The(G)net Review: The Shore: Enhanced Edition
- Rony Liemmukda
- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
The Shore – ein Spiel basierend auf dem Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft – erschien bereits 2021 auf Windows PCs und erfährt in seiner "Enhanced"-Edition sein Debut auf Konsolen. Wir haben uns den Horror-Puzzler angeschaut.

Wir starten an einem öden Strand, nicht Sand, eher schwarzer Kies. Um uns herum, viele Schiffwracks und deren Trümmer. Nach ein paar Schritten finden wir ein Fotopendant. Es zeigt uns und unsere verschwundene Tochter Ellie, die wie hier zu finden hoffen. Nach etwas weiterer Wanderung finden wir in paar Flaschenbriefe. Sie beschreiben was hier Seltsames, wie auch Grausiges, auf der Insel geschehen ist. Es geht weiter bis zu einem Leuchtturm, den wir natürlich untersuchen. Auf der Spitze sehen wir ein Gemälde vom Meer mit einem riesigen Ungetüm am Horizont, das viele Tentakel als Arme besitzt. Kurz darauf werfen wir einen Blick über das Geländer und erblicken eben jenes Monster am Horizont…

Das ist effektiv wie das Spiel abläuft. Keine Tutorials, einfach nur klassisch, wie in alten Tagen, herumlaufen und schauen, mit was man wie interagieren kann. Entsprechend wird dann irgendwann die Story in den nächsten Abschnitt geleitet, während der Hauptcharakter seine Gedanken mit dem Spieler teilt bzw. wie in diesem Falle, auch mit einer höheren Entität kommuniziert. Die Steuerung an sich ist simpel genug: Wenn wir mit irgendwas interagieren können, so taucht ein Cursor auf, und wir dürfen draufklicken. Die Puzzles an sich benötigen meist nicht mehr als logisches Verständnis von dem was man auf dem Bildschirm sieht, oder was man sich erinnert eingesammelt zu haben.

Später im Spiel geht das Monster-Chasing los. Wir sehen ein riesenfettes Ungetüm, das uns mit ein paar Schlägen den Garaus macht und wir müssen meist in einen anderen Raum flüchten; hin und wieder müssen/können wir die Viecher auch vernichten. Es ist aber an sich schon erstaunlich wie unser Protagonist mehr als nur einen Schlag aushält. Zombie-ähnliche Gestalten halten uns oft fest, damit die grossen Viecher uns schneller abmurksen können. Ein galanter Schlag in deren vertrocknete Hackfresse und schon sind wir sie vorerst los. Wir haben allerdings später ein Artefakt, mit dessen Strahl wir Gegner entweder verlangsamen oder gleich ganz vernichten können.

Kommen wir jetzt mal auf die Probleme von diesem Port, von denen gibt es so einige. Zuallererst hat man bei der Steuerung die Invertierung der Y-Achse deaktiviert. Warum?! Dann sind die Schriftarten einfach nicht sauber für Konsole skaliert. Ich spiele auf einem 65“ Fernseher und habe echt richtig Probleme den Text zu lesen. Die Kollisionsabfrage ist teilweise ein Graus. Du denkst, du kommst nicht auf eine leicht erhöhte Plattform, nur um später dann doch festzustellen: "Hey, ich MUSS da wirklich hin!“, und dann versuchst du es wortwörtlich aus einem anderen Winkel und schon geht’s.

Der allergrösste Kritikpunkt ist aber: Das ganze Spiel ist sehr dunkel und düster und unser Interaktionscursor ist ebenfalls fast schwarz und nicht gerade sehr gross. Stellenweise ist nur schwer ersichtlich, mit welchen Objekten interagiert werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Interaktionszonen teilweise nur einen kleinen Bereich des jeweiligen Zielobjekts abdecken. Dadurch kann es passieren, dass die eigentliche Lösung bereits direkt vor einem liegt, aber nicht als solche erkannt wird, weil der interaktive Bereich zu unpräzise oder zu klein geraten ist. Auf dem PC mag das alles kein Problem sein, aber wenn man gut 4 Meter entfernt zu seinem Fernseher sitzt, ist das alles schon sehr anstrengend.
Fazit:
Objektiv betrachtet, für eine Indie-Game, ist die Atmosphäre mittels Grafik und Sound definitiv gegeben; auch wenn die Musik manchmal echt nervig sein kann, aber sei’s drum. Die Monstermodelle sehen auch echt gut aus. Das Gesamtbild ist definitiv stimmig. Technisch wirkt es hingegen altbacken, tut im Gesamten aber nicht wirklich einen Abbruch. Nennen wir es "des Spieles persönlichen Charme". Es sind eher die technischen Probleme die den Spielspass trüben. Speichern ist automatisch, stirbst du, kannst du nur hoffen, dass der Checkpoint recht nahe ist. Ich musste ein paar Mal drei bis fünf Minuten langsam unter Wasser laufen, weil ich wegen der Kollisionserkennung ständig hängen blieb und mich das Monstervieh direkt dezimiert hatte. Das kann schonmal nervig sein. Wie steht es um die Lore, die Monster, den Inhalt? Ich bin selbst nicht so tief im H.P. Lovecraft’s Cuthulu-Universium, deshalb habe ich mir zur Recherche ein Playthrough von einem Lovecraftian Fan angeschaut. Der war hin und weg, voll aufgehypt und hat selbst Stücke von der Lore erklärt. An der Stelle scheint das Spiel wohl das Ziel voll getroffen zu haben. Unterm Strich habt ihr hier ein Spiel, dass euch bis zu drei Stunden beschäftigt, technisch nicht ganz ausgereift scheint, aber zumindest mit der Lore und Atmosphäre gut zu punkten weiss.

The Shore: Enhanced Edition ist als Download für PC, PS5 und Xbox Serie X|S erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Das Test-Muster stammt von Dragonis Games, wofür wir uns herzlich bedanken!



