The(G)net Review: Nioh 3
- Armin Medic
- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Nach sechsjähriger Entwicklungszeit geht die japanische Monster Metzelei in die dritte Runde. Während sich am Spielprinzip nicht viel verändert hat, wechseln wir diesmal zwischen zwei Kampfstilen hin und her, verabschieden uns von der starren Level Struktur und ziehen in drei weitläufigen Open Field-Arealen los, um den penetranten Yokais die Lichter auszublasen.

Japan brennt! Mystische Super Dämonen aka "Yokais" haben drei unterschiedliche Zeitlinien übernommen und wir agieren wie üblich als Einmann-Armee mit dem allseits bekannten Aufräum-Auftrag. Die Story von Niho 3 bringt keine grossartigen Neuerungen, da sich der Hintergrund wie bei den Vorgängern ähnelt: Dämonen und Samurais, Mord und Totschlag. Dafür begrüssen wir einen neuen Protagonisten. Tokugawa Takechiyo lautet der Name unseres Helden. Im Charaktereditor basteln wir unseren Schwertschwinger nach unseren Wünschen zusammen, danach schiesst man uns direkt ins Tutorial. Hier wählen wir uns zwei Waffen aus und trainieren im Übungslevel flinke Moves.

Um jetzt nicht das ganze Kampfsystem mit KI-Puls, Haltungen und anderen bekannten Mechaniken erneut durchzuackern, raten wir euch, den ersten Abschnitt unseres Test von Nioh 2 durchzulesen. Beschränken wir uns lieber auf die Neuerung. Wie schon erwähnt, gesellt sich zum alteingesessenen Samurai Stil die äusserst agile Ninja Variante. Per Druck auf die Schultertaste wechseln wir blitzschnell zur nächsten Kampfart. Statt stabiles Blocken und harten Kontern, verteilen wir als Ninja rasante Schlagkombos, weichen mittels Mist-Funktion (nach einer Attacke, umgehen R1 betätigen) blitzschnell aus und nutzen Gift Shurikens, Feuerbomben, explosive Minen und andere Wurfwaffen um uns die Gegner vom Leib zu halten.

Während in der Samurai Form unsere KI-Anzeige, was etwa der Ausdauerleiste gleichkommt, relativ schnell gelehrt wird, müssen wir uns bei der Ninja-Version nicht allzu viele Sorgen machen, da der Cooldown wesentlich kürzer ausfällt. Am interessantesten fanden wir aber die neue Burst Break-Mechanik. Schüttelt einer der Gegner den desaströsen Burst Move aus der Ärmel, sollten wir die Attacke per Schultertaste parieren und gleichzeitig in die andere Kampfform wechseln. Das kann zu wilden Kombo Serien führen, mit denen wir selbst dem dicksten Gegner ein gutes Stück Lebenssaft entziehen. Schaffen wir es, die KI-Leiste unseres Gegenübers zu leeren, torkelt er kurzzeitig herum, was uns ein kleines Zeitfenster für einen harten Finisher-Move verschafft, der kleine Schurken killt und bei Bossen beachtlichen Schaden anrichtet.

Gelegentlich hinterlassen gefallene Monster einen Soulcore. Einmal ausgerüstet, beschwören wir damit entweder den Kollegen als kurzzeitigen Sidekick hervor, der kurz ein paar Schläge austeilt oder nutzen seine elementaren Skills wie Blitz oder Schutz Orbs im Kampf. Eine weitere unverzichtbare Fähigkeit sind die Guardians. Finden wir eines dieser mystischen Geistertiere, übernehmen wir deren Power und verfügen über neuartige Special Moves, die sich per separatem Magie Meter aufladen, nachdem wir ein paar Treffer gelandet haben. Zudem kumulieren wir zusätzliche Guardian Energie. Einmal voll, verwandeln wir uns für einen kurzen Zeitraum in einen unzerstörbaren Dämon und hauen alles kurz und klein. An speziellen Punkten auf der Oberwelt treffen wir auf Spirit Vines. Haben wir den korrekten Guardian im Inventar, räumen wir z.B. Barrikaden in Form von dicken Felsen weg oder erreichen dank automatischem Wallrun vorher unerreichbare Gebiete.

Ein kleines Schmankerl für die Samurai Fans dürfen wir nicht vergessen. In Nioh 3 bekommt unser Japanokrieger endlich einen anständigen Pariermove. Wie bei Sekiro verlieren wir bei einem perfekten Deflect keine Ausdauer und können sogar, wenn wir fix genug sind, einen dicken Konter landen. Beim Waffensystem entschied sich Team Ninja zur Aufteilung. Jeder Stil verfügt über 7 unterschiedliche Waffen, wie Dual Katanas, Tonfas, Schlaghandschuhe, Speere, Hämmer, Kusarigamas und mächtige Odachis. Jede der 14 Waffenarten und die beiden Kampfstile verfügen über einen eigenen Skilltree, der entweder mit Ninja- oder Samurai-Points freigeschaltet wird. Die Zahl sämtlicher erlernbarer Waffen Fähigkeiten übersteigt die Hunderter Grenze. Wie schon zuvor bei Nioh1&2 wechseln wir per Knopfdruck auf Pfeilbogen oder Schiessgewehr und snipen lästige Bogenschützen mit einem gekonnten Headshot ins Aus.

Wenn wir uns nicht mit den Yokais regelmässige Scharmützel liefern, erkunden wir die weiten Gebiete des historischen Japans. Nachdem wir das Startgebiet abgeschlossen und den Boss gelegt haben, öffnet sich die Landschaft und wir dürfen in alle Himmelsrichtungen auf Expedition gehen. Per solidem Doppelsprung meistern wir leichte Parkour Passagen und joggen vorerst im flotten Laufschritt durch Wälder, Felsgebiete, Grotten oder Siedlungen. Später erhalten wir ein Speed Upgrade und flitzen noch schneller durch die Pampa. Besonders witzig: In Ninja Form rennen wir wie Naruto in seinen besten Zeiten herum.

Wer die Vorgänger kennt, wird um die putzigen Kodamas nicht herumgekommen sein. Auch diesmal verstecken sich die kleinen grünen Wichtel überall und wollen gefunden werden. Als Dank winken mehr Heiltränke und erhöhte Regeneration oder bessere Droprate von Elixieren. Zudem lassen sich fliegende Wiesel, ballonartige Katzen und altertümliche Statuen finden, die uns ebenfalls mit unterschiedlichen Extras und Skillpoints belohnen.

Merken sollte man sich die Standorte der Crucibles. Diese roten Diamantkristalle haben sich überall breit gemacht und müssen zerstört werden. In der kleinsten Form reicht ein Schlag, bei der zweiten gilt es, ein paar Wellen von Gegnern auszuschalten, bevor das Mineral bricht. Am härtesten sind aber die Crubicle Wraiths. Diese kleineren Sektionen sind von härteren Gegnern bevölkert, klauen euch nach dem Tod einen Teil eurer Lebensenergie, und geben sie nur zurück, wenn ihr dem Fiesling erneut aufs Maul haut. Am Ende wartet stets eine beinharte Boss Konfrontation auf euch.

Wie schon beim Vorgänger dienen schmucke Schreine als Checkpoints, Schnellreisepunkte und Level-Up-Shop. Bei der Schmiedin verschachern wir unnützes Gear und pimpen unsere Hauptwaffe auf. Beim Totenkopf-Zwerg (Händler) holen wir uns Munition für Gewehre und Pfeilbogen. Wie schon bei Nioh 2 haben wir auch diesmal nicht alle Möglichkeiten und Mechaniken erwähnt. Es sind einfach wieder mal zu viele. Nioh 3 verfügt wie der Rest der Serie über nur einen Schwierigkeitsgrad. Wer sich bei gewissen Bossen die Zähne ausbeisst, darf ein blaues Phantom, welches einen gefallenen Charakter eines anderen Spielers darstellt, heraufbeschwören. Dieser hilft mehr oder weniger mit, falls ihr den Widersacher nicht alleine legen könnt.

Eine noch bessere Lösung ist aber der KoOp-Modus. Entweder laden wir uns zwei weitere Spieler ein, die uns in einem bestimmten Gebiet aushelfen oder wir bieten unsere Hilfe als Besucher an. Als dritte Option dürft ihr im Exkursions-Modus das Spiel zu zweit meistern. Leider waren bei unserer Testversion die Server noch nicht online, so dass wir diese sehr interessante Mechanik leider nicht ausprobieren konnten.

Umfangtechnisch ist Nioh 3 ein Monstrum. Ihr solltet mit mindestens 50 bis 60 Stunden rechnen, wollt ihr alle drei Zeitlinien abschliessen. Und das ist noch lange nicht das Ende. Es sind nämlich noch weitere Inhalte geplant sind, wie es uns unschwer die prominente Werbung für den Battle Pass im Startscreen verrät.
Fazit:
Ich habe geschwitzt, geflucht, gefarmt und mich trotzdem durchgebissen. Nioh 3 ist eine wahre Offenbarung für jeden Soulslike-Fan. Das Kampfsystem ist schlichtweg der Wahnsinn. Die schiere Auswahl an Möglichkeiten und Builds erfordert beinahe ein separates Fernstudium. Mir war das zu viel und darum habe mich auf zwei Waffen beschränkt, die mir am besten gefielen. Denn Nioh 3 erwartet, dass ihr mit Dutzenden von Menüs jongliert, Kampfeinstellungen optimiert, Skills arrangiert, Gear-Management betreibt und euch mit den zwei unterschiedlichen Kampfstilen vertraut macht. Und das macht meistens alles sehr viel Spass. Einzig bei den Waffen- und Ausrüstungsteilen übertreibt es Koei Tecmo wieder einmal und ich werde mit so viel Items zugemüllt, das ich im halbstunden Takt meine überschüssige Ware verschachern muss, da ich sonst den Überblick verliere. Der Open World Ansatz mag zu Beginn den einen oder anderen mit den Augen rollen lassen. Doch es erwarten uns keine langweiligen Landschaften ohne Mann und Maus, sondern überschaubare Gebiete, die nicht aufgesetzt wirken und mit viel abwechslungsreichem Terrain überraschen. Ich habe echt Mühe etwas zu finden, das man bei Nioh kritisieren kann. Gut, ich hatte bei einigen Bossen ziemliche Probleme. Das lag aber eindeutig an meinen überschaubaren Fähigkeiten und nicht am Gameplay. Ich muss aber zu meiner Verteidigung sagen, dass einige der dicken Kanzler ganz wilde Moves auspacken und in dieser Beziehung locker in der Liga mit Elden Ring mitspielen. Ein dickes Lob an Koei Temco und Team Ninja, die sich dank dem Output der letzten zwölf Monate immer mehr zu Top Software Schmieden mausern.

Nioh 3 ist zum Zeitpunkt dieses Tests für PS5 und PC zu haben. Eine Xbox-Version soll 6 Monate später folgen. Wir haben das Spiel auf der PS5 getestet. Das Test-Muster stammt von Koei-Tecmo, wofür wir uns herzlich bedanken!







