The(G)net Review: Biomutant

Es wurde auch langsam Zeit für ein neues Action-Rollenspiel! Biomutant hat sehr, sehr lange auf sich warten lassen. Umso grösser war unsere Vorfreude, das Abenteuer mit unserem grimmig-niedlichen Waschbären zu starten.


In Biomutant betreten wir eine postapokalyptische Open-World. Die Handlung spielt nach dem Aussterben der Menschheit. Diese hat sich nämlich durch Atomexperimente und Umweltverschmutzung selbst vernichtet. Das hat auch die Welt beeinflusst, denn in einigen Gebieten gibt es entweder keinen Sauerstoff mehr oder sie wurden durch Radioaktivität verseucht. Klingt in erster Linie düster, ist es aber nicht. Wie damals nach den Dinosauriern, ist auch nach dieser Katastrophe eine neue farbige Flora entstanden und neue Lebewesen bewohnen den Planeten: Lustige Arten mutierter Säugetiere mit drolligen Namen. Grosse und Kleine, Gute und Böse... und solche mit Elvis-Frisur.



Wir selbst sind so etwas wie ein Waschbär, irgendwie hässlich, irgendwie ganz süss. Der Protagonist der Geschichte wird von einer dunklen Vergangenheit verfolgt. Dieser gehen wir auf den Grund, indem wir in gewissen Quests Sprünge in die Vergangenheit erleben. Hier spielen wir als Kind und erfahren direkt, was damals alles Tragisches geschehen ist. Zurück in der Gegenwart treffen wir auf diverse Figuren, welche uns von unserer Bestimmung erzählen: Wir sollen den Baum des Lebens retten, indem wir die Weltenfresser besiegen. Klar könnten wir das tun. Oder aber wir tun’s einfach nicht. In Biomutant entscheiden wir nämlich selbst, ob wir gut oder böse sind. Dialogentscheide beeinflussen den Verlauf der Story, schalten Quests frei und verändern die Einstellung von NPCs zu unserem Charakter. Unsere Aura wird übrigens sehr niedlich dargestellt. Uns begleiten ein Engelchen und ein Teufelchen auf der Reise. Beide versuchen in verschiedensten Situationen uns auf ihre Seite zu ziehen.



Ob nun gut oder böse, müssen wir doch primär in der Story die Stammeskriege beenden und die 6 Stämme des Landes vereinen. Jeder Stamm verfügt über eigene Ansichten, wie auch ihm zugeteilte Gebiete. Mit welchem Stamm wir uns verbünden und welchen wir unterdrücken, ist dabei uns überlassen. Im Namen unserer verbündeten Stämme erobern wie dann Aussenposten und stürzen schliesslich das feindliche Hauptquartier. Das bringt diverse Belohnungen mit sich und schaltet den Handel mit dieser Enklave frei. Biomutant ist geprägt von "Decision Making" und das gefällt!



Den Helden im ewigen Zwiespalt dürfen wir ganz nach unseren Wünschen gestalten. Dabei ist die Charaktererstellung so ausgeprägt wie selten zuvor. Wir dürfen zwischen 6 Spezies wählen, allesamt Waschbär-Mutanten. Bereits diese Wahl beeinflusst unsere Attribute. Die einzelnen Eigenschaften können wir in einem nächsten Schritten noch weiter individualisieren. Setzen wir beispielsweise auf Bulk und Stärke, so wird unser Waschbär protzig und breit. Sind wir lieber fragil und schnell, so wird er dünn und verfügt über lange Arme und Beine. Oder aber wir setzen auf Intelligenz und damit verbundene Psi-Kräfte. In diesem Fall wird sein Kopf gross und der Körper eher klein. Unsere Empfehlung: Erstellt den Waschbär, wie er euch optisch am besten gefällt und macht euch wenig Sorgen um die Attribute, denn mit dem Erreichen einer neuen Stufe erhalten wir jedes Mal die Möglichkeit, einzelne davon zu verstärken. Die Entwicklung liegt somit gänzlich in unseren Händen. Weitere Dinge, die wir anpassen können, sind Widerstandskräfte gegen Hitze, Kälte, Biogefahren oder Radioaktivität, Fellmuster wie auch -Farbe und schliesslich die Klasse.



Die Klasse bestimmt unseren anfänglichen Kampfstil, wobei es uns im Verlauf des Spiels freisteht, diesen wieder zu ändern. Hier stehen die klassischen Stile zur Auswahl, vom ausgewogenen Kämpfer mit Einhand- und Schusswaffe, über Spezialisten in Nah- und Fernkampf, bis hin zum Berserker mit Zweihänder oder dem Magier. In der offenen Welt von Biomutant finden wir allerlei Waffen. Zusätzlich bietet uns das Crafting System die Möglichkeit, aus einfachem Schrott selber welche herzustellen. Eine Waffe zu nutzen ist aber kein Muss. Unser Held ist ein Meister der Martial Arts – in diesem Spiel "Wung-Fu" genannt!


Die Kampfmechanik in Biomutant machen echt Spass, genau weil wir alles selbst bestimmen. Für jeden Stil entwickeln wir neue Kombos oder Finisher Moves. Wir bewegen uns frei, dynamisch, springen herum, nutzen Nah-, Fernwaffen oder Wung-Fu und schleudern unsere Gegner durch perfektes Parieren in die Luft, wo wir sie weiter verhauen. Im Verlauf des Spiels sammeln wir Items, mit denen wir Special Moves freischalten, sogenannte Mutationen und Psi-Kräfte. Und als Fun-Element begleiten uns in den Kämpfen Icons und Sprechblasen im Comicstil. BAMM, WAMM, SCHMETTER, PLOPP – echt witzig!



Aber der Spass endet hier nicht. Neben Waffen und Rüstungen kommt etwas Entscheidendes zum Spielspass dazu: Reittiere und Maschinen! Unser Charakter begegnet auf seiner Reise nämlich den fantastischsten Wesen. Das erinnert stark an Harry Potter und ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch nützlich. Vor allem in einem Spiel, bei dem das Sprinten eher lahm ist. Was noch mehr Vorteile als die Reittiere beherbergt, sind die Maschinen. Im Verlauf der Zeit schalten wir immer neue frei und allesamt verfügen über einzigartige Funktionen. Sie erlauben es uns, Erkundungen unter Wasser zu tätigen, über Städte zu fliegen oder aber in verseuchte Gebiete vorzudringen, wo es beispielsweise keinen Sauerstoff gibt. Dabei sehen sie auch echt einzigartig aus: Das U-Boot erinnert an einen Tintenfisch, unser Kampfroboter hat einen Entenkopf und das andere – nennen wir es «Ding» – ist sowas wie das kalte Händchen aus Addams Family, einfach in gross. Das muss man schon selbst sehen!



Fazit:

Unter allen Indie-Games ist Biomutant mit Abstand das beste Spiel. Und es läuft sogar rund, mit nur wenigen Bugs. Da ist es kaum zu glauben, dass hinter Experiment 101 nur etwa 20 Leute stecken! In Biomutant wurden sämtliche Elemente verpackt, die wir Rollenspiel-Liebhaber feiern. Es ist abwechslungs- und umfangreich, humorvoll, actiongeladen und verfügt über eine tiefgründige Story. Durch die vielen Entscheidungsmöglichkeiten entsteht auch ein gewisser Wiederspiel-Faktor, da jede neue Reise eine andere Erfahrung mit sich bringt. Biomutant kommt ganz nah an die heutigen Triple A-Spiele ran, kein Zweifel. Nur die Grafik dürfte noch ein klein wenig hübscher sein.





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