Ein Besuch im OXO Museo Málaga
Unser fliegender Reporter Andy reist nach Spanien! Schon in den 90er Jahren warteten dort in ausgesuchten Flughäfen unzählige NEOGEO MVS-Automaten auf Gäste mit Flugverspätung. Wieso also nicht 2026 das OXO Videospiel-Museum in Malaga besuchen?

Diese Frage habe ich mir sehr schnell gestellt, als ich an dem zentral gelegenen Lokal vorbeigelaufen bin. Als alteingesessener Videospiele-Veteran gehört das genauso mit nach Malaga wie ein leckeres Eis oder der Strandbesuch der Playa la Malagueta. Ich bin ganz ehrlich, allzu viel habe ich nicht erwartet. Ich war der Annahme, dass sich rund drei Viertel der Ausstellungsstücke sowieso schon in einer meiner Behausungen befanden.
Mit wenig Erwartungen bezahlte ich die 17.- Euro Eintritt; der Preis stieg übrigens um satte 2.- Euro im Jahr 2026. Schnell stellte ich fest: Das Museum ist grösser, als es auf den ersten Blick erschien. Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen mit jeweils anderen Themenbereichen. Bereits bei der Tür werden wir von einer lebensgrossen Kratos-Figur begrüsst, um kurz darauf im Eingangsbereich einige uralte Rechner zu besichtigen. Das Herzstück des Museums befindet sich im ersten Stock, hier werden wir an die Videospielgeschichte herangeführt. Diverse Konsolenklassiker sind in jeweils separaten Nischen ausgestellt.
Der Nintendo-Bereich ist einer der grössten. Super Mario Bros. 3 auf dem Famicom, Super Mario World auf dem Super Nintendo oder Mario Kart 64 auf - keine Überraschung - dem Nintendo 64 sind spielbar. Bei Sega begrüsst uns Sonic am Sega Mega Drive, und wer es noch nie gesehen hat, darf den ikonischen Mega Drive/Mega-CD- und 32X-Turm begutachten. Bei beiden Herstellern gibt es noch einiges mehr an spielbaren Klassikern.
Nebst den üblichen Vertretern wie Nintendo und Sega wartet zudem eine eigene NEOGEO-Ecke inklusive spielbarem Samurai Shodown auf dem AES; leider mit NEOGEO CD Joypads statt dem hinter Glas zu besichtigenden besten Joybard aller Zeiten von SNK. Daneben gibt’s eine CD-ROM-Ecke und einen eigenen Doom-Schrein. Hier spielen wir den Klassiker in seiner urtümlichen Form: mit Tastatur am Röhrenbildschirm.
Wer noch nie selbst mit einem Atari 7800 gespielt hat, kriegt im Atari-Bereich die Chance dazu. Nicht spielbar, aber ebenfalls vorhanden: uralte Atari-Rechner sowie ein Amiga-Schrein. Generell ist die PC-Spiele-Geschichte etwas seicht behandelt. Zwar finden wir ein Foto von Roberta Williams mit einem Verweis auf King’s Quest sowie eine Wand mit einem Civilization-Cover-Bild, aber keinen ausführlichen Verweis auf die grosse Spieleschmiede Sierra oder den besten Strategie-Knüller seit 1991. Gar nicht gesehen habe ich derweil LucasArts, vermutlich (hoffentlich) ist es mir einfach entgangen. Dasselbe gilt für den Sega Saturn - bei letzterem wäre die Abwesenheit sogar noch sonderbarer oder gar unverzeihbarer. Die Dreamcast habe ich aber entdeckt, inklusive spielbarem Virtua Tennis, somit hat sich die 32-Bit-Konsole von Sega vermutlich einfach gut vor meinen Augen versteckt.
Neben all diesen klassischen Konsolen, die auch absurde oder weniger bekannte Geräte wie Nintendos Virtual Boy oder das Vectrex beinhalten, finden wir immer wieder Original-Arcade-Automaten wie das Simpsons-Gerät von Konami oder Capcoms Street Fighter 2. Letzteres übrigens kaum spielbar, da der Joystick die Links-Bewegung kaum noch erkannte. Ein Problem, das auch so manche Konsole betraf. Die Mischung aus alt und vielen Leuten, die damit spielen, vermutlich ohne allzu grosse Sorgfalt, führt leider zu abgenutzten D-Pads und Buttons. Ergänzend muss erwähnt werden, dass viele Spiele auf Mikro-Monitoren anzuspielen sind. Der Super Mario Bros. 3-Screen war gefühlt nur etwas grösser als ein Game-Boy-Display.
Passend dazu steht ein riesiger Game Boy in der Ausstellung, spielbar. Nicht angenehm spielbar, aber spielbar. Ein echtes Museumsstück halt. Genau wie das überdimensionierte NES- und PlayStation-Joypad - lustige Ausstellungsstücke, die genau hierher passen. Selbst dem indirekten Vorgänger von Nintendos Game Boy, den Game-&-Watch-Geräten, wurde eine Vitrine gewidmet.
Als ich mich an all den Spielen sattgesehen hatte, machte ich mich daran, über das Treppenhaus eine Ebene höher zu erklimmen. Alternativ wäre ein Fahrstuhl vorhanden. Dort wartete eine Sonderausstellung zu LEGO & Gaming auf mich. Da ich LEGO vielleicht mehr mag, als ich das als erwachsener Mann sollte, genoss ich es, einige Game-bezogene LEGO-Sets zu sehen. Von Super Mario über Sonic bis hin zu Animal Crossing und sogar Horizon oder Zelda gab es einiges im LEGO-Universum zu bestaunen. Selbstverständlich sind auch einige LEGO-Videospiele zum Anspielen bereit.
Die LEGO-Ausstellung war übrigens zuvor im zweiten OXO-Standort in Madrid zu sehen, bevor sie Ende April 2026 nach Málaga weiterzog. Das OXO in der spanischen Hauptstadt ist keine identische Kopie des Museums in Málaga, folgt aber demselben Grundkonzept und bietet ebenfalls eine permanente Ausstellung zur Videospielgeschichte sowie wechselnde Sonderausstellungen.
Der dritte Stock ist dann noch ein Sammelsurium allerlei Videospiel-Kuriositäten und der etwas anderen Themen. So gibt es eine Arcade-Ecke zum Spielen von alten 80er-Jahre-Automaten sowie Time Crisis 2. Eine ganze Wand ist dem Niedergang der japanischen Arcade-Kultur gewidmet, inklusive der Möglichkeit eines Buchkaufs über das spannende und mich etwas wehmütig in die Vergangenheit schauen lassende Thema. Auch werden adaptive Controller, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen einen barrierefreien Zugang zu Videospielen ermöglichen, gezeigt - ein schönes Extra, das genauso zur Vollständigkeit dazugehört.
Ein unerwartet grosses Abteil gehört Automaten, die voll auf Musik setzen. Wer will, spielt Guitar Hero im Duett oder schlägt die Stöcke im korrekten Rhythmus auf die Trommeln von Namcos Taiko no Tatsujin 12. Das grosse Videospiel-Allerlei in der letzten Etage beinhaltet ebenfalls eine grosse Fallout-Nische, natürlich inklusive übergrossem Vault Boy. Ich werde die Idee nicht los, dass das Museum eine ebensolche Figur erhalten hat und den Fallout-Bereich deswegen darum herum gebaut hat. Aber das sind sicher nur meine Hirngespinste. Schliesslich fehlte beim ausgestellten From-Software-Ritter die passende Dark-Souls-Ecke leider komplett. Gleich daneben steht die Pac-Man-Kugel mit einem Joypad daneben. Der Screen ist die Kugel. Geht Pac-Man nach unten, wird der Spieler genötigt, in die Knie zu gehen, um dem gelben 80er-Jahre-Helden noch folgen zu können. Eine witzige Idee, die nach 2 Minuten nicht zu weiterem Spielen einlädt.
Umso mehr macht After Burner Climax am Originalautomaten Spass. Der Kollege, der sich da hingesetzt hat, wollte jedenfalls den Flight Stick kaum mehr loslassen. Abgerundet wird der letzte videospielbezogene Bereich von den aktuellen Konsolen. Switch, PS5 und Xbox stehen brüderlich vereint nebeneinander und laden zum Spielen ein.
Last but not least ist im letzten Stock ein kleines Restaurant mit Aussenterrasse. Nach den ganzen Telespielen der letzten 50 Jahre gönnt sich der Museumsbesucher (oder andere Gäste, der Eintritt in die Gaststätte ist frei) noch einen Cappuccino oder was die Karte sonst noch hergibt.

Fazit:
Ich habe ehrlicherweise nicht viel von dem Museum erwartet. Das ist nicht der Fehler der Ausstellung, sondern meines Konsumverhaltens der letzten 40 Jahre. Fast jede Konsole und jeder Rechner befand sich schon in meinem Besitz. Wenn man selbst über Jahre NEOGEO mit Freunden gespielt, das 3DO aus der Verpackung gelupft hat oder in Japans Spielhallen unterwegs war, bleibt nicht mehr viel Neues zum Entdecken. Das Museum macht seine Sache aber gut. Sowohl Veteranen des Hobbys als auch Videospiel-Neulinge werden gut unterhalten und über diverse Text-Tafeln ausreichend informiert.
Zum Anspielen eignet sich das Museum wunderbar, längere Spielesessions würde ich dort nicht abhalten wollen. Dafür sind die gebotenen Screens zu klein und die Joypads/Sticks oft in einem sehr gebrauchten Zustand. Insgesamt freut es mich, dass es dieses Museum gibt und alte Games und Geräte entsprechend gewürdigt und der jüngeren Generation auf diesem Weg vorgestellt werden. Und für mich war es eine schöne Möglichkeit, die alten Geräte wieder mal zu sehen, welche inzwischen alle den Besitzer gewechselt haben. Interessierten ist zu empfehlen, den Besuch nicht auf die Hochsaison Juli/August zu legen. Ich war im September an einem normalen Wochentag dort und es befanden sich um die 30 Leute im Gemäuer, was sehr angenehm war. Im Hochsommer soll es gemäss Museumsangestellten bis oben voll sein.

Besucht auch die offizielle Webseite des OXO Museo Málaga. Wir bedanken uns bei den Angestellten für den freundlichen Empfang und die interessante Führung durchs Museum!







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