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Versteckte Köder im Gaming – Warum uns Spiele wie EA FC und NBA 2K packen und nicht mehr loslassen

Als ich "Versteckte Köder" von Heike Melzer gelesen habe, hat es bei mir sofort geklingelt. Sie beschreibt, wie schon in den 70ern einarmige Banditen mit Lichtern und Geräuschen Spieler festhielten. Und ich dachte direkt, genauso fühlt sich EA FC oder NBA 2K heute an, nur eben schicker verpackt.


Am Anfang geht alles leicht, du gewinnst, kriegst Belohnungen, steigst schnell auf. Und dann kommt der Moment, wo es nicht mehr ohne Geld geht. Klassischer Haken im Mund.


Versteckte Köder im Gaming – Warum uns Spiele wie EA FC und NBA 2K packen und nicht mehr loslassen

Das erkenne ich jedes Jahr wieder. Eigentlich will ich nur Fussball oder Basketball spielen. Aber Ultimate Team oder MyTEAM sind so aufgebaut, dass du drinbleibst. Packs öffnen ist im Prinzip ein digitaler Spielautomat. Animationen, Farben, Jubel, Spannung, Spektakel! Dopamin, noch bevor du überhaupt siehst, was drin steckt. In 90% der Fälle ziehst du nur Durchschnitt, und trotzdem hörst du nicht auf. Dein Kopf sagt: "...beim nächsten Mal!". Selbst wenn du verlierst, bekommst du Münzen oder XP. Du wirst immer ein bisschen belohnt. Und je länger du drinsteckst, desto schwerer fällt es aufzuhören. Klassischer Sunk-Cost-Effekt.


Versteckte Köder im Gaming – Warum uns Spiele wie EA FC und NBA 2K packen und nicht mehr loslassen

Ich kenne das von mir selbst, Ich starte EA FC mit dem Plan, ein Karriere Match zu spielen. Dann poppt die Meldung auf, neue Spezialkarten seien verfügbar. Also schnell ein Match im Ultimate Team, Münzen verdienen. Knapp verloren, aber immerhin ein Pack. Kein Star drin, aber die Animation kickt trotzdem. Du denkst, vielleicht gleich. Eine Stunde später sitzt du noch immer da. Dann kommt der Gedanke: "Ach komm, ein kleines Pack mit FIFA-Points kaufen, kann nicht schaden". Du weisst, dass die Chance mies ist, aber genau das macht es spannend. Pack geöffnet, wieder nix Grosses, aber irgendeine blinkende Karte hält dich bei Laune. Fast, noch eins! Zack, Mitternacht, Geld weg, Zeit weg, und am nächsten Tag geht es von vorn los.


Und das System funktioniert. Richtig gross sogar. Entwickler wie EA machen den Grossteil ihrer Einnahmen nicht mehr mit den Spielen selbst, sondern mit Live-Services. 2024 waren es 73 % (EA Annual Report 2021: Form 10-K). Schon 2021 hat Ultimate Team allein 1,62 Milliarden US-Dollar eingebracht. Bei Take Two das Gleiche: 80% des Umsatzes stammen aus Mikrotransaktionen, also NBA 2K MyTEAM und VC-Käufe. Klar, dass da ständig neue Inhalte kommen. Karriere oder Pro Clubs? Bekommen ein bisschen Kosmetik, neue Menüs, aber sonst Stillstand. Wirkliche Neuerungen? Fehlanzeige. Oder es wird versprochen und angekündigt, aber erscheint dann doch nicht im Spiel. Beziehungsweise wurde dieses Jahr auch im Pro Clubs mit FIFA-Points zur Kasse gebeten. Nun kann man die Levels nicht nur grinden, man kann sie auch Kaufen. Was soll das?


Versteckte Köder im Gaming – Warum uns Spiele wie EA FC und NBA 2K packen und nicht mehr loslassen

Was mich daran nervt, Ich will eigentlich eine Karriere zocken, ein Team aufbauen, langfristig was planen. Mit Freunden im Pro Clubs in Ligen die Gegner jagen. Aber diese Modi sind Nebensache geworden. Ultimate Team ist die Gelddruckmaschine, vollgestopft mit Promo Events und neuen Karten. Nicht weil es den Sport oder das Spiel besser macht, sondern weil es Umsatz bringt. Und jedes Jahr kaufen wir wieder, bestätigen damit das Ganze, und wundern uns dann, dass sich nichts ändert.


Dazu kommt die Glücksspiel Geschichte. Studien wie die von Zendle, D., & Cairns zeigen eindeutig; Ausgaben für Lootboxen hängen eng mit problematischem Spielverhalten zusammen. Belgien hat FIFA-Points deshalb verboten. In Grossbritannien gibt es immerhin Warnungen auf den Spielepackungen, aber wirklich durchgreifen will man dort nicht. Dabei ist das Prinzip immer gleich; Dopamin, Erwartung, FOMO, sozialer Druck. Und wir sitzen davor und lassen uns hineinziehen.


Ich frage mich oft, Warum mache ich da mit? Warum kaufe ich jedes Jahr die neue Version, obwohl ich genau weiss, dass der Karrieremodus nur minimal verändert wird? Warum öffne ich Packs, obwohl ich mich hinterher ärgere? Die ehrliche Antwort: Weil es absichtlich genauso gemacht ist. Und das betrifft nicht nur mich, sondern Millionen von Spielern weltweit.


Am Ende liegt es an uns. Solange wir blind jedes Jahr kaufen und weiter Geld in Packs stecken, bleibt alles beim Alten. Dann sind wir nicht mehr Spieler, sondern das Geschäftsmodell.


Versteckte Köder im Gaming – Warum uns Spiele wie EA FC und NBA 2K packen und nicht mehr loslassen

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