The(G)net Review: Balan Wonderworld

Wer kennt es nicht. Frau/Mann geht abends für einen kleinen Spaziergang um den Häuserblock und Schwupps materialisiert sich ein Portal. Sekunden später findet man sich in einer bizarren Fantasiewelt wieder...



Der Story Aufhänger von Balan ist simpel: Befreie jede der 12 Welten von einer dunklen Macht, die unliebsame Spässchen mit der Bevölkerung veranstaltet. Ihr entscheidet euch für Leo oder Emma, die sich - bis auf den optischen Unterschied - identisch spielen. Simpel ist auch das Steuerungsschema, denn bis auf den Kostümwechsel benötigen unsere Protagonisten nur einen einzigen Knopf, um sich durch dutzende Welten zu kämpfen - den Jump Button.



In jedem Level sind mehrere Kostüme verteilt, die jeweils über eine spezielle Fähigkeit verfügen. Habt ihr euch den Schlüssel gekrallt, der meistens in unmittelbarer Nähe des Kostümitems liegt, schaltet ihr die Item Box frei und zieht euch den gefundenen Zwirn über. Insgesamt verstecken sich 80 verschiedene Kleidungssets in Balan, von denen ihr jeweils 3 gleichzeitig mit euch führen könnt. Sie lassen sich in sekundenschnelle wechseln und erlauben es dem Spieler verschieden Skills zu kombinieren. Hier eine kleine Auswahl: die Spinnenbox verwandelt uns in eine lebenden Netzschwinger und wir können damit an speziellen Wänden empor krabbeln. Der Roboter-Zusatz transformiert uns in eine Laser schiessende Kampfmaschine. Mit der Quallen-Kappe gleitet man mühelos durch Wassersäulen und mit dem Teleporter erreicht man abgesperrte Gebiete oder brutzelt als kleiner Drache ein paar Gegner.



Der Hauptfokus liegt hauptsächlich beim Lösen kleiner Aufgaben mit dem korrekten Kostüm, damit man eine der 300 Balan-Statuen ergattert. Balan? Pardon, Balan, der Titelheld ist ein bizarrer, schlaksiger Clown, der euch in den Cutscenes durch die Story führt. Steuern dürft ihr Balan bis auf wenige Ausnahmen nicht. In jedem Level gibt es einen versteckten goldenen Zylinder. Nach erfolgreichem Einsammeln übernehmt ihr in einem Quicktime Event kurz die Kontrolle über Balan und boxt in einem ausschweifenden, animierten Luftkampf einen gepanzerten Gegner zurück auf den harten Boden der Realität. Wer die vorgegebenen Abfolge korrekt meistert, heimst sich eine zusätzliche Statue ein.



Diese Statuen sind die wichtigste Währung in Wonderland, denn nur damit schaltet ihr spätere Levelteile und neue Abschnitte frei. Ihr seid aber nicht alleine unterwegs. Bunte kleine Blobs folgen euch wie Schosshündchen auf Schritt und tritt und apportieren gelegentlich Diamanten oder Schlüssel. Ein nettes Feature. Wenn ihr nicht gerade die nächste Balan Trophäe einheimsen wollt, säubert ihr das Level von sämtlichen Rubinen, Saphiren und anderen Edelsteinen. Die haben zwar nicht viel wert, wer sie aber in der Oberwelt an die Blobs verfüttert, bekommt nach zahlreichen Spenden am Schluss ein schmuckes Türmchen spendiert.



Sämtliche Welten sind in drei - oder auch mal vier - Abschnitte unterteilt. Die ersten zwei sind jeweils normale Plattform Levels, der Dritte führt euch automatisch zum jeweiligen Bosskampf. Nur wer den Bösewicht vom Screen fegt, indem er jeweils drei verschiedene Kostüme nutzt, bekommt die Bonus Statue. Eliminiert ihr den finalen Boss, werden 12 geheime Abschnitte freigeschaltet, die ihr postgame dann anwählen könnt.



Zu Beginn sind viele Levelabschnitte nicht erreichbar, weil euch schlichtweg das passende Kostüm fehlt. Habt ihr aber im Laufe des Spiels eine anständige Garderobe zusammengerafft, ist meistens ein weiterer Besuch eines bereits abgeschlossenen Levels unabdinglich, um alle Balan Statuen aufzuspüren.


Balan Wonderworld bietet einen lokalen Coop Modus, dessen Level Struktur leicht abgeändert wurde, damit ihr zu zweit mit Hilfe und Kombination der Kostüme das Wunderland aus der Krise holt.


Fazit:

Als ich hörte, dass einer der Nights-Erfinder die Finger bei Balan Wonderworld im Spiel hat, schwante mir nicht gutes. Nights into Dreams (Sega Saturn und damals der Hype des Quartals) war und ist immer noch eine langweilige Grafik Demo ohne Tiefgang und Substanz. Yuji Naka mag ja mit seinem eigenwilligen Grafikstil Erfolge gefeiert haben, aber in Sachen Gameplay, Leveldesign und Spielstruktur hat der Herr keine Ahnung und dieses nicht vorhandene Talent zeigt sich leider auch bei Balan Wonderland. Man verliert sich in unnötige Details und vergisst dabei das Coregame. Schön und gut, dass ich 80 Kostüme zur Verfügung habe, aber die Hälfte der Kostüme hätte man gleich wieder einstampfen können, da sie entweder identische Skills mit sich bringen oder nur für eine kurze Zeit für einen gewissen Abschnitt notwendig sind. Auch das Wechseln der Kleider geht eindeutig zu lange. Eine 2 Sekunden Animation ist in solch einem Spiel einfach zu lang. Aber das fällt aufgrund der Linearität und der antiken, schwerfälligen Spielgeschwindigkeit kaum auf. Während ich bei anderen 3D-Jump & Runs im Level auf Entdeckungsreise gehen kann, gaukelt mir Wonderworld zwar grosse Levels vor, aber am Schluss marschiert ihr nur von Checkpoint zu Checkpoint, ohne grosse Ahh- oder Ooh-Momente. Ich kann damit leben, wenn unser Helden Duo nur eine Grundaktion (Springen) ausführen kann, wenn aber selbst das kaum Spass macht und es so aussieht, als ob der Charakter keine Lust dazu hat, dann ist eigentlich alles gesagt.



Ich könnte jetzt noch die vielen gametechnischen Fehler analysieren, aber warum auf eine tote Sau einschlagen? Auf den ersten Blick mag Balan Wonderland mit seinen bunten Farben interessant wirken, aber im Endeffekt ist es ein langweiliges Jump & Run ohne Ambitionen und klare Richtung. Warum diesen dämlichen Turmbau einbauen, wenn es sonst schon im Gameplay Departement brennt? Lobenswert an Balan sind die Cutscenes auf gewohnt hohem Square Enix-Standard, da kann man eigentlich nie meckern. Und die einzigen, die sich mit Ruhm bekleckern, sind die musizierenden Damen und Herren. Es grenzt beinahe an Kriminalität, solch hochqualitative Musik für so ein Machwerk zu verwursteln.


Bevor ich abschliesse, rühren wir noch kurz im Verschwörer Eintopf. Auf Metacritic gab es einige User Tests mit Top Wertungen à la "best of this generation" und "masterpiece" oder "must buy". Hat da vielleicht das Marketing Department nachgeholfen? Verdächtig, wenn ein Hauptteil dieser "User" zuvor noch nie eine Review auf Metacritic veröffentlicht haben . Wie auch immer, an Alternativen mangelt es nicht. Sackboy, Crash, Ratched & Clank oder Lucky's Tale sind nicht nur ökonomischer für euren Geldbeutel, sondern auch Welten besser als Squares schluderiger Schnellschuss.




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