The(G)net Review: Venice After Dark
- Rony Liemmukda

- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Mit Venice After Dark präsentiert Sebastian Grünwald nach vielen Jahren Arbeit endlich sein neues Spiel. In dieser stimmungsvollen Mischung aus Point-and-Click-Abenteuer und Visual Novel erkunden wir ein ungewöhnlich komplexes Venedig durch die Augen von Aiko, einer introvertierten Programmiererin, und Thea, einer superschlauen, aber manchmal etwas schrulligen KI.

Los geht’s mit Aiko, unserer Protagonistin, die den Bahnhof in Venedig verlässt. Mit ihr in Begleitung: Thea, ein von ihr entwickeltes, State of the Art KI-System. Der Grund für ihren "Urlaub" ist relativ simpel: Thea soll bald der Öffentlichkeit präsentiert werden, aber das schmeckt Aiko nicht so wirklich und darum flieht sie mit ihrer Schöpfung im Gepäck quasi vor der Arbeit (und ihrer Verantwortung), worüber ihr Chef natürlich nicht wirklich begeistert ist. Unsere erste Handlung: Erst einmal einen Einheimischen Fragen, wie wir zum Hotel kommen. Damit überschlagen sich auch gleich die Ereignisse, denn einige Dialoge später hat der Typ schon sein Rasiermesser gezückt und will uns an die Kehle.

In dem Spiel geht’s effektiv um die ewige Frage: "Ist künstliche Intelligenz gut oder schlecht für die Menschheit?". Dazu gesellt sich ein Firmenchef, der mehr mit Thea vorhat als er öffentlich zugibt und eine Hackergruppe, welche sich dem Kampf gegen KI verschworen hat. Anfangs gehen die nur gegen die Firma vor, aber bald wird Aiko ins Visier genommen. Während ihres Aufenthaltes und ihrer Ermittlungen, wer und warum jemand hinter ihr her ist, trifft Aiko auf allerhand verschiedene Persönlichkeiten und freundet sich eventuell mit einigen sogar an. Hin und wieder stehen wir vor Entscheidungen, die auch den Spielverlauf beinflussen. Ein Zeitsystem (mit Morgen, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht) und ein Wettersystem dürfen auch nicht fehlen. Wie bei einem klassischen 2D-Point’n’Click suchen wir nach Hinweisen, lösen Rätsel und reden mit vielen Leuten.

Was hier etwas anders ist, sind unsere "pädagogisch wertvollen" Einlagen, die auf wahren Fakten basieren. Bei der ersten haben wir einen Grundkurs rund um die optische Wahrnehmung des Menschen, inklusiver wissenschaftlicher Fakten und der Vorstellung bedeutender Wissenschaftler. Darauf folgt eine ganze Reihe an Sehübungen, die wir absolvieren sollen und welche dann ausgewertet werden. Mir zum Beispiel hat das Programm gesagt, ich hätte quasi eine Autisten-typische visuelle Erkennung, war aber super verwirrt, als ich meinte, bei dem einen Test farbige Pulsationen erkannt zu haben. Ich schwöre, da waren regenbogenfarbene Wolken auf dem Bildschirm zu sehen! Bei einer weiteren Einlage dreht sich alles ums Gehör inklusive verschiedener Hörtests. Was das Ganze soll, wird aber erst gegen Ende völlig klar...

Was die meisten Rätsel angeht, sind die nicht sonderlich schwer oder komplex. Oft liegt es einfach nur am Verständnis oder der korrekten Ausführung. Nehmen wir als Beispiel das Windspiel, mit vier Zylindern und einer Melodie aus sechs Schlägen. Wobei sich die Töne dank Resonanz und Schlagreihenfolge leicht ändern; jedenfalls so mein Eindruck. Danke dir, liebe Audiorecorder-App in meinem Telefon, sonst wäre ich heute noch nicht fertig mit diesem Puzzle. Ein anderes Puzzle wurde dann per Bruteforce gelöst, weil ich mir absolut keinen Reim drauf machen konnte, was ich da überhaupt sehe. Allerdings haben wir auch ein Hilfesystem, welches uns die Lösung vorkaut, falls wir gar nicht weiterkommen sollten.
Fazit:
Alles in allem ist Venice After Dark ein grundsolides Spiel. Die handgemalte Grafik scheint mehr oder weniger eine Hommage an Spiele wie Deponia oder Monkey Island zu sein. Mit den Visual Novel-Elementen bekommen einige NPCs einen eigenen Subplot spendiert und fühlen sich nach mehr als nur reine Nebendarsteller an, was die ganze Sache noch etwas lebendiger macht als in den meisten anderen 2D-Adventures. Im Übrigen wird bei der deutschen Tonspur feinstes, modernes Influencer Speak für Aiko und einen NPC verwendet. Wem das auf den Zeiger geht, der sollte auf die englisch Tonspur umschalten. Ich habe tapfer die Zähne zusammengebissen. Nichtsdestotrotz, ein sehr nettes Spielchen mit etwas pädagogischem Inhalt, das gut acht Stunden zu beschäftigen weiss.

Venice After Dark ist als Download für PC und Mac zu haben. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet. Das Test-Muster stammt von Artexsoft, wofür wir uns herzlich bedanken!







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