Ihr stellt ein Team zusammen und kämpft so lange weiter, bis Schluss ist. Checkpoints und Bossgegner sorgen für zusätzliche Struktur. Natürlich gibt es auch den Standard VS-Mode. Eine Galerie mit zahlreichen Illustrationen und Extras rundet das Einzel- bzw. Offline-Spieler Angebot ab.



Fazit:

Arc System Works nimmt ein Konzept, das problemlos in einem völlig chaotischen Effektgewitter hätte enden können, und baut daraus ein erstaunlich intelligentes 4-vs-4 Kampfsystem. Die Fights sind schnell, spektakulär und taktisch vielseitig, bleiben dabei aber zugänglich genug, um auch Neulinge abzuholen. Vor allem die Trainingsmöglichkeiten sind für Einsteiger hervorragend. Statt sie mit einem halben Tutorial und einem freundlichen Schulterklopfen ins Online Haifischbecken zu werfen, werden hier alle Mechaniken sinnvoll erklärt. Dazu kommt die fantastische Präsentation. Die Figuren sehen grossartig aus, die Animationen gehören zur Spitzenklasse und der Episodenmodus behandelt die Marvel Vorlage mit mehr Respekt, als man es von vielen anderen Lizenzspielen gewohnt ist. Ganz makellos ist der Superhelden Auftritt trotzdem nicht. Die Steuerung wirkt stellenweise überladen, der Eingabepuffer kann bei anspruchsvolleren Kombos nerven und vor allem die Online-Probleme der PC Version hinterlassen einen deutlichen Kratzer im ansonsten glänzenden Lack. Auf PS5 fällt die Bilanz dahingehend etwas besser aus. Marvel Tokon: Fighting Souls ist nicht perfekt, aber es ist verdammt nah an dem Marvel Prügelspiel, das wir uns seit den grossen Tagen von Marvel vs. Capcom wünschen. Spektakulär, zugänglich, taktisch tief und vollkommen schamlos darin, den Bildschirm mit Superhelden, Explosionen und Spezialattacken vollzustopfen. Ich freue mich schon auf die ersten DLC-Charaktere!



Marvel Tokon: Fighting Souls ist für PC und PS5 erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS5 und dem PC getestet. Das Test-Muster stammt von Sony Interactive Entertainment, wofür wir uns herzlich bedanken.


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