The(G)net Review: 2XKO
- Sascha Böhme
- vor 1 Stunde
- 3 Min. Lesezeit
2XKO ist so ein Spiel, das vor zehn Jahren noch als schlechter Witz durchgegangen wäre. Ein MOBA Strategie-Spiel als Fighting-Game? Riot Games meint das todernst. Die bekannten Champions werden einfach chirurgisch zerlegt und als vollwertige Kampfspiel Figuren neu erfunden. Was dabei entsteht, ist kein Fanservice, sondern ein erstaunlich reifes, eigenständiges Tag Kampfspiel mit klarer Haltung und ein paar bewusst in Kauf genommenen Ecken und Kanten.

Sprechen wir zu Beginn mal den Elefanten im Raum an: Woher nimmt 2XKO als Free-to-Play Titel sein Geld und werden Spieler damit gegängelt? Als Free to Play Titel setzt Riot Games zwar auch auf optionale Mikrotransaktionen in Form von Skins, kosmetischen Anpassungen (u.a. für Lobby-Avatare) und saisonale Battle Passes. Spielerische Vorteile werden aber nicht verkauft. Neue Charaktere lassen sich durch regelmässiges Spielen freischalten, sodass erstmal kein Kaufzwang entsteht, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die schlechte Nachricht: Die Preise für Premium Skins der Kämpfer und Kämpferinnen sind happig und auch Abkürzungen beim Battle-Pass müssen teuer erkauft werden. Positiv hervorzuheben ist, dass bestimmte Skin Serien gezielt die globale Turnier Szene unterstützen, wodurch Ausgaben nicht nur dem eigenen Stil, sondern auch dem kompetitiven Ökosystem und schlussendlich der Community von 2XKO zugutekommen.

Inhaltlich zeigt sich 2XKO kompromisslos fokussiert, zum etwaigen Leid von Single-Playern. Es gibt keinen Story- oder Arcade-Modus und keine entspannte Nebenbeschäftigung. Der kompetitive Gedanke steht aber klar im Vordergrund. Riot versucht trotzdem, niemanden direkt ins kalte Wasser zu werfen.

Vereinfachte Eingaben, Kämpfe gegen Bots oder der Sidekick Modus senken die Einstiegshürde spürbar, ohne das Spiel zu kastrieren. Man kann mitmachen, lernen, scheitern und besser werden, auch ohne Frame Daten Bibel auf dem zweiten Bildschirm. Doch 2XKO bleibt ehrlich. Hinter der zugänglichen Oberfläche wartet ein äusserst komplexes Kampf-System, das Respekt verlangt und keine falschen Versprechen macht.

Das wird spätestens bei den Charakteren deutlich. Kämpfer wie Ekko oder Warwick sind keine Einsteigerfiguren, sondern Spielplätze für Leute, die zeigen wollen, was sie drauf haben. Ihre Stärke liegt im Design. Wer die komplexen Mechaniken versteht, zerlegt Gegner mit Stil, Tempo und einer fast schon frechen Kreativität. Wer das nicht tut, geht schnell baden. 2XKO entschuldigt sich dafür nicht und wirkt genau deshalb so konsequent.

Das Herz von 2XKO schlägt im Tag System. Charakterwechsel, Assists und aufgeladene Angriffe fliessen ineinander, als wären sie schon immer so gedacht gewesen. Das Tempo liegt irgendwo zwischen kontrolliertem Chaos und präziser Eskalation, schneller als Street Fighter, weniger hemmungslos als klassische Anime Tag Fighter.

Besonders das Fuse System gibt dem Ganzen Tiefe und Würze. Diese Team Modifikatoren drehen nicht nur an Komboschrauben, sondern verändern ganze Spielansätze. Umso irritierender ist der Juggernaut Fuse, der genau dieses Tag Spiel kurzerhand ausknipst. Ein einzelner verstärkter Kämpfer mag auf dem Papier einladend wirken, fühlt sich aber wie ein Sicherheitsnetz an, das dem Spiel seinen eigentlichen Nerv nimmt und die Balance unnötig verbiegt.

Audiovisuell schlägt das Spiel einen eigenen Weg ein. Der Cell Shading Look ist kantiger, rebellischer als das vertraute League Gesicht, die Animationen sitzen, die Effekte knallen. Mir hat die Grafik äusserst gut gefallen. Ebenso wie die Musik. Elektronische Beats treffen auf Metal Riffs, auch wenn der Soundtrack im Match oft zu leise ist, um wirklich hängen zu bleiben. Technisch spielt 2XKO ohnehin in der Oberliga. Der Online Netzcode ist herausragend stabil und reaktionsschnell, selbst über grössere Distanzen. Dass es trotzdem kein regionenübergreifendes Matchmaking gibt, fühlt sich wie ein unnötiger Selbstsabotage Akt an.
Fazit:
Riot Games liefert hier einen technisch und visuell starken, eigenständigen und spielmechanisch tiefen Tag Fighter ab, der seine Faszination aus Tempo, Präzision und bewusster Komplexität zieht. Wer ein entspanntes Casual Kampfspiel sucht, wird hier nicht fündig. Wer sich jedoch auf die Systeme und steile Lernkurve einlässt, findet eines der spannendsten Fighting Games der letzten Jahre. Trotz kleiner Schwächen bei Inhalt (kein Arcade- oder Story-Modus, 12 Kämpfer sind einfach zu wenig) und Balance ist 2XKO eine mutige Ansage an die Kampfspiel Szene und ein Titel, der langfristig wachsen kann, wenn Riot diesen kompromisslosen Weg konsequent weitergeht. Ob diese Konsequenz reicht, um langfristig ein breites Publikum zu erreichen, wird sich erst noch zeigen.

2XKO ist für kostenlos auf PC, PS5 und Xbox Series spielbar. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet. Ein Test-Muster war dafür freilich nicht notwendig.







