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The(G)net Review: Beast of Reincarnation

Game Freak kennt praktisch jeder als das Studio hinter Pokémon. Abseits der berühmten Taschenmonster hatte der Entwickler bislang allerdings nur selten Gelegenheit, zu zeigen, was er ohne Pikachu, Pokébälle und jahrzehntealte Serienkonventionen auf die Beine stellen kann. Beast of Reincarnation ist deshalb besonders spannend: ein eigenständiges Action Adventure, bei dem sich Game Freak sichtbar austoben durfte. Doch reicht kreative Freiheit allein für ein wirklich gutes Spiel?


Beast of Reincarnation Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Beast of Reincarnation versetzt uns in ein postapokalyptisches Japan und kombiniert schnelle Action mit einem stark auf Timing und präzises Parieren ausgelegten Kampfsystem. Spielerisch erinnert das stellenweise an Sekiro, während Atmosphäre, Weltgestaltung und Präsentation deutliche Anklänge an NieR: Automata oder Stellar Blade erkennen lassen.


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Im Mittelpunkt steht Emma, die letzte Hoffnung der Menschheit. Ihr Ziel ist es, die namensgebende Bestie der Reinkarnation aufzuhalten, ein mythisches Wesen, das erneut erwacht ist und wenig überraschend nichts Gutes im Schilde führt. Emma besitzt zudem die Fähigkeit, die mysteriöse "Seuche" zu kontrollieren, die grosse Teile der Welt befallen hat.


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Auf ihrer Reise trifft sie auf Koo, einen sogenannten Seuchen-Wolf, der schnell zum festen Begleiter wird. Im Kampf unterstützt er Emma aktiv und erinnert in seiner Funktion ein wenig an Torgal aus Final Fantasy XVI. Koo ist allerdings weit mehr als nur eine zusätzliche Angriffsmöglichkeit. Wir können ihn streicheln, füttern und säubern, wodurch er stärker wird und zusätzliche Vorteile erhält. Wer bei virtuellen Hunden grundsätzlich schwach wird, dürfte hier ohnehin schnell verloren haben. Und da Koo im Kampf tatsächlich ausgesprochen nützlich ist, lohnt sich die zusätzliche Aufmerksamkeit auch spielerisch.


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Die Geschichte selbst erfüllt ihren Zweck. Ihre postapokalyptische Grundidee ist interessant, wirkt angesichts zahlreicher ähnlich gelagerter Spiele inzwischen aber nicht mehr sonderlich frisch. Immerhin besitzen Emma und Koo genügend Charisma, um das Interesse an ihrer Reise aufrechtzuerhalten. Die Spielwelt besteht aus mehreren halb offenen Gebieten, die Emma frei erkunden kann. Dabei warten zahlreiche Gegner, kleinere Geheimnisse und optionale Wege.


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Das Kampfsystem ist ohne Zweifel die grösste Stärke von Beast of Reincarnation. Emma kämpft hauptsächlich mit Katanas und schaltet im Laufe des Abenteuers zahlreiche neue Angriffe und Fähigkeiten frei. Kombiniert man diese mit Koo's Aktionen, entsteht zunächst ein überraschend vielseitiges Arsenal an Möglichkeiten. Auch die Bewegung spielt eine wichtige Rolle. Emma verfügt über einen grosszügigen Doppelsprung, bei dem aus ihrem Haar wachsende Ranken zum Einsatz kommen. Zusätzlich kann sie kurze Distanzen überbrücken, indem sie horizontale Ranken erzeugt. Dadurch besitzen die Gebiete eine angenehme Vertikalität, die sowohl beim Erkunden als auch im Kampf genutzt werden kann.


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Das Problem: Trotz all dieser Möglichkeiten dreht sich letztlich fast alles um eine einzige Mechanik: Parieren. Gegner besitzen eine zusätzliche Leiste, die durch perfekt ausgeführte Angriffe und Abwehraktionen gefüllt wird. Wer das Timing des Parierens beherrscht, macht sich das Leben erheblich leichter. So leicht, dass der umfangreiche Fähigkeitenbaum zunehmend wie überflüssiger Schmuck wirkt. Ich hatte schon bald das Gefühl, dass Beast of Reincarnation sein eigenes Kampfsystem ausbremst. Es existieren unzählige Möglichkeiten, doch das Spiel liefert kaum einen Grund, diese tatsächlich auszureizen.


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Dieses Gefühl von verschwendetem Potenzial zieht sich leider durch grosse Teile des Spiels. Die erste Region machte zunächst einen hervorragenden Eindruck. Höhenunterschiede, verwinkelte Wege und zahlreiche Bereiche vermittelten den Eindruck, dass es sich lohnen würde, jeden Winkel nach Verbesserungen und Geheimnissen abzusuchen. Dann kommt Koo. Der Wolf erkennt Gegenstände und interessante Punkte bereits aus grösserer Entfernung und markiert sie dann automatisch auf dem HUD bzw. er Karte. Was eigentlich als Komfortfunktion gedacht sein dürfte, nimmt der Erkundung praktisch jeden Reiz. Anstatt selbst etwas zu entdecken, läuft man lediglich von Symbol zu Symbol. Besonders ärgerlich ist, dass sich diese Funktion nicht deaktivieren lässt. Als optionale Unterstützung wäre sie vollkommen in Ordnung gewesen. Als permanentes System sabotiert sie jedoch einen wesentlichen Bestandteil des Leveldesigns.


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Noch problematischer wird es, wenn Beast of Reincarnation neugierige Spieler regelrecht bestraft. Bereits im ersten Gebiet entdeckte ich frühzeitig zwei Orte, die später für die Hauptgeschichte relevant wurden. Dort sollten wichtige Schlüssel gefunden werden. Da die entsprechende Mission zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht aktiv war, existierten die Gegenstände jedoch schlicht nicht. Das Ergebnis: Ich durfte später erneut dorthin laufen. Wer die Welt gründlich erkundet, spart sich also keine Arbeit. Im Gegenteil, das Spiel sorgt teilweise sogar dafür, dass man dieselben Wege mehrfach zurücklegen darf. Motivierendes Erkunden sieht anders aus.


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Damit wären wir auch gleich beim grössten Problem von Beast of Reincarnation: Das Abenteuer ist schlicht zu lang. Je nach Spielweise benötigt man ungefähr 20 bis 30 Stunden bis zum Abspann. Für ein Action Adventure klingt das zunächst ordentlich. Das Problem ist jedoch nicht die reine Spielzeit, sondern womit diese gefüllt wird. Beast of Reincarnation hätte hervorragend als fokussiertes, lineares Abenteuer mit vielleicht zehn bis fünfzehn Stunden funktioniert. Stattdessen wird die Kampagne insbesondere in der Mitte künstlich gestreckt.


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Insgesamt gibt es ungefähr 13 Gebiete, kleinere obligatorische Storyabschnitte eingeschlossen. Die erste Region begeistert durch Atmosphäre, Erkundung und Kämpfe. Danach wiederholt das Spiel seine Ideen jedoch über mehrere Stunden nahezu unverändert. Ähnliche Umgebungen, ähnliche Gegner, ähnliche Strukturen. Selbst Bosse werden innerhalb der Hauptgeschichte mehrfach wiederverwendet. Das ist besonders schade, weil der Einstieg zeigt, wie stark Beast of Reincarnation eigentlich sein könnte. Erst gegen Ende bringt Beast of Reincarnation wieder deutlich mehr Abwechslung in seine Schauplätze. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bei mir allerdings bereits eine gewisse Ermüdung eingestellt und ehrlich gesagt hatte ich keine Motivation mehr, das Spiel überhaupt zu beenden.


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Das grösste Ärgernis erwartet Konsolen-Spieler bei der technischen Umsetzung. Ich habe das Spiel zuerst auf einer Xbox Series X gespielt und hier traten erhebliche Probleme bei der Bildqualität auf. Das Upscaling wird selbst im Qualitätsmodus ausgesprochen aggressiv eingesetzt. Das Bild wirkt extrem unscharf und verwaschen. Besonders problematisch wird es bei der Beleuchtung. Die Lumen der Unreal Engine in Verbindung mit der niedrigen internen Auflösung machen aus der Grafik einen Matsch, der mich stellenweise regelrecht an Xbox 360 Zeiten erinnerte. Vor allem dunkle Szenen können stark flackern. Lichtquellen wirken instabil, Oberflächen verändern sichtbar ihre Darstellung und manche Szenen sehen aus, als würde sich das gesamte Bild langsam auflösen. Ich hab das Spiel dann auf dem PC fortgesetzt (Game Pass Ultimate sei dank), wo diese Probleme nicht auftraten. Game Freak war bislang nicht unbedingt für technische Meisterleistungen bekannt. Aber das hier ist schlicht inakzeptabel.


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Übrigens: Das Spiel ist komplett in japanischer Sprache vertont und es existiert keine Englische oder gar Deutsche Sprachausgabe. Untertitel zu lesen, währen die Action auf dem Bildschirm abgeht, war noch nie wirklich prickelnd.



Fazit:

Beast of Reincarnation beginnt stark, endet stark und verliert dazwischen viel zu oft den Faden. Das Kampfsystem macht Spass, Emma spielt sich angenehm direkt und Koo ist mehr als nur ein niedlicher Begleiter. Dazu kommen ein hervorragender Soundtrack und eine atmosphärische Welt, die zumindest zu Beginn einiges hermacht. Das Problem ist der Mittelteil. Zu viele ähnliche Gebiete, recycelte Bosse, eine Erkundung ohne echten Entdeckerdrang und ein Kampfsystem, das trotz zahlreicher Möglichkeiten viel zu stark auf perfektes Parieren reduziert wird. Aus einem konzentrierten Abenteuer mit zehn bis fünfzehn Stunden hätte ein richtig starkes Actionspiel werden können. Stattdessen zieht sich Beast of Reincarnation stellenweise wie Kaugummi. Auch technisch hinterlässt das Spiel keinen guten Eindruck. Schlechtes Upscaling, Flackern, Unschärfe und eine teilweise instabile Beleuchtung passen nicht zu einem Spiel dieser Grössenordnung. Beast of Reincarnation ist deshalb eine vertane Chance. Das Fundament stimmt, doch Game Freak packt so viel Ballast darauf, dass die besten Ideen darunter beinahe verschwinden.


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Beast of Reincarnation ist für PC, PS5 und Xbox Series erschienen. Wir haben das Spiel auf dem PC und der Xbox Series X gespielt. Ein Test-Muster gab es vom Publisher nicht, aber dank Game Pass konnten wir es trotzdem testen.


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