The(G)net Review: Age of Empires 2 Definitive Edition

Remakes sind «in» und viel wichtiger, sie verkaufen sich ganz wunderbar. Im Fall von Age of Empires macht die aufgehübschte Version gar nebenbei Werbung für den angekündigten vierten Teil der Serie. Was der Klassiker Jahrzehnte später noch hergibt, haben wir uns angesehen.



20 Jahre ist es her. Im September 1999 startete die Installation von Age of Empires 2 auf dem aus heutiger Sicht betagten Rechner. Bildausgabe erfolgte auf einem CRT-Monitor, installiert wurde mittels CD-Rom. Ensemble Studios' zweiter Teil der erfolgreichen Age of Empires Serie überzeugte schnell mit dem berühmt berüchtigten «nur noch diesen einen Klick» Gefühl. Wenig überraschend, dass Microsoft ein Jahr später mit The Conquerors ein Add-On zum Spiel veröffentlichte. Nun war es lange ruhig. Nicht nur um die Spiele-Serie, sondern um das ganze Genre. Vor sechs Jahren erschien die HD-Edition des Klassikers. Die wertet die Grafik etwas auf, überzeugt aber damit nicht auf der ganzen Linie. Das hat wohl auch der Software-Riese aus Redmond erkannt und liefert jetzt die Definitive Edition nach. Im Gegensatz zur HD Edition steuern wir unsere Völker nicht nur in HD durch die Gegend, sondern zoomen uns flüssig durch diverse Auflösungen bis hin zu 4K. Das von der HD Edition bekannte Problem mit viel zu kleinen Icons, existiert übrigens nicht mehr.



Doch damit nicht genug: Es wird auch ein Mehr an Inhalten geboten. Nebst den beiden Kampagnen aus den 90ern befinden sich alle drei Add-Ons der HD-Edition mit im Download. Und als ob das noch nicht genügen würde, spielen wir uns hier zusätzlich durch drei komplett neue Kampagnen. Jene hören auf den Namen «The Last Khans» und bringen uns Spielern auch gleich vier neue Zivilisationen. Dazu gehören die Bulgaren, Kumanen, Tataren und last but not least die Litauen. Versteht sich von selbst, dass alle Civs mit eigenen Bonuseigenschaften sowie individuellen Einheiten auftrumpfen. Spannend ist eine berittene Einheit der Bulgaren: hat sich deren Energie-Balken dem Ende geneigt, kämpfen die Jungs schlicht ohne Pferd und erneuter Energie weiter. Die neuen Kampagnen sind generell sehr von den vierbeinigen Reittieren geprägt.



Viele neue, kleine aber feine Grafikeffekte laden uns auch dazu ein, die alt bekannten Kampagnen erneut anzugehen. Schon im Tutorial rund um den Schotten William Wallace sehen wir, wie hübsch es aussieht, wenn gegnerische Gebäude in sich zusammenfallen. Spieler die dem Genre länger abstinent waren, werden jetzt mittels zusätzlichen Übungs-Missionen an das Spiel herangeführt. Das ist erfreulich, da einige später unbedingt notwendige Taktiken etwas detaillierter erklärt werden, als das bei «Braveheart» der Fall ist. Nicht nur grafisch überzeugt uns das Remake. Auch die Sprecher machen einen wunderbaren Job und vermitteln das Szenario packend. Zudem erwarten AoE-Kenner natürlich die klassischen Sprach-Samples der eigenen Einheiten, die uns gefühlt zwanzig Jahre in die Vergangenheit reisen lassen.



Wie immer ist es das Gameplay, was letztendlich das Zünglein an der Waage darstellt. Die Entwickler haben bewusst nicht zu viel am bekannten und beliebten Spielgefühl verändert. Für jede der Anpassungen sind wir aber mehr als nur dankbar. An vorderster Front sei hier das automatische weiter beackern der Felder erwähnt. Vorbei die Zeit, als man die Bauern alle paar Minuten erneut zum Weiterarbeiten bekehren musste – die notwendigen Rohstoffe vorausgesetzt, versteht sich. Ebenfalls dürfen wir einstellen, dass beim Ziehen eines Auswahlrahmens um die eigenen Einheiten, nur noch das Militär aktiviert wird. Harmlose und unbeteiligte Schafe ziehen also nicht mehr ungeachtet in den Krieg; und auch die Arbeiter halten sich davon fern. Zudem cheatet die KI nicht mehr und macht damit einen insgesamt guten Job. Obschon nicht immer die optimalen Wegfindungen stattfinden, weder beim Feind, noch bei der eigenen Armee. Hier wurde nichts geändert. Steht der eigene Belagerungsturm zwischen Feind und Infanterie, wird Letztere nicht zum Gegner vorpreschen können.


Wem die schier unzähligen Kampagnen nicht ausreichen oder schlicht bevorzugt gegen menschliche Mitstreiter in den virtuellen Krieg zieht, der widmet sich dem Multiplayer Modus. Bis zu acht Parteien beharken sich auf den unterschiedlichsten Karten. Wie wir das aus alten LAN-Tagen kennen, eröffnen sich diverse Einstellungsmöglichkeiten vor dem Spielbeginn. Wer nicht genügend Mitspieler hat, füllt die offenen Plätze mit KI-Gegnern. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass Steam- & Microsoft-Store Käufer sich gegenseitig duellieren dürfen. Lan-Battles ermöglicht der Titel jedoch nicht.



Fazit:

Age of Empires 2 mit all seinen Add-Ons ist ein fantastisches Spiel. Die Definitive Edition präsentiert uns den Klassiker so, wie wir ihn in Erinnerung haben. Das Spiel sieht nämlich dank höherer Auflösungen und einigen zusätzlichen, grafischen Scharmützeln richtig gut aus. Dazu gibt es eine Unmenge an Aufgaben und natürlich der endlos motivierende Online-Modus. Dank feinen Anpassungen am Spielprinzip machen all diese Spielvarianten auch zwanzig Jahre später noch richtig viel Spass. Wer etwas mit dem lange stiefmütterlich behandelten Genre anzufangen weiss, geht im Online-Store des Vertrauens einkaufen. Zumal der Preis mit einem Zwanziger für das Gebotene mehr als fair gehalten ist.



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